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Maria mit dem Kind (Verrocchio)

Gemälde von Andrea del Verrocchio, Gemäldegalerie Berlin From Wikipedia, the free encyclopedia

Maria mit dem Kind (Madonna col Bambino) galt bis 2019 überwiegend als einziges eigenhändiges Gemälde des italienischen Renaissancemalers Andrea del Verrocchio und entstand um 1470. Es befindet sich im Raum 39 der italienischen Frührenaissance in der Gemäldegalerie Berlin.

Schnelle Fakten
Maria mit dem Kind (Andrea del Verrocchio)
Maria mit dem Kind
Andrea del Verrocchio, ca. 1470
Tempera auf Pappelholz
75,8× 54,6cm
Gemäldegalerie Berlin
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Detail
Leonardo da Vinci, Madonna mit der Nelke, um 1475, Alte Pinakothek
108, um 1473, Gemäldegalerie Berlin
Andrea del Verrocchio, Bargello, Florenz

Technik

Das Bild ist in Tempera auf Pappelholz gemalt, teilweise mit Ölfarbe oder einer Mischung aus Ölfarbe mit Firnis. In den schattierten Bereichen der Hautpartien scheint die bräunliche Grundierung durch die dünne Lage der Pigmente hindurch.[1]

Bildbeschreibung

Das kleine Andachtsbild ist die Darstellung einer Madonna in Halbfigur. Maria, bis zu den Knien zu sehen, sitzt nach links gewandt in einer felsigen Landschaft. Das auf ihrem Schoß sitzende sich lebhaft zu ihr aufrichtende Jesuskind streckt ihr die Arme entgegen, ein von Verrocchios Madonnenreliefs bekanntes Motiv. Die Kopfform Marias, ihre hohe, runde Stirn, erinnern an Frauenbildnisse Filippo Lippis, den möglichen Lehrer Verrocchios. Bei der Ausarbeitung des Kopfes der Madonna setzt Verrocchio sein typisches Lächeln ein, dass sich anmutig von den feinen Mundwinkeln her ausbreitet. Beider Blicke beziehen sich aufeinander. Das Kind erhält durch sorgfältige und mutige Überschneidungen und Verkürzungen seine dralle und füllige Gestalt. Die Einzelheiten sind sehr fein gemalt. In der Ausführung des feinmaschigen Schleiers, der bis unter die Füße des Kindes herabhängt, der Säume am kirschroten Gewand, dem Muster auf den Brokatärmeln mit ihren Verschnürungen, und der Verzierungen des Heiligenschein der Madonna sieht man den geübten Kunsthandwerker. Die hellen metallisch glänzenden Farben, insbesondere das kalte lichtblau des Mantelfutters vermitteln eine Kühle wie in den Bildern Antonio und Piero del Pollaiuolos. Das um den Leib des Kindes als Lendentuch gewundene orientalische Tuch vergleicht Mackowsky mit dem Lendenschurz des Täuflings der Taufe Christi. Die oft vorgehaltenen häßlichen Nägel finden sich auch bei Botticelli und den Pollaiuoli. Stellenweise, vor allem an den Rändern, ist das Bild stark restauriert.

Zusammenwirken mit anderen Künstlern

Verrocchio war Goldschmied, Bildhauer und Maler und schuf überwiegend Skulpturen. Durch seine bildhauerischen Meisterwerke wie die Reiterstatue des Bartolomeo Colleoni in Venedig und die Statue des ungläubigen Thomas am Orsanmichele in Florenz galt er dort als führender Bildhauer seiner Zeit.

Bei der übersichtlichen Anzahl seiner Gemälde ist die Händescheidung zwischen ihm und seinen möglichen Schülern schwierig. Als Schüler oder zumindest Mitarbeiter an seinen Werken kommen Lorenzo di Credi, Domenico Ghirlandaio, Perugino und auch Leonardo da Vinci in Betracht.

