Moving Panorama

Weiterentwicklung der Panoramalerei From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Moving Panorama ist eine Weiterentwicklung der Panoramalerei, die um 1800 entstand. Es handelt sich dabei um langläufige Gemälde auf Leinwand, die auf zwei Spulen aufgewickelt waren. Bei der Vorführung wurde durch das Ab- und Aufrollen der Leinwand die Illusion von Bewegung erzeugt. Das Publikum sah dabei jeweils nur einen Ausschnitt des gesamten Gemäldes, das entweder langsam abgerollt oder in einzelnen Sequenzen gezeigt wurde. Moving Panoramas zählten zu den populärsten Unterhaltungsformen ihrer Zeit und waren in Großbritannien, den Vereinigten Staaten sowie in europäischen Ländern auf Tournee. Sie kamen nicht nur als eigenständige Darbietungen zum Einsatz, sondern auch als visuelle Effekte in melodramatischen Theaterstücken. Spezielle Lichteffekte wie Mondlicht, Blitze oder Pulverdampf unterstützten die Illusion und steigerten die dramatische Wirkung. Daneben begleitete ein Vortragender die visuelle Darstellung mit spannenden Erzählungen und führte das Publikum durch die Szene. Dadurch wirkten die Bühnenaufführungen realistischer und lebendiger.[1]

Moving Panorama: Schematische Darstellung der Scrollvorrichtung – Scientific American, Band 4, Ausgabe 13 (16. Dezember 1848), Seite 100

Geschichte

Historisch gesehen steht das Moving Panorama in engem Zusammenhang mit der Panorama-Malerei, die in den 1830er Jahren an Popularität gewann. Die ersten Panoramen waren meist großformatige, zylindrische Landschafts- oder Stadtansichten, die den Betrachtern ein nahezu fotografisch wirkendes, immersives Erlebnis boten. Moving Panoramas erweiterten dieses Konzept, indem sie Bewegung hinzufügten, um die Illusion einer Reise oder eines Ereignisses zu erzeugen. Das Moving Panorama ist für die Geschichte der visuellen Medien von großer Bedeutung, da es als direkte technische und inhaltliche Vorstufe des Films gilt. Insbesondere durch seine immersive Wirkung und die narrativen Elemente bereicherte es die visuelle Kultur des 19. Jahrhunderts nachhaltig.

Beispiele

  • Purrington & Russell's Original Panorama of a Whaling Voyage Round the World ist ein monumentales Moving Panorama, das im Jahr 1848 von den amerikanischen Künstlern Benjamin Russell (1804–1885) und Caleb Purrington (1812–1875) geschaffen wurde.[2] Es befindet sich im New Bedford Whaling Museum. Das Werk stellt eine Walfangreise rund um die Welt im 19. Jahrhundert dar. Die dargestellte Fahrt beginnt in der Walfangstadt New Bedford im US-Bundesstaat Massachusetts, die damals zu den wichtigsten Zentren des amerikanischen Walfangs zählte. Das Panorama ist rund 389 Meter lang und etwa 2,6 Meter hoch. Es wurde auf Leinwand beziehungsweise Baumwolltuch gemalt und als bewegtes Schaustück konzipiert. Es war auf Spulen montiert und wurde im Theaterbetrieb langsam abgewickelt, sodass sich dem Publikum eine fortlaufende Darstellung der Seereise bot. Das Werk diente der Unterhaltung und Belehrung des Publikums jener Zeit und ist das größte erhaltene Panorama des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten.[3]
  • Banvard’s Panorama of the Mississippi River ist ein monumentales Moving Panorama des US-amerikanischen Malers John Banvard (1815–1891), das in den 1840er Jahren entstand.[4] Zu Beginn dieser Dekade unternahm Banvard eine Reise auf dem Mississippi, während der er Landschaften, Städte und Szenen entlang des Flusses skizzierte. Auf Grundlage dieser Studien begann er anschließend mit der Ausführung eines großformatigen Panoramas, das den Verlauf des Flusses in fortlaufender Darstellung zeigen sollte. Das Werk trug den vollständigen Titel „Banvard’s Panorama of the Mississippi River: Painted on Three Miles of Canvas; Exhibiting a View of Country 1200 Miles in Length, Extending from the Mouth of the Missouri River to the City of New Orleans; Being by Far the Largest Picture Ever Executed by Man“ (zu Deutsch: „Banvard’s Panorama des Mississippi: Auf drei Meilen Leinwand gemalt; zeigt eine 1200 Meilen lange Ansicht des Landes von der Mündung des Missouri bis zur Stadt New Orleans; ist bei weitem das größte je von Menschenhand ausgeführte Bild“). Die erste öffentliche Aufführung des Panoramas fand 1846 in Boston statt. Anschließend wurde es in New York sowie in Europa, unter anderem in London, gezeigt. Dort führte Banvard das Panorama auch vor Königin Victoria vor. Wie viele andere bewegte Panoramen des 19. Jahrhunderts gilt auch „Banvard’s Panorama of the Mississippi River“ als verschollen. Es sind keine erhaltenen Teile bekannt, sodass das Werk nicht mehr als vollständiges Panorama nachweisbar ist.[5]
  • Das Moving Panorama Scenes from the Life of Christ ist rund 2,13 Meter hoch, 160 Meter breit und auf Baumwoll-Musselin mit Tempera gemalt. Es ist teilweise mit Goldfolien und Pailletten verziert. Diese glitzerten bei der Präsentation auf dem bewegten Musselin. Es wurde im Jahr 2013 von Mitarbeitern des Krannert Art Museums bei der Durchsicht der Lagerbestände entdeckt. Es handelt sich um ein seltenes Moving Panorama aus dem 19. Jahrhundert mit biblischen Szenen, das vollständig erhalten ist und Marcus Mote (1817–1898) zugeschrieben wird.[6]

Literatur

  • Stephan Oettermann: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums. Frankfurt/Main, Syndikat Autoren- und Verlagsgesellschaft, 1980.
  • Molly Catherine Briggs: Unrolling a "New" Nineteenth-Century Moving Panorama: Scenes from the Life of Christ, in: More than Meets the Eye – The Magic of the Panorama. Büro Wilhelm Verlag, Amberg, 2019.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI