Marcus Mote

Amerikan. Maler From Wikipedia, the free encyclopedia

Marcus Mote (* 19. Juni 1817 in West Milton, Ohio; † 26. Februar 1898 in Richmond, Indiana) war ein US-amerikanischer Maler, Grafiker, Fotograf sowie Kunstpädagoge.[1]

Marcus Mote: Selbstporträt und Porträt seiner Frau Rhoda Steddom Mote. Harmon Museum, Woodlawn, Virginia

Leben

Marcus Mote wurde 1817 als Sohn eines Quäker-Farmers in West Milton, Ohio, geboren. Als Angehöriger dieser Gemeinschaft wuchs er in einer dem Kunstbetrieb skeptisch gegenüberstehenden Umgebung auf, entwickelte jedoch schon in seiner Kindheit eine Leidenschaft für das Zeichnen und Malen. Da Malutensilien kaum verfügbar waren, stellte er seine ersten Farben aus Pflanzen her. Von 1835 bis 1840 unterrichtete er an Friends Schools und fand trotz der Haltung seiner Glaubensgemeinschaft Anerkennung für sein künstlerisches Schaffen.

1837 heiratete Mote seine Schülerin Rhoda Steddom und zog mit ihr in die Nähe von Lebanon in Ohio. Marcus Mote begann dort mit der Porträtmalerei und fertigte zunächst Miniaturen auf Elfenbein an. Später schuf er Ölgemälde. Ab etwa 1850 erweiterte er sein Tätigkeitsfeld: Gemeinsam mit dem Fotografen Peter Deardorff eröffnete er ein Atelier, in dem er sowohl Porträts als Daguerreotypien anfertigte als auch Kunstunterricht gab. Mitte der 1850er Jahre schuf er außerdem vier große Panoramagemälde, die in Ohio ausgestellt wurden. Nach Deardorffs Übersiedlung nach Detroit konzentrierte sich Mote zunehmend auf seine Arbeit als Grafiker.[1] 1863 zog er nach Richmond in Indiana, wo bereits zahlreiche Verwandte lebten. Dort eröffnete er 1865 die Richmond School of Design, die über Jahre hinweg von mehr als 500 Schülern besucht wurde. Er setzte sich nachdrücklich für die Integration des Zeichenunterrichts in die öffentlichen Schulen ein und überzeugte die Stadt Richmond, das Fach Zeichnen acht Jahre vor der offiziellen Einführung auf Staatsebene in den Lehrplan aufzunehmen. Bis zur Schließung seines Ateliers im Jahr 1893 blieb er in Richmond künstlerisch und pädagogisch aktiv. Er starb im Jahr 1898 im Easthaven Hospital for the Insane.[1]

Werke (Auswahl)

Moving Panorama: Scenes from the Life of Christ

Detail aus dem Panorama „Szenen aus dem Leben Christi“ von Marcus Mote, Krannert Art Museum, University of Illinois
Marcus Mote: Szenen aus dem Leben Christi, Tempera auf Baumwollmusselin, Teilansicht des Panoramas im Krannert Art Museum, University of Illinois

Im Krannert Art Museum der University of Illinois befindet sich ein seltenes, vollständig erhaltenes Moving Panorama aus dem 19. Jahrhundert mit biblischen Szenen, das Marcus Mote zugeschrieben wird. Das Werk ist rund 2,13 Meter hoch, 160 Meter breit und auf Baumwoll-Musselin mit Tempera gemalt. Das Werk wird auf seinen originalen Holzspindeln in drei Rollkästen aufbewahrt. Das Panoramagemälde Scenes from the Life of Christ ist mit Goldfolien und Pailletten verziert, die bei der Präsentation auf dem bewegten Musselin glitzerten. Bewegte Panoramen waren im 19. Jahrhundert eine populäre Darstellungsform. Sie bestanden aus langen, bemalten Leinwänden, die langsam vor den Zuschauern abgerollt wurden und eine erzählende Abfolge von Bildern präsentierten. Dies war vergleichbar mit einem Vorläufer des Kinofilms. So konnten aktuelle literarische oder religiöse Themen auf immersive Weise erlebt werden. Viele dieser Panoramen sind verloren gegangen, da sie durch wiederholte Nutzung verschlissen oder unrentabel wurden. Oft wurden die Materialien weiterverwendet, beispielsweise als Theaterhintergründe oder als Verpackungsmaterial.[2]

