National Museum of Qatar
Museum in Katar
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Das National Museum of Qatar (arabisch متحف قطر الوطني, DMG Matḥaf Qaṭar al-Waṭanī) ist das nationale Museum des Staates Katar in Doha.[1] Das heutige Museumsgebäude wurde am 28. März 2019 eröffnet. Der Entwurf stammt vom französischen Architekten Jean Nouvel.[2] Das architektonische Konzept orientiert sich formal an der in ariden Regionen vorkommenden Kristallformation der sogenannten Wüstenrose (Desert Rose). Das Museum ist Teil der staatlichen Museumsorganisation Qatar Museums.[3][4] Es umfasst einen Neubau sowie den restaurierten Palast von Scheich Abdullah bin Jassim Al Thani, der sich im Zentrum des Museumskomplexes befindet und als historisches Bauwerk erhalten wurde.[5]



Geschichte
Der Museumsstandort umfasst die ehemalige Residenz von Scheich Abdullah bin Jassim Al Thani, die auch als „Old Palace“ bezeichnet wird. Der Palast entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach einer Restaurierung wurde das Gebäude 1975 als Qatar National Museum eröffnet.[5] Im 21. Jahrhundert wurden Pläne für einen Neubau entwickelt, der den bestehenden Palast einschließt. Der von Jean Nouvel entworfene Museumsneubau umgibt das historische Gebäude vollständig und wurde 2019 eröffnet.[6]
Architektur
Der Neubau besteht aus einer Vielzahl scheibenförmiger, sich überlagernder und konzentrisch angeordneter Bauelemente. Diese prägen das äußere Erscheinungsbild des Museums. Für die Konstruktion kamen unter anderem Stahl, Glas und faserverstärkter Beton zum Einsatz. Charakteristisch sind weit auskragende Platten, die den historischen Palast umschließen. Die Gesamtfläche des Gebäudekomplexes beträgt 52.167 m².[7] Das Museum befindet sich am südlichen Ende der Corniche von Doha. Zum Ensemble gehören außerdem Außenanlagen mit Wegen, Brücken und begrünten Bereichen, darunter eine Auswahl einheimischer Pflanzen aus Katar.[8]
Sammlung und Ausstellung
Die Dauerausstellung des Nationalmuseums von Katar ist in mehrere thematische Kapitel gegliedert, die die geologische, ökologische, archäologische und historische Entwicklung Katars in elf Galerien zeigen. Neben Objekten, Modellen und interaktiven Installationen werden audiovisuelle Medien eingesetzt, darunter Filme internationaler Regisseure.[9]
- Wandteppichkunst
- Kalksteinplatten (Jali- oder Mashrabiya-Gitter)
- Formelle Kleidung für Frauen aus Katar
- Traditioneller Frauenschmuck
- Traditionelle Kamel-Sättel der Beduinen
- Vorhang aus der Beduinen-Ashariya-Zeltkultur
- Zeremonienwaffen
- Zwei Koran Bände von al Zubarah, 1806
- Fauna Katars
- Delahaye 165 Cabriolet „Figoni & Falaschi“ (Baujahr 1939)
- Delahaye 165 Cabriolet „Figoni & Falaschi“ (Baujahr 1939)
- Ferrari 250 GT Berlinetta
- Pontiac „Ghost Car“ (Show- bzw. Display Car), Baujahr 1940
Der Alte Palast
Im Zentrum des Museumsgebäudes befindet sich der ehemalige Palast von Scheich Abdullah bin Jassim Al Thani, der sowohl als Familienresidenz als auch als Regierungssitz diente. Das Gebäude wurde restauriert und ist Bestandteil der Ausstellung.[5]
Die Entstehung Katars
Die erste Galerie behandelt die geologische Entwicklung der katarischen Halbinsel. Die Darstellung beginnt vor mehr als 700 Millionen Jahren und umfasst verschiedene geologische Phasen. Ein Film von Christophe Cheysson visualisiert die Entstehungsgeschichte und ausgestorbene Lebensformen, darunter die Fischart Qataraspis deprofundis. Ein Modell basiert auf einem in Katar gefundenen Fossilfragment aus dem Devon (ca. 400 Millionen Jahre alt). Gezeigt werden Fossilien aus mehreren geologischen Perioden sowie interaktive Darstellungen geologischer Prozesse.[9]
Naturräume Katars
Diese Galerie thematisiert die natürlichen Lebensräume Katars und deren Flora und Fauna. Ein Film von Jacques Perrin und Christophe Cheysson stellt verschiedene Landschafts- und Meeresräume dar. Ergänzt wird die Präsentation durch Modelle von Tierarten sowie eine Nachbildung eines Walhais in Originalgröße.[9]
Archäologie Katars
Die archäologische Galerie zeigt etwa 1000 Objekte aus unterschiedlichen Epochen der Geschichte Katars. Dazu gehören Funde aus Siedlungen, Gräbern und Handelsplätzen. Rekonstruktionen von Felsritzungen aus Al Jassassiya und Al Kassar sowie Modelle der Fundorte Murwab und Al Khor sind Teil der Ausstellung. Ein Film von Jananne Al-Ani visualisiert archäologische Stätten und Artefakte.[9]
Die Bevölkerung Katars
Diese Galerie behandelt Mobilität als prägendes Element der Lebensweise in Katar, darunter saisonale Wanderbewegungen zwischen Binnenland und Küste sowie Handelsaktivitäten. Ausgestellt sind Objekte des Reisens und der Orientierung sowie Zeugnisse traditioneller Lebensformen.[9]
