Lüppo Cramer

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Lüppo Cramer (* 27. Februar 1948 in Emden) ist ein deutscher Kommunalpolitiker und Buchdrucker.

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Kinder- und Jugendzeit

Cramer stammt aus einer in Ostfriesland ansässigen Familie, die sich im 19. Jahrhundert in einen kaufmännischen und einen akademischen Zweig aufteilte. Sein Großvater Hinrich Lüppo Cramer (03.10.1871 - 10.12.1945)[1] war Textilkaufmann und Inhaber des Manufaktur- und Modewarengeschäfts "H. L. Cramer", eines der traditionsreichsten Häuser in der Emder Innenstadt „Zwischen beiden Sielen“, das bei einem Luftangriff am 6. September 1944 zerstört wurde. Der Wissenschaftler und Fotopionier Henricus Lüppo Cramer entstammt dem akademischen Zweig der Familie.

Lüppo Cramer kam 1957 mit seiner Familie von Emden nach Karlsruhe. Er wuchs im Stadtteil Durlach im Dornwäldle auf. Er besuchte die Pestalozzi- und Friedrichschule[2] in Durlach. Damals waren Prügel von Lehrern an der Tagesordnung. Von 1958 bis 1969 war er Mitglied in der d.e.j.58. Die dort gemachten Erfahrungen prägten sein Leben entscheidend.

Politisches Wirken

Stadtteilpolitik

Ab 1976 wohnte Cramer in der Karlsruher Südstadt und engagierte sich dort. Er gründete die Initiative Bürgerhaus Südstadt mit, die eine zentrale Rolle in der Geschichte der Karlsruher Bürgerbewegung spielte. Cramer war Mitinitiator und Drucker der Südstadt Rundschau sowie Mitbegründer des Vereins Südstadt-Forum e.V., der sich um Hausaufgabenbetreuung für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund kümmerte. In Karlsruhe ist das Südstadt-Forum untrennbar mit dem Kampf um ein selbstverwaltetes Bürgerzentrum in der Südstadt verbunden. Es war die treibende Kraft hinter der Besetzung des leerstehenden Bäckereigebäudes in der Luisenstraße 24 am 2. April 1981. Der Verein und die zugehörige Bürgerinitiative IBS wollten verhindern, dass das markante Gebäude abgerissen wird. Sie setzten sich stattdessen dafür ein, dass das Gebäude für ein Stadtteil-Bürgerhaus genutzt wird. Die Besetzung wurde bereits in der folgenden Nacht durch die Polizei geräumt und das Gebäude auf Anordnung von Oberbürgermeiser Otto Dullenkopf abgerissen. Dieser Konflikt gilt als ein Wendepunkt der Karlsruher Stadtentwicklungspolitik der 80er Jahre.

Wirken im Gemeinderat Karlsruhe

Cramer hatte 1980 einen der beiden Sitze der Grünen Liste in Karlsruhe inne und zog als Stadtrat in den Gemeinderat der Stadt Karlsruhe ein. Er verließ die Grüne Liste im Sommer 1982 und saß bis 1983 parteilos im Gemeinderat. Im Frühjahr 1983 forderten ihn die Die Grünen auf, sein Mandat an die Grüne Liste zurückzugeben, daraufhin verließ er im September 1983 den Gemeinderat.[3]

1984 war Cramer Gründungsmitglied der Karlsruher Liste (KAL),[4] der er seither angehört. Bei der Gemeinderatswahl im Oktober 1984 wurde Cramer für die Karlsruher Liste mit dem Motto „Global denken – lokal handeln“ in den Gemeinderat gewählt. Damit war die Karlsruher Liste erstmals im Karlsruher Gemeinderat vertreten.[5]

Seit 1994 ist er Fraktionsvorsitzender der Karlsruher Liste.

Im März 2021 vereidigte Lüppo Cramer als dienstältester Stadtrat im Gemeinderat Karlsruhe Oberbürgermeister Frank Mentrup für eine zweite Amtszeit.[6]

Als Stadtrat hat Cramer regelmäßig Grundsatzreden zum städtischen Haushalt gehalten. Er ist bekannt dafür, sich für finanzielle Generationengerechtigkeit und für eine "Lust auf Stadt"-Politik einzusetzen, wobei er oft mahnt, bei der Haushaltskonsolidierung Kultur und soziale Projekte nicht zu vernachlässigen.

