Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart

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Der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, auch Hamburger Bahnhof genannt, ist ein Museum für zeitgenössische Kunst im ehemaligen Empfangsgebäude des Hamburger Bahnhofs in Berlin und Teil der Berliner Nationalgalerie. Neben Sammlungspräsentationen zeigt das Museum auch Wechselausstellungen aktueller Gegenwartskünstler. Im Jahr 2024 verzeichnete das Museum rund 357.000 Besuche.[1]

Der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, 2017

Geschichte

1982 wurde die bedeutende Sammlung des Berliner Bauunternehmers Erich Marx in der Neuen Nationalgalerie erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Sie umfasst zentrale Werke u. a. von Joseph Beuys, Robert Rauschenberg, Cy Twombly und Andy Warhol. Die Staatlichen Museen zu Berlin hatten Interesse, die Sammlung dauerhaft an sich zu binden,[2] und Mitte der 1980er Jahre bot Marx an, der Stadt seine Privatsammlung zur Verfügung zu stellen. Daraufhin entschied der Berliner Senat im Jahr 1987, im ehemaligen Hamburger Bahnhof ein Museum für Gegenwartskunst einzurichten. Dieser wurde bereits 1906 zum Verkehrs- und Baumuseum umgebaut und bis 1940 als solches genutzt. 1984 konnte der West-Berliner Senat das Gelände von der Deutschen Reichsbahn übernehmen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erklärte sich bereit, die Trägerschaft zu übernehmen. Dies fügte sich in die Strategie der West-Berliner Nationalgalerie, weitere Standorte zu eröffnen, um größere Teile des stark gewachsenen Sammlungsbestands zeigen zu können.[2]

Nach umfassender Sanierung und Umbau wurde das Museum im November 1996 mit einer Ausstellung von Werken Sigmar Polkes eröffnet. Seither sind hier als Teil der Nationalgalerie das Museum für Gegenwart und das Joseph Beuys Medien-Archiv untergebracht.

Sammlung

Die Sammlungsbestände des Hamburger Bahnhofs schließen zeitlich an diejenigen der Neuen Nationalgalerie an, der Sammlungsbereich beginnt mit den 1960er Jahren. Sie setzen sich zusammen aus Exponaten der Nationalgalerie, der Sammlung Marx, der Sammlung Marzona, der Friedrich Christian Flick Collection und weiteren Erwerbungen.[3]

Grundstock bildet die seit 1996 als Dauerleihgabe im Museum ausgestellte Sammlung Marx. Sie besteht aus rund 150 Bildern und etwa 500 Zeichnungen von Beuys und Warhol.[4] Im März 1982 war sie erstmals in der Neuen Nationalgalerie in Teilen ausgestellt worden. 2002 wurde die Sammlung zur Konzeptkunst und Arte Povera von Egidio Marzona erworben.[3]

2004 kam die Kunstsammlung von Friedrich Christian Flick als Leihgabe in das Museum, sie umfasste über 1500 Werke. Die erste Ausstellung und die Kooperation wurde jedoch in der Öffentlichkeit kritisch diskutiert, da die Sammlung mit dem Erbe des Unternehmers Friedrich Karl Flick finanziert wurde, der als Kriegsprofiteur des NS-Regimes gilt und dessen Vater Friedrich Flick deswegen auch verurteilt wurde.[5]

2008 und 2014 schenkte Flick insgesamt 268 Werke seiner Friedrich Christian Flick Collection dem Museum, darunter Werke von Isa Genzken, Martin Kippenberger, Katharina Fritsch und Raymond Pettibon.[6][3] Angesichts ihres Umfanges und ihrer Qualität bezeichnet die Stiftung Preußischer Kulturbesitz diese Schenkung als einzigartig in der Nachkriegszeit. Im April 2020 wurde bekannt, dass der 2003 geschlossene Leihvertrag am 30. September 2021 ausläuft. Grund war der geplante Abriss der Rieckhallen, in denen Werke aus der Sammlung gezeigt wurden.[7]

Im November 2023 berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass im Frühjahr 2022 drei zentrale Werke der Sammlung Marx den Leihgebern ausgehändigt und ausgeführt wurden. Darunter die Werke Do It Yourself (Seascape) und Ten-foot flowers von Andy Warhol sowie Cy Twomblys Empire of Flower. Die Zeitung kritisiert namentlich Hermann Parzinger, den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der sich den Begehrlichkeiten von Erich Marx’ Erben nicht widersetzt habe, obwohl er dazu die Möglichkeit gehabt hätte. Dieser machte geltend, dass die Übergabe der Werke auf Basis des Leihvertrags stattfand.[8][9]

In der Sammlung der Nationalgalerie der Gegenwart befinden sich heute Werke u. a. von Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Richard Long, Donald Judd, Cy Twombly, Rebecca Horn, Marcel Broodthaers, Jutta Koether, Candice Breitz, Harun Farocki und Pipilotti Rist. Seit 2005 wurden durch die vom Verein der Freunde der Nationalgalerie gegründete „Stiftung für zeitgenössische Kunst“ u. a. Werke von Nevin Aladağ, Andrea Fraser, Alfredo Jaar, John Knight, Susan Philipsz und Heimo Zobernig angekauft.[3]

Unendliche Ausstellung

Seit 2023 umfasst die Unendliche Ausstellung mehr als 20 Installationen, Skulpturen und Interventionen aus der Sammlung des Hamburger Bahnhofs, die dauerhaft ausgestellt werden. Sie sind auf alle Gebäudeteile und Außenbereiche verteilt und können über einen Rundgang erschlossen werden. Hierzu zählen etwa die Leuchtstoffröhreninstallation am Hauptgebäude von Dan Flavin, die Wortgirlanden Feuilleton Klimax von Lothar Baumgarten oder der Geldautomat, den Elmgreen und Dragset in ein Segment der Berliner Mauer eingelassen haben.

