Narrenhände beschmieren Tisch und Wände

From Wikipedia, the free encyclopedia

Narrenhände beschmieren Tisch und Wände ist ein Ausspruch des Volksmunds, der als Sprichwort zur Abqualifizierung benutzt wird. Vermehrt seit den 2000er Jahren[1] wird der Ausspruch vor allem im Zusammenhang mit negativer Beurteilung von Graffiti gebraucht.[2]

„Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“ (Heilingbrunner 1828)
„Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“ (Kommentiertes Graffiti, 2007)

Herkunft und Verwendung

Die ursprüngliche Herkunft und Entstehung ist unbekannt. Dass hier die Figur des Narren abwertend gebraucht wird, könnte auf die Herkunft aus dem Mittelalter hinweisen. Immer wieder auftauchende Quellenangaben, die Wilhelm Busch, aber auch Erich Kästner oder Joachim Ringelnatz als Urheber benennen, lassen sich nicht fundieren.

Der Universalgelehrte Jan Gruter überlieferte 1610 eine niederländisch-flämische („belgische“) Fassung des Ausspruchs: „Zotten[3] handen beschryven alle wanden“.[4] Der Ausspruch findet sich 1828 in einem Lehr- und Lesebüchlein für Elementar-Schüler des Lehrers Anton Heilingbrunner aus Wasserburg am Inn.[5]

Es existieren die sprachlichen Abwandlungen „Narren Hände beschmeissen alle Wände“, „Narrenhände besudeln Tisch und Wände“[6] und „Aberwitz und Narrenhand, malet sich auf jede Wand.“[7]

Dichterische Verarbeitungen

Goethe verarbeitete die ins Deutsche übertragene Redensart bereits 1802 in seinem Gedicht von Künstlers Fug und Recht auf: „Da doch der Saal und seine Wänd / Gehörten nur für Narrenhänd“.[8]

Auch Friedrich Nietzsches griff 1882 den Ausspruch lyrisch in Die fröhliche Wissenschaft auf:

Narr in Verzweiflung
Ach! Was ich schrieb auf Tisch und Wand
mit Narrenherz und Narrenhand,
das sollte Tisch und Wand mir zieren? ...

Doch   i h r   sagt: "Narrenhände schmieren -
und Tisch und Wand soll man purgieren,
bis auch die letzte Spur verschwand!"

Erlaubt! Ich lege Hand mit an -,
ich lernte Schwamm und Besen führen,
als Kritiker, als Wassermann.

Doch, wenn die Arbeit abgetan,
säh' gern ich euch, ihr Überweisen,
mit Weisheit Tisch und Wand besch...“

Friedrich Nietzsche: „Narr in Verzweiflung“, aus: Die fröhliche Wissenschaft, 1882

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI