Musée national des Beaux-Arts d’Alger

Kunstmuseum in Algerien From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Musée national des Beaux-Arts d’Alger (arabisch المتحف الوطني للفنون الجميلة, DMG al-Matḥaf al-Waṭanī li-l-Funūn al-Ǧamīla; Nationales Museum der Schönen Künste Algier) ist das bedeutendste Kunstmuseum Algeriens. Es befindet sich in Algiers Stadtviertel Hamma, unmittelbar neben dem Botanischen Garten Jardin d’Essai du Hamma. Es wurde am 5. Mai 1930 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und gilt als eines der größten Kunstmuseen Afrikas und der arabischen Welt.[1]

Skulpturengalerie mit dem Héraclès archer (Herkules mit dem Bogen) von Antoine Bourdelle
Blick vom Botanischen Garten auf das Museumsgebäude

Geschichte

Vorläufereinrichtungen (1875–1928)

Die Ursprünge des Museums reichen in das späte 19. Jahrhundert zurück. Zunächst wurden die städtischen Kunstwerke in den baufälligen Räumlichkeiten der im Jahr 1875 von Hippolyte Lazerges gegründeten Société des Beaux-Arts untergebracht. Erst 1897 erhielt die Sammlung ein eigenes Gebäude, das jedoch Räumlichkeiten einer Lehrerausbildungsschule teilte. Im Jahr 1908 wurde eine frühere Kaserne am heutigen Standort des Safir-Hotels für Kunstzwecke gewidmet und am 30. Mai 1908 eröffnet. Dieses neue Stadtmuseum stand bis 1910 unter der Leitung von Charles de Galland, war jedoch baufällig und wenig funktional. Zwischen 1908 und 1928 schloss das Stadtmuseum Algier nach zwanzigjährigem Betrieb seine Pforten.[1]

Gründung und Aufbau der Nationalsammlung (1927–1931)

Eugène Delacroix (1798–1863) – Giaour traversant un gué

Die Sammlungsbestände des alten Stadtmuseums wurden nach Constantine überführt, um dort das Kunstmuseum zu eröffnen. Gleichzeitig begann man 1927 mit dem Aufbau der Kollektionen für das neue Nationalmuseum in Algier. Mit dieser Aufgabe wurde der Kunsthistoriker Jean Alazard betraut, der damalige Dekan der Philosophischen Fakultät Algier. Auf Vorschlag Alazards entschied eine eigens eingesetzte Kommission unter dem Vorsitz von Paul Léon über die endgültigen Ankäufe. Zu den Mitgliedern zählten Mouillé (Unterstaatssekretär für Schöne Künste), Jean Guiffrey und Paul Jamot (Konservatoren des Louvre), Raymond Koechlin (Präsident des Conseil des musées nationaux) sowie Charles Masson und Robert Rey (Konservatoren des Musée du Luxembourg). Dank der für das Jubiläumsjahr bewilligten Mittel konnten innerhalb von zwei Jahren insgesamt 498 Werke erworben werden, darunter zeitgenössische Plastiken sowie klassische Werke der Kunstgeschichte. Das Musée des Beaux-Arts d’Alger wurde am 5. Mai 1930 für das Publikum geöffnet. Die Eröffnung stand im Kontext der Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jahrestag der französischen Besitznahme Algeriens. Jean Alazard leitete das Museum von 1930 bis zu seinem Tod im Jahr 1960 als Konservator.[1]

Ereignisse um die algerische Unabhängigkeit (1961–1970)

Am 26. November 1961 sprengten Kommandos der Organisation armée secrète (OAS) eine Skulptur von Antoine Bourdelle im Innenhof des Museums. Dabei wurden das Erdgeschoss sowie die Plastik beschädigt.[2] Am 14. Mai 1962 wurden über 300 Kunstwerke zunächst unter Militärbegleitung nach Marseille und von dort aus in den Louvre nach Paris gebracht. Die Sendung umfasste Werke von Claude Monet, Eugène Delacroix und Gustave Courbet. Die Mitarbeiter des Museums wurden nicht informiert und entdeckten die fehlenden Stücke erst, als sie die leeren Rahmen sahen. Der damalige Museumsdirektor Jean de Maisonseul informierte daraufhin die französische Seite.[1]

Auf der Grundlage der Verträge von Évian vom März 1962 sollten alle Einrichtungen, die unter kolonialer Verwaltung aus Mitteln der autonomen Kolonialverwaltung in Algerien finanziert worden waren, unter algerische Kontrolle fallen. Die Verhandlungen über die Rückgabe der Werke begannen im Mai 1967 und trotz des Protests des französischen Außenministers Michel Debré wurden die Werke bis 1970 nach Algerien zurückgebracht.[1]

Nach der Unabhängigkeit

Ab 1963 wurde durch die Schenkung des Fonds art et révolution zeitgenössische Kunst in das Museum aufgenommen. Eine Gruppe international renommierter Künstler, die dem Unabhängigkeitskampf des algerischen Volkes verbunden waren, überließ dem Museum ihre Werke. Im Jahr 2012 schenkte die BNP Paribas dem Museum über ihre algerische Tochtergesellschaft zwei Gemälde des Orientalisten Étienne Dinet: L’Aveugle und L’Embuscade, die beide aus Dinets algerischer Schaffensperiode stammen. Die bis dahin bedeutendste Schenkung in der Geschichte des unabhängigen Algeriens erfolgte im Jahr 2013, als der algerische Notar Maître Salim Becha dem algerischen Kulturministerium eine Kollektion von nahezu 8.000 archäologischen Objekten und Kunstwerken überließ, von denen ein Teil an das Museum ging.[1]

