Mittlere Kräfte

Einteilung der Bundeswehr von militärischen Kräften des Heeres From Wikipedia, the free encyclopedia

Mittlere Kräfte ist eine Kräftekategorie von Landstreitkräften zwischen leichten und schweren Kräften, die einen hohen Schutz bieten, eigenbeweglich verlegbar sind und direkte und indirekte Wirkung auf Distanz ermöglichen. Sie sind grundsätzlich mit gepanzerten Radfahrzeugen ausgestattet.

Grundlage

Die Kräftekategorie Mittlere Kräfte ist auf NATO-Ebene in dem Dokument AJP-3.2 – Allied Joint Doctrine for Land Operations definiert und normiert.[1] Die Kategorie entspricht dem Konzept der Stryker Brigade Combat Teams der United States Army.[2] Diese Kampfverbände wurden im Rahmen der Transformation der United States Army um die Jahrtausendwende entwickelt und in das US-Heer eingeführt. Die Bundeswehr übernahm die Kategorie im Jahr 2021 im Zuge einer Neufassung der operativen Leitlinien (OpLL) des Heeres.[2]

Eigenschaften und Auftrag

Generell versteht die deutsche Bundeswehr unter Mittleren Kräften folgende Kräfte:

Unterstützt durch

Diese Kräfte sollen per Konzeption ausschließlich radbeweglich sein (Radpanzer). Die Mittleren Kräfte sind aus Sicht der Bundeswehr vor allem deshalb wichtig, weil sie hohe Langstreckenmobilität mit großer Wirkung (Feuerkraft) verbinden und damit einen Kompromiss zwischen Leichten und Schweren Kräften darstellen. Durch ihre Radbeweglichkeit können sie im gesamten Bündnisgebiet der NATO (z. B. an die Ostflanke) „auf eigener Achse“ verlegt werden und sind nicht wie die mit Kettenfahrzeugen ausgerüsteten Schweren Kräfte für längere Strecken auf die Überführung per Eisenbahntransport oder Tieflader angewiesen. Die geringere Geländegängigkeit von Rad- gegenüber Kettenfahrwerken wird dafür in Kauf genommen. Gleichzeitig sollen sie unter hohem Eigenschutz auf Distanz direkt und indirekt wirken können, was auf die noch schneller verlegbaren Leichten Kräfte nicht zutrifft.[4][5]

Kampfweise

Die Kampfweise einer Brigade Mittlerer Kräfte zeichnet sich aus durch das Abnutzen des Gegners durch Aufklärung, Loitering Weapons und Streitkräftegemeinsamer Taktische Feuerunterstützung, der Vermeidung von Duellsituationen durch flankierenden Einsatz, maximale Distanz und über direkte Sichtlinien hinaus, den Einsatz von Sperren und den Pionierdienst aller Truppen, dem hohen Bedarf an Loitering Weapons, der Panzerabwehrlenkwaffe Spike sowie von Sperr- und Sprengmitteln, der Auflockerung gegen Bedrohungen aus der Luft und den hohen Bedarf an Sensoren, insbesondere Drohnen.

Die Mittleren Kräfte in der Bundeswehr

Den Kern der Mittleren Kräfte bildet seit der Umstrukturierung zum 1. April 2023 die Panzerbrigade 21 mit Stab in der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf. Der Panzerbrigade 21 ist wie folgt gegliedert:

Hinzu kommt die Deutsch-Französische Brigade sowie – nach ihrer Umrüstung – die Panzergrenadierbrigade 41.

Ausrüstung

Viele Fahrzeuge der mittleren Kräfte basieren auf der Boxer-Plattform. Hinzu kommen bspw. der Spähwagen Fennek und diverse, vor allem logistische Fahrzeugvarianten auf LKW-Basis, die ebenfalls in die für die mittleren Kräfte vorgesehene Fahrzeugkategorie fallen.[6] Als persönliche Ausrüstung kommt eine große Vielfalt an Handfeuerwaffen in Verbindung mit der Infanterieausrüstung Infanterist der Zukunft zum Einsatz.

Aktuelle und zukünftige Ausstattung (Auswahl):

Literatur

  • Marco Pfitzner: Mittlere Kräfte als neue Kräftekategorie des Heeres. In: Hardthöhenkurier. 39. Jahrgang, Nr. 6/2023. Mittler Report Verlag, 2023, ISSN 0933-3355, S. 33–36 (hardthoehenkurier.de [PDF; 10,5 MB]).
  • Jan-Phillipp Weisswange: Mittlere Kräfte: Die neue Kräftekategorie im Deutschen Heer. In: Wehrtechnischer Report: Soldat & Technik 2025. Dezember 2024, S. 28–29.

Einzelnachweise

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