Michael Steiner (Diplomat)
deutscher Diplomat
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Michael Steiner (* 28. November 1949 in München) ist ein deutscher Diplomat im Ruhestand und war zuletzt, bis zu seiner Pensionierung 2015, Botschafter in Indien.

Leben
Steiner studierte in München und Paris Rechtswissenschaft und trat 1981 in den Auswärtigen Dienst ein. Nach Verwendungen in Zaire (jetzt Demokratische Republik Kongo), New York (an der Ständigen Vertretung bei den Vereinten Nationen), Prag und Zagreb koordinierte Steiner die deutsche Beteiligung an den Friedensbemühungen im ehemaligen Jugoslawien und ging von 1996 bis 1997 als Erster Stellvertretender Hoher Repräsentant nach Sarajevo. Am 30. September 1989 stand Steiner nach eigenen Angaben hinter Bundesaußenminister Genscher auf dem Balkon des Palais Lobkowitz.[1]
Von 1998 bis 2001 war er als Nachfolger von Joachim Bitterlich der Außen- und Sicherheitspolitische Berater des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder im Amt eines Ministerialdirektors im Bundeskanzleramt. Nach der so genannten Kaviar-/Arschloch-Affäre musste er diesen Posten räumen[2][3] und Dieter Kastrup folgte auf ihn. Von 2002 bis 2003 war Steiner Chef der UN-Übergangsverwaltung im Kosovo.[4] Ab dem Jahr 2003 vertrat er Deutschland bei den Vereinten Nationen in Genf. Im August 2007 folgte ihm Reinhard Schweppe in dieses Amt.[5]
Steiner hätte daraufhin Deutscher Botschafter in Warschau werden sollen, jedoch verhinderte ein Kanzleramts-Veto seine Berufung. Nach Medienberichten galt Michael Steiner dem CDU-geführten Kanzleramt als zu SPD-nah und „raubauzig“.[6] Stattdessen erhielt den Posten Michael H. Gerdts, der zuvor Botschafter der Bundesrepublik in Italien war. Steiner übernahm im Gegenzug dessen Nachfolge in Rom, wo er bis zu seiner Berufung als Afghanistan/Pakistan-Beauftragter im März 2009 als Botschafter amtierte. Von April 2010 bis Februar 2012 war er Sonderbeauftragter der deutschen Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan.[7] In diesem Amt folgte er Botschafter Bernd Mützelburg.
Ab Sommer 2012 wurde Steiner Botschafter in Indien[8] und am 30. Juni 2015 pensioniert.
Er ist (Stand März 2026) Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen.[9]
Michael Steiner ist verheiratet und lebt in München.
Kaviar-Affäre
Als Kaviar-Affäre oder Arschloch-Affäre wurde ein Vorfall mit Steiner bezeichnet, der zu seinem Rücktritt als außen- und sicherheitspolitischer Berater Schröders führte. Steiner soll dabei am 2. November 2001 auf dem Flughafen Wnukowo in Moskau, wo er mit einem Flugzeug der Flugbereitschaft einen Zwischenstopp einlegen musste, einen deutschen Oberfeldwebel und zwei weitere Soldaten mehrfach als „Arschloch“ beschimpft haben.[10] Er soll dem Soldaten außerdem zugerufen haben, sie möchten doch Kaviar servieren.[11] Steiner erklärte später, dass es sich um einen Scherz gehandelt habe. Der Vorfall wurde vom Verteidigungsattaché an der deutschen Botschaft in Moskau aber nach Berlin gemeldet. Steiner erklärte später, die lange Wartezeit habe an den Nerven aller gezehrt und die Kaviarbestellung sei als Scherz gemeint gewesen.[2] Trotz einer Entschuldigung konnte Steiner seinen Posten als außen- und sicherheitspolitischer Berater Schröders nicht halten. Sein Nachfolger wurde Dieter Kastrup.[12]
Weitere Vorfälle
1999 hatte er versucht sich ohne Ausweis Zutritt zu einer Konferenz in Rio de Janeiro zu verschaffen und wurde dabei zu Boden gerissen. Im Folgejahr führte seine Äußerung „Wir könnten wieder in Ihr Land einmarschieren“ bei einem privaten Treffen mit belgischen Diplomaten zu Unstimmigkeiten. Er hatte dies geäußert um einen belgischer Minister zu einer Meinungsänderung zu bewegen. Im Folgejahr verärgerte er einen belgischen Diplomaten, indem er bei einem privaten Treffen andeutete „Wir könnten wieder in Ihr Land einmarschieren“, falls ein belgischer Minister nicht seine Meinung ändere. 2001 war er in den Skandal um die Veröffentlichung eines Telegramms involviert. Dieses schildert eine Gespräch zwischen Bundeskanzler Schröder und US-Präsident Bush, Colin L. Powell und Condoleezza Rice, bei dem Steiner über seine Gespräche mit Gaddafi in Libyen berichtete bei dem Gaddafi eingeräumt hatte, dass Libyen an Terroranschlägen (La Belle, Lockerbie) beteiligt war.[13] Es war von Jürgen Chrobog, damals US-Botschafter in Washington, verfasst worden. Steiner hatte das Telegramm gelesen aber Schröder nicht darüber informiert.[14]
2015 berichtete Steiner, dass sein Telefon im Kanzleramt von Geheimdiensten der USA offenbar mit einer Abhörwanze abgehört worden sei.[15]
Rezeption
Nach seinem Rücktritt sprach die New York Times respektvoll von "Wunderkind" der deutschen Diplomatie[11] und lobte seine Verdienste als effektiver Stellvertreter von Carl Bildt, dem er als ersten Hohen Repräsentant für Bosnien und Herzegowina unterstützte und dabei versuchte, den Wiederaufbau Bosnien und Herzegowinas nach dem Bürgerkrieg und den dortigen Massenmorden zu überwachen und voranzutreiben.[14]
Weblinks
- Michael Steiner: Die Konsequenz der Solidarität. Auch nach 2014 braucht Afghanistan unser langfristiges Engagement. In: Internationale Politik. 28. Oktober 2011, abgerufen am 1. November 2011 (Neubegründung des deutschen Afghanistan-Engagements von Michael Steiner).
- Sven Hansen und Gordon Repinski: „Es war eine Selbstüberschätzung“. Deutscher Diplomat über Afghanistan. In: die tageszeitung. 26. Januar 2011, abgerufen am 27. Januar 2011 (Interview mit Michael Steiner über die Situation im Krieg in Afghanistan seit 2001).
- Majid Sattar: Steiners Stunde auf dem Petersberg. Afghanistan-Konferenz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 31. Oktober 2011, abgerufen am 2. November 2011 (Information über Steiners Rolle bei der Organisation der Afghanistankonferenz 2011).
- Michael Steiner im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Lebenslauf auf der Homepage der Botschaft in Indien (Seitenaufruf am 11. September 2012)
- Deutschlandfunk Dlf – Zeitzeugen im Gespräch vom 28. Februar 2019