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Neura Robotics

deutsches Robotikunternehmen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Neura Robotics GmbH (Eigenschreibweise: NEURA Robotics) ist ein deutsches Robotikunternehmen mit Sitz in Metzingen. Das Unternehmen entwickelt kollaborative Roboter, fahrerlose Transportsysteme und humanoide Roboter, die es als „kognitive“ Roboter vermarktet, die integrierte Sensorik mit künstlicher Intelligenz verbinden.[2][3]

Schnelle Fakten
NEURA Robotics GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 26. März 2019
Sitz Metzingen, Deutschland
Leitung David Reger (Geschäftsführer)
Mitarbeiterzahl über 1.100 (Oktober 2025)[1]
Branche Robotik
Website neura-robotics.com
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Geschichte

Das Unternehmen wurde am 26. März 2019 als Han's Robot Germany GmbH von David Reger gegründet, der zuvor die Robotiksparte der Schweizer Mabi AG aufgebaut hatte.[4] Im November 2020 benannte sich das Unternehmen in Neura Robotics um und kündigte erste Produkte an, darunter den kollaborativen Roboter LARA.[5]

2021 brachte Neura Robotics den Cobot MAiRA (Multi-Sensing Intelligent Robotic Assistant) auf den Markt, den das Unternehmen als ersten „kognitiven“ kollaborativen Roboter bezeichnete, und nahm im selben Jahr 86 Millionen US-Dollar an Finanzierung auf.[3] Auf der Automatica 2022 zeigte das Unternehmen unter anderem den Serviceroboter MiPA, das fahrerlose Transportfahrzeug MAV sowie das Konzept des humanoiden Roboters 4NE1.[3]

Im Juli 2023 nahm das Unternehmen 55 Millionen US-Dollar auf, um Forschung und Entwicklung auszubauen sowie das Geschäft in Asien und den USA zu erweitern.[6]

Im Januar 2025 schloss Neura Robotics eine Series-B-Finanzierungsrunde über 120 Millionen Euro ab, angeführt von Lingotto Investment Management, unter Beteiligung von BlueCrest Capital Management, Volvo Cars Tech Fund, InterAlpen Partners, Vsquared Ventures, HV Capital, Delta Electronics, C4 Ventures, der L-Bank und Gründer David Reger.[2] Das Unternehmen gab zu diesem Zeitpunkt an, die Belegschaft innerhalb eines Jahres auf über 300 Mitarbeiter verdoppelt, den Umsatz verzehnfacht und einen Auftragsbestand von bis zu einer Milliarde Euro aufgebaut zu haben.[2]

Zum 1. Mai 2025 wurde der Geschäftsbetrieb der B.A.H. Industrial Solutions GmbH, eines 2012 gegründeten Unternehmens für Schaltschrankbau, Industriemontage und Qualitätsprüfung mit Sitz in Bösingen, übernommen und als Neura Electronics GmbH weitergeführt, die mit über 130 Mitarbeitern Schaltschränke, Sensoren und Automatisierungssysteme fertigt.[7][8]

Im Oktober 2025 übernahm Neura Robotics die ek robotics GmbH aus Hamburg, einen Hersteller fahrerloser Transportsysteme mit rund 300 Mitarbeitern an fünf Standorten und einem Umsatz von rund 60 Millionen Euro (2024), aus einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das Unternehmen wurde in Neura Mobile Robots GmbH umbenannt; die Marke „ek robotics“ blieb erhalten.[9][10] Zum 16. Oktober 2025 übernahm Neura Robotics zudem den Entwicklungsbereich der insolventen Huber Automotive AG aus Mühlhausen im Täle, eines Anbieters von Fahrzeugelektronik, Steuergeräten und Batteriemanagementsystemen, mit über 30 Mitarbeitern.[11] Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen mehr als 1.100 Mitarbeiter.[1]

Im Dezember 2025 eröffnete Neura Robotics einen Entwicklungsstandort im Zürcher Stadtteil Seefeld mit 1.800 Quadratmetern, an dem die Entwicklung des humanoiden Roboters 4NE1 gebündelt wird; als Standortvorteil nannte das Unternehmen die Nähe zu den Robotiklaboren der ETH Zürich. Die Produktion verbleibt in Metzingen.[12]

Auf der CES 2026 stellte das Unternehmen einen vierbeinigen Roboter sowie den 4NE1 Mini, eine kleinere Variante seines humanoiden Roboters, vor.[13]

