Marialith

Mineral, Gerüstsilikat From Wikipedia, the free encyclopedia

Marialith ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Na4[Cl|Al3Si9O24][4] und damit chemisch gesehen ein Natrium-Alumosilikat mit Chlor als zusätzlichem Anion. Strukturell gehört Marialith zu den Gerüstsilikaten.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Marialith
Ein 2,3 cm langer, gelblicher Marialithkristall aus der Marmorlagerstätte Morogoro, Uluguru-Gebirge, Tansania
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Mar[1]

Andere Namen

Mizzonit von Pianura[2.1]

Chemische Formel
  • Na4Al3Si9O24Cl[3]
  • Na4[Cl|Al3Si9O24][4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/F.09
VIII/J.13-010

9.FB.15
76.03.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-dipyramidal; 4/m[5]
Raumgruppe I4/m (Nr. 87)Vorlage:Raumgruppe/87[4]
Gitterparameter a = 12,05 Å; c = 7,57 Å[4]
Formeleinheiten Z = 2[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5 bis 6[6]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,50 bis 2,62; berechnet: [2,54][6]
Spaltbarkeit deutlich nach {100}, {110}[6]
Bruch; Tenazität uneben bis muschelig; spröde[6]
Farbe farblos im Dünnschliff, weiß, grau, rosa bis violett, blau, gelb, braun, orangebraun[6]
Strichfarbe weiß[6]
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig (opak)[6]
Glanz Glasglanz, Perlglanz[6]
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,539 bis 1,550[7]
nε = 1,532 bis 1,541[7]
Doppelbrechung δ = 0,007 bis 0,009[7]
Optischer Charakter einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale Fluoreszenz
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Marialith kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt meist prismatische Kristalle mit flachen, pyramidalen Enden mit glasglänzenden Oberflächen, aber auch säulige oder körnige bis massige Mineral-Aggregate. In reiner Form ist das Mineral farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder multikristalliner Ausbildung kann es allerdings auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graue, rosa bis violette, blaue, gelbe, braune oder orangebraune Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Marialith bei Pianura in den Phlegräischen Feldern in der italienischen Provinz Neapel.

Ursprünglich war der Name Marialith von Ryllo für einen weißen Berzellin von Albano vergeben worden. Gerhard vom Rath konnte jedoch 1866 nachweisen, dass Berzelin mit dem bereits bekannten Haüyn identisch war. Berzelin als eigenständiges Mineral musste also gestrichen werden und entsprechend verlor auch die Varietätsbezeichnung Marialith ihre Bedeutung.[2.2]

Vom Rath schlug den freigewordenen Namen Marialith als Bezeichnung für ein bei Pianura neu entdecktes Mineral vor, das er selbst aufgrund seiner Ähnlichkeit zum Mizzonit vorläufig als Mizzonit von Pianura bezeichnete.[2.1] Der Name Marialith wurde schließlich von der Fachwelt übernommen. Mizzonit gilt inzwischen entweder als Synonym für den Marialith[8] oder für den Mejonit[9].

Da der Marialith bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Marialith als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Marialith lautet „Mar“.[1]

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[10]

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Marialith zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er gemeinsam mit Mejonit sowie im Anhang mit Kenyait, Magadiit, Sarkolith und Ussingit in der „Skapolith-Reihe“ mit der Systemnummer VIII/F.09 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.13-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Marialith zusammen mit Kalborsit, Mejonit, Sarkolith und Silvialith die „Skapolithreihe“ mit der Systemnummer VIII/J.13 bildet.[11]

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[12] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Marialith in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zusätzlichen Anionen“ zu finden, wo es zusammen mit Mejonit und Silvialith die „Skapolithgruppe“ mit der Systemnummer 9.FB.15 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Marialith die System- und Mineralnummer 76.03.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter mit anderen Be/Al/Si-Gittern“ in der „Skapolithgruppe“, in der auch Skapolithgruppe, Mejonit und Silvialith eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Marialith kristallisiert in der tetragonalen Raumgruppe I4/m (Raumgruppen-Nr. 87)Vorlage:Raumgruppe/87 mit den Gitterparametern a = 12,05 Å und c = 7,57 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]

Eigenschaften

Unter UV-Licht zeigen manche Marialithe eine orange bis hellgelbe oder rote Fluoreszenz.[6]

Bildung und Fundorte

Marialith bildet sich in durch Regionalmetamorphose umgeformten Gesteinen wie Marmor, kalkhaltigen Gneisen, Granuliten und Grünschiefer. Ebenso ist er in einigen Skarnen und Pegmatiten sowie in pneumatolytisch oder hydrothermal umgewandelten Eruptivgesteinen zu finden. Begleitminerale sind unter anderem verschiedene Plagioklase, Granate, Pyroxene, Amphibole, Apatite sowie Titanit und Zirkon.

Als eher seltene Mineralbildung kann Marialith an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 150 Fundorte dokumentiert (Stand 2026).[13] Neben seiner Typlokalität Pianura trat das Mineral noch bei Soccavo in den Phlegräischen Feldern, bei Ercolano und Sant’Anastasia nahe dem Monte Somma, auf Procida und bei Lavorate (Salerno) in Kampanien; bei Val di Fà im Valcamonica in der Lombardei und in der „Cape Arco Mine“ bei Porto Azzurro auf Elba auf.

In Deutschland fand sich Marialith bisher unter anderem im ehemaligen Graphitbergwerk Kropfmühl (heute Besucherbergwerk) und im Steinbruch Höllein am Stengerts in Bayern sowie an einigen Stellen in der Verbandsgemeinde Brohltal, am Eiterköpfe bei Ochtendung, am Krufter Ofen, am Vulkankomplex Rockeskyller Kopf und an einigen Stellen in der Verbandsgemeinde Mendig in Rheinland-Pfalz.

In Österreich fand man das Mineral bei einem Spodumen-Versuchsabbau am Brandrücken in Kärnten (siehe auch Bergbau in Kärnten).

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Brasilien, Chile, China, Frankreich, Japan, Kanada, Nepal, Norwegen, Russland, Schweden, Spanien, Südafrika, Tansania, Tschechien, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten (USA).[14]

Siehe auch

Literatur

Commons: Marialite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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