Nationale Wasserstoffstrategie
Wasserstoffstrategie der Bundesregierung vom 10. Juni 2020 in Deutschland
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Die Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) der Bundesregierung zielt auf die Wasserstoffherstellung in Deutschland im Jahr 2030 ab. Sie setzt Ziele für Erzeugung, Transport und Nutzung von Wasserstoff sowie dessen Derivaten in allen Bereichen der Wasserstoffwirtschaft und ist mit Maßnahmen zu deren Förderung verbunden.[1]
Geschichte
Die Nationale Wasserstoffstrategie wurde am 10. Juni 2020 von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgestellt und von der Bundesregierung verabschiedet. Sie baut einerseits auf den 2018 gestarteten Dialogprozess Gas 2030 auf, dessen Ergebnisse 2019 vorgestellt wurden.[1] Andererseits geht sie auf die Initiative zweier mit einer Parlamentarischer Staatssekretären des BMVI und des BMWi Anfang 2019 zurück. Diese planten die Entwicklung einer nationalen Wasserstoffstrategie durch die Bundesregierung voranzutreiben. Darüber hinaus hatte die NOW GmbH zuvor beschlossen, sich bei diesen beiden für Wasserstoff zuständigen Parlamentarischen Staatssekretären dafür einzusetzen, die Entwicklung einer nationalen Wasserstoffstrategie auf den Weg zu bringen. Nach einer Klausurtagung des BMVI im Mai 2019 erstellte die NOW GmbH einen One-Pager. Die Dynamik nahm zu, und es wurde eine interministerielle Arbeitsgruppe aus BMVI und BMWi zur Entwicklung einer nationalen Wasserstoffstrategie eingerichtet, der sich später im Juli 2019 das BMBF und das BMZ anschlossen. Auf einer Stakeholder-Konferenz im November 2019 stellten das BMVI, das BMWi, das BMBF und das BMZ ihre Ideen für eine Nationale Wasserstoffstrategie vor, wobei das BMWi die fachliche Federführung übernahm. Dieses wurde von der dena unterstützt, die den ersten einheitlichen Entwurf erarbeitete. Das Bundeskanzleramt sowie weitere Ministerien, darunter das BMU, das BMF, das AA und das BMVg, wurden bis Ende 2019 einbezogen. Trotz verpasster Fristen für Kabinettsbeschlüsse (Dezember 2019, März und 6. Mai 2020) wurden die intensiven Abstimmungen fortgesetzt, bis die Nationale Wasserstoffstrategie und der Nationale Wasserstoffrat am 10. Juni 2020 vom Kabinett verabschiedet wurden. Während der gesamten Entwicklungsphase fanden regelmäßige Gespräche nicht nur auf Arbeitsebene, sondern auch auf der Ebene der Abteilungsleiter und Staatssekretäre statt; wenn kein Konsens erzielt werden konnte, wurden die Verhandlungen auf Ministerebene eskaliert.[2]
Die Europäische Kommission hat am 8. Juli 2020 eine Europäische Wasserstoffstrategie für ein klimaneutrales Europa veröffentlicht. Synergieeffekte mit der am gleichen Tag veröffentlichten Strategie zur Integration von Energiesysteme sollen die verschiedenen Handlungsstränge aus Forschung und Innovation über Produktion und Infrastruktur bis hin zur internationalen Dimension zusammenführen.[3]
Das Bundeskabinett beschloss im Juli 2023 die Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie und passte sie an aktuelle Entwicklungen an.[4] Daneben wurde 2024 eine Importstrategie für Wasserstoff und dessen Derivate vorgestellt.[5]
Maßnahmen und Ziele
Die Bundesregierung unterstützt den Aufbau von Elektrolysekapazitäten, die Kompensation der höheren betrieblichen Produktionskosten sowie die Schaffung stabiler Rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen Absatz von Wasserstoff. Es wird erwartet, dass Deutschland einen jährlichen Bedarf von 95 bis 130 Terawattstunden Wasserstoff im Jahr 2030 entwickeln wird.[4] Ein Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur. In Deutschland soll bis 2027/2028 ein Wasserstoffkernnetz mit mehr als 1800 Kilometern aus von Erdgas auf Wasserstoff umgestellten und neuen Leitungen aufgebaut werden.