Entdeckung und Provenienz

Das Gemälde Scenes from the Life of Christ wurde 2013 von Mitarbeitern des Krannert Art Museums bei der Durchsicht der Lagerbestände entdeckt. Es wurde 1991 von Anita C. Crawford als Schenkung an das Museum übergeben. Crawford hatte es zuvor von Susan Martens erworben. Martens hatte das Werk 1981 bei dem Auktionator Charlie Blagg gekauft, der es wiederum von Händlern aus Indiana erworben hatte. Der vermutete Ursprung des Werkes liegt in einem ehemaligen Priesterseminar bei Rushville in Indiana.[2]

Zuschreibung

Das Museum führt das Werk auf Marcus Mote (1817–1898) zurück. Seine Autorschaft ist jedoch nicht eindeutig belegt. Marcus Mote ist aber als Schöpfer von religiös und naturwissenschaftlich inspirierten Großpanoramen bekannt. Von ihm sind historische Hinweise auf vier Panoramen aus den Jahren 1853–1854 dokumentiert: Uncle Tom’s Cabin (Harriet Beecher Stowe), Paradise Lost and Regained (John Milton), Geological History of the Course of Creation (nach geologischer Literatur des 19. Jahrhunderts) und The Progress of Intemperance (Anti-Alkohol-Bewegung).[2]

Medium und Bedeutung

Das Moving Panorama war im 19. Jahrhundert ein wichtiges Medium zur Vermittlung ausführlicher Bildgeschichten. Diese hatten oftmals Reisen, Landschaften oder historische und religiöse Ereignisse zum Thema. Die Technik bestand darin, dass bemalte Szenen auf einer fortlaufenden Leinwand horizontal zwischen zwei Spulen bewegt wurden, um einen dynamischen Bildablauf zu erzeugen. Erhaltene Panoramen sind rar: Laut Erkki Huhtamo[3] sind aktuell nur 21 Beispiele aus dem 19. Jahrhundert bekannt, von denen nur wenige öffentlich zugänglich sind.[2]

Zustand

Moving Panorama: Schematische Darstellung der Scrollvorrichtung – Scientific American, Band 4, Ausgabe 13 (16. Dezember 1848), Seite 100

Das Moving Panorama des Krannert Art Museum befand sich weitgehend im Originalzustand, inklusive der Scrollvorrichtung, der Ledergurte sowie der goldfarbenen Folien- und Paillettenverzierungen in den Szenen mit Engeln. Die Malerei weist Gebrauchsspuren wie Schäden am Stoff auf, die Farben sind jedoch überwiegend leuchtend und das Material intakt. Für die Bestandsaufnahme wurde das Moving Panorama digital dokumentiert und in etwa 400 Einzelfotografien festgehalten. Das Panorama besteht aus 49 oder 50 Szenen, die mit der Verkündigung (Ankündigung der Geburt Jesu) beginnen und mit dem Abendmahl enden. Die Szenen sind thematisch so geordnet, dass sie das Leben Jesu Christi gemäß dem Neuen Testament chronologisch abbilden.[2]

Forschung

Die Zuschreibung an Marcus Mote bleibt aufgrund fehlender Signatur und stilistischer Unterschiede innerhalb des Werks unsicher. Allerdings entsprechen bestimmte Bildmerkmale und Maltechniken anderen bekannten Arbeiten des Künstlers. Quellen zu Motes Panoramawerken liegen überwiegend in Form von Zeitungsberichten, eigenen Tagebüchern, Korrespondenz und Sammlungen am Earlham College in Richmond, Indiana, vor.[2]

Literatur

  • Thomas D. Hamm, Mary Wexler Klei, Mickie Franer, Christine Hadley: Marcus Mote and Eli Harvey – two Quaker artists from Southwest Ohio. Warren County Historical Society ; Clinton County Historical Society, Wilmington, Ohio, 1992.
  • Molly Catherine Briggs: Unrolling a "New" Nineteenth-Century Moving Panorama: Scenes from the Life of Christ, in: More than Meets the Eye – The Magic of the Panorama. Büro Wilhelm Verlag, Amberg, 2019.

Einzelnachweise

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