Neschholz

Ortsteil der Stadt Bad Belzig From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Straßendorf Neschholz ist ein Ortsteil[1] der Kreisstadt Bad Belzig im Brandenburger Landkreis Potsdam-Mittelmark. Seine Fläche beträgt sieben Quadratkilometer, auf der 118 Menschen leben (Stand 13. November 2023).[2]

Dorfkirche Neschholz

Das Tal des Streckerbachs zwischen den größeren Tälern des Baitzer Bachs und der Plane bestimmt die naturräumliche Einbindung des Ortes, der zum Naturpark Hoher Fläming gehört. Das landwirtschaftlich geprägte Dorf verfügt über eine mittelalterliche Feldsteinkirche aus der seltenen Gruppe der Apsissäle, die eine prunkvolle Innenausmalung aufweist.

Lage und Naturraum

Neschholz

Lage und Verkehrsanbindung

Neschholz liegt rund sechs Kilometer östlich von Bad Belzig an der Bundesstraße 246 und bildet den östlichsten Bad Belziger Ortsteil. Auf ungefähr halber Strecke zu Bad Belzig folgt an der gleichen Bundesstraße das Nachbardorf Lüsse, dessen Segelflugplatz – Schauplatz der Weltmeisterschaften 2008 in dieser Sportart – bis nach Neschholz reicht. Nach Osten schiebt sich Neschholz mit der Wühlmühle bis an die Plane heran und grenzt im Nordosten an die Gemarkungen des Dorfs Gömnigk aus der Stadt Brück und im Südosten an das Dorf Ziezow, Teil von Locktow aus der Gemeinde Planetal.

Das nordwestliche Nachbardorf Baitz folgt nach knapp drei Kilometern und gehört wiederum zu Brück. An der Verbindungsstraße zwischen beiden Dörfern befindet sich der Bahnhof Baitz, der in einer Entfernung von nur rund 1.500 Metern für Neschholz den Anschluss an die Wetzlarer Bahn herstellt. Auf der Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Dessau verkehrt stündlich der Regional-Express (RE 7) nach Berlin und Bad Belzig und zweistündlich nach Dessau (von Bad Belzig).

Neschholzer Heide

Das Nachbardorf Baitz bildet zudem ein Tor zu der ausgedehnten Niederung Belziger Landschaftswiesen im Baruther Urstromtal. Mit der nördlichen Ausbuchtung Neschholzer Heide zwischen Baitz und Trebitz/Gömnigk grenzt auch die Neschholzer Gemarkung selbst an das ausgedehnte Naturschutzgebiet der Landschaftswiesen, das sich insbesondere dem Schutz der Großtrappe (Otis Tarda) verschrieben hat. Die Neschholzer Heide (Heide = Wald in Brandenburg/Berlin) besteht überwiegend aus Kiefern. Sie ruht auf einem kleinen Plateau, das im Fuchsberg (64 Meter) und Räuberberg (69 Meter) ausläuft und im Norden um ein paar Meter zu den Landschaftswiesen abfällt. Unmittelbar am Hang verläuft der autofreie Europaradweg R1, der Baitz und Trebitz verbindet. Vom Weg bietet sich ein guter Überblick über die weite und siedlungsfreie Niederungslandschaft.

