Nicole Mayer-Ahuja

deutsche Arbeitssoziologin und Hochschullehrerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Nicole Mayer-Ahuja (* 22. August 1973 in Bad Dürkheim) ist Arbeitssoziologin und Professorin an der Universität Göttingen.

Nicole Mayer-Ahuja (2015)

Leben und Wirken

Nicole Mayer-Ahuja studierte nach dem Abitur am Leininger-Gymnasium in Grünstadt an den Universitäten Heidelberg und London Geschichte, Politikwissenschaft und Semitistik.[1] Ihre Magisterarbeit Massenerwerbslosigkeit, Sozialpolitik und die gesundheitlichen Folgen über die Weltwirtschaftskrise von 1929 wurde bei Centaurus veröffentlicht (1999). An der Universität Göttingen (1999–2002) verfasste Mayer-Ahuja die Promotionsschrift Wieder dienen lernen? Vom westdeutschen ‚Normalarbeitsverhältnis’ zu prekärer Beschäftigung seit 1973.[2] Nach Forschungen zur Reichweite der Entgrenzung von Arbeit in Internet- und Multimediafirmen widmete sich die Habilitationsschrift (2010) den Grenzen der Homogenisierung von Arbeit im Zuge der Transnationalisierung von Unternehmensaktivitäten. Jüngere Forschungen von Mayer-Ahuja befassen sich zum einen mit der Analyse von Veränderungen der Arbeitswelt „nach dem Boom“ anhand der Erprobung IT-basierter Sekundäranalysen von arbeitssoziologischem Material (Leitung der Projektverbünde ReSozIT und eLabour). Zum anderen steht die Auseinandersetzung mit prekärer und informeller Arbeit weiter im Mittelpunkt ihrer Studien,[3] etwa in Forschungen zur betrieblichen Integration von Geflüchteten, wobei Wechselwirkungen zwischen der Gestaltung von Arbeitsprozessen, Beschäftigungsverhältnissen und der staatlichen Regulierung von Arbeit und Migration[4] eine zentrale Rolle spielen.[5][6] Mayer-Ahuja ist die erste Akademikerin in ihrer Familie.[7]

Mayer-Ahuja war von 2002 bis 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Soziologischen Forschungsinstitut (SOFI) an der Universität Göttingen e.V. und von 2011 bis 2012 Direktorin des SOFI.[8][9] Von 2012 bis 2014 arbeitete sie als Professorin für die Soziologie von Arbeit, Organisation und Innovation am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg.[10] Seit 2014 hat Mayer-Ahuja die Professur für die Soziologie von Arbeit, Unternehmen und Wirtschaft an der Georg-August-Universität Göttingen inne.[3][11][1] Von 2015 bis 2021 war sie erneut Direktorin des SOFI und fungierte als Verbindungsprofessorin zwischen Universität und Soziologischem Forschungsinstitut.

Mayer-Ahuja war Fellow (2010/11 und 2020/21) und Mitglied des Advisory Boards des Internationalen Geisteswissenschaftlichen Kollegs „Arbeit und Lebenslauf in globalhistorischer Perspektive“ (re:work, Humboldt-Universität Berlin, bis 2023).[2] Von 2012 bis 2015 war sie im Vorstand der Sektion Arbeits- und Industriesoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie tätig, von 2017 bis 2021 Mitglied des Digitalrates Niedersachsen. Mayer-Ahuja ist Vertrauensdozentin der Hans-Böckler-Stiftung sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung[12] und hat die wissenschaftliche Fachaufsicht für die Kooperationsstelle Hochschule und Gewerkschaften an der Universität Göttingen inne. Sie fungiert als Gutachterin für verschiedene wissenschaftliche Stiftungen und Zeitschriften.