Cramer ist Mitglied im Haupt-, Finanz, Planungs- und Bauausschuss und im Sport- und Integrationsausschuss der Stadt Karlsruhe.[7] Außerdem ist er Mitglied im Aufsichtsrat der Karlsruher Fächer GmbH, der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und im Betriebsausschuss Eigenbetrieb „Fußballstadion im Wildpark“.

Kandidaturen Oberbürgermeisterwahl Karlsruhe

1994 kandidierte Cramer erstmals für die Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe.[8] 1998 und 2006[9] kandidierte er erneut für dieses Amt. Bei der Oberbürgermeisterwahl 2006 erhielt er 8,3% der Stimmen.

Engagement Städtepartnerschaften

Mitte der 80er Jahre trat Cramer mit dem Vorschlag einer Partnerschaft mit einer Stadt im „Warschauer Pakt“ hervor, woraus die Städtepartnerschaften zwischen Karlsruhe und Krasnodar sowie zwischen Karlsruhe und Temesvar entstanden. Die deutsch-russische Städtepartnerschaft mit Krasnodar ist eine der ältesten ihrer Art und geht auf Kontakte des Karlsruher Stadtjugendausschusses zurück. 1992 wurde eine Städtefreundschaft gegründet, 1997 erfolgte die Umwandlung in eine Städtepartnerschaft.[10]

Im Frühjahr 1990 setzte sich Cramer in Halle für den Aufbau der für die Bürgerbewegung nach der Wende wichtigen Druckerei "Druck Zuck" ein, mit der "Das andere Blatt" der Chefredakteurin Thea Ilse gedruckt werden konnte.[11]

Cramer reiste 2009 als erster Stadtrat gemeinsam mit dem „Aktionskreis Städtepartnerschaft Türkei“ in die osttürkische Provinzhauptstadt Van, um hier eine engere Zusammenarbeit beider Städte zu erreichen.[12] Seit 2016 unterhält die Stadt Karlsruhe eine Projektpartnerschaft mit Van.[13]

Lüppo Cramer und Serhii Shadan im Juni 2025 in Winnyzja

Für die seit April 2023 bestehenden Partnerschaft zur ukrainischen Stadt Winnyzja[14] initiierte und organisierte Cramer ab 2023 gemeinsam mit der Eberhard-Schöck-Stiftung Bücherspenden für den Germanistik-Unterricht an der Pädagogischen Mykhajlo-Kozjubynskyj-Universität.[15][16]

Sonstiges Wirken (Auswahl)

Cramer engagiert sich besonders für kulturelle, soziale und baugeschichtliche Belange. Das prägt auch sein ehrenamtliches Engagement.

Engagement Kultur

Die Burg-Waldeck-Festivals 1965 und 1968 waren für Cramer musikalisch ein wichtiger Meilenstein. In der Folge engagierte er sich in der Organisation von Konzerten mit Phil Ochs, Odetta und Guy Caravan und Alexis Corner in Kalrsruhe.

1967 war Cramer Mitbegründer des Clubs Werkstatt 68, der in die Räumlichkeiten des ehemaligen Jazz-Clubs Laboratorium in der Lessingstraße 70 in Karlsruhe einzog.[17] Für die Werkstatt 68 fertigte Cramer auch Veranstaltungsplakate (u.a. für Konzerte von Reinhard Mey, Dieter Süverkrüp, Dave Pike Set, Orange Peel, Birth Control, Hungry Eyes).

2018 berichtete Cramer im Rahmen der Ausstellung „Bewegt Euch. 1968 & die Folgen in Karlsruhe“ im Stadtmuseum über Gründung und Tätigkeit der Werkstatt 68.[18]

1970 druckte Cramer das erste Plattencover der Rockmusiktheatergruppe Checkpoint Charlie.

Engagement Sport

2007 wurde er für eine dritte Amtszeit in den Verwaltungsrat des Karlsruher SC gewählt. 2010 kandidierte er zum Vizepräsident des Karlsruher SC, wobei er bei der Wahl keine erforderliche Mehrheit erreichen konnte.

