Marguerite Dardant
französische Résistante
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Marguerite Dardant, später Marguerite Montré (geboren am 15. November 1908 in Folles; gestorben am 31. Dezember 1955 in Paris) war eine französische kommunistische Aktivistin und Résistante. Sie war in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Mauthausen interniert.

Leben
Marguerite Dardant wurde am 15. November 1908 in einer atheistischen Familie mit linksgerichteten Ansichten geboren. Sie war das älteste von vier Kindern. Ihr Vater, Jules Dardant, war Landwirt, Mitglied der Sozialistischen Partei, Gewerkschafter und Mitglied einer Bauerngenossenschaft. Ihre Mutter, Amélie Chazaud, war Schneiderin. Sie waren standesamtlich verheiratet und ließen ihre Kinder nicht taufen. Ihr Onkel, Henri Dardant, war ein kommunistischer Aktivist, ebenso wie ihr Bruder Félix. Ihre Schwester Mathilde war während des Zweiten Weltkriegs Verbindungsfrau der Kommunistischen Partei.[1]
Mit zwölf Jahren erlangte sie das Grundschulzeugnis, besuchte noch ein Jahr lang die Schule und arbeitete danach auf dem elterlichen Hof und auf anderen Höfen im Dorf, bis sie am 12. März 1931 Marc Montré (1903–1935) heiratete. Er war der Sohn eines benachbarten Bauern und Aktivisten der Confédération générale du travail unitaire (CGTU) der Eisenbahner in Tunesien. Das Paar lebte im tunesischen Sousse, wo Marguerite gelegentlich als Schneiderin arbeitete. Marc Montré wurde wegen seiner Nähe zu den Tunesiern und seiner politischen Ansichten am Arbeitsplatz schikaniert. Als er im September 1934 an einer Ohrenentzündung erkrankte, weigerte sich der Betriebsarzt, ihn als krank anzuerkennen. Zwei Monate später wurde er ins Krankenhaus eingeliefert und zweimal operiert. Er starb am 14. Januar 1935. Marguerite Montré, mit 26 Jahren Witwe, kehrte mit dem Leichnam ihres Mannes nach Frankreich zurück.[1]

Am 1. Mai 1935 kam sie nach Paris, wo sie als Haushaltshilfe arbeitete und sich gleichzeitig weiterbildete. Anschließend arbeitete sie als Sekretärin bei der Gewerkschaft der städtischen Angestellten der Stadt Paris.[2] Am 1. Januar 1936 trat sie der Kommunistischen Partei bei und wurde kommunale Angestellte im Sozialdienst von Limeil-Brévannes. Im November 1937 schrieb sie sich für Kurse in Recht und Kommunalverwaltung an der juristischen Fakultät von Paris ein, was ihr ermöglichte, bei der Reederei France Navigation als Privatsekretärin von Georges Gosnat[3], dem Generalsekretär des Unternehmens, eingestellt zu werden.[1] Die auf Initiative des spanischen Botschafters in Frankreich, Luis Araquistáin, gegründete Gesellschaft sollte die spanischen Republikaner während des Spanischen Bürgerkriegs mit sowjetischen Waffen versorgen.[4] Marguerite Dardant wurde schnell in den Geheimapparat der Kommunistischen Partei und in die Kommunistische Internationale integriert. Anfang 1938 absolvierte sie in Moskau unter der Leitung von Helena Dimitrova eine Funkerausbildung.[2] Im September 1939 wurde sie von Giulio Ceretti[5] beauftragt, heimlich 28.000 Inhaberaktien aus den Tresoren von France Navigation zu entwenden, die anschließend der sowjetischen Botschaft in Brüssel übergeben wurden.[1] Danach fungierte sie als Verbindungsfrau innerhalb der nun im Untergrund agierenden Partei.[2]
Am 12. Juni 1940 verließ sie Paris zusammen mit Benoît Frachon und ihrer Schwester Mathilde, um zum Bauernhof der Familie Dardant zu fahren. Frachon beauftragte Marguerite Dardant mit einer Mission bei der Botschaft der UdSSR, um Kontakt zur Kommunistischen Internationale aufzunehmen.[1] Am 2. August 1940 kehrten Marguerite und Mathilde Dardant, Benoît Frachon und Mounette Dutilleul nach Paris zurück, nachdem sie von Jacques Duclos zurückgerufen worden waren. Die Schwestern Dardant stiegen in den Führungsapparat auf, der sich um Jacques Duclos und Benoît Frachon gebildet hatte.[1] Jacques Duclos gibt in seinen Memoiren an, dass Marguerite Dardant „1940 und 1941 (seine) Verbindungsagentin gewesen war“.[6] 1941 stellte sie den Kontakt zwischen Lise London und ihren ausländischen Genossen her, die der Résistance-Gruppe Travail allemand zugewiesen waren.[2] Es wird vermutet, dass sie nach der Entfernung von Maurice Tréand[7] und seiner Mitarbeiterin Angèle Salleyrette, die diese Aufgabe zuvor wahrgenommen hatten, zur Verschlüsselerin der PCF-Führung wurde.[1]

