Luigi Bertoni
italienischer Anarchist, Autor und Typograf
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Luigi Bertoni (* 6. Februar 1872 in Mailand; † 19. Januar 1947 in Genf) war ein in Italien geborener Schweizer Anarchist, Autor und Typograf.

Leben
Luigi Bertoni war ein Cousin von Brenno und Mosè Bertoni, wie diese stammte er aus dem Dorf Lottigna im Valle di Blenio. Die von dort ausgewanderten Familien waren oft im lombardischen Detailhandel tätig. Sein Vater betrieb eine Drogerie. Nach einer Ausbildung zum Typographen in Como, arbeitete er in Mendrisio und danach in Bellinzona.
1900 gründete Bertoni in Genf die zweimal monatlich zweisprachig in Italienisch und Französisch erscheinende anarchistische Zeitung Le Réveil/Il Risveglio. Diese Zeitschrift war das zentrale Organ der anarchistischen Bewegung in der Westschweiz. Sie erreichte nach anfänglich 1500 Exemplaren eine Auflage von bis 2500[1] Exemplaren.
1902 wurde er als Organisator des ersten Generalstreiks in Genf angeklagt und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Unter dem Druck der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften, die mit einem Generalstreik drohten, kam er nach 132 Tagen frei. Er stritt aktiv für die Fédération des Unions Ouvrières de la Suisse romande, einen Gewerkschaftsverband. 1906 wurde Bertoni abermals verhaftet und zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Die Anklage lautete auf das Schreiben eines Artikels zum Gedenken an den Anarchisten Gaetano Bresci.
Während des gesamten Zeitraums des Ersten Weltkriegs schrieb er Artikel und organisierte Konferenzen. 1918 wurde er zusammen mit zwei Dutzend meist italienischen Anarchisten für 13 Monate in Zürich inhaftiert unter der Anklage, Bombenanschläge in Italien und in Zürich geplant zu haben. Von diesen Anschuldigungen wurde er im Zürcher Bombenprozess im Juni 1919 vom Bundesstrafgericht unter dem Vorsitz von Agostino Soldati freigesprochen.
Bertoni motivierte viele Genfer Anarchisten zur Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Zweiten Republik, etwa Lucien Tronchet (1902–1982).[2] In Le Réveil übte er scharfe Kritik an Hitlers Nazismus, am Faschismus Mussolinis und am Bolschewismus Stalins. Als sich die Schweiz im Zweiten Weltkrieg befand, wurde die Zeitschrift, so wie eine Reihe anderer Publikationen, im August 1940 verboten. Bertoni veröffentlichte darauf mit André Bösiger eine Broschüre deutlich kleineren Umfangs, da ihnen im Zuge der staatlichen Überwachung nur noch wenig Papier zugeteilt wurde.[1]
Werke
- Almanacco socialista-anarchico. (Mitherausgeber), 1899.
- Cesarismo e fascismo. Genf 1928.
Literatur
- Gianpiero Bottinelli: Luigi Bertoni: La coerenza di un anarchico. Lugano 1997. ISBN 88-88992-04-9; derselbe: Die Stimme der Freiheit. Luigi Bertoni und der Anarchismus in der schweizerischen ArbeiterInnenbewegung. Bern 2013. ISBN 978-3-905984-09-5
- Giovanni Casagrande: Luigi Bertoni dalla ‘rivoluzione borghese’ allo sciopero generale (1890–1902). Appunti per la biografia di un anarchico dimenticato, Lizentiatsarbeit, Basel 1988; derselbe Schedature d’inizio secolo: il caso di Luigi Bertoni. In: Archivio storico ticinese. 28, N. 109, Bellinzona 1991, S. 140–153. ISSN 0004-0371; derselbe: Mises en fiche du début du siècle: le cas de Luigi Bertoni. In: Cent ans de police politique en Suisse (1889–1989). Association pour l’étude de l’histoire du mouvement ouvrier, Editions d’En bas, Lausanne 1992, S. 63–80.
- Luigi Bertoni. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 9. Oktober 2002.
- Celestino Trezzini: Luigi Bertoni. In Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 2, S. 205 (PDF Digitalisat), abgerufen am 9. Oktober 2017.
Weblinks
- Publikationen von und über Luigi Bertoni im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Nachlass Luigi Bertoni im IISG in Amsterdam