Manessebrunnen
Zierbrunnen in der Schweiz
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Der Manessebrunnen (im Volksmund auch Rösslibrunnen) ist ein von 1931 bis 1932 erbauter Monumentalbrunnen am Hirschengraben in Zürich, der an das Rittergeschlecht der Manesse erinnert. Die darauf thronende Pferdeskulptur ist nach einem Modell von Arnold Hünerwadel geschaffen.

Geschichte
Im Jahr 1910 wurde in Zürich ein Wettbewerb zur Erstellung eines Manessebrunnens durchgeführt. Die Idee wurde vorerst nicht realisiert[1] und erst weiterverfolgt, nachdem der Stadtrat am 16. Juni 1928 einem Bauprogramm zugestimmt hatte, das die Erstellung von zehn teilweise monumentalen Brunnen durch direkte Aufträge vorsah. Als sechstes Projekt legte er am 1. Februar 1930 das von Arnold Hünerwadel entworfene Modell für einen Manessebrunnen vor, dessen Erstellungskosten auf 88'500 Franken veranschlagt waren.[2][3] Am 19. März 1930 genehmigte das Stadtparlament den Kredit diskussionslos.[4]
Im Juli 1931 wurde in den Steinbrüchen der Firma Tozzi in Bodio der 25 Tonnen schwere Granitblock ausgehauen, aus dem die Pferdeskulptur geschaffen werden sollte. Für den Transport zum Bahnhof mussten die Strassenbrücken verstärkt werden.[5] Sodann wurde der Stein mit der Gotthardbahn nach Zürich verfrachtet, wo ihn der Steinmetz Johann Rigendinger in Wollishofen behaute. Im Dezember 1931 begannen die Arbeiten an den Brunnenbecken, ehe am 22. Dezember die Pferdefigur auf dem Sockel platziert wurde. Sie wurde auf einem Metallwagen der Kibag herbeigefahren und dann mithilfe einer etwa 15 Meter langen Brücke horizontal auf den Sockel gezogen.[6] Die Bauarbeiten waren im Mai 1932 beendet.[7]
Beschreibung

Der Manessebrunnen steht auf einem steil ansteigenden Platz, wo die Obere und Untere Zäune und die Kirchgasse in den Hirschengraben münden. In unmittelbarer Nähe, an der Kirchgasse 33, befindet sich das «Steinhaus», das im 13. Jahrhundert der Ritterfamilie Manesse als Wohnturm gedient hatte.[8] Der Brunnen soll an dieses bedeutende Zürcher Geschlecht, insbesondere an Rüdiger Manesse den Älteren, erinnern.[9][10]
Die Neuen Zürcher Nachrichten schilderten den Brunnen folgendermassen:
«Der Brunnen, überragt von dem wild aufgebäumten Pferd, spendet in kräftigem Strahl sein Wasser, das sich vom oberen Becken in ein zweites ergießt und von hier durch eine Spaltöffnung in der Mauer in ein drittes unteres Becken, in dessen Ecken aus zwei Steigleitungen frisches Trinkwasser hervorsprudelt.»
Das untere Becken trägt an der Vorderseite die Inschrift: «MANESSEBRUNNEN 1932». Die Pferdeskulptur besteht aus feingranuliertem schwarzem Segheria-Granit aus Bodio.
Rezeption
Seiner ambitionierten Monumentalität wegen erntete der Manessebrunnen in den 1930er Jahren auch Kritik. Peter Meyer bezeichnete ihn 1936 als «brutal-abscheulich».[11] Die Thurgauer Zeitung spottete 1933:
«Man hat ja weiterhin Geld für sogenannte Monumentalbrunnen, wie den verunglückten Manessebrunnen am Hirschengraben, bei dem man stolz darauf war, einmal einen Gaul aufzustellen, auf dem kein schwertbewehrter Mann sitze. Dafür ist der Gaul so geraten, daß jedes lebendige Roß lacht, wenn es seine steinerne Karikatur sieht, deren Hinterbeine immer länger werden, je mehr man sie anschaut!»
Nikolaus Wyss, der an der nahen Winkelwiese aufgewachsen ist, schrieb über den Brunnen:
«Ich weiss nicht, wie wir Kinder auf die verwegene Idee kommen konnten, diesen Brunnen mit dem sich mächtig aufbäumenden, Furcht einflössenden Hengst Rösslibrunnen zu nennen. Hier setzt sich kein Rössli in Szene oder lädt gar zum Ritt an der Longe ein. Nein, hier verteidigt gebieterisch ein mächtiges Pferd sein Revier, kämpft mit einem unsichtbaren Nebenbuhler um eine Stute oder imponiert Zuschauer im Zirkus mit seinem wilden, muskelstrotzenden, aufrechten Gang. […] Auf dem Wappen der Manesse sind zwei Ritter zu sehen. Hat das Pferd einen von denen abgeworfen und schlägt jetzt den anderen in die Flucht? Oder symbolisiert sich hier das Gebieterisch-Edle dieses Geschlechts […]? Diese Skulptur manifestiert meines Erachtens eher die kriegerische Neigung der Familie und nicht ihr kulturelles Flair. Vielleicht war es auch nur eine Verlegenheitswahl, mit diesem Pferd den Manesses zu gedenken. Vielleicht waren da ganz zu Anfang einfach das Modell eines sich aufbäumenden Pferdes […]. Und als es um die Frage ging, woran er denn erinnern soll, kam der Brunnenwahlkommission die Idee, man könnte damit der Familie Manesse gedenken.»
Siehe auch
Weblinks
- Manessebrunnen im Kunstbestand der Stadt Zürich