Münchner Geschichten

Fernsehserie des Bayerischen Rundfunks From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Münchner Geschichten (auch Münchener Gschichten) sind eine neunteilige Serie des Bayerischen Rundfunks unter der Regie von Helmut Dietl und Herbert Vesely; Autoren waren Dietl, Anita Niemeyer, Franz Geiger und Bernd Schroeder. Die Erstausstrahlung begann am 26. November 1974 im vorabendlichen BR-Regionalfenster der ARD.[1] DVDs und Blu-Rays mit allen Folgen sind erhältlich.[2]

TitelMünchner Geschichten
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch, Münchnerisch
GenreDramedy
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Fernsehserie
Titel Münchner Geschichten
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch, Münchnerisch
Genre Dramedy
Länge 50 Minuten
Episoden 9 (Liste)
Titelmusik Richard Palmer-JamesMustang Mama
Regie Helmut Dietl
Erstausstrahlung 26. Nov. 19744. Feb. 1975 auf ARD (BR-Regionalfenster)
Besetzung
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Die Serie zeigt lose verbundene Episoden um den etwa dreißigjährigen Karl „Tscharlie“ Häusler, der noch bei seiner Oma in der Tattenbachstraße 3 lebt. Dietl kommentierte seinen Ansatz wie folgt: „Die Münchner Geschichten sind keine historischen Erinnerungen. Sie sind Szenen von heute, die erfunden wurden, aber wahr sein könnten.“[3] Die Münchner Geschichten wurden mit dem Adolf-Grimme-Preis 1976 ausgezeichnet.[4][5]

Das Milieu

Die Episoden spielen in einem wegen der Altstadtsanierung und Gentrifizierung zum Untergang verurteilten kleinbürgerlichen Münchner Milieu. Die Moderne, Hand in Hand mit der Schickeria, macht sich breit im alten Stadtviertel Lehel und verdrängt allmählich das alte, bayerische München. Oma Anna reagiert auf die schleichenden Veränderungen mit einer in einem langen Leben erworbenen Mischung aus lakonischem Humor und gesundem Misstrauen. Der bei ihr wohnende Enkel Karl, genannt Tscharlie, ein Lebenskünstler, versucht laufend, sich dem Zeitgeist anzupassen, meist mit wenig Erfolg, aber nie entmutigt. Als selbständiger Geschäftsmann will er diverse flotte Ideen in klingende Münze verwandeln, immer auf der Suche nach der „Riesensach“. Dabei bleibt ihm seine Freiheit stets über alle Maßen wichtig.

Wie aus der Zeit gefallen wirkt der geigende Zimmerherr Leopold Heinrich, ein alter Musiker vor den Trümmern seiner Karriere. Selbstbewusst und dennoch rührend in ihrer Naivität geht Susi mit ihrem Verlobten Tscharlie ins Bett und durchs Leben, verzweifelt aber allmählich an seiner chronischen Bindungsangst. Ihre Eltern, die sich seit Jahrzehnten in der Gastwirtschaft Sankt Anna Eck abrackern, sähen sie viel lieber mit einem soliden, braven Mann liiert. Gerade ihr Vater Erwin sieht in Tscharlie vor allem einen „arbeitsscheuen Stenz“.

Tscharlies Freund Gustl ist bei einer Versicherung angestellt und lebt in geregelten Verhältnissen, dennoch – oder gerade deshalb – bewundert er seinen Tscharlie und bleibt bei dessen Unternehmungen fast jedes Mal wie ein Sancho Pansa treu an dessen Seite. Achmed, der für Erwin Taxi fährt, um so die kargen Erträge aus der Hillermeierschen Kneipe aufzubessern, träumt von einer Karriere als Sänger.

Die melancholisch-grotesken Münchner Geschichten überzeugen durch viel Liebe zu den Figuren und Detailtreue bei der Zeichnung eines Altmünchner Flairs, besonders aber durch die amüsanten Dialoge. Derbe Schimpfwörter in Mundart bezeugen das Milieu. So hatte die Serie trotz des bayerischen Bezugs und teilweise starken Dialekts auch außerhalb Bayerns Erfolg und genießt bei vielen Fans Kultstatus.[6] Sprüche wie „Ois Chicago!“ (heißt je nach Situation „alles Risiko“, „alles Witz“ oder „alles ist möglich“[7][8]), „Logisch!“ und „Sowieso!“ gingen dank der Serie in den Sprachgebrauch ein.

