Mejonit

Mineral, Calcium-Aluminium-Gerüstsilikat From Wikipedia, the free encyclopedia

Mejonit (IMA-Symbol Me[1]) ist ein relativ selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca4[CO3|Al6Si6O24][3] und damit chemisch gesehen ein Calcium-Aluminium-Silikat mit zusätzlichen Carbonationen. Strukturell gehört Mejonit zu den Gerüstsilikaten.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Mejonit
Mejonit (weiß) auf Diopsid (dunkelgraugrün) aus dem Steinbruch Skräbböle, Kalksteingrube Pargas, Südwest-Finnland
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Me[1]

Andere Namen

englisch Meionite

Chemische Formel
  • Ca4Al6Si6O24(CO3)[2]
  • Ca4[CO3|Al6Si6O24][3]
  • 3CaAl2Si2O8 · CaCO3[4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/F.09
VIII/J.13-020[5]

9.FB.15
76.03.01.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-dipyramidal; 4/m
Raumgruppe I4/m (Nr. 87)Vorlage:Raumgruppe/87[3]
Gitterparameter a = 12,18 Å; c = 7,57 Å[3]
Formeleinheiten Z = 2[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 bis 6[4]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,74 bis 2,78; berechnet: 2,86[4]
Spaltbarkeit deutlich nach {100} und {110}[4]
Bruch; Tenazität uneben bis muschelig; spröde[4]
Farbe farblos, weiß, grau, rosa, violett, blau, gelb, orange-braun, braun[4]
Strichfarbe weiß[4]
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig[4]
Glanz Harz- bis Glasglanz, Perlglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,590 bis 1,600[6]
nε = 1,556 bis 1,562[6]
Doppelbrechung δ = 0,034 bis 0,038[6]
Optischer Charakter einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale orange bis hellgelbe oder rote Fluoreszenz unter lang- und kurzwelligem UV-Licht[4]
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Mejonit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt meist prismatische Kristalle, die nach der c-Achse [001] gestreift sind und mit typischerweise flachpyramidalen Enden. Einzelne Kristalle können eine Länge von bis zu 70 cm[4] und Durchmesser von bis zu 40 cm[7] erreichen. Er findet sich aber auch in Form körniger bis derber Mineral-Aggregate. Die Kristalloberflächen zeigen einen harz- bis glasähnlichen, Aggregatformen eher einen perlmuttähnlichen Glanz.

In reiner Form ist Mejonit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine graue, rosa, violette, blaue, gelbe oder orange-braune bis braune Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.

Etymologie und Geschichte

Erstmals wissenschaftlich ausreichend charakterisiert und beschrieben wurde das Mineral 1801 durch den französischen Mineralogen René Just Haüy anhand von Mineralproben vom Monte Somma im Somma-Vesuv-Vulkankomplex bei Neapel in der italienischen Region Kampanien. Haüy gab dem Mineral den Namen „Meïonite“ nach dem griechischen Wort μείων meiōn für „kleiner, geringer, weniger“ in Anlehnung an dessen, im Gegensatz zu Zirkon und Vesuvian, flacheren dipyramidalen Kristallen.

Ein Jahr zuvor beschrieb zwar auch der brasilianische Mineraloge José Bonifácio de Andrada e Silva ein den Eigenschaften nach sehr ähnliches Mineral, das er als Wernerit bezeichnete. Es fehlten aber unter anderem Angaben zur chemischen Zusammensetzung. Zwischen 1959 und 1960 beschloss die Kommission für neue Mineralien und Mineraliennamen der International Mineralogical Association (IMA/CNMMN) zunächst, dass die Bezeichnung Skapolith als Gruppenname und Wernerit als Artname verwendet werden sollte. Diese Zuweisung führte allerdings zu Verwirrungen, da die Abgrenzung der Zusammensetzung von Wernerit nicht festgelegt wurden und daher für den gesamten Zusammensetzungsbereich von Marialith bis Mejonit gelten kann, was Wernerit faktisch zu einem Synonym für Skapolith macht. Um die Verwirrungen in Bezug auf die Nomenklatur aufzulösen, wurde 1986 schließlich festgelegt, dass der Name Skapolith als Gruppenname beibehalten wird. Die Skapolithgruppe umfasst die Mischreihe mit den Endgliedern und Mineralarten Marialith (Na4Al3Si9O24Cl) und Mejonit (Ca4Al6Si6O24(CO3)). Die ebenfalls bis dahin verbreiteten Namen Dipyr (= Marialith) und Mizzonit (= Mejonit) gelten als Varietätennamen und Wernerit wird als Synonym für Skapolith verworfen.[8] Seit 1998/1999 gehört auch das Mineral Silvialith (Ca4Al6Si6O24(SO4)) zur Skapolithgruppe.[9]

