Mackinawit

Mineral (Fe,Ni)₉S₈ aus der Klasse der Sulfide und Sulfosalze From Wikipedia, the free encyclopedia

Mackinawit ist ein Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“, das an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein kann, insgesamt aber wenig verbreitet ist. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (Fe,Ni)9S8[4] und entwickelt manchmal dünne, tafelförmige Kristalle bis zu 1 mm Größe von bronzener oder weiß-grauer Farbe. Viel häufiger ist es allerdings in Form winziger, unregelmäßiger Flitter bzw. Einschlüsse in Chalkopyrit oder Pentlandit zu finden.[5]

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Mackinawit
Mackinawit aus der Kirovskii Apatit Mine am Kukiswumtschorr in den russischen Chibinen (Sichtfeld 4 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1967 s.p.[1]

IMA-Symbol

Mkw[2]

Chemische Formel (Fe,Ni)9S8
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/B.09b
II/B.17-010

2.CC.25
02.07.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol ditetragonal-dipyramidal 4mm
Raumgruppe P4/nmm[3]
Gitterparameter a = 3,67 Å; c = 5,03 Å[3]
Formeleinheiten Z = 2[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5
Dichte (g/cm3) 4,30
Spaltbarkeit vollkommen entlang {001}
Farbe bronzefarben, weißgrau
Strichfarbe schwarz
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz
Kristalloptik
Pleochroismus stark
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Etymologie und Geschichte

Mackinawit wurde erstmals in der Mackinaw-Mine im Snohomish County im US-Bundesstaat Washington entdeckt. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1963 von Howard T. Evans Jr., Charles Milton E. C. T. Chao, Isidore Adler, Cynthia Mead, Blanche Ingram und Richard A. Berner, die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.

Mackinawit wurde während der Gründungsphase der International Mineralogical Association (IMA) erstbeschrieben und hat daher noch keine IMA-Nummer, sondern erhielt zusammen mit anderen Mineralen eine nachträgliche Anerkennung von mehr als 60 % der Kommissionsmitglieder für neue Minerale, Nomenklatur und Klassifikation (CNMNC). In einem zusammenfassenden Report wurde die Anerkennung 1967 publiziert.[6] Infolgedessen wird das Mineral unter der Summenanerkennung „1967 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]

Mackinawit wurde früher häufig mit dem sehr ähnlich aussehenden Valleriit verwechselt. Die Ähnlichkeit und auch die Verbreitung sind so ähnlich, dass die beiden Minerale für ein Mineral gehalten wurden. Valleriit besitzt jedoch eine andere chemische Zusammensetzung und ist auch weicher als Mackinawit.[5]

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Mackinawit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Sulfide mit M : S = 1 : 1“, wo er als einziger Vertreter in der Gruppe „“ mit der Systemnummer II/B.09b steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/B.17-010. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide, Selenide und Telluride mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te > 1 : 1“, wo Mackinawit zusammen mit Godlevskit, Horomanit, Kharaelakhit, Samaniit und Sugakiit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/B.17 bildet.[7]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[8] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Mackinawit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „mit Nickel (Ni), Eisen (Fe), Cobalt (Co) usw.“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.CC.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Mackinawit die System- und Mineralnummer 02.07.02.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=9:8“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 02.07.02, in der auch Sugakiit eingeordnet ist.

Kristallstruktur

Mackinawit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P4/nmm (Raumgruppen-Nr. 129)Vorlage:Raumgruppe/129, den Gitterparametern a = 3,67 Å und c = 5,03 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Bildung und Fundorte

Mackinawit bildet sich hydrothermal in Mineralablagerungen und während der Serpentinisierung von Peridotit. Auch in Gewässerschlämmen unter reduzierenden Bedingungen kann sich Mackinawit bilden, wobei auch eine Beteiligung von Sulfat-reduzierenden Bakterien vermutet wird. Daneben findet man ihn selten in manchen Meteoriten, den Kohligen Chondriten.

Insgesamt konnte Mackinawit bisher (Stand: 2011) an rund 230 Fundorten nachgewiesen werden. In Deutschland trat das Mineral bei Hagendorf (Waidhaus) in Bayern und am Rammelsberg in Niedersachsen auf.

In Österreich fand sich Mackinawit am Hüttenberger Erzberg und am Lamprechtsberg in Kärnten; in der Smaragdlagerstätte im Habachtal, am Murwinkel und im Schwarzleograben in Salzburg; bei Voitsberg in der Steiermark sowie im Tiroler Inntal.

In der Schweiz wurde das Mineral bei Palagnedra im Kanton Tessin sowie im Binntal und im Eringertal im Kanton Wallis gefunden.

Weitere Fundorte liegen in Ägypten, Algerien, Argentinien, Australien, Brasilien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich, Grönland, Indien, Indonesien, Italien, Kanada, Kasachstan, Japan, Marokko, Mauretanien, Nigeria, Norwegen, Oman, Pakistan, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Senegal, Simbabwe, Spanien, Südafrika, der Türkei, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten und auf Zypern.[9]

Auch in Gesteinsproben vom Roten Meer (Atlantis II Deep) sowie außerhalb der Erde auf dem Mond konnte Mackinawit nachgewiesen werden.[9]

Siehe auch

Literatur

  • Howard T. Evans Jr., Charles Milton E. C. T. Chao, Isidore Adler, Cynthia Mead, Blanche Ingram und Richard A. Berner: Valleriite and the new iron sulfide, mackinawite. In: U.S. Geological Survey Professional Paper. 475-D, 1964, S. 64–69 (englisch, rruff.info [PDF; 848 kB; abgerufen am 13. November 2024]).
  • Mackinawite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 50 kB; abgerufen am 13. November 2024]).
Commons: Mackinawite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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