Im Juni 2026 gab Neura Robotics eine Series-C-Finanzierungsrunde über bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar bekannt, angeführt von Tether Investments, mit Beteiligung mehrerer strategischer Partner des Unternehmens.[14][15] Nach Angaben des Handelsblatts handelt es sich um die größte Finanzierungsrunde, die ein Unternehmen in Deutschland bislang eingeworben hat; beteiligt seien vor allem US-Konzerne wie Tether, Amazon, Nvidia und Qualcomm, die Bewertung liege bei rund sieben Milliarden US-Dollar.[16] Im Rahmen des Investments sollen das Wallet-Entwicklungskit und die Edge-KI-Laufzeitumgebung von Tether in die Robotikplattformen und das Neuraverse-Ökosystem von Neura integriert werden.[15]

Im August 2026 wurde die Übernahme des fahrerlosen Transportsystems „ACTIVE Shuttle“ von Bosch Rexroth mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 bekanntgegeben, die das Portfolio der Neura Mobile Robots erweitern soll.

Produkte

Fahrerloses Transportfahrzeug VARIO MOVE von ek robotics, seit 2025 Teil von Neura Mobile Robotics
  • MAiRA: 2021 eingeführter kollaborativer Roboter, der nach Unternehmensangaben mit integrierter 3D-Bildverarbeitung und Spracherkennung Objekte erkennen und autonom greifen kann.[3][4]
  • LARA (Lightweight Agile Robotic Assistant): im November 2020 vorgestellter Roboterarm für Anwendungen in Fertigung, Gesundheitswesen, Logistik und Dienstleistung.[5]
  • MAV (Multi-Sensing Autonomous Vehicle): fahrerloses Transportfahrzeug für die Intralogistik, vorgestellt auf der Automatica 2022.[3]
  • MiPA (My Intelligent Personal Assistant): Haushalts- und Serviceroboter, 2022 als Konzept gezeigt; die Markteinführung wurde auf der Automatica 2025 angekündigt.[3][17]
  • 4NE1 (ausgesprochen „for anyone“): humanoider Roboter, 2022 als Konzept vorgestellt.[3] Ein Prototyp wurde Mitte 2024 demonstriert.[18] Die dritte Generation feierte auf der Automatica 2025 Premiere; nach Unternehmensangaben verfügt sie über ein Doppelbatteriesystem für den Dauerbetrieb, kann bis zu 100 kg heben und unterscheidet mit der „Omnisensor“-Technik Menschen von Objekten für die schutzzaunlose Mensch-Roboter-Kollaboration.[19]
  • Quadruped und 4NE1 Mini: auf der CES 2026 vorgestellte Laufroboter, letzterer für Bildungs- und Forschungsanwendungen.[13]
  • Fahrerlose Transportsysteme: seit der Übernahme von ek robotics bietet Neura Robotics über die Tochter Neura Mobile Robotics fahrerlose Transportfahrzeuge an.[9]

Neuraverse

Auf der Automatica 2025 stellte Neura Robotics mit Neuraverse ein Software-Ökosystem für seine Roboter vor, das das Unternehmen mit einem App-Store vergleicht und das es verschiedenen Robotertypen ermöglichen soll, erlernte Fähigkeiten zu teilen sowie Anwendungen und Updates zu beziehen.[17][19]

Kooperationen und Partnerschaften

Kawasaki

2023 stellte Kawasaki Robotics seine CL-Serie kollaborativer Roboter vor, die auf der Roboterplattform von Neura Robotics basiert („powered by NEURA Robotics“). Die Serie umfasst vier Modelle mit Traglasten von 3 bis 10 kg und wird in Deutschland entwickelt und gefertigt.[20]

Nvidia

2024 trat Neura Robotics nach eigenen Angaben dem Nvidia Humanoid Robot Developer Program bei[21][22] und kündigte an, dafür die Nvidia-Isaac-Plattform mit der eigenen Plattform „Neuraverse“ zu kombinieren. Nvidia beschreibt das Programm als Angebot für Entwickler humanoider Robotik mit Zugang zu Komponenten der Isaac-Toolchain und weiterer Entwicklungsinfrastruktur.[23]

SAP

Im Juni 2025 gaben SAP, Nvidia und Neura Robotics eine Partnerschaft bekannt. Demnach sollen der SAP KI-Agent Joule, die Nvidia Omniverse-Plattform und kognitive Roboter von Neura Robotics kombiniert werden.[24]

Schaeffler

Am 4. November 2025 gaben Schaeffler und Neura Robotics eine Kooperation bekannt.[25][26] Nach Angaben von Schaeffler umfasst diese die gemeinsame Entwicklung und Lieferung von Komponenten für humanoide Robotik sowie Vereinbarungen zur Integration humanoider Roboter in Schaefflers Produktionsnetzwerk; Reuters berichtete, dass Schaeffler bis 2035 mehrere tausend humanoide Roboter in der eigenen Produktion einsetzen wolle.

