Matze

ungesäuerter Brotfladen der jüdischen Küche From Wikipedia, the free encyclopedia

Matze (hebräisch מַצָּה/? mazza; Plural מַצּוֹת mazzot, deutsch Matzen, altgriechisch ἄζυμα Azyma – auch jiddisch מצה, mátze, „Matze“; Plural מצות, mátzes, „Matzen“), auch „ungesäuertes Brot“ genannt, ist ein dünner Brotfladen, der von religiösen und traditionsverbundenen Juden während des Pessach gegessen wird. Matze wird aus Wasser und einer der fünf Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Dinkel, ggf. mit Öl, aber ohne Triebmittel gefertigt.

Eine Matze
Matzebacken: Buchillustration aus dem Wormser Machsor

Im deutschen Sprachraum sind auch die Schreibweisen Mazze, Matzen oder der Mazzen gebräuchlich.[1]

Religiöse Überlieferung

Matze wird zur Erinnerung an den biblisch überlieferten Auszug aus Ägypten der Israeliten gegessen. Gemäß Ex 12,8-11 Lut war den Israeliten zum ersten Passah in der Nacht der zehnten Plage von Gott geboten, in einer Haltung von Eile zu essen. Dabei sollten sie ungesäuertes Brot (neben gebratenem Lamm und bitteren Kräutern) verzehren. Im Gedenken daran sollen die Israeliten „als ewige Ordnung“ sieben Tage lang ungesäuertes Brot essen und den Sauerteig am ersten der sieben Tage aus ihren Häusern tun (Ex 12,14-15 Lut). In diesem Zusammenhang dieses Gebots wird in Ex 23,15 Lut die Bezeichnung „Fest der ungesäuerten Brote“ אֶת־חַג הַמַּצּוֹת altgriechisch τὴν ἑορτὴν τῶν ἀζύμων verwendet. Auch als Speiseopfer wird Matze mit Öl im Teig in der Pfanne zubereitet genannt (Lev 2,5 Lut).

Begriff

Der hebräische Begriff מַצָּה kann mit dem griechischen Begriff μᾰζα Gerstenteig, Gerstenbrot in Verbindung gebracht werden, wobei sogar eine Entlehnung aus dem Griechischen für möglich gehalten wird.[2] In der Septuaginta (LXX) hingegen ist zumeist nur von dem „ungesäuerten“ (altgriechisch ἄζυμα) die Rede, wobei dann stillschweigend ein Wort für irgendein Brot, wie μᾰζα mit weiblichem Genus (also nicht ἄρτον) zu ergänzen ist. Das Substantiv (das Ungesäuerte) ist ἄζυμος und steht in der Übersetzung von Constructus-Verbindungen, wie חַג הַמַּצּוֹת Fest der ungesäuerten Brote. Während aber die LXX hier regelmäßig zwischen ἄζυμος und ἄρτος (gesäuertes)Brot unterscheidet, ist im letzten Pessach-Mahl Christi in Mt 26,26 NA, Mk 14,22 NA, Lk 22,19 NA und 1 Kor 11,23.26-28 NA von ἄρτος im Sinne von Brot (als Oberbegriff) die Rede.

Riten

Judentum

Da während der Pessach-Tage nicht nur kein gesäuertes Brot, sondern auch sonst nichts, das „gären“ könnte (beispielsweise Teigwaren, Mehl, bei den Aschkenasim auch Hülsenfrüchte und Reis), gegessen wird, werden Kuchen, Aufläufe und Ähnliches aus Matzen oder Matzemehl, das aus Matze gewonnen wird, gebacken. Orthodoxe Juden legen das Gebot des Verzichts auf „getriebenes“ Brot so streng aus, dass sie während des Pessachfestes kein Geschirr verwenden, das je mit einem mit Triebmittel hergestellten Brot in Berührung gekommen ist. In vielen orthodoxen Haushalten gibt es daher zwei spezielle Pessach-Geschirre (eins milchig, eins fleischig), bescheidenere Haushalte behelfen sich, indem alle Töpfe, Teller und Bestecke durch langes Auskochen rituell gereinigt werden.

Das Gebot, Matze zu essen, besteht nur für den ersten Pessach-Abend, den Seder (Beginn des 15. Nisan; in der jüdischen Diaspora zwei Tage: 15. und 16. Nisan). Für den Rest der Woche gilt lediglich, dass kein Chametz, also nichts Gesäuertes, gegessen werden darf. Am Seder-Abend gehören drei besondere Matzen – üblicherweise handgebacken und dicker als die gewöhnlichen – auf den Tisch: Die oberste Matze symbolisiert die Kohanim (Tempelpriester), die mittlere die Leviten (die Tempeldiener) und die unterste schließlich Israel, das Volk der Israeliten. Jede dieser drei Matzot ist von den anderen durch ein Tuch getrennt. Jedem Juden ist es geboten, ein Stückchen davon zu essen. Ebenfalls wichtig ist am Seder die Prozedur des Versteckens und des „Wiederauffindens“ des Afikomans, ein Spaß für die am Seder teilnehmenden Kinder.