Streckerbach

Bett des Streckerbachs, im Hintergrund die Neschholzer Heide

Die östliche Plateaugrenze bildet das Tal des Fläminghauptstroms Plane, während westlich der Streckerbach die Hügelkette durchschneidet, die die das Baruther Urstromtal von acht Kilometer in den Landschaftswiesen auf rund drei Kilometer bei Brück verengt. Der naturnahe Streckerbach entspringt gut zwei Kilometer südlich des Neschholzer Dorfkerns auf der Gemarkung von Mörz/Locktow, fließt durch Neschholz und mündet nach rund fünf Kilometern nördlich von Baitz in den Baitzer Bach. In den Sommermonaten fällt der Bach seit einigen Jahren im Oberlauf streckenweise trocken. Wie der Baitzer Bach, der parallel rund einen Kilometer westlich verläuft, bildete auch der Streckerbach bis zum Mittelalter ein morastiges Tal, woran der Ortsname Neschholz = Siedlung am Eschenwald indirekt erinnert. Denn der Baum des Jahres 2001, die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior L.), bevorzugt feuchte nährstoffreiche Böden, wie sie in Auwäldern, Schluchtwäldern, Niederungen und Eichen-Hainbuchenwäldern vorkommen.

Geschichte und Wirtschaft

Etymologie: Siedlung am Eschenwald

Die älteste überlieferte schriftliche Erwähnung des Dorfes stammt aus dem Jahr 1385: czu Eczholte. 1416 hieß es czu dem Escholte, 1466 zcu Nescholtz, 1548 zu Escholtz und 1590 Neschholtz. Die Bezeichnung geht auf die Zeit der feuchten Talung zurück und bedeutet Siedlung am Eschengehölz. Nach der etymologischen Ableitung von Reinhard E. Fischer entstand die heutige Namensform durch falsche Anknüpfung des Artikels [...]: to den Eschholt → Neschholt. (Ähnlich die Bildung des sächsischen Ortsnamens Mohorn: 1452 bey dem Ahorn → 1470 Mahorn.)[3]

Besitzgeschichte

Vor 1426 bis etwa 1550 beziehungsweise 1552 gehörte der Ort zur Vogtei, Pflege und später zum Amt Belzig; ab etwa 1550/1552 bis 1872 war er dem Amt Belzig Rabenstein zugeordnet. Bereits 1506 wird dabei zwischen Ober- und Untergerichtsbarkeit unterschieden. Neben der landesherrlichen Verwaltung bestanden mehrere adlige und institutionelle Besitz- und Hebungsrechte. So besaß die Familie von Thümen vor 1388 bis nach 1822 Rechte über Hebungen. Diese umfassten in den Jahren 1419/1420 dreieinhalb Stück Lehen, 1506 einen Hof und zwei Stück Lehen sowie 1822 schließlich sechs Hufen, die zum Rittergut Benken gehörten. Die Familie von Lindow zu Treuenbrietzen verfügte vor 1388 bis nach 1419/1420 über Hebungen und ein Gut, das sie zu Lehen gegeben hatte. Die Familie von Oppen hielt spätestens seit 1419/1420 bis nach 1591 Hebungsrechte über einen Hof und ein Stück Lehen; 1550 werden drei Lehnhufen genannt. Auch die Familie von Seelen war vor 1466 bis nach 1591 begütert. Sie verfügte 1506 über Hebungen aus drei Höfen und einem Stück Lehen; 1591 werden nur noch die Hebungen erwähnt. Darüber hinaus besaß bereits 1419/1420 der Landreiter zu Belzig Hebungsrechte über einen Kossätenhof.[4]

14. und 15. Jahrhundert

Im Jahr 1388 entrichtete der Richter Abgaben in Höhe von vier Schock. In den Jahren 1419/1420 verfügte der Richter über das Gericht mit fünf Hufen. Für das Jahr 1496 sind 13 türkensteuerpflichtige Personen überliefert, darunter der Schulze; zusätzlich wurde eine Person zum Gesinde gezählt.[4]