Folgen

Weitere Informationen #, Titel ...
#TitelPremiereRegieDrehbuch
1Dreiviertelreife26. Nov. 1974Helmut DietlHelmut Dietl, Anita Niemeyer
Darsteller: Katja Rupé, Toni Berger, Wilfried Klaus, Barbara Valentin, Ilse Neubauer, Rudolf Waldemar Brem, Georg Einerdinger, Eva Garden: Lebenskünstler Tscharlie wohnt bei seiner Oma im Münchener Lehel. Oma Anna befreit eine Demonstrantin aus dem Polizeigewahrsam und nimmt sie bei sich auf; Tscharlie stellt fest, dass er mit der idealistischen Studentin wenig gemein hat, während Untermieter Herr Heinrich schon die rote Flut heraufziehen sieht. Tscharlie heuert in einem Reisebüro an, kann aber den Chef nicht von seinem Konzept für "Negativwerbung" überzeugen - oder noch nicht einmal, dass er statt Mittlerer Reife sogar über die "Dreiviertelreife" verfüge.
2Glücksach3. Dez. 1974Helmut DietlHelmut Dietl, Anita Niemeyer
Darsteller: Hans Brenner, Hans Löscher, Max Grießer, Michael Habeck, Ludwig Schmid-Wildy, Konrad Wagner, Horst Michael Neutze, Georg Einerdinger, Barbara Valentin: Tscharlies Kumpel, der Glücksritter Max, ist zu Besuch. Tscharlie träumt von einer Karriere als Spieler und schuftet sogar als Stallbursche, um so an heiße Tipps fürs Pferderennen zu kommen. Währenddessen zockt Max den Zimmerherrn Heinrich beim Kartenspiel ab.
3Rosenzauber10. Dez. 1974Herbert VeselyBernd Schröder, Helmut Dietl
Darsteller: Willy Schultes, Erica Beer, Sybille Fischer, Axel Bauer, Dieter Augustin, Arthur Brauss, Michael Grimm, Gerd Fitz, Max Strecker, Toni Berger, Gudrun Thiel, Franz Schafheitlin
4Das Brettl17. Dez. 1974Herbert VeselyBernd Schröder
Darsteller: Hans Stadtmüller, Willy Schultes, Erica Beer, Sybille Fischer, Rosl Mayr, Hans Brenner, Toni Netzle, Willy Haibel, Helmut Dietl (Cameo als Taxigast)
5Ein Ziel im Leben7. Jan. 1975Helmut DietlHelmut Dietl, Anita Niemeyer
Darsteller: Helmut Dietl (Cameo als Barbesucher), Gustl Bayrhammer, Kurt Raab, Karin Hofmann, Barbara Gallauner, Margot Mahler, Wolfi Fischer. Axel Bauer, Elisabeth Karg, Irmgard Hermann, Ibrahim Aslahan: Als die Oma eine Sozialwohnung ergattert, sieht Tscharlie seine große Chance, zum Immobilienhai aufzusteigen, indem er die alte Wohnung luxussaniert und edelvermietet. Doch auch der Vermieter hat mit der Wohnung das große Geschäft geplant.
6Maulhelden14. Jan. 1975Herbert VeselyFranz Geiger
Darsteller: Hans Wyprächtiger, Christine Schuberth, Henry van Lyck, Ingrid Steeger, Monika Lundi, Linda Caroll, Beppo Louca: Tscharli hat einen neuen Job als Gebrauchtautoverkäufer, wobei er die Gelegenheit nutzt, um mit den heißen Schlitten neue Damenbekanntschaften zu initiieren. Doch ausgerechnet bei seiner Traumfrau landet statt ihm sein Spezl Gustl. Frau weg, Auto kaputt und also auch Job weg.
7Der lange Weg nach Sacramento21. Jan. 1975Helmut DietlHelmut Dietl
Darsteller: Walter Sedlmayr, Willy Harlander, Kurt Weinzierl, Herbert Fux, Heidi Stroh, Willy Schultes, Hartmut Neugebauer: Nach einer Faschingsfeier verweigern sich Tscharlie, Gustl und Achmed der Realität und machen sich als Zorro, Zapata und Gringo in ihren Westernkostümen auf den Weg nach "Sacramento". Nur Susis Vater Erwin Hillermeier kann sich für die irre Aktion begeistern.
8Geschäft ist Geschäft28. Jan. 1975Helmut DietlHelmut Dietl
Darsteller: Hans Brenner, Hans-Reinhard Müller, Otto Bolesch, Wolfi Fischer, Maria Stadler, Harald von Koeppelle: Als in der Nachbarschaft das Milchgeschäft zumacht, will Tscharlie mit einem Jeansladen den großen Reibach machen. Letztlich übernimmt Susi den Laden und trennt sich von Tscharlie. In dieser Folge wird der Spruch "Ois Chicago" geprägt.
9Ois anders4. Feb. 1975Helmut DietlHelmut Dietl
Darsteller: Gustl Bayrhammer, Kurt Raab, Ruth Horwitz, Uli Steigberg, Rudolf Waldemar Brem, Johanna Mertinz, Barbara Gallauner, Carlamaria Heim: Hausbesitzer Fischhuber setzt doch noch seinen Plan durch, das Haus zu entmieten, abzureißen und zu verkaufen; mit ihrer Abfindung zieht Oma Anna ins Altersheim, Herr Heinrich kehrt zu seiner Ehefrau nach England zurück, der obdachlose Tscharlie geht einer ungewissen Zukunft entgegen.
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Literatur

Einzelnachweise

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