Nina Caprez
Schweizer Bergsteigerin und Kletterin
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Nina Caprez (* 15. November 1986 in Küblis, Prättigau, Kanton Graubünden) ist eine Schweizer Sportkletterin und ehemalige Wettkampfkletterin. Sie war bei mehreren schweren alpinen Routen, die erste Frau die diese bewältigte.
Leben
Nina Caprez ist in Rätikon als jüngste von drei Geschwistern bei einer allein erziehenden Mutter aufgewachsen, ihr Vater starb, als sie zwei Jahre alt war. Ihre Mutter legte großem Wert darauf, dass ihre Kinder einen guten Weg einschlagen. Daher förderte sie den Eintritt ihrer Tochter beim Schweizer Alpen-Club (SAC), diese würden aufeinander acht geben und die Freizeit strukturieren. Caprez bestätigt, dass die Jugendgruppe und das Klettern ihr großen Halt und ihrem Leben Erfüllung gegeben haben. Sie hat mit dem SAC zu klettern begonnen und schnell eine Leidenschaft für diesen Sport entwickelt. Zu ihrem 15. Geburtstag schenkte ihr ihre Mutter das Buch „Climbing Free“ von Lynn Hill mit der Widmung „Go free, aber bitte nie free solo“.[1] Caprez machte mit 13 Jahren ihre erste Klettertour, diese war zwar nur 20 Meter hoch, löste bei ihr aber bereits Gefühle aus, die sie als „magischen Moment“ beschrieb. Diese erste Klettertour habe sie stark geprägt und seitdem lasse sie die Leidenschaft für das Klettern nicht mehr los. Deshalb könne sie sich so kompromisslos ins Klettern stürzen und ihr ganzes Leben danach ausrichten.[1]
Nach dem Abitur machte Caprez das Diplom als Routenbauerin, das sind diejenigen, die an künstlichen Wänden die Routen zusammenstellen und an der Wand anschrauben. Im Alter von 22 Jahren ging sie nach Grenoble, Frankreich, da dies der überragende Standort für Bergsport sei. Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie über Vorträge und Videos und über Sponsorenverträge.[1]
Zusammen mit ihrem Partner hat sie das Projekt „Andrea“ gestartet, ein Sozialprojekt um armen Menschen Selbstvertrauen durch das Klettern zu vermitteln. Dazu haben sie einen Unimog umgebaut und mit einer mobilen Boulderwand versehen. Mit diesem sind sie 2021 vier Monate durch Rumänien und Griechenland gefahren und haben in armen Vierteln und Flüchtlingslagern Station gemacht.[1] Zuvor war Caprez bereits mit ClimbAid im Libanon gewesen und konnte dort Erfahrungen mit Hilfsprojekten sammeln. 2023 reiste Caprez mit ihrer Familie nach Marokko und erlebte das Erdbeben mit. Sofort danach hat sie Hilfslieferungen aus de Schweiz in das Erdbebengebiet organisiert.[2]
Mit ihrem Partner, dem Fotografen Jérémy Bernarnd, hat Caprez zwei Töchter.[3]
Wettkampfklettern
2005 wurde Nina Caprez in das Schweizer Nationalteam aufgenommen. Für internationales Aufsehen sorgte sie, als sie bei ihrer ersten Weltcupteilnahme in Puurs (Belgien) direkt ins Halbfinale vorstoßen konnte. Im Jahr 2006 konnte sie dann die Schweizer Kletterszene dominieren und sich den nationalen Meistertitel sowohl im Lead als auch im Speed holen. Nachdem sie sich 2007 mehr auf das Bouldern konzentriert hatte, trat sie 2008 wieder in allen Disziplinen an und konnte mit zwei ersten Plätzen im Swiss Climbing Cup gleich Erfolge landen.
