Noelia Castillo

spanische Sterbehilfe-Empfängerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Noelia Castillo Ramos (auch Noelia Castillo; * 2000 oder 2001; † 26. März 2026 in Sant Pere de Ribes) war eine Spanierin aus Barcelona, deren Fall zu einem landesweit beachteten Beispiel der Auseinandersetzung um Sterbehilfe in Spanien wurde, nachdem die Durchführung ihrer bereits genehmigten Hilfe zum Sterben durch Rechtsmittel ihres Vaters fast zwei Jahre verzögert worden war.[1][2] Nach langen Gerichtsverfahren nahm sie am 26. März 2026 die bereits 2024 genehmigte Sterbehilfe in Anspruch.[3][4] Sie starb im Alter von 25 Jahren nach 601 Tagen Wartezeit in einer sozialmedizinischen Einrichtung in Sant Pere de Ribes im Garraf.[5][6]

Leben

Herkunft und Kindheit

Castillo stammte aus Barcelona, wuchs unter schwierigen familiären Verhältnissen auf und stand als Minderjährige zeitweise unter staatlicher Betreuung in Katalonien.[7][5]

Sexualisierte Gewalt und Suizidversuch

Castillo gab in einem Interview an, drei sexuelle Übergriffe erlitten zu haben. Weil sie keine Anzeigen erstattete, wurden sie nicht offiziell untersucht oder von einem Gericht bestätigt. Sie schilderte einen sexuellen Übergriff durch ihren Ex-Partner, eine versuchte Vergewaltigung durch zwei Männer in einem Nachtclub sowie einen weiteren sexuellen Übergriff durch drei Männer, ebenfalls in einem Nachtclub.[8]

Am 4. Oktober 2022 sprang Castillo aus dem fünften Stock eines Gebäudes. Sie überlebte den Suizidversuch, erlitt aber eine schwere Rückenmarksverletzung und blieb von der Hüfte abwärts querschnittsgelähmt. Sie litt fortan unter sehr starken Schmerzen und war auf einen Rollstuhl angewiesen.[3]

Einige Politiker, darunter der Vox-Vorsitzende Santiago Abascal, behaupteten, Castillo sei in ihrer Betreuungseinrichtung von unbegleiteten minderjährigen Migranten (spanisch menores extranjeros no acompañados oder kurz MENA) vergewaltigt worden und habe deshalb den Suizidversuch unternommen. Castillo beschrieb in Interviews keinen solchen Vorfall und stellte keinen Zusammenhang zwischen ihrem Suizidversuch und den von ihr geschilderten sexuellen Übergriffen her, dementierte ihn aber auch nicht.[8] In beiden Wohneinrichtungen, in denen sich Castillo zwischen Juli 2015 und Februar 2019 aufhielt, wurden für diesen Zeitraum keine Fälle sexueller Nötigung registriert.[8]

Sterbehilfe und Rechtsstreit

Am 10. April 2024 beantragte sie bei der katalanischen Garantie- und Evaluierungskommission die Hilfe zum Sterben, die am 18. Juli 2024 einstimmig bewilligt wurde.[3] Die Durchführung war für den 2. August 2024 vorgesehen, wurde aber am 1. August 2024 auf Antrag ihres Vaters gerichtlich einstweilig ausgesetzt.[3][9] Ihr Vater, der die Sterbehilfe auf rechtlichem Wege verhindern wollte, wurde von der Organisation Abogados Cristianos unterstützt und brachte entsprechende Anträge ein.[10] Die Organisation argumentierte unter anderem, dass Castillo bereits vor dem Suizidversuch an psychischen Erkrankungen wie der Emotional instabilen Persönlichkeitsstörung[11][12] gelitten habe und eine anerkannte Behinderung aufgewiesen habe; kritisiert wurde zudem, dass sie sich zum Zeitpunkt des Verfahrens nicht in umfassender psychiatrischer oder psychologischer Behandlung befunden habe.[13] Vertreter der Organisation äußerten Zweifel daran, ob unter diesen Umständen von einer vollständig freien und autonomen Entscheidung gesprochen werden könne, und warnten vor einem möglichen Präzedenzfall.[13][14] Im anschließenden Verfahren bestätigten medizinische Sachverständige, die Staatsanwaltschaft und später mehrere Gerichte, dass sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllte und ihren Entschluss frei, fest und autonom gefasst hatte.[15][16] Der Rechtsstreit führte über das katalanische Verwaltungsgericht, den Obersten Gerichtshof Kataloniens, das spanische Verfassungsgericht und schließlich bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der eine Aussetzung am 24. März 2026 ebenfalls ablehnte.[3][4][10]

Tod

Am 26. März 2026 erhielt Castillo in der sozialmedizinischen Einrichtung in Sant Pere de Ribes Medikamente in eine Vene gespritzt, um sie tief zu sedieren; anschließend wurden weitere Substanzen verabreicht, die einen irreversiblen Stillstand der Vitalfunktionen verursachten, an dem sie starb.[17][5][6]

Rezeption und Bedeutung

Durch ihr öffentliches Auftreten in den letzten Tagen vor dem Eingriff wurde ihr Fall zu einem landesweit diskutierten Symbol für das Recht auf einen selbstbestimmten Tod.[1] Spanische Medien beschrieben das Verfahren als Belastungsprobe für das Euthanasiegesetz von 2021, weil es zeigte, dass Angehörige die Umsetzung einer bereits genehmigten Entscheidung über den Rechtsweg erheblich verzögern konnten.[2][9] Damit wurde Castillo in der spanischen Berichterstattung zu einer Schlüsselfigur der Debatte über Patientenautonomie, Verfahrensgarantien und die Grenzen familiärer Einflussnahme im Sterbehilferecht.[9][1]

Einzelnachweise

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