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Manfred Schmider

verurteilter deutscher Unternehmer From Wikipedia, the free encyclopedia

Manfred Schmider (* 3. Juli 1949 in Karlsruhe) ist ein ehemaliger deutscher Unternehmer. Er war Mitbegründer des im Jahr 2000 durch betrügerische Handlungen in Insolvenz gegangenen Unternehmens FlowTex. Bei der strafrechtlichen Aufarbeitung des FlowTex-Skandals wurde er zu 11½ Jahren Freiheitsstrafe rechtskräftig verurteilt.[1]

Aufstieg

Schmider hat die Volksschule in Karlsruhe besucht, ein VWL-Studium hat er angeblich abgebrochen.[2] Bereits im Alter von 16 verkaufte er Lebensversicherungen.[3]

Im Jahr 1986 erwarb er in den USA von der Firma FlowMole eine Lizenz zur Herstellung von mobilen Horizontal-Bohrmaschinen. Mit diesen Maschinen können Leitungen unterirdisch verlegt werden, ohne zuvor einen Graben auszuheben. Das war der Beginn der Firma „FlowTex“ in Ettlingen, die er zusammen mit seinem Partner Klaus Kleiser im selben Jahr gründete. Die FlowTex-Maschinen stießen zunächst auf Interesse und Schmider baute sein Unternehmen in wenigen Jahren zu einer Firmengruppe mit mehreren tausend Mitarbeitern aus.[4] FlowTex investierte erhebliche Mittel in die Öffentlichkeitsarbeit, was auch seiner persönlichen Bekanntheit zugutekam. Er ernannte Jürgen Morlok, den ehemaligen Vorsitzenden der FDP in Baden-Württemberg, zum Unternehmenssprecher. In der Öffentlichkeit wurde er bald als erfolgreicher Unternehmer bewundert. Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel lobte FlowTex als „Schmuckstück“ der Landeswirtschaft. Lothar Späth hielt die Laudatio zum 50. Geburtstag von Schmider. Auf Grund seines Erscheinungsbilds und passend zu seinem vermeintlichen Erfolg bekam er den Spitznamen „Big Manni“.

Schmider begann auf großem Fuß zu leben. Er erwarb ein 60.000 m² großes Anwesen auf dem exklusiven Karlsruher Turmberg. Er kaufte Villen in Cannes, Miami, Ibiza und St. Moritz. Er erwarb für 20 Mio. DM die 55 Meter lange Yacht Maalana des Prinzen von Brunei.[1] Ihm gehörten zwei Privatflugzeuge und ein Hubschrauber, mit dem er sich die rund 10 km zur Arbeit fliegen ließ.[5] Er war ein großzügiger Gastgeber für Geschäftspartner und Politiker. Er spendete wiederholt an die beiden Parteien CDU und FDP. 1995 erhielt Schmider vom Land den Zuschlag zum Erwerb der freigewordenen kanadischen Luftwaffenbasis Baden/Söllingen.[6] Er plante, dort den Flughafen Baden-Airpark zu errichten und Gewerbebetriebe anzusiedeln. Auch eine neue FlowTex-Zentrale sollte dort gebaut werden. Das Land gewährte ihm für die Konversion einen Zuschuss in Höhe von 35 Mio. DM und die Nachbargemeinden gaben weitere 22 Mio. DM dazu.[7]