Das Typmaterial von Mejonit wird in der Mineralogischen Sammlung des Muséum national d’histoire naturelle (MHN, Museum) in Paris unter der Inventarnummer H3774 aufbewahrt.[10][11]

Da der Mejonit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Mejonit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Mejonit lautet „Me“.[1]

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Mejonit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er gemeinsam mit Marialith sowie im Anhang mit Kenyait, Magadiit, Sarkolith und Ussingit in der „Skapolith-Reihe“ mit der Systemnummer VIII/F.09 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.13-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Mejonit zusammen mit Kalborsit, Marialith, Sarkolith und Silvialith die „Skapolithreihe“ mit der Systemnummer VIII/J.13 bildet.[5]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[12] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Mejonit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die neu definierte Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zusätzlichen Anionen“ zu finden, wo es zusammen mit Marialith und Silvialith die „Skapolithgruppe“ mit der Systemnummer 9.FB.15 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Mejonit die System- und Mineralnummer 76.03.01.02. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter mit anderen Be/Al/Si-Gittern“ in der „Skapolithgruppe“, in der auch Marialith und Silvialith sowie der nicht als Mineralart anerkannte Skapolith eingeordnet sind.

Chemismus

In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Mejonit (Ca4Al6Si6O24(CO3)[2]) besteht das Mineral im Verhältnis aus je 4 Teilen Calcium (Ca), 6 Teilen Aluminium (Al) und Silicium (Si), 27 Teilen Sauerstoff (O) und einem Teil Kohlenstoff (C) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 17,15 Gew.-% Ca, 17,32 Gew.-% Al, 18,03 Gew.-% Si, 46,22 Gew.-% O und 1,28 Gew.-% C[13] oder in der Oxidform 24,00 Gew.-% Calciumoxid (CaO), 32,73 Gew.-% Aluminiumoxid (Al2O3), 38,57 Gew.-% Siliciumdioxid (SiO2) und 4,71 Gew.-% Kohlenstoffdioxid (CO2).[14]

Bei natürlichen Mejoniten können diese Werte je nach Bildungsbedingungen und Stoffzufuhr in geringem Umfang schwanken. Zudem sind aufgrund der Mischkristallbildung von Mejonit und Marialith (Na4Al3Si9O24Cl) meist ein geringer Anteil des Calciums durch Natrium (Na) sowie des Carbonatkomplexes (CO3) durch Chlor (Cl) ersetzt (substituiert). Durch die Mischkristallbildung mit Silvialith (Ca4Al6Si6O24(SO4)) können Anteile des Carbonatkomplexes durch Sulfatkomplexe (SO4) ersetzt sein.

So wurden bei der Analyse von Mejonitproben vom Vesuv die folgende Zusammensetzung ermittelt: 20,72 Gew.-% CaO, 31,59 Gew.-% Al2O3, 41,38 Gew.-% SiO2 und 4,35 Gew.-% CO2 sowie formelfremde Anteile von 1,38 Gew.-% Natriumoxid (Na2O), 0,48 Gew.-% Kaliumoxid (K2O), 0,29 Gew.-% Magnesiumoxid (MgO), 0,35 Gew.-% SO3, 0,18 Gew.-% Cl und 0,29 Gew.-% H2O.[4]

Kristallstruktur

Mejonit kristallisiert in der tetragonalen Raumgruppe I4/m (Raumgruppen-Nr. 87)Vorlage:Raumgruppe/87 mit den Gitterparametern a = 12,18 Å und c = 7,57 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Die Kristallstruktur der Skapolithgruppe besteht allgemein aus einem Gerüst aus SiO4- und AlO4-Tetraedern, die zu 4- und 5-gliedrigen Ringen verbunden sind. Diese Struktur enthält große Hohlräume, die beim Mejonit je ein [CO3]2−-Anion enthalten, das von vier großen Ca-Kationen umgeben ist.[3]

Modifikationen und Varietäten

Als Algerit wird eine blassgelbweiße bis hellgraue Varietät von Mejonit bezeichnet, die quadratische Kristallprismen bildet.[15] Thomas Sterry Hunt beschrieb diese Varietät erstmals 1849 und benannte sie nach Francis Alger.[16]

Bildung und Fundorte

Scharfkantiger Mejonitkristall mit aufsitzenden Phlogopitkristallen aus dem Steinbruch Skräbböle, Südwest-Finnland
(Größe 45 mm × 45 mm × 30 mm)

