Mary Clifford
englisch-britische Sozialarbeiterin und Sozialreformerin
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Mary Clifford (* 8. September 1842 in Clifton, Bristol; † 19. Januar 1919 in Redland, Bristol) war eine englisch-britische Sozialarbeiterin und -reformerin. Sie war eine der ersten Frauen, die als Poor-Law Guardian im Rahmen der Armengesetzgebung gewählt wurde.[1]


Leben
Clifford war das erste von sechs Kindern von Emily, geborene Hassell (1816/17–1870), und dem Reverend John Bryant Clifford (1804–1886), Vikar von St Matthew’s, Kingsdown, Bristol.[1] Ihre Mutter starb, als Mary noch jung war, und als ältestes Kind übernahm sie einen Großteil der Verantwortung für die Erziehung ihrer jüngeren Geschwister. Dazu gehörten Edward Clifford, der später ein Künstler wurde, und Alfred Clifford, der Bischof der anglikanischen Church of India, Burma and Ceylon wurde. Später begann sie ehrenamtliche Sozialarbeit in Cotham, Bristol.[2][3]
Als ihre Freundin Catherine Winkworth die Clifton Association for the Higher Education of Women gründete, besuchte sie die Vorlesungen. Essays, die sie zu den Inhalten verfasste, wurden von John Addington Symonds und Mandell Creighton sehr geschätzt.[1]
Die Wahl von Martha Merington in ein Board of Guardians im Jahr 1875 hatte gezeigt, dass Frauen in diesen Gremien teilhaben konnten. Clifford und zwei weitere Frauen kandidierten 1882 für das Board of Guardians für Barton Regis, ein Hundred von Gloucestershire, und alle drei wurden gewählt. Clifford wurde bald die bekannteste Frau in einem Board of Guardians und entwickelte ein weit verbreitetes System zur Pflege von Waisen.[2][3] Ihr Einsatz für die Kinder war weit gestreut bis hin zur abwegigen Idee, dass viele Waisen besser aufgehoben wären, wenn sie nach Kanada gebracht würden.[4] Sie setzte sich für die Einschränkung der Macht von misshandelnden Eltern über ihre Kinder ein, was 1889 gesetzlich verankert wurde. Aufgrund ihrer Bekanntheit wurde Clifford in das Central Committee of Poor Law Conferences berufen, dem sie zwölf Jahre lang angehörte. 1898 wurde das Barton Regis-Board in das Bristol Board of Guardians eingegliedert und Clifford wurde in das größere Gremium gewählt.[2]
Neben den Kindern schenkte Clifford Mädchen und Frauen mit Lernbehinderungen Aufmerksamkeit, sie nannte sie „simple Susans“. Sie veranstaltete Teeparties für sie oder brachte ihnen grundlegende Tätigkeiten bei. Im späten 19. Jahrhundert war dieses Maß an Mitgefühl für die sogenannten „Schwachsinnigen“ ungewöhnlich, innerhalb der Armenhäuser galten sie oft als lästig und wurden isoliert, sie gerieten in die Prostitution und wurden häufig ungewollt schwanger.[1] Zusammen mit Kolleginnen aus Manchester und Birmingham versuchte sie auf Konferenzen andere Vormünder und Behörden darüber aufzuklären, wie man Menschen mit besonderen Bedürfnissen versteht und betreut.[5] Sie setzte sich für gesetzliche Änderungen ein und berichtete an eine Royal Commission zu dem Thema, was letztlich zur Bereitstellung spezieller Unterkünfte im Rahmen des Mental Deficiency Act 1913 führte.[1]
Im Rahmen ihrer Tätigkeit veröffentlichte diverse Flugblätter und Broschüren zu ihren Themen.[1]
Clifford war Gründungsmitglied der National Union of Women Workers (NUWW) und arbeitete eng mit der ersten Präsidentin, Louise Creighton, zusammen. Von 1903 bis 1905 war Cliford selbst Präsidentin und sprach in dieser Funktion 1904 vor dem International Council of Women in Berlin zu den Themen Women in the Civil Law und The Unmarried Mother.[1] Clifford war sehr religiös und äußerte Bedenken, dass die Organisation mit Einrichtungen in anderen Ländern zusammenarbeitete, die ihre religiösen Ansichten nicht teilten, war jedoch zufrieden, dass die meisten Führungskräfte der NUWW Anglikanerinnen waren.[6] Sie nahm regelmäßig am Church Congress teil und sprach dort; ihre Rede von 1899 über Missionsarbeit im Ausland wurde weithin bekannt.[1][2]
Clifford war bekannt dafür, eine Kapuzenhaube und einen langen Umhang zu tragen, was damals als altmodisch galt und den Mythos entstehen ließ, sie sei eine Quäkerin.[2]
Clifford trat 1907 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Bristol Board of Guardians zurück.[2] 1912 erhielt sie einen Master ehrenhalber der Universität Bristol.[1]
In ihren letzten Lebensjahren litt sie unter zunehmend bei schlechter Gesundheit und Atherosklerose. Sie starb 1919 und wurde auf dem Kirchof in Henbury, Bristol, beerdigt.[7]