Platzierungen in Wettkämpfen
- 1. Swiss Climbing Cup SCC (B) – Greifensee 28. März 2009
- 1. Swiss Climbing Cup SCC (L) – Schaffhausen 16. August 2008
- 17. Lead: IFSC Climbing Worldcup (S+L) – Chamonix (FRA) 12. Juli 2008
- 7. Bouldering: IFSC Climbing Worldcup (B) – Montauban (FRA) 4. Juli 2008
- 8. Bouldering: IFSC Climbing Worldcup (B) – Fiera di Primiero (ITA) 14. Juni 2008
- 3. Swiss Climbing Cup SCC (B) – Grindelwald 24. Mai 2008
- 2. Swiss Climbing Cup SCC (L) – Greifensee 17. Mai 2008
- 1. Swiss Climbing Cup SCC (B) – Brig 2008 26. April 2008
- 1. Swiss Climbing Cup Boulder – Leysin 8. September 2007
- 3. Bouldering: Swiss Master Outdoor Games – Interlaken (SUI) 30. Juni 2007
- 1. Schweizer Meisterschaft (SCC) Speed – Zürich 7. Oktober 2006
- 1. Schweizer Meisterschaft (SCC) Lead – Schlieren 17. Juni 2006
- 1. Swiss Climbing Cup Bouldern – Grindelwald 5. Juni 2006
Felsklettern und alpine Touren
Nach den Erfolge bei Wettkämpfen sucht sie neue Herausforderungen und findet sie am Fels. Ihr gelingen zahlreiche Kletterrouten, kurze Sportkletterrouten ebenso wie lange Alpinrouten, bis zum Schwierigkeitsgrad 8c+ (franz. Skala). Die Anzahl und die Schwierigkeiten der von Caprez begangenen Routen ist außergewöhnlich. Zu diesen gehört unter anderem die Acht-Seillängen-Tour Ali Baba in Aiglun in Südfrankreich[4] oder die dritte Begehung der Fünf-Seillängen-Route Délicatessen auf Korsika zusammen mit Cédric Lachat.[5] 2019 gelang ihr im Klettergebiet Verdonschlucht die von Cristophe Froifond eingerichteten 12-Seillängen Technoroute Mingus frei zu klettern. Im Frühling 2020 kletterte sie zusammen mit Cédric Lachat die Route WoGü (8c) in Rätikon.[6] Im Sommer 2020 gelang ihr die Rotpunktbegehung ihrer Route Merci la Vie (8a) am Genfer Pfeiler in der Eiger-Nordwand.[7] Die schwierigsten Sportkletterrouten, die sie geklettert hat, sind Hélix (8c+) in Pic St. Loup und Mind Control (8c+) in Oliana.[8] 2023 erkletterte sie als erste Frau die Yeah Man route (8b+) in den Gastlosen frei.[9]
Besonders erwähnenswert sind folgende Begehungen:
Silbergeier
Am 2. Juli 2011 gelang Caprez die Wiederholung der Route „Silbergeier“ an der Vierten Kirchlispitze im Rätikon. Diese Route hat 6 Seillängen, ist 240 m hoch und die Schwierigkeit liegt bei 8b/8b+ (franz. Skala). Diese Route hat extrem kleine Tritte und scharfe Griffe. Beim ersten Versuch der Begehung musste Caprez und ihr Seilpartner Cedric Lachat wegen schlechten Wetters umkehren. In den nächsten Tagen gelang den beiden die rotpunkt Begehung der Route. Es war die erste Frauenbegehung von Silbergeier.[10]
Die unendliche Geschichte
„Die Unendliche Geschichte“ ist eine von Beat Kammerlander und Gefährten 1990 erstbegangene Kletterroute an der Siebten Kirchlispitze im Rätikon. Kammerlander brauchte 1 Jahr für die Erstbesteigung. Die Route hat 11 Seillängen, ist 320 m hoch und hat eine Schwierigkeitsbewertung von 8b+ (franz. Skala) oder 10+ (UIAA) und gilt damit als eine der schwersten Routen im alpinen Gelände. Zudem ist die Route eher schlecht abgesichert, sie ist physisch und psychisch extrem anspruchsvoll.