16. Jahrhundert

Im Jahr 1506 wurden insgesamt zwölf Einwohner gezählt. Der Richter besaß die Gerichtsbarkeit mit fünf freien Hufen und entrichtete Abgaben von Wiesen. Eine weitere Person zins¬te vom Schenken. Zwei Einwohner hielten jeweils ein Stück Land von der Familie von Thümen zu Lehen und zahlten ebenfalls Wiesenabgaben. Ein Bewohner besaß ein Stück Lehen von der Familie von Seelen und entrichtete Zinsen von Wiesen. Ein weiterer zinste von einer Hufe und hatte ein Stück Lehen, vermutlich ebenfalls von der Familie von Thümen. Eine Person verfügte über einen Hof und zins¬te von Wiesen, eine weitere hielt ein Stück Lehen von der Familie von Oppen und entrichtete Wiesenabgaben. Eine Person zahlte ausschließlich Wiesenabgaben, eine weitere besaß einen Hof. Eine Person wohnte auf dem Pfarrgut, diente dem Pfarrer in Lüsse und verfügte über eine Wiese. Schließlich zinste eine Person von einer wüsten Hufe. Zusätzlich besaß der Kossät zwei Morgen Wiese. Für das Jahr 1530 sind acht Hufner und drei Gärtner überliefert. Im Jahr 1542 verfügte der Lehnschulze über ein Haus, einen Hof, einen Garten und fünf Hufen. Ein weiterer Einwohner besaß Haus, Hof, Garten und vier Dorfhufen. Zwei Personen verfügten jeweils über Haus, Hof und drei Dorfhufen, eine weitere über Haus, Hof und drei Hufen. Zwei Einwohner besaßen Haus, Hof und jeweils zwei Dorfhufen, eine Person Haus, Hof und zwei Hufen. Eine weitere Person hatte Haus, Hof und eine wüste Hufe. Darüber hinaus bestanden vier Kossätenhöfe mit Haus, Hof und Garten sowie ein weiterer Kossätenhof. Der Hirte besaß kein Land und hatte vier kleine Kinder. Außerdem sind acht Knechte und vier Mägde überliefert. Insgesamt wurden 25 Morgen Wiesen gezählt.[4] Die Bestandsaufnahmen der kirchlichen Visitationen im Zuge der Reformation verzeichnen für das Jahr 1542 vierundzwanzig bebaute Hufen und eine unbebaute Hufe. Die Kirche besaß 1506 zwei und 1591 drei Morgen Wiese. Im Jahr 1550 wurden 14 besessene Männer gezählt, darunter fünf Gärtner. Der Richter verfügte über ein Haus, einen Hof und fünf freie Lehn¬hufen. Ein weiterer Einwohner besaß Haus, Hof und drei Lehnhufen, die er von der Familie von Oppen zu Lehen trug. Drei Personen hatten jeweils Haus, Hof und drei Erbhufen. Ein Einwohner verfügte über Haus, Hof und zwei Lehnhufen, zwei weitere jeweils über Haus, Hof und zwei Erbhufen. Eine Person besaß Haus, Hof und eine Erbhufe, eine weitere ein Haus mit Garten. Zudem wurden drei Häusler genannt, die jeweils über einen Garten verfügten. Eine weitere Person besaß ebenfalls einen Garten; die Erben des Pfarrers entrichteten Abgaben von zwei Morgen Wiese. Insgesamt wurden 24 Hufen gezählt. Für das Jahr 1555 sind acht Hufner und drei Gärtner überliefert. Im Jahr 1565 bestanden ein Lehnschulze, elf Häuser und vier Höfe sowie zwei Kossätenhöfe. Der Hirte hielt drei Kühe, 22 Schafe und fünf Überläufer. Die Feldflur umfasste elf Dorfhufen, acht weitere Hufen sowie eine Wiese bei Wiesenau. Insgesamt wurden 82½ Morgen Wiesen verzeichnet.[4] Aufzeichnungen gibt es aus dem Jahr 1575 zur Versorgung des Pfarrers und Küsters. Danach „bezog der Pfarrer ein Dreißig Roggen, ein Dreißig Gerste, 15 Mandeln Hafer und 6 Mandeln Weizen als Zehnten. Der Küster hatte 24 Scheffel Korn und 59 Brote“.[5] Im Jahr 1591 wurden 14 besessene Männer gezählt, darunter fünf Gärtner. Der Richter verfügte über fünf freie Lehnhufen. Vier Einwohner waren Dreierbhufner, ein Einwohner besaß zwei Lehnhufen, zwei weitere jeweils zwei Erbhufen. Eine Person verfügte über eine Erbhufe, eine weitere über Haus, Hof und Garten. Darüber hinaus wurden vier Häusler genannt, die jeweils über einen Garten verfügten. Insgesamt bestanden 24 Hufen.[6]

