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Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblem

eines der sieben Millennium-Probleme From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblem ist eines der sieben Millennium-Probleme. Es betrifft die mathematische Beschreibung von inkompressiblen Fluiden durch die Navier-Stokes-Gleichung, eine nichtlineare partielle Differentialgleichung. Vereinfacht ausgedrückt betrifft das Problem die Existenz von glatten Lösungen bei gegebenen Anfangsbedingungen sowie die mögliche Entwicklung von Singularitäten wie etwa bei Schwarzen Löchern in der Allgemeinen Relativitätstheorie. Dieser Fall würde eine tiefgehende Unvollständigkeit der Navier-Stokes-Gleichung bei der Beschreibung der Realität bedeuten. Von speziellem Interesse sind insbesondere der nichtperiodische Fall auf dem euklidischen Raum und der periodische Fall auf dem Torus . Vom Clay Mathematics Institute wurde ein Preisgeld von einer Million Dollar für eine Lösung ausgelobt.[1] Am 8. September 2026 wurde von OpenAI ein Artikel mit einem Beweis der Existenz einer Lösung, die in endlicher Zeit eine unbeschränkte Geschwindigkeit annimmt, veröffentlicht. Die Lösung wurde von einem Team von OpenAI mit massiver Hilfe durch ein KI-System erarbeitet und in Lean formalisiert. Die Korrektheit der Arbeit wird aktuell geprüft.

Sei die Geschwindigkeit und der Druck des Fluides, sowie eine gegebene äußere Kraftdichte (wie etwa die Gravitation) und die kinematische Viskosität, dann ist die dreidimensionale Navier-Stokes-Gleichung die Ausformulierung des zweiten Newtonschen Gesetzes und gegeben durch:[2]

Die totale Zeitableitung beschreibt dabei die Änderung der Geschwindigkeit unter Mitbewegung, die partielle Zeitableitung dagegen an einer festen Stelle. Durch Reskalierung des Raumes kann ohne Beschränkung der Allgemeinheit gesetzt werden. Darüber hinaus wird eine quellenfreie Geschwindigkeit verlangt, was nur für ein inkompressibles Fluid der Fall ist. Anschaulich wird dabei an keiner Stelle neues Fluid erzeugt oder bestehendes Fluid vernichtet. Wie in der mathematischen Literatur üblich wird die Dichte als konstant angenommen und sie wird in den Druck und die Kraft hineingezogen, mit entsprechender Änderung der Einheiten. Schließlich wird noch eine endliche kinetische Energie verlangt. Als Gleichungen werden diese beiden Bedingungen zu:[2]

Für das Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblem wird nun nach der Existenz glatter Lösungen auf gefragt.[2] In der Navier-Stokes-Gleichung kommt die doppelte Ableitung der Geschwindigkeit vor und die einfache Ableitung des Druckes, also wird Glattheit nicht trivialerweise impliziert. Obwohl sich die Navier-Stokes-Gleichung selbst auch in höheren Dimensionen formulieren lässt, bezieht sich das Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblem rein auf drei Dimensionen.

Formulierung

Charles Fefferman beschrieb die exakte Formulierung des Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblems, gemäß der für gegebene glatte und quellenfreie Anfangsbedingungen und positive kinematische Viskosität mindestens eine der folgenden Aussagen gezeigt werden muss:[3]

  • Aussage A: Glatte Lösungen auf mit verschwindendem Kraftfeld existieren immer.
  • Aussage B: Glatte Lösungen auf mit verschwindendem Kraftfeld existieren immer.
  • Aussage C: Es gibt eine Anfangsbedingung und ein Kraftfeld , für die keine glatte Lösung auf existiert.
  • Aussage D: Es gibt eine Anfangsbedingung und ein Kraftfeld , für die keine glatte Lösung auf existiert.

