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Neuer jüdischer Friedhof (Prenzlau)

Begräbnisort im Landkreis Prignitz From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Neue jüdische Friedhof in Prenzlau ist ein Begräbnisort im Landkreis Uckermark.

Beschreibung

Das Gelände an der Straße „Süßer Grund 5“ neben der Eisenbahnstrecke Berlin-Stralsund in Prenzlau hat eine Fläche von 5119 Quadratmetern.[1][2] Der Zugang zum Gräberfeld liegt an einem Privatgrundstück. An der Ost- und Nordseite grenzt er an das Gelände der Uckermark-Kaserne.[2] Die vom Prenzlauer Architekten Paul Zastrow erbaute und 1898 fertiggestellte Friedhofshalle besteht „aus einem rechteckigen Saal mit Stufengiebel, der von zwei niedrigen Flügelbauten begleitet wird“. Die Architektur des Baus aus rotem Backstein entspricht der zahlreicher anderer norddeutscher Gründerzeitbauten.[2] Das Gebäude wird als Wohnhaus genutzt.[1] Der Friedhof ist nur über das Privatgrundstück nach Absprache begehbar.[3]

Der relativ gut erhalte Friedhof[3] verfügt über einen äußeren Rundweg und wird durch einen Hauptweg in ein nördliches und ein südliches Gräberfeld geteilt. In der Nähe des Eingangs stehen vier Grabmäler gefallener Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg und ein Gedenkstein einer zu DDR-Zeiten angebrachten Tafel mit der Aufschrift „Zum Gedenken an die Opfer des Faschismus“. Auf dem Friedhof steht eine Gedenktafel zur Geschichte des Ortes sowie ein Gedenkstein für vier im KZ Auschwitz ermordete Menschen.[2]

Insgesamt befinden sich 121 Grabsteine auf dem Friedhof[4] mit Sterbedaten von 1900 bis 1997, die meist aus Sandstein oder schwarzem Granit bestehen. Auf einigen Steinen finden sich hebräische Inschriften und jüdische Symbole, darunter Davidstern, segnende Priesterhände und Levitenkanne.[2]

Geschichte

Im Juli 1847 erfolgte die offizielle Gründung der Prenzlauer Synagogengemeinde, der auch Brüssow und Strasburg angehörten. Sie war die größte Gemeinde in der Uckermark und hatte einen eigenen Rabbiner. Von den 434 jüdischen Mitgliedern bei der Gründung stammten 360 aus Prenzlau.[5] Die Gemeinde bestattete ihre Toten bis in die 1890er Jahre auf dem Alten jüdischen Friedhof. Im Jahr 1881 erwarb die jüdische Gemeinde am Stadtrand vor dem Schwedter Tor ein Grundstück und 1886 wurde der neue jüdische Friedhof „Am Süßen Grund“ mit einer ersten Beisetzung eingeweiht.[1][4] 1897/1898 wurde eine Friedhofshalle auf dem Grundstück gebaut.[2]

Bis in die 1930er Jahre wurden über 100 Beisetzungen vorgenommen.[3] Im Jahr 1932 hatte Prenzlau 174 jüdische Einwohner, deren Zahl in der Zeit des Nationalsozialismus durch Abwanderung stetig sank. Ab 1933 fanden SA-Boykotte gegen jüdische Geschäfte und antisemitische Ausschreitungen in Prenzlau statt. In der Stadt lebten 1934 noch 86 Juden, 1935 noch 75, im Jahr 1936/37 nur noch 49 und 1937/38 nur noch 40.[4][5]

Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge geplündert, angezündet und die beiden Prenzlauer jüdischen Friedhöfe geschändet,[4][5] die Grabsteine umgestürzt.[1] Auf Kosten der jüdischen Gemeinde ließ die Stadt Prenzlau die Synagogenruine abtragen. Um den anfallenden Betrag von mehr als 10.000 Reichsmark aufzubringen, musste die Synagogengemeinde 1940 Friedhofs- und Synagogengrundstück verkaufen.[4][5] Im Juli 1940 wurde das Friedhofsgelände am Süßen Grund an die Luftwaffe zwangsverkauft und die Friedhofshalle zum Pferdestall der benachbarten Garnison umfunktioniert.[1] Die etwa 30 noch in Prenzlau verbliebenen Juden wurden 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert.[4][5][6] Nach 1945 wurden immer wieder einzelne Grabsteine gestohlen.[3][4]

Gedenken

Zu DDR-Zeiten wurde ein Gedenkstein mit einer beschrifteten Tafel „Zum Gedenken an die Opfer des Faschismus“ aufgestellt, der ursprünglich wahrscheinlich dem Gedenken der im Ersten Weltkrieg getöteten Gemeindemitglieder diente.[2] 1948 erfolgte eine Restaurierung des verwüsteten Friedhofs im Auftrag der Stadtverwaltung. Ab 1958 vermietete die Jüdische Landesgemeinde Mecklenburg die Trauerhalle als Einfamilienhaus an die Familie Cerniak, die sich mit staatlicher Unterstützung um Instandsetzung und Pflege des Friedhofs kümmerte, gefolgt von der Familie Seidel. Nach deren Auszug im Jahr 2009 und zweijährigem Leerstand werden die Seitenflügel der Friedhofshalle seit 2011 von einer Familie bewohnt, die die Pflege des Gräberfeldes fortführt.[1]

Einzelnachweise

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