Schriften (Auswahl)

Monografien

  • Klassengesellschaft akut. Warum Lohnarbeit spaltet - und wie es anders gehen kann. C. H. Beck, München 2025, ISBN 978-3-406-83783-8.
  • Everywhere is becoming the same? Regulating IT-work between India and Germany. Social Science Press, New Delhi 2014, ISBN 978-93-83166-01-5.
  • Grenzen der Homogenisierung. IT-Arbeit zwischen ortsgebundener Regulierung und transnationaler Unternehmensstrategie. Campus, Frankfurt/New York 2011, ISBN 978-3-593-41072-2.
  • Wieder dienen lernen? Vom westdeutschen „Normalarbeitsverhältnis“ zu prekärer Beschäftigung seit 1973. (Dissertation) Edition Sigma, Berlin 2003, ISBN 978-3-89404-502-9.
  • Massenerwerbslosigkeit, Sozialpolitik und die gesundheitlichen Folgen. Die Ärztebefragung des Reichstagsabgeordneten Dr. Julius Moses aus dem Krisenjahr 1931 (= Neuere Medizin und Wissenschaftsgeschichte. 10). Centaurus, Pfaffenweiler 1999, ISBN 978-3-8255-0259-1.

Herausgeberschaften

Beiträge in Sammelwerken

  • Arbeit im Kapitalismus. In: Rainer Bohn, Hartmut Hirsch-Kreinsen, Sabine Pfeiffer, Mascha Will-Zochol (Hrsg.): Lexikon der Arbeits- und Industriesoziologie. 3. erweiterte und aktualisierte Auflage. Nomos, S. 29–33.
  • Marx als Arbeitspolitiker. In: Karl Marx – Ratgeber der Gewerkschaften? VSA Verlag, Hamburg 2019, ISBN 978-3-96488-007-9, S. 39–61.

Artikel

  • mit Richard Detje: Der Arbeit ein neues Maß geben. Anregungen aus dem Kampf um die 35-Stunden-Woche für aktuelle Zeitkonflikte. In: Kämpfe um Zeit. Alte Probleme – neue Konflikte. WSI-Mitteilungen 1/2025, Schwerpunktheft, hrsg. Von Knud Andresen, Peter Birke, Svea Gruber, Anna Horstmann, Nicole Mayer-Ahuja, S. 14–21.
  • Hoch die internationale Solidarität? Grenzüberschreitende Beschäftigung zwischen Fragmentierung und dem Kampf um die Erweiterung des „Wir“. In: Dingeldey, Irene; Seeliger Martin (Hrsg.): Sonderheft „Solidarität in transnationalen Arbeitsbeziehungen“, WSI-Mitteilungen 5/2024, 337–346.
  • Streit um Zeit. Marx’ Beitrag zur Analyse von aktuellen Veränderungen der Arbeitswelt. In: Sablowski, Thomas; Dellheim, Judith; Demirovic, Alex; Pühl, Katharina; Solty, Ingar (Hrsg.): Auf den Schultern von Karl Marx. Münster 2021: Verlag Westfälisches Dampfboot, S. 395–409 (online).
  • mit Richard Detje: „Solidarität“ in Zeiten der Pandemie: Potenziale für eine neue Politik der Arbeit?, in: WSI-Mitteilungen 73 (6) 2020, S. 493–500.
  • Wandel von Arbeit nach dem Fordismus – arbeitssoziologische Perspektiven. In: Christian Marx und Morten Reitmayer (Hrsg.): Die offene Moderne. Gesellschaften im 20. Jahrhundert. Festschrift für Lutz Raphael zum 65. Geburtstag. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen, S. 295–317.
  • „Normalarbeitsverhältnis“: Ein langer Abschied oder: Zeit für einen neuen Aufbruch? In: A. Doris Baumgartner, Beat Fux (Hrsg.): Sozialstaat unter Zugzwang. Zwischen Reform und radikaler Neuorientierung. Springer VS, Wiesbaden 2019, S. 165–186.
  • Die Globalität unsicherer Arbeit als konzeptionelle Provokation: Zum Zusammenhang zwischen Informalität im Globalen Süden und Prekarität im Globalen Norden. In: Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft. Heft 2/2017: Themenheft Arbeit und Kapitalismus, Geschichte und Gesellschaft. S. 264–296.
  • Research for Whom? Labour Sociology Between Observation, Co-Management and Social Critique. In: International Journal of Social Action Research. 11 (1–2) 2015, S. 79–92.

Einzelnachweise

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