[11] Das führte dazu, dass in den ersten 14 Jahre diese Route nie wiederholt wurde, 2005 gelang Pietro dal Pra eine Wiederholung.[12] Am 8. September 2015 gelang Caprez im Vorstieg alle 11 Seillängen zu bewältigen, einen Tag später gelang ihrer Seilpartnerin Babsi Zangerl ebenfalls im Vorstieg alle Seillängen zu durchsteigen. Damit hatte die Frauen-Seilschaft die zweite und dritte Wiederholung rotpunkt dieser als schwerste alpine Tour geltende Route geschafft.[13] Das Video der Begehungen und deren Vorbereitung zeigt die außergewöhnliche Leistung der beiden Frauen und wurde in der Kletterszene ein Hit. Zur Vorbereitung hatten die beiden die Tour 10 Tage lang vorher Stück für Stück begangen.[14]
The Nose
Die Route The Nose am El Capitain im Yosemite-Nationalpark ist eine schwere Big-Wall-Kletterei. Sie führt über 1000 Meter durch eine Granitwand des El Capitain und hat 30 Seillängen. Die Schwierigkeiten werden mit 5.14a/b (amerikanische Skala) bewertet, dies entspricht einer 8b+/8c nach französischer Skala. Die erste Person, die die Route frei begangen hat, war Lynn Hill 1993. Eine Kletterroute frei zu begehen bedeutet, Haken und andere Sicherungsmittel nur zur Sicherung und nicht zur Fortbewegung zu benutzen. Dies war in der Nose nur insgesamt sechs Seilschaften gelungen (Stand 2025). 2018 reist Caprez in die USA, um mit Hill zusammen die Route als zweite Frau frei zu begehen. Fast den ganzen Oktober verbrachten Caprez und Hill im Yosemite Valley um die einzelnen Abschnitte der Route mehrmals zu begehen und in Erfahrung zu bringen, wie die Kletterpassagen gelöst werden können. Caprez gelangen fast alle Seillängen, nur vier Meter in einer einzigen Seillänge („Changing Corners“) fehlten.[15] Die andere wesentliche Schlüsselstelle, das „Great Roof“, konnte sie schnell bewältigen.[1] Für Caprez war es ein besonderer Höhepunkt mit der Kletterlegende Hill diese Route klettern zu können. Für Hill war es ebenfalls ein besonderer Moment, 25 Jahre davor im Herbst 1993, war ihr die freie Begehung gelungen und Hill konnte das Jubiläum in der Wand begehen.[16]
WOGÜ
Die Route WoGü gehört zu den schwersten Mehrseillängenrouten der Alpen, sie wurde nach der Kletterlegende Wolfgang Güllich benannt. Sie ist an der Siebten Kirchlispitze im Rätikon, hat sieben Seillängen, ist 250 m hoch und weist Schwierigkeiten bis 8c (franz. Skala), bzw. 11- (UIAA) auf. Die Route wurde von Beat Kammerlander 1997 eingerichtet, dieser konnte sie selbst nicht rotpunkt klettern. Erst 2008 gelingt Adam Ondra mit Pietro dal Pra die erste Rotpunkt Begehung.[17] Im Frühjahr 2020 gelingt Caprez mit Cédric Lachat die Rotpunktbegehung dieser Route, es war erst die vierte seit Bestehen der Tour. Die Begehung wurde in einem Film festgehalten.[18]
Literatur
- Dominik Osswald: Nina Caprez. Sportkletterin, Höhlenforscherin, Wahlfranzösin. kurz & bündig, Basel 2018, ISBN 978-3-907126-01-1.
Weblinks
- Persönliche Webpräsenz
- Porträt von Nina Caprez auf mountains2b.com
- Wettkampfergebnisse von Nina Caprez auf digitalrock.de
- Begehung der unendlichen Geschichte auf youtube.de
- Begehung des Silbergeiers auf youtube.de
- Begehung der Schlüsselstelle in der Route WoGü auf youtube.de