Mendrisio

Stadtgemeinde im Kanton Tessin in der Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Mendrisio ist eine politische Gemeinde und Kleinstadt im Schweizer Kanton Tessin. Es ist Hauptort sowohl des Kreises Mendrisio wie auch des Bezirks Mendrisio. Der deutsche, aus dem lombardischen übernommene Name Mendris wird nicht mehr verwendet. Die Bewohner werden Mendriser oder Mendrisier genannt.

Schnelle Fakten Lage der Gemeinde ...
Mendrisio
Wappen von Mendrisio
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Mendrisiow
Kreis: Kreis Mendrisio
BFS-Nr.: 5254i1f3f4
Postleitzahl: 6825 Capolago
6850 Mendrisio
6852 Genestrerio
6853 Ligornetto
6862 Rancate
6863 Besazio
6864 Arzo
6865 Tremona
6866 Meride
6872 Salorino
UN/LOCODE: CH MEN
Koordinaten: 719957 / 80629
Höhe: 354 m ü. M.
Höhenbereich: 270–1467 m ü. M.[1]
Fläche: 31,77 km²[2]
Einwohner: i15'085 (31. Dezember 2024)[3]
Einwohnerdichte: 475 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
25,8 %
(31. Dezember 2024)[4]
Stadtpräsident: Samuele Cavadini (FDP)
Website: www.mendrisio.ch
Mendrisio
Mendrisio
Lage der Gemeinde
Karte von Mendrisio
Karte von Mendrisio
Weitere Karten
Stadt Mendrisio
Stadt Mendrisio

Quartiere von Mendrisio
Quartiere von Mendrisio
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Geographie

Mendrisio. Historisches Luftbild von Werner Friedli (1964)

Mendrisio liegt am Laveggio etwa 18 Kilometer südlich von Lugano und etwa fünf Kilometer von der Grenze zu Italien entfernt. Das Gemeindegebiet erstreckt sich hinauf bis zum Gebiet «Bellavista» auf dem Monte Generoso.

Die Nachbargemeinden sind im Norden Brusino Arsizio, Val Mara und Riva San Vitale, im Osten Castel San Pietro, im Süden Coldrerio, Novazzano, Bizzarone (IT-CO) und Stabio, im Westen Porto Ceresio (IT-VA), Besano (IT-VA), Viggiù (IT-VA), Clivio (IT-VA) und Saltrio (IT-VA).

Mendrisio ist ein Zentrum der Agglomeration Chiasso-Mendrisio mit 50'826 Einwohnern.[5]

Klima

Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 11,6 °C, wobei im Januar mit 1,6 °C die kältesten und im Juli mit 21,7 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 97 Frosttage und ein bis zwei Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 83, während im Durchschnitt 18,2 Hitzetage zu verzeichnen sind. Die Messstation von MeteoSchweiz befindet sich in der Gemeinde Stabio, auf einer Höhe von 351 m ü. M., ca. 5 km südwestlich des Ortszentrums (Luftlinie).

Schnelle Fakten Stabio, Klimadiagramm ...
Stabio
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
74
 
8
-3
 
 
75
 
10
-3
 
 
83
 
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10
 
 
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14
 
 
121
 
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139
 
27
15
 
 
156
 
23
11
 
 
160
 
17
7
 
 
202
 
12
2
 
 
91
 
8
-2
_ Temperatur (°C)   _ Niederschlag (mm)
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[6]
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Stabio
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) 1,6 3,1 7,6 11,3 15,7 19,7 21,7 21,1 16,6 11,9 6,7 2,2 11,6
Mittl. Tagesmax. (°C) 7,5 9,5 14,1 17,4 21,5 25,7 28,0 27,4 22,5 17,1 11,7 7,7 17,5
Mittl. Tagesmin. (°C) −3,0 −2,6 1,0 4,8 9,6 13,6 15,4 15,3 11,4 7,4 2,4 −2,2 6,1
Niederschlag (mm) 74 75 83 141 172 147 121 139 156 160 202 91 Σ 1561
Sonnenstunden (h/d) 3,9 4,8 5,9 5,9 6,5 7,6 8,6 7,8 5,8 4,1 3,4 3,3 5,6
Regentage (d) 5,5 5,4 6,4 10,1 10,9 9,7 7,4 8,5 8,1 8,8 9,6 6,2 Σ 96,6
Luftfeuchtigkeit (%) 78 72 66 69 72 72 71 75 79 83 82 80 74,9
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[7]

Geschichte

Gründung und Mittelalter

Dass Mendrisio zur Zeit der Kelten und Römer besiedelt war, wird durch eine Denktafel für Publius Valerius Dromone im alten Glockenturm bestätigt. Erstmals wird Mendrisio 793 als Mendrici erwähnt, vermutlich ein Genitiv von Mendricus oder Manricus, der Name eines Anführers eines langobardischen Stammes.

