Monensin

Polyether-Antibiotikum From Wikipedia, the free encyclopedia

Monensin ist eine antibiotisch wirksame Substanz aus der Gruppe der Polyether-Antibiotika und wurde aus dem Bakterium Streptomyces cinnamonensis isoliert.[6]

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformel der Monensine
Allgemeines
Freiname Monensin
Andere Namen
  • Monensin A
  • Rumensin (Natriumsalz)
  • 2-{2-Ethyloctahydro-3′-methyl-5′-[tetrahydro-6-hydroxy-6-(hydroxymethyl)-3,5-dimethyl-2H-pyran-2-yl]-[2,2′-bifuran-5-yl]}-9-hydroxy-β-methoxy-α,γ,2,8-tetramethyl-1,6-dioxapsiro[4.5]decan-7-butansäure[1]
  • (2S,3R,4S)-4-[(2S,5R,7S,8R,9S)-2-[(2R,5S)-5-Ethyl-5-[(2R,3S,5R)-5-[(2S,3S,5R,6R)-6-hydroxy-6-(hydroxymethyl)-3,5-dimethyloxan-2-yl]-3-methyloxolan-2-yl]oxolan-2-yl]-7-hydroxy-2,8-dimethyl-1,10-dioxaspiro[4.5]decan-9-yl]-3-methoxy-2-methylpentansäure (IUPAC)
Summenformel C36H62O11
Kurzbeschreibung

weiße Kristalle (Natriumsalz)[2]
bitterer Geruch[3]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 241-154-0
ECHA-InfoCard 100.037.398
PubChem 441145
ChemSpider 389937
DrugBank DB11430
Wikidata Q3493048
Arzneistoffangaben
ATC-Code

QA16QA06
QP51AH03

Wirkstoffklasse

Polyether-Antibiotika

Wirkmechanismus

Proteintransportinhibition

Eigenschaften
Molare Masse 670,871 g·mol−1
Schmelzpunkt
  • 103–105 °C[4]
  • 267–269 °C (Natriumsalz)[4]
Löslichkeit
  • schwer löslich in Wasser (63 mg·l−1 bei 20 °C)[5]
  • sehr gut löslich in organischen Lösungsmitteln[1]
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[2]

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300
P: 264301+310[2]
Toxikologische Daten
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Zusammensetzung

Das Stoffgemisch besteht größtenteils aus Monensin A, daneben kommen als Begleitsubstanzen Monensin B und C vor.[7]

Die Struktur von Monensin A wurde erstmals 1967 von Agtarap et al. beschrieben[8] und stellt die erste Strukturaufklärung eines Polyether-Antibiotikum dar. Die erste Totalsynthese gelang Kishi et al. 1979.[9] 1980 veröffentlichte W. Clark Still mit Kollegen eine weitere Totalsynthese.

Weitere Informationen Komponente, Summenformel ...
KomponenteSummenformelMolare Masse
Monensin AC36H62O11670,87 g·mol−1
Monensin BC35H60O11656,84 g·mol−1
Monensin CC37H64O11684,90 g·mol−1
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Wirkmechanismus

Die Struktur des Natriumkomplexes von Monensin A.

Monensin A ist ein mit den Kronenethern verwandtes Ionophor mit einer Neigung zur Komplexbildung mit einfach geladenen Kationen, wie Li+, Na+, K+, Rb+, Ag+ und Tl+.[10][11] Es verfügt über die Fähigkeit, diese Kationen elektroneutral durch die Lipidmembran der Zelle zu transportieren und fungiert als wichtiger Na+/H+-Antiporter. Neuen Forschungsergebnissen zufolge wäre es möglich, dass Monensin Natriumionen nicht nur elektroneutral, sondern auch elektrogen transportiert.[12] Dieser Ansatz würde nicht nur die ionophoren und damit einhergehenden antibakteriellen Eigenschaften der Grundsubstanz erklären, sondern auch die der Derivate, die keine Carboxygruppen besitzen.

Monensin A und seine Derivate blockieren den intra- und interzellulären Proteintransport und zeigen dadurch antibiotische, antimalarische und weitere biologische Aktivitäten.[13][14]

Verwendung

Monensin wird in der industriellen Tierproduktion von Geflügel als Futtermittelzusatzstoff zur Behandlung der Kokzidiose und Histomoniasis verwendet. Die Verwendung in der Rindermast[15] ist in der EU seit 2006 verboten.[16] Im Januar 2013 wurde Monensin unter dem Namen Kexxtone zur Vorbeugung gegen die Stoffwechselstörung Ketose bei Milchkühen in der peripartalen Phase zugelassen.[17]

Weiterhin wird Monensin, wie auch seine Derivate Monensinmethylester und besonders Monensindecylester, in der Elektrochemie als ionenselektive Elektrode verwendet.[18][19][20]

Toxikologie

Monensin zeigt ionophore Aktivität in Säugetier­zellen und ist daher giftig. Dies ist besonders für Pferde gefährlich, bei denen die letale Dosis fünfundzwanzigfach niedriger liegt als bei Wiederkäuern. Vergiftungen von Pferden durch versehentlich Verfütterung von für Kühe vorgesehenem mit Monensin versetztem Kraftfutter haben in der Vergangenheit schon mehrfach zu Todesfällen geführt. Die Verunreinigung des Futters geschah in den meisten bekannten Fällen bei gleichzeitiger Zubereitung von Futterchargen für Rinder und Pferde im gleichen Futtermittelbetrieb. Diese ist daher nach Möglichkeit zu vermeiden. Der Tod wird durch eine Nekrose des Herzmuskels und einem daraus resultierenden Herzstillstand verursacht. Weitere Symptome umfassen Kreislaufsstörung mit auffälligem Puls, Tachykardie und Herzrhythmusstörungen. Pferde, die die Vergiftung überleben, zeigen nach zwei Monaten keine Auffälligkeiten mehr.[3]

Einzelnachweise

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