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Mariae Namen (Hanau)

Kirchengebäude in Hanau From Wikipedia, the free encyclopedia

Die katholische Kirche Mariae Namen ist die älteste römisch-katholische Kirche und Kirchengemeinde in Hanau. Ab 2021 war sie Pfarrkirche der Großgemeinde St. Klara und Franziskus am Main,[1][2] bevor sie diesen Titel 2026 an St. Elisabeth in Hanau-Kesselstadt abgeben musste.

Mariä Namen in Hanau mit helldunkler Schichtung in der rechten Gebäudeecke
Die Kirche unmittelbar nach ihrer Erbauung (um 1850)
Foto von 1860/1865 aus südöstlicher Richtung, etwa vom Paradeplatz
Ausschnitt aus dem vorangegangenen Bild

Geschichte

Das Kirchengebäude wurde 1842–50 mit Bauunterbrechung 1843–48 in neugotischem Stil errichtet. Die ursprüngliche Front zeigte abwechselnde Lagen von dunklem und rotem Sandstein und imitierte damit die von der Romanik bis in die Renaissance in Italien verwendeten polychromen Inkrustations-Fassaden. Architekten waren Julius Eugen Ruhl und Johann Caspar Stawitz. Das erste römisch-katholische Kirchengebäude der Stadt nach der Reformation nahm den Ort des ehemaligen Obstgartens der Grafen von Hanau ein, des Bangerts, weshalb ursprüngliche Adresse und volkstümliche Bezeichnung „Im Bangert“ lauten; die aktuelle offizielle Anschrift heißt Dechant-Theodor-Weidner-Platz.

Nachdem die Grafschaft Hanau Ende des 16. Jahrhunderts unter Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg letztlich die reformierte Variante der Reformation angenommen hatte, mussten auch alle Untertanen diese Konfession annehmen, denn es galt: cuius regio, eius religio. Erst ab 1787 erlaubte der damalige Landesherr, Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel, den Gläubigen römisch-katholischer Konfession die Abhaltung von Gottesdiensten. Das geschah zunächst in einem kleinen Betsaal in der Gärtnerstraße. 1809 wurde der römisch-katholischen Gemeinde Hanaus die Hospitalkirche zur Verfügung gestellt.[3] Ob diese die Hospitalkirche aber genutzt hat, scheint zweifelhaft, da der römisch-katholische Gottesdienst auch 1811 noch in der Gärtnerstraße stattfand.[4] Ab 1841 wurde damit begonnen, die erste eigene Kirche zu errichten. Die Baugeschichte war schwierig: Ursprünglich plante Julius Eugen Ruhl eine dreischiffige Basilika, am 14. Januar 1843 beschädigte jedoch ein Sturm den halbfertigen Bau. Die Arbeiten ruhten mehrere Jahre lang und wurden erst 1848–50 wieder aufgenommen, um das Gottenhaus nach Plänen von Johann Caspar Stawitz als kostengünstigere Hallenkirche zu vollenden.[5]

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche in den Luftangriffen auf Hanau erneut teilzerstört. Der modernisierte und vereinfachte, 1952 von Albert Boßlet entworfene Wiederaufbau vermeidet alle Anklänge an den Historismus; Boßlet setzte auf eine nüchtern-sachliche Gestaltung der Fassade, die das ursprüngliche Streifenmuster nahezu vollständig negiert.

1981 wurde die heutige Kassettendecke eingebaut und die Verglasung im Kirchenschiff erneuert. 1999 wurde eine neue Sakristei in modernem Stil angefügt, die sich stockwerkshoch außen um den gesamten Chor legt.

Die Kirche ist ein Kulturdenkmal aufgrund des Hessischen Denkmalschutzgesetzes aus künstlerischen, geschichtlichen und städtebaulichen Gründen.[6]

Orgel

Die große, französisch-symphonische Orgel wurde 1989 von der Orgelbaufirma Gebrüder Oberlinger (Windesheim) erbaut. Initiator war Regionalkantor Raimund Murch, von dem auch die Disposition stammt. Das Instrument mit seinen 56 Registern auf drei Manualen und Pedal, mechanischen Spieltrakturen und elektrischen Registertrakturen dient insbesondere auch zu Konzertzwecken.[7]