Neben den gewöhnlichen Matzen gibt es noch die Mazza schmura („bewachte Mazza“). Bei der gewöhnlichen Matze wird darauf geachtet, dass sie von dem Augenblick an, in dem die Körner gemahlen und das Mehl weiter verarbeitet wird, nicht zu Gesäuertem wird. Über die Mazza schmura wird schon von der Ernte an gewacht. In jedem Stadium, angefangen von der Ernte, bis zur letzten Phase, in der gebacken wird, droht die Gefahr, dass Getreide, Mehl oder Teig Gesäuertes werden, durch zu starke Hitze, Luftfeuchtigkeit oder auch zu langes Kneten.

Frühere jüdische Generationen backten besondere Matzen für den Sederabend, und zwar eigenhändig am Nachmittag des gleichen Tages. Diese Matzen sind die so genannten mazzot mizwa („Matzen des Gebots“); denn sie sind für das Befolgen eines Gebotes bestimmt, das heißt, sie werden am Sederabend gegessen.

Christentum

Dem für jüdische Christen offensichtlichen Beispiel Christi folgend wurde in den Kirchen von Armenien und Rom das Abendmahl mit ungesäuertem Brot gefeiert. Dieser Brauch wurde jedoch von Byzanz abgelehnt. Die Formulierung der Einsetzungsworte für das Abendmahl wurden dahingehend interpretiert, dass das Brot, das Jesus gebrochen hatte, in jedem Fall gesäuert gewesen sei. Mithin seien die Azymen durch das Evangelium abgeschafft.[3]

Azymenstreit

Im 11. Jahrhundert gab es sowohl in Rom, als auch in Konstantinopel Bestrebungen, Riten zu vereinheitlichen. In Byzanz geschah das insbesondere Angesichts der Eingliederung des armenischen Reiches von Ani im Jahr 1045. Bis ins 13. Jahrhundert hinein nahm dabei der Streit um die Verwendung ungesäuerten Brotes beim Abendmahl einen erheblichen Raum innerhalb der byzantinischen Polemik gegen den lateinischen Ritus ein. Und auch als sich bereits die offizielle Diskussion ab Ende des 12. Jahrhunderts mehr zum Filioque hin bewegte, war der Streit um die Azymen weiterhin der wesentliche Grund für Spannungen zwischen benachbarten Gemeinden mit byzantinischem Ritus auf der einen und lateinischem auf der anderen Seite.[3] Noch bis ins 18. Jahrhundert blieb er Gegenstand polemischer Erörterungen.[4]

Herstellung

Mazzateigroller, Datierung 1840–1860, Jüdisches Museum der Schweiz (Basel)

Um gemäß den jüdischen Speisegesetzen koscher für das Pessach zu sein, unterliegt die Herstellung der Matzen rabbinischer Aufsicht. Verfrühter Kontakt des geernteten Getreides oder des Mehls mit Wasser soll vermieden werden, jeglicher Kontakt mit einem Säuerungsmittel ist verboten. Der Backprozess, vom Mischen des Mehls mit Wasser bis zur fertig gebackenen Matze, darf höchstens 18 Minuten dauern.

Matzenbrei

Matzenbrei

Matzenbrei (מצה בריי, matzah brei, מצה מטוגנת, matzah metugenet) ist ein aschkenasisches Gericht, das oft als Frühstück während des Pessach auf den Tisch kommt.

Die Zubereitung und die Zutaten können variieren; ein einfaches Rezept für Matzenbrei ist, die Matzen in kleine Teile zu brechen und in Milch oder Wasser zu legen, bis diese fast vollgesogen sind, dann Eier und Gewürze in die entstandene Masse zu geben und in einer Pfanne mit erhitzter Butter zu backen. Der Matzenbrei kann mit verschiedenen süßen oder salzigen Soßen serviert werden.

Polnische Juden haben einen einfachen Merkspruch für das Matzebrei-Rezept entwickelt: polnisch jedna maca jedno jajo, druga maca drugie jajo (eine Matze ein Ei, zwei Matzen zwei Eier). Dieses Rezept wird scherzhaft gebraucht, da es als Wortspiel eine doppelte Bedeutung hat.

Siehe auch

Literatur

  • Georgij Avvakumov: Die Entstehung des Unionsgedankens. Die lateinische Theologie des Hochmittelalters in der Auseinandersetzung mit dem Ritus der Ostkirche. Akademie-Verlag, Berlin 2002, S. 29–159 (Kapitel A: Der Azymenstreit).
  • Avvakumov 2005 – Georgij Avvakumov: . In: Peter Bruns, Georg Gresser (Hrsg.): Vom Schisma zu den Kreuzzügen 1054-1204. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2005, ISBN 978-3-506-72891-3. (Jetzt bei Brill, Leiden).
  • Axel Bayer: Spaltung der Christenheit. Das sogenannte Morgenländische Schisma von 1054 (= Archiv für Kulturgeschichte, Beih. 53). Böhlau-Verlag, Köln, Weimar, Wien 2002, 2. Aufl. 2004, S. 214–221.
  • John Meyendorff: Azymes. In: Oxford Dictionary of Byzantium, Bd. I, S. 241. New York/Oxford 1991.
Wiktionary: Matze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Matze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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