Max Gerstle

österreichischer Industrieller From Wikipedia, the free encyclopedia

Max Gerstle (* 12. Mai 1843 in Wien; † 23. April 1923 ebenda[1]) war ein österreichischer Industrieller sowie eine Persönlichkeit im österreichischen Schützenwesen.[2][3]

Max Gerstle
Max Gerstle – Ölgemälde der Malerin Luma Flesch-Brunningen (Schwester seiner Frau Leopoldine Gerstle)

Leben

Familie

Als Sohn von Ignaz Isak Gerstle (1809–1896), dem ehem. Bezirksvorsteher vom Alsergrund[4][5] und Therese Gerstle (1808–1894) wurde er 1843 in Wien geboren. Er hatte drei Schwestern: Karoline (v. Ruszthal), Katharine (Frauenfeld) und Mathilde (Sommer).[6][7]

Er hatte zwei Kinder mit Leopoldine von Flesch-Brunningen (1845–1903), der Tochter von Isidor Vincenz Flesch (1819–1884) aus Brünn:

  • Max Gerstle jun. (1867–1909), dieser heiratete Helene (Tochter des FML Gaupp v. Berghausen)
  • Adele Gerstle (1874–1945), diese war mehrfach verheiratet u. a. mit Robert Ritter v. Skoda, Julius Deutsch bzw. zuletzt mit Wilhelm Maresch.[8][9][10][11] Adele kaufte gemeinsam mit Wilhelm Maresch im Jahr 1916 das Schloss Ottensheim bei Linz, wo Gerstle sen. den Großteil seiner letzten Lebensjahre bei seiner Tochter verbrachte.[12][13]

Max Gerstle starb 1923 im Alter von 80 Jahren in seiner Wohnung in Wien.

Unternehmertum

Max Gerstle wurde am 24. Oktober 1866 im Register für Einzelfirmen mit dem Firmennamen: Max Gerstle, Holzhändler in Wien, Nussdorfer-Straße Nr. 2 eingetragen.[14]

Das erste Großprojekt war 1868 die Herstellung der Festhalle für das III. Deutsche Bundesschießen im K.K. Prater zu Wien, zusammen mit dem Zimmermeister Obermeyer jun.[15][16]

1871 wurde Gerstle als Gründungsmitglied der Union-Baugesellschaft in den Verwaltungsrat gewählt. 1885 erfolgte seine Wahl zum Präsidenten der Gesellschaft.

1873 war er wegweisend an der Gründung der Union-Baumaterialien-Gesellschaft beteiligt und diente in den Anfangsjahren als Verwaltungsrat. Ab 1883 war er 40 Jahre lang Präsident der Gesellschaft.

Es folgten verschiedene Firmenbeteiligungen; unter anderem wurde Gerstle 1881 Gesellschafter der Rothneusiedler Ziegelwerk-Gesellschaft in Wien.[17][18]

Für seine verdienstvolle Tätigkeit bei der Erstellung militärischer Bauten (u. a. K.K. Genie-Direktion Trebinje in den Jahren 1883/84) sowie seine Leistungen für den Bau von Eisenbahnlinien in den occupierten Provinzen erhielt Gerstle im Jahr 1886 das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens.[3]

Villa Gerstle in Admont zwischen 1892 und 1907 mit dem Leopoldinenbrunnen.

Gerstle gründete 1873 die Dampfsägefabrik in Admont[19][20] und spendete der Marktgemeinde im Jahr 1892 anlässlich seines 20-jährigen Aufenthaltes den Leopoldinen-Brunnen im Ortskern südlich der Villa Gerstle, der nach seiner Frau Leopoldine benannt wurde. Daraufhin wurde Gerstle 1892 mit der Ehrenbürgerschaft der Marktgemeinde Admont ausgezeichnet.[21] Er führte 1900 die erste elektrische Beleuchtung in Admont ein.[22] Er war Gründungsmitglied sowie später Ehrenmitglied des Lesevereins (1873 gegründet) sowie des Schützenvereins Admont.[23][24]

Nachdem 1903 seine Frau Leopoldine gestorben war, verkaufte er 1904 das Dampfsägewerk aus wirtschaftlichen Gründen. 1907 verkaufte er seine Villa an den Arzt Josef Genger sen. in Admont. Die Familie Gerstle ist in der Familiengruft am Admonter Friedhof beerdigt.[25]

Gerstle war Gründer und Mitglied der Direktion der oberungarischen Berg- und Hüttenwerke (u. a. Majdanpek Kupfergruben).[26][27]

Max Gerstle mit der Knabenkohorte Wien am heutigen Dr.-Genger-Platz in Admont vor dem ehem. Hotel Sulzer am 20. August 1908

