Léontine Meijer-van Mensch
niederländische Historikerin, Museologin und Museumsdirektorin
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Léontine Meijer-van Mensch (geboren 1972 in Hilversum) ist eine niederländische Museologin und Museumsdirektorin. Von 2014 bis 2017 war sie stellvertretende Direktorin des Museums Europäischer Kulturen und von 2017 bis 2019 Programmdirektorin sowie Stellvertretende Direktorin des Jüdischen Museums in Berlin. Sie leitete von 2019 bis 2024 die Staatlichen Ethnografischen Sammlungen Sachsen und ist seit 2024 als Gründungsdirektorin des in Gründung befindlichen Rotterdamer Stadtmuseums tätig.
Leben und Wirken
Léontine Meijer-van Mensch studierte von 1993 bis 1999 Neue und Theoretische Geschichte und Jüdische Studien in Amsterdam, Jerusalem (1996–1997) und Berlin (1997–1999) sowie von 1999 bis 2001 den Studiengang „Schutz Europäischer Kulturgüter“ mit Schwerpunkt Museologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).[1] In den Gründungsjahren von 2001 bis 2005 war sie freie Mitarbeiterin in der Bildungsabteilung des Jüdischen Museums Berlin. Von 2003 bis 2005 arbeitete sie als Projektkoordinatorin des Graduiertenkollegs „Europa Fellows II“ am Collegium Polonicum in Słubice, Polen.[2] Ab 2006 war sie im Jüdischen Historischen Museum Amsterdam in der Bildungsabteilung und im Anschluss bis 2014 an der Reinwardt Akademie der Amsterdamer Hochschule der Künste als Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin für museologische Theorie und Berufsethik tätig.[2]
Von 2014 bis 2017 war sie stellvertretende Direktorin des Museums Europäischer Kulturen in Berlin.[3] Von 2017 bis 2019 arbeitete sie als Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin und Stellvertreterin des Direktors. In dieser Zeit begleitete sie insbesondere die Einrichtung des Kindermuseums Anoha.[2] Im Februar 2019 übernahm sie in der Nachfolge von Nanette Jacomijn Snoep die Leitung der Staatlichen Ethnografischen Sammlungen Sachsen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, zu dem das Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig, das Museum für Völkerkunde Dresden und das Völkerkundemuseum Herrnhut zählen.[4] Zum 1. Oktober 2024 wechselte sie nach Rotterdam als Gründungsdirektorin des dort neu entstehenden Stadtmuseums.[5]
Von 2010 bis 2016 war sie Gründungspräsidentin des International Committee for Collecting. 2016 wurde sie für drei Jahre in das Executive Council des Internationalen Museumsrats (ICOM) gewählt. Sie ist darüber hinaus seit September 2023 Vorsitzende der Ethikkommission der ICOM.[6] Seit 2014 ist sie Redaktionsmitglied der ICOM-Zeitschrift. Ab November 2016 gehört sie dem Vorstand des Landesverbandes der Museen zu Berlin e. V. an.
Léontine Meijer-van Mensch ist mit Peter van Mensch verheiratet.[2]
Arbeitsschwerpunkte
Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören partizipative Strategien in der Museumsarbeit, zeitgemäße Aufarbeitung und Aufbereitung von Sammlungen sowie die Rolle von Museen in der Gesellschaft.
In der Zeit ihrer Direktion bei den Staatlichen Ethnografischen Sammlungen Sachsen nahm sie eine führende Rolle in der Debatte zur Zukunft der Völkerkundemuseen ein, dazu gehört auch die Neugestaltung des Museums für Völkerkunde zu Leipzig mit dem fortlaufenden Programm Reinventing Grassi.SKD.[7] In diesem Zusammenhang setzte sie sich für die Themen Repatriierung und Restitution von Kunst ein und stieß eine öffentliche Auseinandersetzung über die Rückführung geraubter Objekte an deren Herkunftsgesellschaften an.[8] Statt die etwa zur Sammlung gehörenden Benin-Bronzen zu zeigen, wurden kritische Perspektiven auf die ethnologische Sammlung und ihre Erwerbs- und Ausstellungsgeschichte sichtbar gemacht. 2021 machte der nigerianische Künstler Emeka Ogboh mit der öffentlichen Plakataktion Missing in Benin in Dresden auf die Bedeutung des Verlusts der Bronzen für ihr Herkunftsland aufmerksam.[9] In der Folge sah sich Léontine Meijer-van Mensch Angriffen aus den Reihen der AfD und weiteren Akteuren der politischen Rechten in Sachsen ausgesetzt.[5]
Auszeichnungen
- 2022: Kenneth Hudson Award for Institutional Courage and Professional Integrity des European Museum Forum, zusammen mit Wayne Modest, Nanette Snoep und Laura van Broekhoven[10]
Weblinks
- Profil Léontine Meijer-van Mensch auf der Website des Jüdischen Museums Berlin