Martin A. Nowak
österreichischer Biologe und Mathematiker
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Martin Andreas Nowak (* 1965) ist ein österreichischer Mathematiker und Biologe. Als Professor an der Harvard University ist er aktuell aufgrund von Vorwürfen in Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Epstein-Akten beurlaubt.

Leben
Martin A. Nowak studierte von 1983 bis 1987 Biochemie und promovierte 1989 „sub auspiciis“ in Mathematik an der Universität Wien.[1] Seine Dissertationsarbeit trug den Titel Stochastische Strategien im Gefangenendilemma (Evolution of Cooperation). Die Habilitation erfolgte 1993 an der Universität Wien. Nowak arbeitete in dieser Zeit unter anderem mit Peter Schuster und Karl Sigmund in Wien, sowie mit Robert May in Oxford und Manfred Eigen in Göttingen. Danach forschte er bis 1998 an der University of Oxford. Von 1998 bis 2003 arbeitete Nowak am Institute for Advanced Study in Princeton. Seit 2003 ist er Professor in Harvard.
1992 war er eingeladener Sprecher auf dem Europäischen Mathematikerkongress in Paris (The evolutionary dynamics of HIV infections).[2] 1996 erhielt er den Weldon Memorial Prize. Ab 2001 war er korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften,[3] legte aber mit 26. März 2026 seine Mitgliedschaft zurück, nachdem seine früheren Mailkontakte mit Jeffrey Epstein in den USA veröffentlicht worden waren.[4]
Arbeit
Nowaks Forschungsinteressen sind Evolutionsdynamik, Evolution und Behandlung von Krebs, Infektionsdynamik, Quasispeziestheorie, Genredundanz, Evolutionäre Spieltheorie, Dynamik von Adaptionen, endliche Populationen, evolutionäre Graphentheorie, evolutionäre Mengenlehre, Evolution von Sprache, Kooperation, Fairness und Reputation, Indirekte Reziprozität, Gruppenselektion, Ursprung der Evolution und die Evolution der Eusozialität.
Verbindungen mit Jeffrey Epstein
In den frühen 2000er-Jahren knüpften Nowak und der amerikanische Investor Jeffrey Epstein Kontakt. Nowak verwies in einem Medienstatement darauf, dass er gedrängt worden sei, eine bereits bestehende finanzielle Unterstützung Harvards durch Epstein fortzusetzen.[5] 2003 förderte Epstein Nowaks Institut über Evolutionsdynamiken mit insgesamt 6,5 Millionen US-Dollar,[6] nachdem anfangs sogar von 30 Millionen US-Dollar die Rede gewesen war.[7] Im selben Jahr verfasste Nowak auch mehrere Seiten für ein Buch, das Epstein anlässlich seines 50. Geburtstages erhielt, und schrieb darin von einem „Epstein Institute“ in Harvard.[8][9] Zu diesem Zeitpunkt war Epstein noch kein verurteilter Straftäter.
Nowak hielt aber auch nach Epsteins Verurteilung 2008 engen persönlichen und finanziellen Kontakt aufrecht.[10] Nowak setzte sich in diesem Zusammenhang für Epsteins Rehabilitation ein. Insgesamt besuchte Epstein zwischen 2010 und 2018 noch 40-mal den Lehrstuhl von Nowak, häufiger in Begleitung von jungen Frauen. Er hatte ein eigenes Büro am Lehrstuhl und bis zu Protesten 2014 auch eine eigene Seite auf der Homepage von Nowaks Lehrstuhl, welche zu Epsteins privater Webseite verlinkte.[11][12]
Nach dem verstärkten Bekanntwerden von Epsteins Verbrechen ab 2019 wurde auch Nowak im Mai 2020 beurlaubt. Im März 2021 wurde entschieden, dass Nowak weiter in Harvard bleiben kann, aber sein Forschungsprojekt aufgelöst wird und er zwei Jahre lang keine Betreuung von Studenten übernehmen darf.[13] 2023 wurden die Sanktionen der Universität gegen Nowak wie vereinbart aufgehoben.[14] Im Zuge der Veröffentlichung der Epstein-Akten wurden 2026 auch Mailverläufe zwischen Nowak und Epstein veröffentlicht.[15] Im Februar 2026 wurde Nowak erneut beurlaubt.[16] Nowak gibt an, ihm sei das volle Ausmaß von Epsteins Verbrechen erst 2019 bewusst geworden.[5]
Bücher
- M. A. Nowak, R. M. May: Virus Dynamics: Mathematical Principles of Immunology and Virology. Oxford University Press, 2000, ISBN 0-19-850418-7.
- M. A. Nowak: Evolutionary Dynamics: Exploring the Equations of Life. Harvard University Press, 2006, ISBN 0-674-02338-2.
- M. A. Nowak, R. Highfield: SuperCooperators: Why We Need Each Other to Succeed. Free Press, 2011, ISBN 978-1-4391-0018-9.
- deutsch von Enrico Heinemann: Kooperative Intelligenz. Das Erfolgsgeheimnis der Evolution. C. H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65547-0.