Nicolas van Aelst
Flämischer Kupferstecher
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Nicolas van Aelst, auch Nicolaus oder Niccolò (* ca. 1550 (?) in Brüssel; nachgewiesen ab 1587; † 19. Juli 1613 in Rom), war ein flämischstämmiger, in Rom tätiger Drucker, Verleger und Händler von Kupferstichen und Radierungen. Er kaufte Druckplatten aus Nachlässen seiner Vorgänger auf und publizierte unter anderem Reproduktionsgrafiken von Antonio Tempesta und Giorgio Ghisi.

Leben
Über das Leben des erfolgreichen Druckgrafikverlegers ist wenig bekannt. Seine Herkunft erschließt sich jedoch aus der üblichen Adresse auf seinen Druckgrafiken: Nicolas (Nicolo) Van Aelst Bruxellensis (oder Belga). Das Datum der Geburt wird im Thieme-Becker (und danach Allgemeines Künstlerlexikon) mit „1526 (?)“ angegeben, was aber mittlerweile auf „ca. 1550“ korrigiert ist. In Rom dürfte van Aelst Mitte der 1580er-Jahre angekommen sein.[1][2][3]
Das älteste bekannte Blatt mit seiner Adresse ist 1587 datiert: Die 14 Alfabeti, Sprachen und ihre Alphabete, Kupferstich von Martin van Buyten.[4] 1588 erhielt van Aelst das päpstliche Privileg für Drucke der von Sixtus V. erbauten und veränderten Denkmäler und der Kultbilder von Petrus und Paulus der Stadt Rom (iconas principum apostolorum de urbe). 1606 wurde er als „stampore, istoriano e vendedor di disegni“ (Drucker, Historiker und Verkäufer von Zeichnungen) mit Sitz nahe der Kirche Santa Maria della Pace, unweit der Piazza Navona, bezeichnet. Im Totenregister der Pfarrei SS. Mariae et Gregorii in Vallicella von 1613 ist sein Beruf als Verkäufer von Bildwerken (venditionis figurarum) angeben.[3][5]
Van Aelst war mit Santa verheiratet und hatte drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. In seinem Testament vom 3. Juni 1612 verpflichtete er seine Familie, die anschließend aufgelisteten Tafeln nicht zu verkaufen, zumindest solange seine Frau und seine Kinder lebten. Begraben wurde der Druckgrafikverleger etwa ein Jahr später in einem herkömmlichen Gemeinschaftsgrab (sepulcrum commune).[3]
Werk

Die Druckplatten hatte van Aelst einerseits von anderen Druckern erworben oder auch Nachlässe aufgekauft, wie von Pietro Facchetti, Giovanni Orlandi, Antonio D. Salamanca und Giacomo Gherardi.[6] Beispiele sind Darstellungen antiker Bauwerke, wie das Pantheon von Nicolas Beatrizet und die 1549 datierte Cestius-Pyramide, beide zuerst erschienen bei Antonio Salamanca.
Auf der anderen Seite wendete er sich direkt an lebende Künstler und kaufte von ihnen druckfertige Platten oder beauftragte sie mit deren Anfertigung. Reproduktionen der eigenen Kunstwerke waren ebenso üblich wie deren Verbreitung durch geschäftstüchtige Verleger. Van Aelst gehörte zweifellos in die Reihe der wichtigsten Drucker von Werken Florentiner Maler und Stecher.[6] Zu diesem Künstlerkreis zählte vor allem der bei ihm an erster Stelle stehende Antonio Tempesta. Als Lieferanten bevorzugte er weiterhin Annibale Carracci und Guido Reni in Bologna, Giorgio Ghisi in Mantua, zudem den Flamen Cornelis Cort, den Mailänder Ambrogio Brambilla sowie die aus der Toskana stammenden Maler-Grafiker Cherubino Alberti und Raffaello Schiaminossi.
Werkauswahl
Das British Museum, London führt auf seiner Website neben einer Kurzbiografie eine Reihe von Druckgrafiken auf, die bei Nicolas van Aelst produziert und vertrieben wurden.[5]
- Von Nicolas van Aelst verlegte Druckgrafiken
- G. Ghisi, Allegorie der Krankheit, 1540er-Jahre
- G. Ghisi nach Michelangelo, Delphische Sibylle, Kupferstich, 1570–1575
- A. Brambilla, Sixtus V. und seine Bauten, ca. 1589
- G. Reni, Heilige Familie mit hl. Klara, 1590er-Jahre
- A. Tempesta, Reiterstandbild von König Heinrich II., ca. 1600–1610
Literatur
- Loredana Lorizzo: Nicolas van Aelst's Will and a List of his Plates. In: Print Quarterly. Band 31, 1 (März 2014). London 2014, S. 3–20 (englisch).
- Aelst, Nicolas van. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 1, Seemann, Leipzig 1983, ISBN 3-598-22741-8, S. 440.
- Aelst, Nicolaus van. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 1: Aa–Antonio de Miraguel. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1907.
Weblinks
- The British Museum: Nicolas van Aelst. In: britishmuseum.org.