Ein Anteil von 50–70 % des Bedarfs soll über Importe aus dem Ausland gedeckt werden.[4][6] Für den Import aus Norden soll eine erste grenzüberschreitende Pipeline aus Dänemark eingerichtet werden, später soll an diese auch Norwegen angebunden werden. Über eine Energiepartnerschaft mit dem Vereinigten Königreich werden Importe aus Schottland diskutiert. Insgesamt fünf Pipelines werden nach Belgien und in die Niederlande geplant, die ihrerseits einen Import über Tanker anstreben. Weitere Pipelines zur Verbindung mit dem Baltikum, der iberischen Halbinsel sowie Nordafrika sind ebenfalls in Planung. Die derzeit entstehenden Flüssigerdgasterminals an den deutschen Küsten sollen später ebenfalls für Wasserstoff nutzbar gemacht werden.[5][6] Mit 15 Ländern außerhalb der EU wurden bilaterale Wasserstoff-Kooperationen vereinbart.[5]
Unter anderem werden mit der Nationalen Wasserstoffstrategie die infrastrukturellen Aufbau-, Umbau- und Bereitstellungsmaßnahmen angegangen, um den Gebrauch von Wasserstoff als Energieträger in naher Zukunft in Deutschland zu ermöglichen. Inwieweit klimaneutraler grüner Wasserstoff und weißer Wasserstoff zum Einsatz gelangen kann, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Verschiedene Arten von Wasserstoff sind bislang vorgeplant, darunter grüner und blauer Wasserstoff.[7]
Die Strategie listet kurzfristige Maßnahmen für 2023, mittelfristige Maßnahmen für 2024/2025 sowie langfristige Maßnahmen bis 2030 auf. Das Ziel der Klimaneutralität Deutschlands bis 2045 baut darauf auf. Weitere Ziele bis 2030 sind der zunehmende Einsatz in der Industrie, bei schweren Nutzfahrzeugen und im Luft- und Schiffsverkehr. Für die sichere Stromversorgung sollen wasserstofffähige Gaskraftwerke zum Einsatz kommen, um das Stromnetz vorrangig bei Dunkelflaute zu stabilisieren.[8]
445 Millionen Euro Fördermittel sollten für den Wasserstoffeinsatz in der Industrie bis 2024 zur Verfügung stehen; hinzu kommt das Konjunkturpaket von 9 Mrd. Euro: 2 Mrd. Euro davon sind der „internationalen Dimension“ von Wasserstoff gewidmet, 7 Mrd. sollen die gesamte Wertschöpfungskette von Wasserstoff stärken. Im Bereich Forschung und Entwicklung wurden bis 2022 jährlich 100 Millionen Euro an Fördergeldern für die sogenannten Reallabore der Energiewende bereitgestellt, von denen viele an Wasserstofftechnologien forschen.[1]
Organisationsstrukturen
Der Ausschuss der Staatssekretäre für Wasserstoff (Wirtschaft, Umwelt, Verkehr), kurz „St-Ausschuss Wasserstoff“, koordiniert die Umsetzung der NWS und ist das Entscheidungsgremium der NWS. Zeichnet sich eine Verzögerung der Umsetzung oder eine Zielverfehlung ab, korrigiert der St-Ausschuss kurzfristig, wobei er aktuelle Entwicklungen am Markt oder Fortschritte in der Wissenschaft einbezieht. Für eine bessere Koordinierung der Maßnahmen von Bund und Ländern wurde ein Bund-Länder-Arbeitskreis eingerichtet.
Nationaler Wasserstoffrat
Der Nationale Wasserstoffrat handelt nach der Einberufung durch die Bundesregierung als unabhängiges, überparteiliches Beratungsgremium. Er besteht aus derzeit 23 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft[9] mit dem Ziel, den Staatssekretärsausschuss für Wasserstoff bei der Weiterentwicklung und Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie fortlaufend zu begleiten und zu beraten.[10] Es gibt dazu eine Leitstelle Wasserstoff.[11] Den Vorsitz hat kommissarisch Felix Matthes, Forschungskoordinator am Öko-Institut, inne.[12] Bis zu ihrem Eintritt in die Bundesregierung war Katherina Reiche Vorsitzende.[13] Weitere Mitglieder sind Vertreter der Energie- und Verkehrsindustrie, ferner die Wirtschaftsweise Veronika Grimm und der Gewerkschafter Michael Vassiliadis.[9] Bis zu vier Vertreter der Bundesländer können als Gäste an den Sitzungen des Nationalen Wasserstoffrats teilnehmen.
Weblinks
- Website des Nationalen Wasserstoffrats
- Nationale Wasserstoffstrategie: Energie aus klimafreundlichem Gas. In: Archiv. Die Bundesregierung, 26. Juli 2023.
- Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet. In: Energiewende direkt. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 16. Juni 2020.