Engagement Stadtbild

2024 feierte die Karlsruher Liste im Kulturzentrum Tollhaus ihr 40-jähriges Bestehen[19]. Dieser Veranstaltungsort auf dem Alten Schlachthof ist ein Ort, für dessen Erhalt und Umnutzung Cramer und die Karlsruher Liste maßgeblich gegen anfängliche Widerstände der Stadt Karlsruhe in den 90er Jahren eingetreten waren.[20] 1994 war Cramer der erste, der mit der Idee einer „Kulturinsel Ostaue“ das ehemalige Schlachthofgelände in Karlsruhe als Raum für die Karlsruher Freie Kultur- und Kreativwirtschaft vorgeschlagen hatte. Das heutige „Kreativzentrum Alter Schlachthoff“[21] war zu dieser Zeit vom Verfall bedroht. Cramer engagierte sich außerparlamentarisch und in gemeinderätlichen Gremien für dessen Erhalt und die heutige Nutzung. Das Jahr 1994 markierte für das Gelände des Alten Schlachthofs in Karlsruhe den Beginn einer neuen Ära. Während der reguläre Schlachtbetrieb noch bis ins Jahr 2006 andauerte, entwickelte sich parallel dazu mit der Initiative „Kulturinsel Ostaue“ eine visionäre Umnutzung des Areals. Das Kulturzentrum Tollhaus, das bereits zwei Jahre zuvor eine ehemalige Viehhalle bezogen hatte, wurde 1994 zum festen Ankerpunkt dieser Bewegung und legte den Grundstein für die kulturelle Wiederbelebung der historischen Backsteinbauten aus dem Jahr 1887. Diese Pionierphase diente als wichtiges Experimentierfeld, um zu zeigen, wie denkmalgeschützte Industriebauten und moderne Soziokultur erfolgreich koexistieren können. Aus der damaligen „Kulturinsel“ ist heute ein weitläufiger Kreativpark gewachsen

In den 90er-Jahren trat Cramer für den Erhalt der denkmalgeschützten Lohfeldsiedlung ein, deren Abriss im Rahmen der Flächensanierung für den „Rahmenplan Karlsruhe Südost“ beschlossen war und die 2003 schließlich durch einen Kauf der Bewohner vorbildlich saniert wurde.[22]

2019 erreichte Cramer den Erhalt des von Otto Bartning errichteten Kulturdenkmals Franz-Rohde-Haus in Karlsruhe.

Lüppo Cramer ist seit 2019 stellv. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild.[23]

Soziales Engagement

Als Mitbegründer und Aktiver der Flüchtlingshilfe Karlsruhe e.V. war Cramer von 2017 bis 2021 in deren Vorstand.[24] Er engagiert sich seit 2026 im Vorstand von „Haus der Menschenrechte e.V.“. Der Verein betreibt aktuell das MenschenRechtsZentrum (MRZ).[25]

Überregionales Engagement

Ab 1983 wirkte Cramer bei den Treffen der Ökolibertären mit. Mitglieder der Ökolibertären waren in dieser Zeit u.a. Wolf-Dieter Hasenclever, Hajo von Kracht, Christof Wagner, Uschi Eid, Winfried Kretschmann, Ulrich Drescher (Baden-Württemberg); Hans Herbers, Michael Merkel (Nordrhein-Westfalen); Achim Bergman, Gisela Erler (Bayern); Ernst Hoplitschek, Rudolf Leineweber, Thomas Schmid (Berlin); Helga Trüpel (Bremen); Boje Maaßen, (Schleswig-Holstein).

Seit 2025 ist Cramer Mitglied im Beirat GrünLiberaler Impuls e.V.[26]

Ehrungen

Lüppo Cramer bekam am 5. Dezember 2006 die Ehrenmedaille der Stadt Karlsruhe verliehen.[27] Zudem wurde er 2010 mit dem Ehrenabzeichen in Gold des Städtetags Baden-Württemberg ausgezeichnet.[28] Ende 2021 wurde ihm für seine 40-jährige Mitgliedschaft im Gemeinderat die Ehrennadel des Deutschen Städtetags verliehen.[29]

Publikationen (Auswahl)

Lüppo Cramer: Sichtbare Spuren im Stadtbild, in: Heinz Fenrich: Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe (Lindemanns Bibliothek 2013). ISBN 978-3-88190-717-0

Lüppo Cramer: Gemeinderatsrede zum Thema Moschee in Karlsruhe (22.10.2013)[30]

Einzelnachweise

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