Niedergang

Im Zuge von Geldwäsche-Ermittlungen der portugiesischen und spanischen Behörden wurde 1999 das Bundeskriminalamt auf das Unternehmen FlowTex aufmerksam. Das BKA kontaktierte daraufhin die Finanzverwaltung in Karlsruhe.[2] Nach weiteren internen Recherchen und Rückfragen wurde am 4. Februar 2000 das Firmengelände durchsucht und Schmider sowie sein Partner Kleiser wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft genommen. Es stellte sich heraus, dass der Erfolg auf einer jahrelang betriebenen betrügerischen Geschäftspraxis beruhte. Von den über 3400 bilanzierten Maschinen existierten tatsächlich nur 220.[2][A 1] Die Übrigen waren nur auf dem Papier vorhanden. Bei Inspektionsbesuchen von Kreditgebern wurden die Typenschilder der auf dem Hof befindlichen Maschinen zuvor schnell ausgewechselt. Durch eine Sale-Lease-Back-Transaktion innerhalb des Firmenverbunds erhielt das Unternehmen für die nur fiktiv vorhandenen Maschinen Umsatzerlöse, um die laufenden Kosten zu decken und den steigenden Verpflichtungen gegenüber Gläubigern nachzukommen. Auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG schöpfte in all den Jahren keinen Verdacht. Mit der Zeit war das schneeballähnliche Ponzi-System zum Scheitern verurteilt. Eine Gläubigerbank beantragte am 8. Februar 2000 Insolvenzantrag gegen die FlowTex Technologie GmbH & Co. KG.[8] Wie später bekannt wurde, ging bereits 1996 bei den Behörden eine Anzeige mit Hinweis auf die betrügerischen Geschäftspraktiken ein. Diesem Hinweis wurde damals aber nicht weiter nachgegangen.[9] Der von der Staatsanwaltschaft ermittelte Schaden beläuft sich auf 2,2 Mrd. €,[10][11] zum tatsächlichen wirtschaftlichen Schaden der Gläubiger gibt es widersprüchliche Aussagen.

Juristische Aufarbeitung

Die Staatsanwaltschaft Mannheim erstellte die Anklageschrift. Am 18. Dezember 2001 wurde Schmider vom Mannheimer Landgericht als einer der Hauptverantwortlichen zu zwölf Jahren Haft verurteilt.[10] Wegen einer möglichen Befangenheit der Richter hob der Bundesgerichtshof als Revisionsinstanz die Entscheidung auf. Das Urteil in der Neuverhandlung im Jahr 2003 reduzierte das Strafmaß um sechs Monate auf 11 ½ Jahre.[12] Schmider versuchte mit Hilfe eines psychologischen Gutachtens eine erneute Revision des Urteilsspruchs. Der Gutachter bescheinigte ihm ein „Harry-Potter-Phänomen der halluzinatorischen Wunscherfüllung“, dennoch sei er für die Straftaten voll verantwortlich. Er zog daraufhin die Revision zurück und das Urteil wurde rechtskräftig.[12] Ab Juli 2006 erhielt er den Status eines Freigängers und am 2. Oktober 2007 wurde er auf Bewährung entlassen.[1]

Der FlowTex-Skandal zog weitere Kreise. Ein Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags beschäftigte sich von März 2002 bis Oktober 2005 mit dem Thema und insbesondere mit den Beziehungen zur Kommunal- und Landespolitik. Der Abschlussbericht stellte u. a. fest, „den Akten konnten keinerlei Anhaltspunkte für eine gesteuerte, politisch motivierte Bevorzugung des Manfred Schmider u. a. in Sachen FlowTex entnommen werden.“[13]

Im Jahr 2013 stand Schmider erneut vor Gericht. Das Landgericht Mannheim beschuldigte ihn des Bankrott-Vergehens. Er hatte 2005 und 2006 über einen ehemaligen Mithäftling vier wertvolle Chagall-Gemälde und einen teuren Geländewagen vorbei an den Gläubigern zu seiner Frau in die Schweiz bringen lassen. Schmider war geständig, was strafmildernd gewertet wurde, und erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.[4]

2016 hat das Bezirksgericht Frauenfeld im Schweizer Kanton Thurgau ihn wegen Geldwäsche und Urkundenfälschung beim Transfer von Vermögenswerten in die Schweiz zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten, davon die Hälfte auf Bewährung, und zu einer Geldstrafe verurteilt. Ebenfalls verurteilt wurden seine Ehefrau und sein Anwalt.[14] Das Schweizer Bundesgericht hat im August 2019 zwei vorinstanzliche Schuldsprüche wegen bandenmäßiger Geldwäsche aufgehoben.[15] Das Thurgauer Obergericht, hat daraufhin die drei Personen im Oktober 2021 freigesprochen.[16]