Bosch

Im Januar 2026 gaben Bosch und Neura Robotics eine strategische Technologie- und Entwicklungspartnerschaft zur Industrialisierung humanoider Robotik in Deutschland bekannt. Geplant sind unter anderem die Erfassung realer Bewegungs- und Umgebungsdaten in Bosch-Produktionsstätten mittels Sensoranzügen, die gemeinsame Entwicklung KI-basierter Software sowie eine mögliche Zulieferung von Komponenten und Unterstützung bei Montage und Motorenfertigung durch Bosch.[27][13]

Zimmer Systems

Im Februar 2026 wurde eine Partnerschaft mit Zimmer Systems, einem Greif- und Automationsspezialist, bekanntgegeben.[28]

Drees & Sommer

Ebenfalls im Februar 2026 wurde eine strategische Partnerschaft mit Drees & Sommer zur Entwicklung von „Robotik-Ready Gebäuden“ bekanntgegeben.[29]

Qualcomm

Im März 2026 wurde eine strategische Partnerschaft zwischen Neura Robotics und dem US-amerikanischen Unternehmen Qualcomm bekanntgegeben.[30] Die Robotikprozessoren und Edge-AI-Technologien von Qualcomm sollen mit den Hardwareplattformen und der Embodied-AI-Software von Neura Robotics zu neuen Referenzarchitekturen für Robotiksysteme zusammengeführt werden.[30]

Technische Universität München

Ebenfalls im März 2026 wurde eine Partnerschaft mit dem Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence der Technischen Universität München (TUM) bekanntgegeben. In deren Rahmen soll ab Mitte 2026 am TUM Convergence Center im Flughafen München auf 2.300 m² das „TUM RoboGym (powered by Neura)“ entstehen, nach eigener Aussage Europas größtes Trainingszentrum für Physical AI. Dort soll „eine große Flotte humanoider Roboter unter realen Bedingungen“ trainiert werden. Die generierten Daten sollen größtenteils in die Neuraverse-Plattform fließen. Insgesamt investierten die Partner 17 Millionen Euro, wovon Neura Robotics 11 Millionen Euro beisteuerte.[31]

Amazon Web Services

Im April 2026 wurde eine strategische Partnerschaft mit Amazon Web Services (AWS) bekanntgegeben. Cloud-Computing-Kapazitäten von AWS sollen das Rückgrat der Neuraverse-Plattform bilden, Neura Gym Trainingsumgebungen sollen in Amazon SageMaker integriert werden und der Einsatz von Neura-Robotern in ausgewählten Amazon-Versandzentren soll geprüft werden.[32]

Dassault Systèmes

Ebenfalls im April 2026 wurde eine Partnerschaft mit dem französischen Konzern Dassault Systèmes bekanntgegeben. Ziel ist die Vernetzung virtueller Welten mit realer Robotik durch die Kombination von Neuras Robotern mit Dassaults „3DEXPERIENCE“-Plattform für digitale Zwillinge.[33]

RWTH Aachen

Im Juli 2026 wurde eine Partnerschaft mit der RWTH Aachen bekanntgegeben. In deren Zuge soll bis Ende 2026 auf einer Fläche von 3.000 m² der „NEURA Gym RWTH Aachen“ auf dem Campus Melaten entstehen. Ähnlich wie beim TUM RoboGym in München sollen hier durch die systematische Akquise realweltlicher Bewegungsabläufe humanoide Roboter trainiert werden.[34]

Rund 20 Institute der Universität werden in die Einrichtung eingebunden, federführend sind dabei das Institut für Imaging and Computer Vision und das Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik.[35]

Neura Robotics gab im Zuge der Bekanntgabe an, dass sich weltweit zehn Neura Gyms im Aufbau befinden. Fünf davon sollen bis Ende 2026 in Europa, in den USA und in China in Betrieb genommen werden, inklusive derer in Aachen und München.[34]

Einzelnachweise

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