Das Bild wurde 1873 durch Wilhelm von Bode als Piero del Pollaiuolo erworben. In der ausgeprägten Räumlichkeit, den rhythmischen Linien und der kräftigen Plastizität des Bildes sah Oberhuber später den Einfluss Antonio del Pollaiuolos, mit dessen Bruder Piero Verrocchio anlässlich des Wettbewerbs der Tugendfiguren für das „Tribunale della Mercanzia“, das Schiedsgericht der Zünfte, in Florenz 1469 in Kontakt stand.[2] Ähnlichkeiten mit diesem Bild seines Lehrers Verrocchio weist die 1476 entstandene Madonna mit der Nelke Leonardo da Vincis in der Alten Pinakothek auf. Hier, in dem Berliner Madonnenbild und in den Madonnenreliefs Verrocchios fällt der Blick durch ein Fenster auf Mutter und Kind die zueinander ein Dreieck bilden.[3]

Nur dieses und zwei weitere Gemälde galten lange als zumindest teilweise eigenhändige Werke, von denen bei der Altartafel Madonna mit Heiligen in der Kathedrale von Pistoia und der Taufe Christi die Verbindung zu Verrocchio dokumentiert ist.[4] Bei beiden Gemälden handelt es sich um Werkstattkollaborationen.[5] Von den Madonnenbildern galt überwiegend nur das Berliner Bild (104A) aus stilistischen Gründen, wegen der Bildkonzeption und der herausragenden Malweise, als vollständig eigenhändiges Werk des Meisters.[6][7][8] Schon Bode schrieb das Bild in seinem Katalog von 1878, insbesondere unter Hinweis auf dessen plastische Arbeiten, Verrocchio zu.[9]

Weitere Zuschreibung des Madonnenbildes Inv. Nr. 108 der Gemäldegalerie Berlin an Verrocchio

Untersuchungen im Vorfeld der Ausleihe des Gemäldes und eines weiteren Madonnenbildnisses, das sich mit der Inventarnummer 108 ebenfalls in Raum 39 der Gemäldegalerie Berlin befindet, zu den Ausstellungen Verrocchio. Il maestro di Leonardo im Palazzo Strozzi und Nationalmuseum Bargello in Florenz (2019) und Verrocchio. Sculptor and Painter of Renaissance Florence in der National Gallery of Art in Washington, D.C. (2019/2020) und die umfassende Restaurierung des Vergleichsbildes führten dazu, dass dieses nunmehr ebenfalls als Werk Verrochios anerkannt wird.[10][11][12]

Provenienz

Die Herkunftsgeschichte des Bildes lässt sich lediglich ab 1873 verfolgen, als das Museum es aus der Sammlung des Prinzen Jerôme Napoleon in Florenz erwarb.[13] Der Kauf fand über den Kunsthändler Auguste Riblet statt. Seitdem befindet es sich in der Sammlung der Gemäldegalerie.[8]

Literatur

  • Dario A. Covi: Andrea del Verrocchio. Life and Work. Leo S. Olschki Florenz, 2005, ISBN 978-88-222-5420-7, S. 188 ff.
  • Michael Eissenhauer für die Gemäldegalerie Berlin (Hrsg.): Gemäldegalerie Berlin. 200 Meisterwerke, Berlin 2019, Andrea del Verrocchio. Maria mit dem Kind. Um 1470, ISBN 978-3-86502-413-8, S. 298.
  • Konrad Oberhuber: Le problème des premières œuvres de Verrocchio, in: Revue de l’art, 42, 1978, S. 63–75, 70, online.
  • Hans Mackowsky: Verrocchio. Bielefeld, 1901, S. 80.
  • Hannelore Nützmann in: Gemäldegalerie Berlin. Prestel-Verlag München, 1998, ISBN 3-7913-1911-6, S. 121.
  • Franziska Windt: Andrea del Verrocchio und Leonardo da Vinci: Zusammenarbeit in Skulptur und Malerei. Rhema, Münster 2003, ISBN 3-930454-39-4.

Einzelnachweise

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