Mutmaßlich fingierter Raubüberfall

Am 12. Mai 1986 wurde Schmider Opfer eines vermeintlichen Raubüberfalls. Als er gerade dabei war, eine seiner Baustellen in Ettlingen zu inspizieren, wurde er von zwei maskierten und mit einer Pistole bewaffneten Tätern überfallen. Sie zwangen ihn dazu, sie in seinem Auto zu seiner Villa zu fahren. Dort brachten sie außerdem das Hausmädchen der Familie Schmider in ihre Gewalt, das sich zu diesem Zeitpunkt in der Villa aufhielt. Das Hausmädchen sagte nach der Tat aus, sie habe das Gefühl gehabt, dass sich die Täter im Haus auskannten. Schmider musste den Tätern seinen Tresor öffnen, aus dem sie Geld, Pelze und Teppiche entwendeten, bevor sie flohen. Die Beute hatte nach Schmiders Angaben einen Wert von 2 Millionen D-Mark. Als Schmiders Ehefrau abends nach Hause kam, fand sie ihren Mann sowie die Haushälterin an ein Treppengeländer gefesselt vor. Schmider erhielt nach dem Überfall eine Entschädigungszahlungen in Höhe von insgesamt 3 Millionen D-Mark von seiner Versicherung.[17] Am 6. Februar 1987 wurde der Überfall in der Fernsehsendung Aktenzeichen XY … ungelöst in einem Film nachgestellt. Nach der Sendung gingen bei der Polizei einige Hinweise ein, die jedoch nicht zur Aufklärung der Tat führten.

Rund 10 Jahre nach dem Überfall, im Jahr 1995, ergaben sich dann Hinweise, dass der Überfall durch Schmider inszeniert worden sein könnte, um die Entschädigung von seiner Versicherung zu kassieren. Ein Mann, der in Ludwigshafen wegen ähnlicher Delikte vor Gericht stand, sagte aus, er und ein Freund seien von Schmider beauftragt worden, den Überfall durchzuführen. Dafür, dass der Raub fingiert worden sein könnte, sprach auch, dass dieser sowie die Auszahlung der Entschädigungsleistung kurz vor der Gründung der Firma FlowTex stattfanden. Daraufhin wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Schmider wegen Betruges eingeleitet und er wurde für kurze Zeit festgenommen, kam jedoch gegen eine hohe Kaution sehr schnell wieder frei. Auch der von dem Mann benannte Mittäter gab an, von Schmider mit dem Überfall beauftragt worden zu sein. Da sich die Aussagen der beiden Männer untereinander aber relativ stark widersprachen und auch die Durchsuchung von Schmiders Schweizer Ferienhaus keine neuen Erkenntnisse ergab, stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Schmider schließlich ein, allerdings mit der Bemerkung, dass „ein hinlänglich begründeter Anfangsverdacht bestanden habe und weiterhin bestehe“. Der Überfall war auch Thema in einem Untersuchungsbericht des baden-württembergischen Landtages zum FlowTex-Skandal.[18][19][20]

Die Zeit danach

Schmider lebt heute (Stand Juni 2020) zusammen mit seiner Frau, von der er nach 24 Jahren Ehe offiziell geschieden ist, auf Mallorca.[21] Das Insolvenzverfahren wurde am 7. Februar 2020 beendet.[8] Die Betrügereien waren Vorlage für ein Musical, das 2011 mit dem Titel Big Money auf die Bühne kam. Seine Lebensgeschichte war 2019 unter dem Titel Big Manni Gegenstand eines Fernsehfilms in der ARD.[22] Die Ausstrahlung wurde mit einer Dokumentation von Martina Treuter begleitet. Die Produktion des SWR trägt den Namen Big Manni – Big Money. Die wahre Geschichte eines Milliardenbetrugs.[23]

Einzelnachweise

Anmerkungen

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