17. Jahrhundert

Im Jahr 1640 waren die Verhältnisse durch den Dreißigjährigen Krieg stark durch Wüstungen geprägt. Es bestanden fünf Hufnerstellen, von denen vier wüst lagen. Von drei Halbhufnerstellen (darunter die des Krügers) waren zwei wüst. Zudem wurden vier Kossätenstellen genannt, von denen drei wüst lagen. Die vier Häuslerstellen, darunter die des Schmieds, waren sämtlich wüst. Auch die Stelle des Hirten war unbesetzt. Für das Jahr 1661 sind fünf Hufner überliefert, von denen eine Stelle wüst war. Daneben bestanden drei Halbhufnerstellen einschließlich des Krügers sowie vier Kossätenstellen. Vier Häuslerstellen wurden genannt, darunter die des Schmieds, von denen drei wüst lagen. Außerdem war ein Hirte vorhanden. Die Wiesenfläche umfasste insgesamt 65½ Morgen, von denen 40 Morgen neu zugemessen worden waren. Im Jahr 1676 wurden fünf Anspänner beziehungsweise Hufner, acht Halb¬hufner beziehungsweise Kossäten sowie ein Gärtner oder Häusler gezählt. Insgesamt bestanden 24 Erbhufen. Für das Jahr 1682 sind differenzierte Besitzverhältnisse überliefert. Der Schulze verfügte über drei Lehnhufen. Daneben bestanden ein Dreierbhufner, drei Dreidorfhufner, ein Zweilehnhufner, zwei Zweidorfhufner sowie ein Eindorfhufner. Zudem wurden drei Kossäten genannt, die jeweils über einen Garten verfügten. Von vier Häuslerstellen, darunter die des Schmieds, lagen zwei wüst. Außerdem bestand eine Hirtenstelle. Die Wiesenfläche betrug 95½ Morgen.[6]

18. Jahrhundert

Im Jahr 1701 bestanden fünf Hufner, drei Halbhufner (darunter der Krüger), vier Kossäten sowie vier Häuslerstellen, darunter die des Schmieds, von denen eine wüst lag. Zudem war ein Hirte vorhanden. Die Wiesenfläche betrug 102 ½ Morgen. Für das Jahr 1718 sind acht Hufner und drei Häusler überliefert. Insgesamt bestanden 24 Hufen mit einer Aussaat von 120 Dresdner Scheffeln; auf jede Hufe entfielen damit fünf Scheffel. Im Jahr 1743 wurden ein Fünfhufner, der zugleich Schulze war, vier Dreihufner, zwei Zweihufner und ein Einhufner genannt. Daneben bestanden vier Häuslerstellen. Die Feldmark umfasste weiterhin 24 Hufen. 1764 blieb die Hufenstruktur unverändert. Neben dem Fünfhufner (Schulze), vier Dreihufnern, zwei Zweihufnern und einem Einhufner wurden drei Gärtner genannt, von denen einer über Wortland verfügte, sowie vier Häusler. Von den 24 Hufen waren 16 bestellt, während acht bewachsen lagen. Die Aussaat betrug neun Dresdner Scheffel pro Hufe. Im Jahr 1777 wurden insgesamt 17 besessene Männer gezählt, darunter acht Ganzhufner, ein Halbhufner, drei Kossäten und vier Häusler. Zudem bestand ein Hirtenhaus.[6]