Kunst

Max Gerstle engagierte sich als Förderer und Sammler der bildenden Kunst. Er wurde am 1. März 1905 in das Künstlerhaus Wien aufgenommen. Vorgeschlagen wurde er durch Gustav A. Hessl, Carl Freiherr von Merode und Rudolf Swoboda. Er spendete am 23. November 1916 eine Summe von 6000 Kronen an das Künstlerhaus. Gerstle besaß eine Vielzahl von Bildern u. a. Makart, Hans Canon (Ölskizze, Eigenbildnis), Bonifazio de’ Pitati (Madonna, durch Engel verehrt), Pettenkofen, Alt (u. a. Spinnerin am Kreuz), Gauermann und Ranftl. Der Künstler Rudolf Alt war zwei Mal (1879 und 1885) in Admont zu Gast, wobei ihn Gerstle in seiner Villa bzw. im Leseverein empfing.[28][29][30][31][32][33]

Das Ölgemälde von Heinrich Rauchinger "Portrait des Kais. Rat Max Gerstle" wurde 1913 im Künstlerhaus in Wien und Salzburg ausgezeichnet.[34][35] 1918 spendete er dieses Porträt von ihm an das Künstlerhaus in Wien.

Fahnenweihe des MGV-Admont mit Besuch des MGV-Wien vor dem Hofrichterhaus in Admont im Jahr 1902 mit Max Gerstle (3. Person v. rechts, 1 Reihe).

Im Jahr 1914 stiftete Gerstle dem Kaiser Franz Joseph eine Büste, die vom Bildhauer Angelo Buzzi-Quattrini geschaffen wurde. Sie war für den Rittersaal der Stammburg der österreichischen Dynastie, Habsburg, im Schweizer Kanton Aargau bestimmt.[36][37]

Männergesangsvereine

Amerikaſahrt des Wiener Männergesangsverein – Stop beim Bahnhof Selzthal, Foto Schuhmann, Wien.

Gerstle war Förderer der Männergesangsvereine in Wien und Admont. Anlässlich der Fahnenweihe des Admonter-Männergesangsverein im Jahr 1902 organisierte Gerstle einen Besuch des Wiener Männergesangsvereines in Admont mit Konzert in der Stiftsbibliothek.[38]

Gerstle nahm an der Amerikafahrt des MGV Wien im Jahr 1907 teil und besuchte als Mitglied der Delegation das Weiße Haus sowie Präsident Theodore Roosevelt.[39]

Gerstle anlässlich seines 50. jährigen Schützenjubiläums beim Wiener Schützenverein 1911.

Schützenwesen

Gerstle war Mitbegründer des Wiener Schützenvereins im Jahr 1868[40] bzw. des Admonter Schützenvereines im Jahr 1873.

1895 wurde Gerstle zum Oberschützenmeister-Stv. des Wiener Schützenvereines und im Jahr 1921 er als Nachfolger des Karl Trautmannsdorff zum Oberschützenmeister gewählt.[41][42]

1892 wurde er in den Bundesvorstand des österreichischen Schützenbund gewählt.[43] Bei der Gründung der U.I.T (Internationalen Schützenunion) war Gerstle der offizielle Vertreter des österreichischen Schützenbundes und wurde erster Vizepräsident der neu gegründeten Union.[44] Er war Chef der Gesamtorganisation bei der XII. Weltmeisterschaft der U.I.T. Für den Schützenbund war er 1904 in Brüssel, 1906 in Zürich sowie 1907 in Viborg Delegierter für Österreich.[3]

Kaiser Franz Josef und Max Gerste beim VI. österreichischen Bundesschießen 1908 in Wien
Max Gerstle und Erzherzog Leopold Salvator von Österreich-Toskana mit Söhne 1915 bei der Schlussprüfung des Wiener Schützenvereins.[45]
Max Gerstle und Erzherzog Rainer bei den Wiener Schützen 1913.
Die Familiengruft Gerstle am Admonter Friedhof.

Dass Gerstle selbst auch ein ausgezeichneter Schütze war zeigt ein Zeitungsausschnitt aus der „Neuen Freien Presse“ von 1878, diese schreibt: „Das Mitglied des Wiener Schützenvereins, Herr Max Gerstle, welcher erst heute hier angekommen ist, hat den Becher auf der Standscheibe, Distanz 230 Schritt, Bechergewinn mit 160 Punkten — schon nach 62 Schüssen erschossen. Eine so niedrige Schusszahl ist bis nun bei keinem Bundesschießen erreicht worden.“[46]

Gerstle waren mehrere Jubiläumsschießen gewidmet, u. a.:

  • 1892: 20. Jähriges Jubiläumsschießen in Admont – Admonter Schützenverein.[47]
  • 1911: 50. jähriges Jubiläumsschießen in Wien – Wiener Schützenverein[48] in Anwesenheit von Landesverteidigungsminister v. Georgi.[49]
  • 1912: 40. jähriges Jubiläumsschießen in Admont – Admonter Schützenverein.[50]

Für seine Verdienste um das Schützenwesen wurde Gerstle 1912 mit dem Orden der Eisernen Krone durch Kaiser Franz Joseph I. ausgezeichnet.[3]

Auszeichnungen

Commons: Max Gerstle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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