Im Mittelalter gehörte Mendrisio mit seinen drei Burgen zum Einflussbereich der Stadt Como. 1335 wurde Mendrisio zusammen mit Como Teil des Staates von Mailand.[8]

15. bis 16. Jahrhundert

1433 übergab der Herzog von Mailand Filippo Maria Visconti das Dorf Mendrisio der Familie Sanseverino, die 1485 den Ort verliess. Mendrisio kam unter die direkte Kontrolle des Herzogs von Mailand. 1499 wurde das Mendrisiotto von den Franzosen besetzt, nach 1517 durch die Eidgenossen erobert.

18. bis 20. Jahrhundert

Von 1810 bis 1813 wurde das Gebiet vorübergehend von den Truppen des Königreichs Italien besetzt.[9]

Gemeindefusionen

Mendrisio fusionierte am 4. April 2004 mit der früheren Gemeinde Salorino. Am 5. April 2009 wurde die Fusion der Gemeinden Arzo, Capolago, Genestrerio, Mendrisio, Rancate und Tremona zur neuen Gemeinde Mendrisio rechtskräftig. Am 13. April 2013 wurden Meride, Ligornetto und Besazio eingemeindet.

Stadtquartiere

Stand Einwohnerzahlen: 31. Dezember 2024[10]

Weitere Informationen Quartier, Eingemeindung ...
QuartierEingemeindungEinwohnerzahl
Quartiere von Mendrisio
Arzo 5. April 2009 1251
Besazio 14. April 2013 593
Capolago 5. April 2009 881
Genestrerio 5. April 2009 1153
Ligornetto 14. April 2013 1807
Mendrisio 7308
Meride 14. April 2013 299
Rancate 5. April 2009 1578
Salorino 4. April 2004 504
Tremona 5. April 2009 488
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Bevölkerung

Einwohnerzahlen: Volkszählungsdaten[11][12]

Eingemeindungen: Am 4. April 2004 wurde Salorino, am 5. April 2009 wurden Arzo, Capolago, Genestrerio, Rancate und Tremona und am 13. April 2013 Besazio, Ligornetto und Meride nach Mendrisio eingemeindet.

Politik

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1
2
15
18
6
7
11 1 2 15 18 6 7 
Insgesamt 60 Sitze

Gemeindebehörden

Die Legislative der Stadt Mendrisio ist der Consiglio comunale (Gemeindeparlament), bestehend aus 60 Mitgliedern. Die rechts stehende Grafik zeigt die Zusammensetzung nach den Wahlen vom 14. April 2024.[13]

Die Exekutive wird gebildet durch den siebenköpfigen Municipio (Gemeinderat). Nach den Wahlen von 2024 setzt er sich wie folgt zusammen: 2 Il Centro–Verdi Liberali (Die MitteGLP), 2 Partito Liberale Radicale e GLR (FDP), 1 Verdi e Sinistra (GrüneSP), 1 Lega, 1 UDC (SVP).[13] Ihm steht der Sindaco (Stadtpräsident) Samuele Cavadini (FDP) vor.

Nationale Wahlen

Anlässlich der Nationalratswahlen 2023 betrugen die Stimmenanteile der Parteien in Mendrisio: Die Mitte 20,9 %, FDP 20,1 %, SVP 15,9 %, Lega 12,2 %, SP 11,5 %, Grüne 10,1 %, GLP 1,6 %.[14]

Verkehr

Mendrisio liegt an der Bahnlinie Lugano – Como und ist Ausgangspunkt der Bahnstrecke Mendrisio–Varese, die 2018 in Betrieb genommen wurde.[15]

In der ersten Hälfte der 1990er-Jahre litt das Tessin und insbesondere das Mendrisiotto unter der weltweiten Wirtschaftskrise. In dieser Situation war der Grossversuch «VEL-1 Mendrisio» eine willkommene Konjunkturspritze. Zwischen 1994 und 2001 wurden 400 Elektrofahrzeuge an private Kunden verkauft und 80 Ladestationen aufgebaut. Deren Einsatz wurde über mehrere Jahre begleitet und erforscht.[16]

Der Einsatz von Elektrofahrzeugen wurde mit dem Grossversuch in Mendrisio nachgewiesen. Im Kanton Tessin folgte 2001–2004 das Projekt VEL2. Dieses zielte ebenfalls auf eine Sensibilisierung[17] der Bevölkerung für energieeffiziente Fahrzeuge ab. Damit wird eine Senkung des Energieverbrauchs respektive eine Reduktion der CO2-Emissionen angestrebt. Das Folgeprojekt zum Grossversuch sollte die Brücke schlagen zu VEL3 (2005–2013), das einen selbsttragenden, neutralen Bonus-Malus vorsieht. Durch den Grossversuch schuf sich Mendrisio einen internationalen Namen als Kompetenzzentrum für Elektrofahrzeuge. Siehe dazu Elektromobilität in der Schweiz.

