Militanz

Begriff für u. a. aggressive und gewaltsame Vorgehensweise oder Einstellung From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Begriff Militanz steht sowohl für eine kriegerische Haltung,[1] eine streitbare Gesinnung,[2] eine physische Gewaltbereitschaft von Personen und Gruppen im Kampf für bzw. gegen politische oder religiöse Überzeugungen[1] als auch eine aggressive, gewaltsame Vorgehensweise.[3]

Begriff

Begriffsursprung

Der Ausdruck ist aus dem Lateinischen des 15. Jahrhunderts abgeleitet. Dort bedeutete militare das „Dienen als Soldat“ (lat. miles). Von diesem Begriff wird auch der Begriff des Militärs abgeleitet[2] – demgegenüber stellt Militanz zumeist eine programmatische und strukturelle Neigung zur Aggressivität im zivilen Bereich dar.

Militant(isme) bedeutet im Französischen[4] und im philippinischen Englisch ein engagiertes Eintreten eines Aktivisten für eine Sache, die zumeist ohne physische Gewalt, etwa mittels Schrift, Lieds und zivilen Ungehorsams umgesetzt wird.

Begriffsdebatte

Für gewöhnlich organisieren sich militante Gruppen gegen die tatsächliche oder vermeintliche Unterdrückung durch staatliche Gewalt oder andere Missstände. Besonders unter Autonomen spielt das Thema »Militanz« in den Konstruktionsprozessen ihrer kollektiven Identität eine zentrale Rolle. Militanz hat so in der linksradikalen Szene eine vielschichtige und komplexe Bedeutung, die Gewaltbereitschaft zwar einschließt, sich aber bei weitem nicht darauf beschränkt. Militanz bezeichnet aus dieser Perspektive sowohl eine innere Haltung als auch bestimmte Aktionsformen und politische Mittel, um der Reduktion auf eine reine Debattenkultur zu entgehen.[5] Militanz in innerlinken Diskursen strategisch und kontrovers debattiert. Diskutiert werden beispielsweise nachweisbare Sachverhalte wie der »radical flank effect« aus der Bewegungssoziologie, der eine Stärkung des gemäßigten Zentrums in der Zivilgesellschaft durch verantwortungsvolle, aber spektakuläre Aktionen des radikalen Flügels innerhalb von sozialen Bewegungen nachweist. Zugleich birgt er aber die Gefahr der Delegitimierung dieser Bewegungen.[6]

Demgegenüber beruht Rechtsextremismus auf einem Gewaltkult und der Ansicht, dass Gewalt, die Rückwendung zum fiktiven Ursprung, zur Reinheit und Einheit alle politischen und sozialen Konflikte löst. Dies geschieht nicht nur durch ein gewaltvolles Wahrmachen durch die Tat, sondern ideologisch auf der radikalen Negation der Geschichte.[7] Das im NS zentrale und seitdem übliche uniformistisch-militante Auftreten rechtsextremer Gruppierungen hingegen wurde seit den 2000ern zunehmend sowohl durch Übernahme autonomer, schwarzer Outfits und bürgerliches Äußeres ersetzt, das sich nur noch anhand von szene-internen Codes in Form von Stickern und Abzeichen sowie sogenannter „Nationalen Marken“ und antisemitischer Symbole wie der Kufiya erkennen lässt.[8]

Manchmal wird der Begriff auch verwendet, um eine Person mit stark verfestigter Meinung zu bezeichnen. Dabei steht Militanz für bestimmte philosophische, religiöse oder andere Theorien und Programme, die sich des innewohnenden Gewaltpotenzials bedienen oder dieses schüren. Der Terminus „militanter Staat“ steht für einen hochgerüsteten oder ideologisch aggressiven Staat.

Wiktionary: Militanz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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