I Grand Orgue C–g3

1.Montre16′
2.Bourdon16′
3.Montre08′
4.Bourdon08′
5.Flûte harmonique 008′
6.Gambe08′
7.Prestant04′
8.Flûte04′
9.Doublette02′
10.Cornet V08′
11.Fourniture IV02 2⁄3′
12.Mixtur V01 1⁄3′
13.Bombarde16′
14.Trompette08′
15.Clairon04′
II Positif C–g3
16.Bourdon8′
17.Salicional8′
18.Prestant4′
19.Flûte4′
20.Nasard2 2⁄3′
21.Doublette2′
22.Tierce1 3⁄5′
23.Larigot1 1⁄3′
24.Cymbale IV 01′
25.Trompette8′
26.Cromorne8′
Tremulant
III Récit (schwellbar) C–g3
27.Bourdon16′
28.Principal08′
29.Bourdon08′
30.Gambe08′
31.Voix céleste08′
32.Prestant04′
33.Flûte octaviante04′
34.Octavin02′
35.Cornet III02 2⁄3′
36.Plein jeu V02′
37.Basson16′
38.Trompette harmonique 008′
39.Hautbois08′
40.Voix humaine08′
41.Clairon04′
Tremulant
Chamades C–g3
42.Chamade 0016′
43.Chamade08′
44.Chamade04′


Pédale C–f1
45.Soubasse 0032′
46.Montre16′
47.Violon16′
48.Soubasse16′
49.Flûte08′
50.Violoncelle08′
51.Bourdon08′
52.Prestant04′
53.Flûte04′
54.Bombarde16′
55.Trompette08′
56.Clairon04′

Glocken

Mariae Namen besitzt das größte und umfangreichste katholische Geläute und gleichzeitig – neben der Marienkirche – die tontiefsten Glocken der Stadt Hanau. Das Geläute wurde nach und nach ergänzt, zuletzt 1995 zum 50. Jahrestag der Zerstörung Hanaus am 19. März 1945, einem Josephstag, durch die tiefste, besonders wohlklingende Glocke „Gloria Dei“. Das Gesamtgeläute mit der Tonfolge „Salve Regina“, erweitert um die Oberoktave, ist in dieser Tonlage nur selten in Deutschland anzutreffen; an den Hochfesten ist es immer wieder eindrucksvoll, wenn die große Glocke über die Dächer der Stadt Hanau schallt.

Daten

Nr.
 
Name
 
Gießer, Gussort
 
Gussjahr
 
Gewicht
(kg)
Durchmesser
(mm)
Nominal
(HT-1/16)
Funktion (Solo)
 
1Gloria Dei
Zur Ehre Gottes
Glockengießerei Albert Bachert, Heilbronn199427301670c1 -9Festtagsglocke (Vorzeichen), Tod eines Papstes, Bischof oder Geistlichen
2Salvator mundi
Erlöser der Welt
Eifeler Glockengießerei Hans-August Mark, Brockscheid198012501240e1 -10Sterbestunde Jesu (Freitags 15:00 Uhr)
3Salve regina mater misericordiae
Sei gegrüßt, Königin, Mutter der Barmherzigkeit
Eifeler Glockengießerei Johannes Mark, Brockscheid19717501050g1 -6Angelus, Wandlung
4Sursum corda
Empor die Herzen
Glockengießerei Alfred Bachert, Bad Friedrichshall-Kochendorf1970500920a1 -6Messglocke (Vorzeichen)
5Sancti angeli custodes
Heilige Schutzengel
Glockengießerei Albert Bachert, Heilbronn1994401841h1 -9Taufglocke
6Requiescant in pace
Sie mögen ruhen in Frieden
Glockengießerei Heinrich Ulrich, Apolda1925260760c2 +4Totenglocke (Gemeindemitglieder)

Läuteordnung

Zu den verschiedenen Zeiten und Anlässen des Kirchenjahres ertönen in der Läuteordnung festgelegte Motive.

Literatur

  • Auth: Der Bau der ersten katholischen Kirche in Hanau. In: Hanau Stadt und Land. Ein Heimatbuch für Schule und Haus. Hanau 1954, S. 467–470.
  • Caroline Krumm: Kulturdenkmäler in Hessen – Stadt Hanau = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen. Wiesbaden 2006, S. 179f. ISBN 3-8062-2054-9.
  • Siegfried Lohr: Planungen und Bauten des Kasseler Baumeisters Julius Eugen Ruhl 1796–1871. Ein Beitrag zur Baugeschichte Kassels und Kurhessens im 19. Jahrhundert. Masch. Diss. Darmstadt [1982].
  • Fried Lübbecke: Hanau. Stadt und Grafschaft. Köln, 1951, S. 367ff.

Einzelnachweise

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