Metzgerzeile

Ladenzeile am Viktualienmarkt in München From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Metzgerzeile ist eine Ladenzeile mit Verkaufsläden von Metzgereien am Viktualienmarkt in München. Der mit neogotischen Arkaden versehene Südteil des Gebäudes ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.[1]

Metzgerzeile vor dem Petersbergl

Lage

Die Metzgerzeile liegt am Westrand des Viktualienmarkts und ist an den Osthang des Petersbergls angebaut. Trotz ihrer Lage jenseits der Straße gehört sie als Abteilung VII mit der Bezeichnung „Petersbergl“ noch zum Viktualienmarkt.[2] Die Dachterrasse der Metzgerzeile bildet den östlichen Abschluss des auf dem Petersbergl gelegenen Petersplatzes. Durch die niedrige Bauhöhe wird die Sicht auf die Metzgerzeile vom Viktualienmarkt aus beherrscht durch den oberhalb von ihr stehenden Dreikonchenchor der Peterskirche.

Geschichte

Metzgerzeile über dem Roßschwemmbach, 16. Jh.
Metzgerzeile 1901 vor Standesamt, Rathausturm und Altem Rathaus

Eine Fleischbank, also eine zentral zusammengefasste Ansammlung von Verkaufsständen der Metzger einer Stadt, ist für München erstmals 1253 als „macellum in foro Monaci“ auf dem Schrannenplatz (dem jetzigen Marienplatz) belegt.[3] König Ludwig IV. (bekannt als Ludwig der Bayer) erteilte der Stadt München 1315 eine Reihe von Privilegien. Diese ermöglichten es ihr unter anderem, die Fleischbank vor das Talburgtor zu verlegen,[4] wo sie 1338 als „macellum super ry[v]am“ (Fleischbank über dem Bach) erwähnt ist.[5] Das Gebäude stand unterhalb des Petersbergls vor der ersten Stadtmauer über dem ursprünglich als Stadtgraben dienenden Roßschwemmbach, in den die Metzger ihre Abfälle entsorgten.

In den Jahren 1426 bis 1428 erfolgte ein Neubau, 1520 ein Umbau, bei dem unter anderem ein neues Schlachthaus errichtet wurde. Nach mehreren weiteren Umgestaltungen wurde die Fleischbank 1870 abgebrochen. Die Verkaufsstände der Metzger wurden in das benachbarte ehemalige Frauenhaus des Heilig-Geist-Spitals verlegt und später in eine Halle auf dem Viktualienmarkt.[6] Als Ersatz für das Schlachthaus wurde 1876 bis 1878 der neue Schlacht- und Viehhof in der Isarvorstadt errichtet.

1880 erwarb die Stadt die Gebäude auf der Hangkante des Petersbergls und ließ sie abreißen. Der Roßschwemmbach am Fuß des Hangs wurde überwölbt. 1880/81 wurde an dem freigelegten Hang ungefähr an der alten Stelle, aber näher am Hang und den Hang hinauf, die neue Metzgerzeile mit einer Dachterrasse für den Blumenmarkt errichtet. In Angleichung an das benachbarte Kleine Rathaus, das 1865 „regotisiert“ worden war, wurde die zum Viktualienmarkt hin mit Arkaden ausgestattete Ladenzeile im neogotischen Stil gebaut.[6]

Im Zweiten Weltkrieg wurden die nördlichen zwei Drittel des Bauwerks nahezu vollständig zerstört. Der Bauteil mit den südlichen vier Arkaden erlitt nur leichte Beschädigungen. Der Wiederaufbau nach dem Krieg erfolgte zunächst in einfachen Formen. Bei einer Umgestaltung in den Jahren 1979 bis 1981 wurden die neogotischen Arkaden des Südteils durch während des Krieges ausgelagerte Details ergänzt. Die Fassade des Nordteils erhielt eine Ziegelverkleidung und wurde mit stichbogigen Öffnungen versehen.[6]

Beschreibung

Südteil mit Aufgang zum Petersbergl (links)
Nordteil, dahinter Chor der Peterskirche

Die Metzgerzeile ist ein langgestrecktes eingeschossiges Gebäude mit Flachdach. Es ist etwa 60 Meter lang und etwa 7,50 Meter breit. Die Fassade am Viktualienmarkt ist leicht konvex abgeknickt. Der Südteil, der etwa ein Drittel der Länge ausmacht, und der etwa doppelt so lange Nordteil unterscheiden sich stilistisch.

Der Südteil hat zum Viktualienmarkt hin vier erhalten gebliebene neogotische Arkaden und an seiner abgeschrägten Ecke zum Petersplatz eine auf zwei Säulen ruhende, gewölbte, offene Vorhalle. Die steinerne Brüstung der Dachterrasse ist mit Blendmaßwerk versehen und wird durch die Arkadenpfeiler verlängernde Aufsätze unterteilt. Diese Aufsätze schließen an ihrem oberen Ende mit steinernen Satteldächern ab, an besonders betonten Stellen mit Fialen.

Der Nordteil hat eine glatte, durch Lisenen gegliederte Fassade, die mit Backstein verkleidet ist. Auch die Brüstung der Dachterrasse ist in diesem Teil als eine mit Backstein verkleidete Mauer gebildet. Die großen, sich fast über die gesamte Breite eines Ladenlokals erstreckenden Maueröffnungen mit Glastür und Schaufenster sind nach oben durch Stichbögen abgeschlossen.

Neben neun Verkaufsräumen von Metzgereien gibt es in der Metzgerzeile am Südende eine Filiale der Bäckerei Rischart und am Nordende ein Kammfachgeschäft sowie zwei Geschäfte, die mit Kunsthandwerk handeln.[7] Auf dem Flachdach des Südteils steht ein Pavillon mit einem von Rischart betriebenen Café. Das Flachdach des Nordteils wird als Caféterrasse genutzt.

Literatur

  • Metzgerzeile. In: Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München – Mitte (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.2/1). Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 1192 f.
Commons: Metzgerzeile (München) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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