Teile der Sammlung sollen zukünftig auch im Berlin modern präsentiert werden.

Architektur

Das ehemalige Empfangsgebäude an der Invalidenstraße im Ortsteil Moabit (Bezirk Mitte) ist das letzte erhaltene der großen Berliner Kopfbahnhöfe. Es stammt aus den 1840er Jahren und ist damit eines der ältesten Bahnhofsgebäude Deutschlands. Das im spätklassizistischen Stil gehaltene Bauwerk wurde von Friedrich Neuhaus und Ferdinand Wilhelm Holz entworfen. Im Jahr 1884 wurde der Bahnhof für den Personenverkehr geschlossen und der Verkehr auf den benachbarten Lehrter Bahnhof verlagert. Daraufhin wurde das Gebäude als Verwaltungsbau sowie Wohnhaus genutzt, bis die Umbauten zum Verkehrs- und Baumuseums begannen. Hierzu gehörte vor allem die Errichtung einer neuen Haupthalle, die im Stil eines historischen Bahnhofsgebäudes gestaltet wurde. Zwischen 1909 und 1916 kamen der Ost- sowie Westflügel als Erweiterungsflächen hinzu.

Eine Halle mit breiten Stahlträgern im Stil einer Bahnhofshalle
Historische Halle des Hamburger Bahnhofs

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude 1944 starke Schäden, das gesperrte Gebäude stand der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung. Erst 1987, nachdem der Berliner Senat einen Pachtvertrag mit dem Eigentümer, der Deutschen Reichsbahn, geschlossen hatte, würde anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins im Hamburger Bahnhof wieder eine Ausstellung gezeigt: Reise nach Berlin.

Den vom Senat 1989 ausgeschriebenen Wettbewerb zum Umbau des Bahnhofsgebäudes gewann der Architekt Josef Kleihues. Bis 1996 erfolgte der Umbau bzw. die Erweiterung für das heutige Museum. Von Kleihues stammt der östlich der großen Halle gelegene Erweiterungsbau mit einer Länge von 80 Metern.

Rieckhallen

Übergang vom Hamburger Bahnhof zu den Rieckhallen, 2016
Eine lange verschalte Front, auf die graffitiähnliche Farbflächen aufgetragen sind.
Außenansicht Rieckhallen mit temporärer Intervention von Katharina Grosse.

Auch nachdem 1884 der Personenverkehr im Hamburger Bahnhof eingestellt worden war, wurden die angrenzenden Gütergleise sowie Lager- und Umschlagshallen weiterhin genutzt. Aus ihnen entstanden in den 1960er Jahren nach einer Spedition benannten Rieckhallen. In einem Teil arbeiteten später Künstler, bis dieser einem Neubau weichen musste.

Der verbliebene Teil wurde bis 2004 für die Präsentation der Friedrich Christian Flick Collection zu einem Ausstellungsbereich umgebaut. Dieser ist rund 330 m lang und bietet eine Fläche von 6000 m². In diesem können auch großformatige Installationen gezeigt werden. Der Umbau wurde von den Architekten Kuehn Malvezzi vorgenommen. Die Brücke, welche die Rieckhallen mit dem Hamburger Bahnhof verbindet, ist selbst eine Kunstinstallation im Stile eines S-Bahnhof-Zugangs.[10]

Im Frühjahr 2020 wurde bekannt, dass die CA Immo den Mietvertrag für die Rieckhallen nicht verlängern und stattdessen auf dem Gelände neue Wohngebäude bauen wolle.[11] Die in diesen Hallen gezeigte Flick Collection sollte nach Zürich übersiedeln.[12] Im September 2020 einigten sich das Land Berlin und die CA Immo AG, dass Berlin die Rieckhallen im Tausch gegen ein noch nicht näher bezeichnetes gleichwertiges Landesgrundstück erwerben werde.[13]

Leitung

Filme

  • Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin (= Museums-Check. Folge 56). Reportage, 30 Min., Moderation: Markus Brock, Produktion: 3sat. Erstausstrahlung: 14. April 2019.[15]

Literatur

  • Britta Schmitz, Dieter Scholz: Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart Berlin. 2. Auflage. Prestel, München 2002, ISBN 3-7913-1713-X.
  • Peter Raue, Peter-Klaus Schuster (Hrsg.): Rettet die Rieckhallen. Walther König, 2021, ISBN 978-3-7533-0039-9.
  • Brüstlein: Das neue Verkehrs und Bahnmuseum in Berlin. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 101, 1906, S. 648–650 (zlb.de).

Einzelnachweise

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