Marienkirche (Sangerhausen)

evangelisch-lutherisches Kirchengebäude in Sangerhausen, Landkreis Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt From Wikipedia, the free encyclopedia

Die altlutherische Marienkirche ist eine gotische Saalkirche in Sangerhausen im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt. Sie befindet sich im Eigentum der Stadt und wird von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche sowie für Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Kleinkunst genutzt. Alljährlich wird der Sangerhäuser Weihnachtsmarkt in der und um die Marienkirche veranstaltet.[1]

Marienkirche Sangerhausen
Mahnmal an der Kirche

Geschichte und Architektur

Die Kirche war die ehemalige Pfarrkirche der nördlichen Vorstadt Neuendorf und wurde um 1360 erbaut. Eine erste Erwähnung erfolgte 1367. Sie wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch einen neuen Chor erweitert. Vermutlich war die Erneuerung des gesamten Bauwerks vorgesehen, die jedoch nicht vollendet wurde. Nach Einführung der Reformation im Jahr 1539 in Sangerhausen wurde die Marienkirche als Friedhofskirche genutzt. Seit 1858 wurde das Kirchenschiff von der altlutherischen Gemeinde genutzt, von 1860 bis 1893 wurde der Chorraum der Kirche von der katholischen Gemeinde für Gottesdienste verwendet, der dann auch von den Altlutheranern übernommen wurde. 1977 wurde die Kirche baupolizeilich gesperrt. Im Jahr 1989 wurde eine Notsicherung des Bauwerks vorgenommen. Im Jahr 2000 wurde der Kulturverein Armer Kasten e.V. gegründet. 2006 ging das Eigentum an der Kirche von der aufgelösten Stiftung Armenkasten an die Stadt Sangerhausen über mit weiterem Nutzungsrecht der Selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche.[2]

Das einschiffige Bauwerk aus einem Langhaus mit spitzbogigen Fenstern und einem wenig höheren quadratischen Westturm mit mächtigem Spitzhelm sowie vier niedrigeren Eckhelmen ist durch den das Kirchenschiff weit überragenden Chor mit dreiseitigem Schluss geprägt. Der Chor ist zweijochig und durch ein halbes Joch fortgesetzt; der Bau wurde fragmentarisch zum Abschluss gebracht. Das Äußere ist durch abgetreppte Strebepfeiler und ein umlaufendes, stark gekehltes Kaffgesims geprägt. Die schlanken zweiteiligen Maßwerkfenster sind mit abgeschrägtem Gewände versehen, das in einem Fenster der Südseite einen Kopf und ein weiteres Fragment einer Skulptur zeigt.

Im Innern befindet sich ein großer vermauerter Spitzbogen zwischen Turm und Langhaus. Der Raum wird durch ein hölzernes spitzbogiges Tonnengewölbe geschlossen; die Gewölbeanfänger über Konsolen auf kurzen Diensten sind erhalten.

Die Kirche steht unter Denkmalschutz und ist als Baudenkmal mit der Erfassungsnummer 094 84063 im Denkmalverzeichnis von Sachsen-Anhalt registriert.[3]

Ausstattung

Die Ausstattung ist weitgehend verloren; davon erhalten ist ein Doppelgrabstein mit lebensgroßen Relieffiguren der Verstorbenen vom Ende des 16. Jahrhunderts. Ein Taufstein aus Buntsandstein (vermutlich der älteste Taufstein der Stadt) stammt aus der Zeit um 1300.[1] Im Jahr 2007 wurde das zwischenzeitlich in die Ulrichskirche Sangerhausen ausgelagerte Altarbild zurückgebracht.[2]

Vor der östlichen Polygonseite des Chors ist ein Mahnmal für die Opfer des Faschismus aus dem Jahr 1956 von Gerhard Geyer aufgestellt; es zeigt eine blockhafte Kalkstein-Skulpturengruppe von zwei KZ-Häftlingen, die einen zu Tode erschöpften dritten Häftling stützen.

Ein Geläut aus vier Glocken wurde im Oktober 2017 im Turm aufgehängt.[1]

Literatur

Commons: Marienkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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