In zwei Dimensionen ist bekannt, dass jeweils Aussagen A und B gelten und dass dies auch für den wesentlich schwierigeren Fall der Euler-Gleichung gilt. Jedoch treten dabei keine der extremen Schwierigkeiten von drei Dimensionen auf.[3]

Fortschritte

Arbeit von Terence Tao

Am 3. Februar 2014 veröffentlichte Terence Tao eine Lösung für die lokal gemittelten Navier-Stokes-Gleichungen und vermutete, seine Lösungsstrategie könnte für die gewöhnlichen Navier-Stokes-Gleichungen adaptiert werden.[4] Terence Tao bewies, dass für , durch Reskalierung ohne Beschränkung der Allgemeinheit normiert auf , und die Existenz einer glatten quellenfreien Geschwindigkeit mit gegebener Anfangsbedingung , welche die Navier-Stokes-Gleichung löst, äquivalent ist zur Existenz einer „milderen“ Lösung . Sei eine offene Teilmenge, dann ist der Sobolev-Raum der quadratintegrierbaren Funktionen, für die bis zu partielle Ableitungen ebenfalls quadratintegrierbar sind, welcher durch die Einschränkung des -Skalarproduktes:[5]

ein Hilbert-Raum ist. „df“ steht für „divergence-free“, also den Unterraum der quellenfreien Vektorfelder. Es gibt eine kanonische Inklusion der glatten Funktionen mit kompaktem Träger. Terence Tao schwächte die Suche nach Lösungen mit kompaktem Träger daher ab auf den Oberraum der Inklusion . Sei:[5]

die Eulersche Bilinearform mit für alle .[5] ist die Leray-Projektion auf quellenfreie Vektorfelder, in Koordinatendarstellung gegeben durch ,[5] wobei der invertierte Laplace-Operator über die Fourier-Transformation definiert ist, also . Mit dem normalisierten Druck ist und der Druck lässt sich aus der Navier-Stokes-Gleichung entfernen:[6]

Terence Tao betrachtet nun diese Gleichung mit einer gemittelten Eulerschen Bilinearform mit schwächeren Eigenschaften, welche zur Erfüllung von mehr Ungleichungen führt, aber weiterhin für alle erfüllt.[6] In diesem Fall gibt es tatsächlich eine Anfangsbedingung , für welche keine „milde“ Lösung existiert.[7]

Dadurch ist gezeigt, dass eine erfolgreiche Methode zur Lösung des Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblems entweder auf einer feineren Struktur der Navier-Stokes-Gleichung als die obige Vereinfachung beruht oder essentiell auf einer Eigenschaft der Eulerschen Bilinearform , die ihre gemittelte Variante nicht mehr hat.

Arbeiten von Tristan Buckmaster, Levent Alpöge und OpenAI

Am 8. September 2026 behauptete OpenAI, dass ein Team der Firma einen Beweis eines Gegenbeispiels des Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblems mit Hilfe einer internen künstliche Intelligenz erarbeitet zu haben. Gemäß dieser gibt es sowohl im periodischen als auch nichtperiodischen Fall tatsächlich Anfangsbedingungen, die eine Singularität in endlicher Zeit erzeugen, womit die Aussagen C und D wahr sind.[8] Dabei beginnt das Fluid komplett ruhend unter einem glatten Kraftfeld mit kompaktem Träger und entwickelt in endlicher Zeit unendliche Geschwindigkeit trotz endlicher kinetischer Energie. Veröffentlicht wurden sowohl ein Paper als auch eine Formalisierung in Lean.[9] Kurz zuvor hatten Tristan Buckmaster und Levent Alpöge weitere Fortschritte für die verwandte Euler-Gleichung erzielt. Tristan Buckmaster beschuldigte OpenAI der nicht angegebenen Verwendung ihrer Arbeit. Zudem habe OpenAI sich „genervt“ darüber geäußert, dass Alpöge bei Anthropic arbeite und ihn aufgefordert, diesen als Koautor von einer gemeinsamen Veröffentlichung auszuschließen, was er ablehnte.[10] OpenAI wies die Beschuldigungen zurück und erklärte, andere Methoden verwendet zu haben.[8][11]