Leben im Binnenland (al barr)
Die Galerie beschreibt das Leben in den Wüstenregionen Katars, einschließlich sozialer Strukturen, materieller Kultur und traditioneller Wissensformen. Ein Film von Abderrahmane Sissako stellt Alltagssituationen in einem Beduinenlager dar. Gezeigt werden unter anderem Zelte, Jagd- und Falknereiausrüstung, Kleidung und Textilien.[9]
Leben an der Küste
Diese Galerie widmet sich dem Küstenleben und dem historischen Handels- und Perlentaucherzentrum Al Zubarah, das zum UNESCO-Welterbe gehört. Ein Film von Abderrahmane Sissako rekonstruiert den Alltag in der Stadt. Ausgestellt sind archäologische Funde, Modelle und Objekte zur Seefahrt, Fischerei und Perlengewinnung. Ein weiterer Film von Mira Nair thematisiert die Arbeit der Perlentaucher.[9]
Perlen und Feste
Die Galerie zeigt die Bedeutung der Perlenwirtschaft für Katar. Präsentiert werden Rohperlen, Werkzeuge und Schmuckstücke. Ein zentrales Objekt ist der sogenannte Perlenteppich von Baroda, der mit Perlen, Smaragden und Diamanten verziert ist. Zudem werden Trachten, Musikinstrumente und Objekte im Zusammenhang mit Festen wie Al Ghuffal gezeigt.[9]
- Perlenteppich von Baroda
- Goldene Krone mit Perlen und Diamanten
- Anhänger mit Perlen aus der Golfregion, Iran oder Zentralasien
- Perlenkette aus dem Besitz der Familie Kinsky aus Böhmen, 1890er Jahre
- Collier mit Perlen aus der Golfregion, 19. Jahrhundert
Staatsbildung
Diese Galerie behandelt die politische Geschichte Katars zwischen dem 16. Jahrhundert und 1913. Thematisiert werden Kontakte und Konflikte mit Portugal, dem Osmanischen Reich und Großbritannien sowie die Rolle von Scheich Mohammed bin Thani und Scheich Jassim bin Mohammed bin Thani. Ausgestellt sind historische Karten, Dokumente, Waffen und Schiffsmodelle. Ein Film von Peter Webber ergänzt die Darstellung.[9]
Industrie und Innovation
Die Galerie behandelt die Zeit vom späten 19. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Schwerpunkte sind der Niedergang der Perlenwirtschaft und die Entdeckung von Erdöl. Gezeigt werden Objekte aus der Frühphase der Erdölindustrie sowie Alltagsgegenstände des 20. Jahrhunderts. Ein Film von Doug Aitken thematisiert die Bedeutung des Erdöls für die Entwicklung Katars. Die wirtschaftliche Entwicklung seit den 1970er Jahren, insbesondere im Zusammenhang mit Erdöl- und Erdgasexporten, wird anhand von Modellen, Archivmaterial und digitalen Darstellungen dokumentiert. Ein Film von John Sanborn behandelt die Rolle der Erdgasindustrie.[9]
Katar in der Gegenwart
Der letzte Ausstellungsbereich behandelt die jüngere Geschichte Katars unter Scheich Tamim bin Hamad Al Thani. Thematisiert werden wirtschaftliche Diversifizierung, gesellschaftliche Entwicklungen sowie die politische Krise infolge der Blockade Katars im Jahr 2017.[9]
Ausstellungen
- American Muscle Cars in Qatar, Oktober 2021 bis Februar 2022.
- Seagrass Tales, Dugong Trails, Juni 2021 bis September 2021.
- Mal Lawal 3, Juni 2021 bis September 2021.
- Pipilotti Rist: Your Brain to Me, My Brain to You, kuratiert von Tom Eccles und Bouthayna Baltaj, März 2022 bis Januar 2023.
- A Sneak Peek at Qatar Auto Museum Project, März 2022 bis Januar 2023.
- On the Move, Oktober 2022 bis Januar 2023.
- The Majlis: A Meeting Place, November 2022 bis März 2023.
- Hermès Heritage: Harnessing The Roots, März 2023 bis April 2023.
- Ólafur Elíasson: The curious desert, bis August 2023.
- The Shape of Time: Art and Ancestors of Oceania from The Metropolitan Museum of Art, Oktober 2023 bis Januar 2024.
- Growing Kopi, Drinking Qahwa; Stories of Coffee in Qatar and Indonesia, Oktober 2023 bis Februar 2024.
- Benchellal: Monumental Sculpting Past Tomorrow, kuratiert von Al Shaima Ayoub, November 2024 bis Januar 2025.
- MANZAR: Art and Architecture from Pakistan 1940s to Today, organisiert vom Art Mill Museum, November 2024 bis Januar 2025.
- Ultraleggera: A Design Journey with Marcello Gandini, in collaboration with the Qatar Auto Museum and the Museo Nazionale dell’Automobile, April 2025 bis Juni 2025.
- Latino Americano | Modern and Contemporary Art from the Malba and Eduardo Costantini Collection, April 2025 bis Juli 2025.
Literatur
- Philip Jodidio, Iwan Baan, Khalifa Al-Obaidly: National Museum of Qatar. Thames & Hudson, London, 2019.
- Massimiliano Gioni, Alexander Fury: Forever Valentino, Ausstellung, Doha, Nationalmuseum von Katar, vom 28. Oktober 2022 bis zum 1. April 2023. Silvana editoriale; Qatar museums, Cinisello Basalmo, Doha, 2023.