19. Jahrhundert

Im Jahr 1806 bestanden ein Fünfhufner, der zugleich Schulze war, vier Dreihufner, drei Zweihufner und ein Einhufner. Vier Einwohner verfügten jeweils über ein Wortland, ein weiterer über zwei Wörter. Zudem besaßen zwei Hausbesitzer jeweils einen kleinen Garten. Insgesamt umfasste die Feldmark weiterhin 24 Hufen.[6] Wie der gesamte Belziger Landstrich war auch Neschholz über Jahrhunderte hinweg bis zum Wiener Kongress 1815 sächsisch. Die Grenze zwischen Brandenburg und dem sächsischen Kurkreis verlief durch die Belziger Landschaftswiesen. Im Jahr 1822 bestanden sieben Vollhufner, darunter der Lehnschulze, zwei Halbhufner, von denen einer als Krüger tätig war, sowie fünf Kossäten, darunter der Schmied. Zudem wurden zwei kabelholzberechtigte Häusler und ein neu angesetzter Häusler genannt. Die Feldmark umfasste weiterhin 24 Dorfhufen, darunter sechs königliche Lehnhufen und sechs Hufen des Ritterguts Benken. Die Gemeinde¬freiheit belief sich auf 60 Magdeburgische Morgen. Im Jahr 1837 wurde der Ort als Dorf mit 20 Wohnhäusern beschrieben. Im Jahr 1858 bestand das Dorf aus vier öffentlichen Gebäuden, 20 Wohngebäuden sowie 54 Wirtschaftsgebäuden.[6]

20. Jahrhundert

Im Jahr 1900 wurden im Ort 29 Häuser gezählt. 1931 bestanden 37 Wohnhäuser mit insgesamt 43 Haushaltungen. Für das Jahr 1939 sind land- und forstwirtschaftliche Betriebe statistisch erfasst. Es bestanden 13 Betriebe mit einer Fläche von 20 bis 100 Hektar, zwei Betriebe mit 10 bis 20 Hektar, sieben Betriebe mit 5 bis 10 Hektar sowie acht Betriebe mit 0,5 bis 5 Hektar.

Im Jahr 1953 wurde die erste LPG des Typs III gegründet, die acht Mitglieder und 20 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche umfasste. 1960 bestanden eine LPG Typ III mit 26 Mitgliedern und 236 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche sowie zwei LPG des Typs I mit zusammen 40 Mitgliedern und 253 Hektar. Diese schlossen sich 1961 zusammen und wurden 1974 der LPG Typ III angeschlossen. Im Jahr 1973 bestanden insgesamt zwei LPG.[6]

Wühlmühle

Wühlmühle an der Plane

Zwei Kilometer vom Dorf entfernt liegt im östlichsten Zipfel der Neschholzer Gemarkung am Fläminghauptfließ Plane die traditionsreiche Wühlmühle. Die Wassermühle mit Ferienwohnungen und Reiterhof gehört zum Stations- und Wegenetz des Naturparks Hoher Fläming. Mit dem Reiterhof nimmt auch Neschholz an dem touristischen Aufschwung teil, der in einigen Naturparkdörfern die traditionelle land- und forstwirtschaftliche Ausrichtung zunehmend ergänzt.

Wühlmühle mit Reiterhof

Etymologie: Bösewiel

Die erste schriftliche Erwähnung der noch heute technisch vollintakten Wassermühle findet sich 1565 in einem Vermerk Müller auffm Bosen Weill. Über Bösewiehlmühle (1591) kam es 1716 bereits zum Begriff Wühlmühle, dann 1745 wieder zu Bösenmühle und 1841 wohl endgültig zur Wühlmühle. Laut Reinhard E. Fischer stammt der Name von einer benachbarten Wiese, die den Namen Bösewiel trug. Dabei steht böse für schlecht und das mittelniederdeutsche wel beziehungsweise spätere brandenburgische Weel für ausgedehnte Wasserfläche in der Niederung hinterm Deich und im konkreten Bezugsrahmen für eine von der Plane ausgespülte Tiefe. Als der ursprüngliche Sinn von Bösewiel verlorenging, wurde der nicht mehr verständliche Name […] zu wühlen gestellt. Den Namen erklärten sich die Dorfbewohner nunmehr mit der Sage vom Bösen Wühl, einem Kobold, der in der Mühle sein Unwesen trieb, bis er von einem Bären und dem Bärenführer vertrieben wurde – eine laut Fischer in vielen Orten gebräuchliche Erzählung, die mit jeweils angepassten Koboldnamen verlorene Sinnzusammenhänge verständlich machen sollte.[7]