Mejonit bildet sich typischerweise in regional metamorphosierten Gesteinen, vor allem Marmor, Kalkgneis, Granulit und Grünschiefer. Daneben kommt er aber auch in Skarnen, einigen Pegmatiten sowie in pneumatolytisch oder hydrothermal umgewandelten magmatischen Gesteinen und ausgeworfenen vulkanischen Blöcken. Als Begleitminerale können unter anderem verschiedene Amphibole, Apatite, Granate, Plagioklase und Pyroxene sowie Titanit und Zirkon auftreten.[4]

Als eher seltene Mineralbildung kann Mejonit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 200 Vorkommen[17] dokumentiert (Stand 2025). Außer an seiner Typlokalität am Monte Somma fand sich das Mineral in Italien unter anderem in den Steinbrüchen bei Pollena Trocchia und Torre del Greco sowie den San-Vito-Thermalfeldern bei Pozzuoli in Kampanien, im Biachella-Tal bei Sacrofano in der Region Latium, bei Paspardo, Chiesa in Valmalenco, Valfurva und Villa di Chiavenna in der Lombardei, an verschiedenen Stellen in der Provinz Verbano-Cusio-Ossola in der Region Piemont und im Wipptal in Trentino-Südtirol.

In Deutschland wurde das Mineral bisher vor allem in Rheinland-Pfalz entdeckt, so unter anderem in der Sandgrube Hüttenberg bei Glees im Brohltal, in den Steinbrüchen bei Mendig (In den Dellen, Thelenberg, Wingertsberg) und Ettringen sowie bei Dreis-Brück und Rockeskyll in der Vulkaneifel. Außerdem trat Mejonit noch im Graphitbergwerk Kropfmühl, im Steinbruch Höllein bei Stengerts und im Schacht Zwingau bei Pfaffenreut/Untergriesbach auf.[18]

In Österreich konnte Mejonit bisher in einer Spodumen-Prospektion und der Gösler Hütte in der Gemeinde Frantschach-Sankt Gertraud (Wolfsberg) in Kärnten, im Harter-Steinbruch der Gemeinde Bad Schwanberg in der Steiermark sowie in verschiedenen Steinbrüchen bei Wollmersdorf (Gemeinde Drosendorf-Zissersdorf), Maria Laach am Jauerling, Loja (Gemeinde Persenbeug-Gottsdorf), Weiten und Eibenstein (Gemeinde Raabs an der Thaya) in Niederösterreich gefunden werden.[18]

In der Schweiz trat Mejonit bisher nur im Kanton Tessin, genauer im Valle di Blenio und im Val Piumogna, auf.[18]

Bekannt ist auch das Kongegruva-Kalksteinbergwerk bei Kalkheia nahe Kristiansand im norwegischen Fylke Agder, wo gut ausgebildete, zentimetergroße Mejonitkristalle gefunden wurden.[19]

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Argentinien, Australien, Brasilien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich, Indien, Japan, Kanada, Kirgisistan, Madagaskar, Mexiko, Myanmar, Namibia, Norwegen, Polen, Russland, Sambia, Schweden, Simbabwe, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, den Vereinigten Staaten.[18]

Siehe auch

Literatur

  • José Bonifácio de Andrada e Silva: Der Eigenschaften und Kennzeichen einiger neuen Fossilien aus Schweden und Norwegen nebst einigen chemischen Bemerkungen über dieselben. In: Allgemeines Journal der Chemie. Band 4, 1800, S. 28–39; hier: 35–36 und 38–39, „9) Wernerit“ und „12) Scapolit“ (rruff.info [PDF; 2,4 MB; abgerufen am 22. Oktober 2025]).
  • René Just Haüy: Traité de Minéralogie. Band 2. Louis, Paris 1801, S. 586–590, Meïonite (französisch, rruff.info [PDF; 365 kB; abgerufen am 22. Oktober 2025]).
  • René Just Haüy: Traité de Minéralogie. Band 3. Louis, Paris 1801, S. 119–125, Wernerite (französisch, rruff.info [PDF; 443 kB; abgerufen am 22. Oktober 2025]).
  • Peter Bayliss: Mineral nomenclature: scapolite. In: Mineralogical Magazine. Band 51, 1997, S. 176 (rruff.info [PDF; 81 kB; abgerufen am 22. Oktober 2025]).
  • Barbara L. Sherriff, Elena V. Sokolova, Yurii K. Kabalov, David M. Jenkins, Gerald Kunath-Fandrei, Steffen Goetz, Christian Jäger, Julius Schneider: Meionite: Rietveld structure-refinement, 29Si MAS and 29Al SATRAS NMR spectroscopy, and comments on the marialite-meionite series. In: The Canadian Mineralogist. Band 38, 2000, S. 1201–1213 (englisch, rruff.info [PDF; 1,8 MB; abgerufen am 22. Oktober 2025]).
Commons: Meionite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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