Nieder-Breidenbach

Stadtteil von Romrod From Wikipedia, the free encyclopedia

Nieder-Breidenbach ist ein Stadtteil von Romrod im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Das Dorf liegt südlich des Hauptortes.

Schnelle Fakten Stadt Romrod ...
Nieder-Breidenbach
Stadt Romrod
Koordinaten: 50° 42′ N,  14′ O
Höhe: 345 (344–354) m ü. NHN
Fläche: 3,42 km²[1]
Einwohner: 120[2]
Bevölkerungsdichte: 35 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36329
Vorwahl: 06636
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Dorfgemeinschaftshaus in Nieder-Breidenbach

Ortsgeschichte

Mittelalter

Nieder-Breidenbach ist der nach Einwohnerzahl kleinste Stadtteil von Romrod. Er wurde erstmals im Jahre 812 in der Schlitzer Markbeschreibung als Breitenbach erwähnt.[3] Bis ins 14. Jahrhundert wurde allerdings nicht zwischen Ober-Breidenbach und Nieder-Breidenbach unterschieden.

Die erste Erwähnung von Breidenbach im Kopiar Codex Eberhardi beschreibt die Lage an der mittelalterlichen Fernstraße: „... deinde usque ad stratam publicam, inde usque ad Breitenbah, inde usque ad Elbuuinesrod ... deinde in breitenbach...“ Übersetzung: „Dann zur öffentlichen Straße nach Breitenbach, dann nach Elbenrod, darauf nach Breitenbach.“ Eine zweite Stelle im gleichen Kopiar nennt Besitzungen des Klosters Fulda in Hopfgarten und in Breitenbah.[4] Der Codex Eberhardi wurde erst um 1160 von dem Mönch Eberhard verfasst und gibt Besitzungen und Schenkungen an das Fuldaer Kloster meist nur in sehr stark verkürzter Form wieder.

1266 wird der Ortsadlige „Ylias de Bredenbach“ genannt.[5]

Am 30. November 1336 bekannten der Adlige Gerlach von Storndorf und seine Frau Alheyt, dass sie von Friedrich von Herzberg Güter in Nieder-Breidenbach, Storndorf und Vadenrod als Erbburglehen empfangen sollten.[6] Die Textstelle, die den Ort Nieder-Breidenbach urkundlich erstmals nennt, lautet: „... an vnserme gute czu Nidern Breydinbach“. Die Ersterwähnung von Ober-Breidenbach erfolgt erst 1397: „... gelegin zuo Obirn Breydenbach ...“[7]

Unweit von Nieder- und Ober-Breidenbach gab es im Mittelalter zwei weitere Orte mit dem Ortsnamen Breidenbach, nämlich bei Lanzenhain und Pfordt.[8]

In der Namenskunde wird der Ortsname als „Ort an der Verbeiterung des Baches“ gelesen. Dabei geht man von der Ortslage an einem Zufluss zur Antrift aus, dem Ocherbach.[9] Die Unterscheidung zwischen Ober- und Nieder-Breidenbach beruht auf der unterschiedlichen Höhenlage beider Orte an dem erwähnten Bach.

Im Mittelalter bestand das Dorf aus vier Wohnhäusern mit einer Waldschmiede. Beleg fehlt.

Neuzeit

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Nieder-Breidenbach:

„Niederbreidenbach (L. Bez. Alsfeld) evangel. Filialdorf; auch Unterbreidenbach, liegt 112 St. von Alsfeld, hat 37 Häuser und 224 Einwohner, die evangelisch sind. Die Einwohner gehören größtentheils zum Bauernstand.“[10]

Am 31. Dezember 1971 wurde Nieder-Breidenbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Romrod eingegliedert.[11]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Nieder-Breidenbach angehört(e): [1][12][13]

Gerichtszugehörigkeit seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit für Nieder-Breidenbach durch das Amt Romrod. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Alsfeld“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Alsfeld, das heutige Amtsgericht, das für Nieder-Breidenbach zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[21]

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Nieder-Breidenbach 126 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 21 Einwohner unter 18 Jahren, 54 zwischen 18 und 49, 24 zwischen 50 und 64 und 27 Einwohner waren älter.[22] Die Einwohner lebten in 45 Haushalten. Davon waren 9 Singlehaushalte, 9 Paare ohne Kinder und 21 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 6 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 24 Haushaltungen lebten keine Senioren.[22]

Einwohnerentwicklung

 1806:195 Einwohner, 34 Häuser[17]
 1829:224 Einwohner, 37 Häuser[10]
 1867:217 Einwohner, 36 Häuser[23]
Nieder-Breidenbach: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011
Jahr  Einwohner
1791
 
171
1800
 
173
1806
 
195
1829
 
224
1834
 
232
1840
 
236
1846
 
218
1852
 
205
1858
 
203
1864
 
221
1871
 
218
1875
 
202
1885
 
189
1895
 
191
1905
 
166
1910
 
180
1925
 
190
1939
 
179
1946
 
269
1950
 
241
1956
 
173
1961
 
167
1967
 
163
1970
 
174
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
126
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Zensus 2011[22]

Historische Religionszugehörigkeit

 1829:114 evangelische (= 100 %) Einwohner[10]
 1961:158 evangelische (= 94,61 %), 9 katholische (= 5,39 %) Einwohner[1]

Der Ort gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Nieder-Breidenbach und Oberrod.

Infrastruktur

  • Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3070. Sie verbindet Nieder-Breidenbach mit Ober-Breidenbach und Romrod.
  • Der Ort hat ein Dorfgemeinschaftshaus.

Anmerkungen und Einzelnachweise

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