Architektur

Pergola

Das Museum wurde nach einem Entwurf des in Guelma geborenen Architekten Paul Guion errichtet. Es handelt sich um einen viergeschossigen Bau im Art-déco-Stil, der eine Synthese verschiedener dekorativer Einflüsse darstellt. Elemente der mittelalterlichen islamischen Kunst, der antiken mediterranen Architektur und der Formensprache der 1930er Jahre verbinden sich zu einem charakteristischen Gesamtbild. Guion entschied sich für einen geradlinigen monumentalen Stil, dessen architektonische Elemente sich im Mobiliar des Innenraums widerspiegeln. Dieses wurde von Louis Fernez entworfen, der Professor an der Nationalen Kunstschule Algier war. Einzelne Stücke wurden beim Innenausstatter Francis Jourdain in Auftrag gegeben. Die Bauarbeiten begannen 1928 und wurden rasch abgeschlossen. Zu den Besonderheiten des Gebäudes gehören eine hängende Pergola nach italienischem Vorbild und ein begehbarer Park mit verschiedenen Arten der mediterranen und afrikanischen Pflanzenwelt.

Das Gebäude gliedert sich in drei Hauptebenen: Im Erdgeschoss befindet sich der Abgusssaal, im ersten Obergeschoss der Bereich für moderne Plastik und in den oberen Geschossen die Gemäldegalerien. Insgesamt verfügt das Museum über 35 Gemäldesäle, eine Skulpturengalerie, eine Abgussgalerie, eine Bibliothek und ein Grafikkabinett.

Sammlung

Die Sammlung umfasst mehr als 8000 Werke, darunter Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und alte Stiche, Skulpturen, Keramik, Glasarbeiten sowie altes Mobiliar, Kunsthandwerk und eine numismatische Sammlung. Die grafische Sammlung umfasst rund 1700 Zeichnungen, Druckgrafiken und Lithografien aus verschiedenen europäischen Schulen vom 15. Jahrhundert bis zur Neuzeit. Der Sammlungsbestand (14.–20. Jahrhundert) beginnt mit dem Werk Die Taufe Christi (1367) des italienischen Malers Barnaba da Modena. Zu den ausgestellten Werken zählen Gemälde niederländischer und französischer Meister wie Hendrick ter Brugghen, Moses van Uyttenbroeck, Jan van Goyen, Henri Matisse, Honoré Daumier, Pierre-Auguste Renoir, Paul Gauguin und Camille Pissarro. Darüber hinaus besitzt das Museum Skulpturen von Auguste Rodin und Paul Belmondo.[3][4]

Werke (Auswahl)

École d’Alger und Preisträger der Villa Abd-el-Tif

Der Bestand der sogenannten École d’Alger und der Preisträger der Villa Abd-el-Tif umfasst mehr als 1500 Werke. Unter diesen Bezeichnungen werden Arbeiten von Malern, Kupferstechern und Aquarellisten zusammengefasst, die in Algerien geboren wurden oder dort wirkten. Zu ihnen gehört der Bildhauer Paul Belmondo, Preisträger des Prix de Rome und des Grand Prix d’Algérie (1936). Zu den algerischen Künstlerinnen und Künstlern, die im Museum vertreten sind, gehören Baya, Bachir Yellès und Mohammed Racim, Azouaou Mammeri, Mohamed Temmam und Abdelhalim Hemche.[3]

Orientalismus und algerische Gegenwartskunst

Seit 2007 beherbergen zwei neue Säle Werke des Orientalismus des 18. Jahrhunderts sowie Arbeiten, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Algerien inspiriert wurden. Diese Säle tragen die Namen der beiden Pioniere der algerischen Moderne, Mohamed Temmam und Mohamed Louaïl. Ein ganzes Stockwerk ist der algerischen Kunst des 20. Jahrhunderts gewidmet.[3]

Literatur

  • Jean Alazard: Le Musée des Beaux-Arts d’Alger. Henri Laurens, Paris 1930 (= Collections publiques de France. Memoranda).
  • Jean Alazard, Max-Pol Fouchet; Vorwort Georges Huisman: Catalogue des peintures et sculptures exposées dans les galeries du Musée National des Beaux-Arts d’Alger. Henri Laurens, Paris 1936–1938.
  • Jean Alazard: Catalogue des peintures et sculptures exposées dans les galeries du musée national des beaux-arts d’Alger. Henri Laurens, Paris 1939.
  • Max-Pol Fouchet, Jean Alazard: Catalogue des dessins, gravures, moulages etc. et supplément au catalogue des peintures et sculptures du musée national des beaux-arts d’Alger. Henri Laurens, Paris 1939.
  • Dalila Mahammed Orfali: Chefs d’œuvres du Musée National des Beaux-Arts d’Alger. Musée National des Beaux-Arts d’Alger, Algier 1999.
  • Magali Leroy-Terquem, André Ravillard, Georges Marçais u. a.: Alger, la Casbah et Paul Guion. Publisud (= Patrimoines), Paris 2005.
  • Musées d’Algérie, l’Art Populaire et Contemporain. Collection Art et Culture, Ministère de l’Information et la Culture, SNED, Algier 1973.

Einzelnachweise

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