Im Folgenden wird eine grobe Übersicht über das (bislang noch nicht überprüfte) Resultat von OpenAI gegeben. Es gibt die Lösung nicht explizit an, also durch einen direkten Ausdruck, sondern konstruiert sie implizit. Sie ähnelt einem verdrehten Kreisel, der sowohl immer dünner als auch immer kürzer wird und bei der Zeit eine Singularität in einer Umgebung um den Ursprung erzeugt, also:

Trotzdem gilt bei weiterhin die Bedingung aus der kinetischen Energie. Für die Beschreibung werden zunächst Zylinderkoordinaten verwendet. Sei der mittlere Radius des Kreisels in radialer Richtung und die mittlere Höhe, dann sind und [12] mit der Zeit zur Singularität und einem Parameter , wobei bedeutet, dass die Ausdrücke zueinander lediglich durch Konstanten abgeschätzt werden können. Nun wird der Kreisel schneller dünner als kürzer mit . Seien , und die mittleren Geschwindigkeiten, dann sind und [12] mit der Landau-Notation. Für das mittlere Volumen , das mittlere Geschwindigkeitsquadrat und die gesamte kinetische Energie gilt:[12]

Für also divergieren daher die Geschwindigkeiten, obwohl die kinetische Energie nicht divergiert, sondern sogar gilt. Für die weitere Beschreibung werden die Zeit und die Zylinderkoordinaten implizit auf neue Koordinaten und transformiert sowie die Geschwindigkeiten auf neue Funktionen und der Druck auf eine neue Funktion durch:[13]

Diese Notationen werden fortan im ganzen Paper verwendet, insbesondere dem zentralen Theorem 4.6. Zwar ist die Übersetzung von zusätzlichen Bedingungen nicht direkt aufgrund der impliziten Definitionen, jedoch passen diese teils schon zusammen. Etwa wird die Inkompressibilität zu , wodurch sich und direkt einsetzen lassen. Die Herleitungen werden nicht im Detail angegeben, sondern lediglich die Resultate für Inkompressibilität und Regularität auf der Achse sowie das radiale Druckgleichgewicht und das Verschwinden im Unendlichen:[13]

Für den Beweis wird genau wie beim Resultat von Terence Tao die kinematische Viskosität durch Reskalierung des Raumes ohne Beschränkung der Allgemeinheit auf gesetzt und die kraftfeldfreien Navier-Stokes-Gleichung als geschrieben mit dem Residualterm:[14]

Zu zeigen ist nun, dass sich dieser Residualterm glatt durch die singuläre Zeit fortsetzen lässt, obwohl dort trotzdem die Geschwindigkeiten divergieren sollen, die in den ersten drei Termen vorkommen. Dabei wird die im Gebiet der partiellen Differentialgleichungen gängige Strategie verwendet, partielle Ableitungen des Residualterms (sowohl nach Raum als auch Zeit) durch Ungleichungen abzuschätzen.

Bei der Konstruktion ermöglicht das noch nicht festgelegte Kraftfeld dadurch einen umgekehrten Ansatz: Statt umständlich eine Lösung der Navier-Stokes-Gleichung mit divergierender Geschwindigkeit zu finden, können einfach glatte Funktionen und auf genommen werden und auf gesetzt werden,[15] um diese automatisch zu einer Lösung zu machen. Dabei werden spezielle Funktionen und konstruiert, die beide einen kompakten Träger in einer kompakten Teilmenge haben. Für jeden Multiindex und jede natürliche Zahl gilt dann, dass für auf gleichmäßig konvergiert und glatte Funktionen mit kompakten Träger in existieren mit:[16]

Damit lässt sich das Kraftfeld glatt auf fortsetzen mit kompakten Träger in .[17]

Popkultur

Das Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblem spielt eine Rolle im Buch The Mathematician's Shiva aus dem Jahr 2014, in dem eine Mathematikerin aus Protest gegen die akademische Welt den Beweis mit ins Grab nimmt.[18][19] Es spielt ebenfalls eine Rolle im Film Begabt – Die Gleichung eines Lebens aus dem Jahr 2017, in dem eine daran arbeitende Mathematikerin Suizid begeht.[20]

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

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