Marguerite Dardant wurde am 19. November 1941 im Schneideratelier Campana in der Rue de Rennes festgenommen. Der Inhaber hatte sie bei den deutschen Behörden denunziert, nachdem er in der Tasche eines Mantels, den sie ihm zur Reparatur gegeben hatte, einen Zettel mit Funkcodes gefunden hatte.[1] Sie wurde zunächst im Gefängnis La Santé und anschließend in Fresnes inhaftiert. Am 18. Mai 1942 wurde sie nach Deutschland überstellt, wo sie in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert war, darunter in Lübeck, Köln, Magdeburg und Breslau, bevor sie in das Lager Ravensbrück und anschließend in das Lager Mauthausen deportiert wurde. Sie wurde am 28. April 1945 befreit und am 20. April nach Annecy repatriiert.[1][8] Am 5. Mai 1945 hielt sie in Limoges eine Rede über die Deportation mit dem Titel „2 Lager, 31 Gefängnisse“. Zusammen mit ihrer Familie unternahm sie zahlreiche Schritte, um ihre Schwester Mathilde Dardant wiederzufinden, die seit November 1942 vermisst wurde. Mathilde wurde schließlich am 13. März 1947 gerichtlich für tot erklärt. Marcel Servin[9] übergab jedoch am 28. September 1949 einen Bericht an Maurice Thorez, in dem er die Verantwortung der Valmy-Gruppe[A 1] hervorhob.[10] Tatsächlich steht nun fest, dass Mathilde Dardant am 6. Oktober 1942 von Marius Bourbon[11] auf Befehl von Raymond Dallidet aus ungeklärten Gründen hingerichtet wurde.[12][13]
Nach dem Krieg arbeitete Marguerite Montré bei der Union des femmes françaises in Limoges und hielt sich dabei häufig in Paris auf.[1] Doch von den Strapazen, die sie während ihrer dreijährigen Deportation erlitten hatte, erholte sie sich nie wieder. Sie starb am 31. Dezember 1955 in ihrer Pariser Wohnung.
Marguerite Dardant ist, ebenso wie andere Frauen wie Mounette Dutilleul, Marie-Claude Vaillant-Couturier eine Symbolfigur jener jungen Frauen, die von der Kommunistischen Partei Frankreichs ausgewählt und von der Kommunistischen Internationale ausgebildet wurden, um einen „Sonderapparat“ zu bilden. Er sollte im Falle einer allgemeinen Mobilmachung funktionsfähig sein und die Polizei täuschen, da Frauen weniger politischer Aktivitäten verdächtigt wurden.[1]
Werke
- Marguerite Montré-Dardant: 2 camps, 31 prisons; texte de l’allocution prononcée à Limoges le 5 mai 1945. Guillemot et de Lamothe, 1945.
Weblinks
- Jean-Pierre Ravery: Dardant Marguerite, épouse Montré. In: Le Maitron. (französisch).
Anmerkungen
- Die Valmy-Gruppe war eine Widerstandsgruppe innerhalb der französischen Polizei. Siehe dazu weiterführend den Artikel Armée des Volontaires (résistance) in der frankophonen Wikipédia.