Vom Müllerhandwerk zum Tourismus

Die Mühle ist zwar vollständig funktionsfähig, wird allerdings seit Jahrzehnten mit einer Turbine angetrieben, sodass die Mühlenromantik mit außenliegendem Wasserrad lange zurückliegt. Die Besitzer haben einen großen Teil der Gebäude zu einer Pension mit einem modernen Reiterhof umgebaut und im umgebenden Planetal weitläufige Koppeln angelegt. Der Hof gehört als Reitwander-Stützpunkt zu dem ausgedehnten Stations- und Wegenetz für Wanderreiter im Naturpark Hoher Fläming. Neben der Mühle besteht ein Tiergehege, in dem die Hofbetreiber Damwild züchten. Die Plane bietet in diesem Bereich einen reichen Forellenbestand und Badefreunde finden im rund 500 Meter entfernten Ziezower See der gleichnamigen Planetal-Gemeinde ein klares Gewässer. Auch die Neschholzer kommen seit alters her zum Baden an den See.

Eingemeindung

Neschholz wurde am 31. Dezember 2002 nach (Bad) Belzig eingemeindet.[8]

Hausnummern – Ende einer Tradition

Hauseingang

Nicht alle Neschholzer waren und sind mit der Eingemeindung in die Kreisstadt Belzig zufrieden. Wie bei solchen Neugliederungen üblich, mussten auch die Neschholzer verschiedene Straßennamen wie Dorfstraße, Bahnhofstraße oder Mühlenweg, die auf dem Belziger Gebiet nun mehrfach vorhanden waren, ändern (jetzt einheitlich: Neschholz). Vor allem aber ging eine jahrhundertelang gepflegte Tradition zu Ende, die das Dorf lange verteidigt hatte. Entgegen allen üblichen Methoden, die Häuser in den Straßen durchzunummerieren, vergaben die Neschholzer die Hausnummern in der Reihenfolge, in der sie ihre Häuser bauten. Da einige Häuser nicht mehr existierten, fehlten einige Nummern, manche Straße hatte keine Nummer 1 und die Nummern gingen wild durcheinander.

Da dies für ortsunkundige Rettungskräfte wie Feuerwehr und Rettungsdienst nicht ganz unproblematisch war, versuchte die Stadt Belzig eine Änderung herbeizuführen. Insbesondere der Bau- und Planungsausschuss der Stadt, der mit der Neschholzer Zählweise Probleme bei den Bebauungsplänen hatte, drängte auf eine Anpassung an „normale“ Gepflogenheiten. Laut einem Bericht der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 8. November 2005 wehrte sich der Neschholzer Ortsbeirat gegen den Nummernaustausch unter anderem mit dem Argument, dass die Ziffern schließlich viel Geld gekostet hätten.[9] Am 27. März 2006 beschloss die Stadtverordnetenversammlung Belzig dann allerdings für den Ortsteil Neschholz: Die Hausnummern werden entsprechend Variante 4 des Hausnummernplans neu geordnet.[10]

Sehenswürdigkeiten

Die romanische Feldsteinkirche Neschholz aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit Fachwerk-Dachturm zeigt im Innern eine prachtvolle barockisierende Ausmalung vom Beginn des 20. Jahrhunderts.

Literatur

Einzelnachweise

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