Léon-Ernest Drivier
französischer Bildhauer und Maler
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Leben
Léon-Ernest Drivier erhielt seine erste künstlerische Ausbildung in Grenoble bei Eustache Bernard. Anschließend studierte er an der École des Beaux-Arts in Paris bei Louis-Ernest Barrias, wo er sich eingehend mit der Florentiner Kunst, insbesondere dem Werk Donatellos, beschäftigte. Um 1900 – nach anderen Angaben ab 1905 – schloss er sich der um den Bildhauer Lucien Schnegg gruppierten Künstlergemeinschaft an, die später als Bande à Schnegg bekannt wurde. Aus dieser Zeit datieren auch enge freundschaftliche Beziehungen zu Charles Despiau und Aristide Maillol. Ab 1907 war Drivier Schüler und Mitarbeiter von Auguste Rodin. Léon-Ernest Drivier war Mitbegründer des Salon des Tuileries (1923) und wirkte an Restaurierungs- und Ausstattungsarbeiten an der Mairie des 5. Arrondissements in Paris mit. Er wurde zum Chevalier der Légion d’honneur ernannt. 1943 erfolgte seine Wahl in die Académie des Beaux-Arts.[2]
Werk
Das Schaffen von Léon-Ernest Drivier ist in der offiziellen akademischen Kunst des 19. Jahrhunderts verwurzelt und öffnet sich zugleich einer modernen Formensprache, die vor allem von Rodin und der antiken Skulptur beeinflusst ist. Die stilistisch vielgestaltige Entwicklung seines Œuvres verläuft von einer bewegten Formgebung und komplexen Körperhaltungen hin zu einer zunehmend ausgewogenen, strengen und hieratischen Auffassung der Figur. Charakteristisch sind eine konstruktive Verfestigung der Form, die Betonung der Fläche, zeichnerische Präzision und eine klare Konturenführung.[2][3]

Thematisch konzentrierte sich Léon-Ernest Drivier auf Darstellungen von Frauen, insbesondere auf weibliche Akte, sowie auf psychologisch einfühlsame Porträtbüsten. Daneben schuf er Genredarstellungen, Torsi und zahlreiche polychrome Skulpturen. Darüber hinaus schuf er bedeutende Monumentalskulpturen, darunter Denkmäler in Frankreich und im Ausland. Außerdem fertigte er Medaillen, Pastelle, Aquarelle, Gouachen und Zeichnungen sowie Entwürfe für Möbel. Für André Chéniers Werk L’Aveugle schuf er zehn Lithografien, die 1928 bei G. Crès erschienen.[2][3]
Ausstellungen
Ab 1897 war Léon-Ernest Drivier im Salon der Société des Artistes Français vertreten. Ab 1910 stellte er – außer Konkurrenz – im Salon der Société Nationale des Beaux-Arts aus. Seit 1923 beteiligte er sich regelmäßig am Salon des Tuileries. 1931 nahm er an der Exposition coloniale internationale in Paris teil. 1928 und 1932 war er auf der Biennale di Venezia vertreten.[2]
Auswahl öffentlicher Werke
- Grenoble, Place Victor-Hugo: Denkmal für General de Beylié, 1913. – Musée de Grenoble: La Sérénité (Jeune mère embrassant son enfant), Gips, 1904; Büste Eustache Bernard, Gips, 1905; Büste Paul Gallimard, Bronze, 1906; La Jeunesse (Femme couchée), Gips, 1909.
- Paris, Place Édouard-Renard, Fontaine de la Porte Dorée: La France apportant la paix et la prospérité aux colonies, vergoldete Bronze, 1931. – Place des États-Unis: Büste Myron T. Herrick, Bronze. – Jardin de Chaillot: La Joie de vivre. – Flachreliefs an mehreren Pariser Wohnhäusern.
- Straßburg, Place de la République: Kriegerdenkmal für die gefallenen Elsässer des Ersten Weltkriegs, eingeweiht 1936.
- Werke Driviers befinden sich außerdem in den Museen von Aix-les-Bains (Musée Faure), Algier (Musée national des beaux-arts d’Alger), Cambrai, Cholet, Lausanne (Musée cantonal des Beaux-Arts), Lyon und Mont-de-Marsan (Musée Despiau-Wlérick).
Literatur
- Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 9. E. A. Seemann, Leipzig 1913.
- Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 1. E. A. Seemann, Leipzig 1953; Band 5. E. A. Seemann, Leipzig 1961.
- La sculpture française au XIXe siècle. Ausstellungskatalog Grand Palais. Réunion des musées nationaux, Paris 1986.
- Peintures et sculptures du XIXe siècle. La collection du Musée de Grenoble. Ausstellungskatalog. Paris 1995.
- Gilles Belleiche: Statues de Paris. Les rues de la rive gauche. Parigramme, Paris 2006.
- Marie-Anne Delesalle: Si Drivier m'était conté : Léon-Ernest Drivier (1878–1951). Éditions Complicités, Paris 2019.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 4: Cossintino – Dyck. Paris, 2006.
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