Bildung und Forschung

Die Stadt Mendrisio verfügt über neun Kindergärten (Mendrisio Nord, Mendrisio Sud, Arzo, Capolago, Genestrerio, Ligornetto, Meride, Rancate und Salorino),[18] vier Primarschulen (Mendrisio, Arzo, Ligornetto und Rancate),[19] eine Sekundarschule (Scuola media), ein Gymnasium (Liceo)[20] und eine technische Berufsschule.[21] Ausserdem befindet sich die Architekturakademie der Università della Svizzera italiana in Mendrisio.[22][23]

In Mendrisio steht das Neuropsychiatrische Kantonsspital.[24]

Kultur

Veranstaltungen

In der Karwoche finden am Gründonnerstag und am Karfreitag Prozessionen in Mendrisio statt.[25] Das Alter dieser Tradition ist nicht bekannt, die Umzüge mit rund 270 Darstellern finden aber mindestens seit dem 17. Jahrhundert statt. Bis in die 1950er Jahre wurden dabei Frauenfiguren von Männern gespielt. An den Abenden der Umzüge werden die zahllosen über die ganze Route verteilten Laternenbilder (italienisch trasparenti) beleuchtet. Die ersten dieser Laternen wurden in den 1790er Jahren von Giovanni Battista Bagutti gemalt.[26] Die Darsteller tragen ebenfalls bemalte Laternen. Im Jahr 2019 wurden die Prozessionen in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.[27][28] Seit 2017 ist den Laternenbildern in der Casa Croci ein kleines Museum gewidmet (Museo del Trasparente).[29]

Seit 1983 findet jährlich im Herbst das Volksfest Palio di Mendrisio statt, dessen Höhepunkt ein Eselrennen war, das auf Drängen von Tierschutzorganisationen 2024 aufgegeben wurde.[30] Ebenfalls im Herbst findet jeweils die Sagra dell'uva (Traubenfest) statt, bei dem Bauern und Winzer aus dem Mendrisiotto ihre Produkte feilbieten.[31] Das Lugano Estival Jazz im Sommer findet jeweils zu einem kleineren Teil auch in Mendrisio statt.

Museen

Bibliotheken und Archive

  • Kantonsbibliothek (Biblioteca cantonale Mendrisio)[33]
  • Archivio del Moderno[34]
  • Archivio Armand Rondez[35]

Sehenswürdigkeiten

Das Dorfbild ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.[36]

Profanbauten

  • Palazzo Torriani, ehemaliger Adelssitz der Torriani (Della Torre), Baugeschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück
  • Palazzo Busioni, im 15. Jahrhundert erbaut, seither mehrere Umbauten
  • Palazzo Pollini, barocker Palast aus dem 18. Jahrhundert
  • Aus dem 19. Jahrhundert stammen die Casa Croci (1858), der Palazzo Turconi (1860 als Spital eröffnet, beherbergt seit 1996 die Architekturakademie), das ehemalige «Hôtel Mendrisio» von Bernardino Pasta (ab 1869, heute Altersheim Torriani),[37] die Villa Argentina (1870er Jahre, Sitz der Architekturakademie) und die Villa Foresta (1872).
  • Kino Mignon, Jugendstil-Bau
  • Casa dell’accademia, Wohnheim der Architekturakademie

Kirchen

  • Santa Maria, älteste Kirche des Zentrums, steht auf den Resten einer römischen Villa, im 16. und 17. Jahrhundert neugebaut, vom früheren Oratorium ist noch ein Teil des Glockenturms erhalten
  • San Giovanni Battista, 1722–1738 im Stil des Spätbarocks errichtet, Teil des ehemaligen Servitenkonvents (heute Museo d’arte Mendrisio)
  • Santi Cosma e Damiano, 1863–1875 nach Plänen von Luigi Fontana neugebaut
  • San Martino nordwestlich der Stadt, im Hochmittelalter gebaut
  • San Sisinio im Ortsteil Alla Torre, ebenfalls romanische Kirche[38]

Weitere

Sport

Der Fussballverein FC Mendrisio spielte zwischen 1948 und 1985 insgesamt 17 Saisons in der Nationalliga B und erreichte 1971 den Halbfinal des Schweizer Cups. Derzeit spielt er in der 1. Liga Classic. Seine Heimspiele trägt er im 4260 Zuschauer fassenden Stadio comunale aus.

Die erste Mannschaft der Damen des Unihockeyvereins Sportiva Unihockey Mendrisiotto spielt seit 2019 in der Nationalliga A.

Zwischen 2004 und 2006 diente Mendrisio als Startort der Lombardei-Rundfahrt. Das italienische Eintagesrennen, das zu den Monumenten des Radsports zählt, hielt in der Schweizer Gemeinde seine einzigen Auslandstarts ab.[41] Die Strassenradsport-Weltmeisterschaften 2009 fanden in Mendrisio statt.

Persönlichkeiten

Literatur

Einzelnachweise

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