Norah Balls

englisch-britische Suffragette, Frauenrechtlerin, Friedensrichterin From Wikipedia, the free encyclopedia

Norah Elizabeth Balls (* 3. August 1886 in North Shields, Tyne and Wear; † 26. Mai 1980) war eine englisch-britische Suffragette, Frauenrechtlerin, Friedensrichterin und Stadträtin in Tynemouth. Sie war Mitgründerin der Pfadfinderinnen (Girl Guides) in Northumberland.

Leben

Balls war die Tochter von Elizabeth, geborene Rutherford, und William Balls. Ihr Vater war Seemann, die Familie ihrer Mutter waren Landwirte, und sie hatte einen jüngeren Bruder.[1][2] Balls besuchte Misses Herberts’ Private School.[3]

Als Balls noch in ihren frühen Teenagerjahren war, nahm ihre Mutter sie zu einer Versammlung für das Frauenwahlrecht mit, bei der Elizabeth Garrett Anderson sprach.[3][4] Einige Jahre später wurde Balls aktives Mitglied der Women’s Social and Political Union (WSPU). Sie kooperierte mit den Pankhursts, wenn diese die Gegend besuchten. Ihre Eltern unterstützten sie, insbesondere ihr Vater, und eine der Pankhursts nächtigte bei der Familie. Ihre Mutter wurde sehr eng mit Flora McKinnon Drummond befreundet. Balls leitete erstmals eine Versammlung im Auftrag von Emmeline Pankhurst bei einem Treffen zu einer Nachwahl.[1][3] Im Rahmen ihrer Arbeit für das Frauenwahlrecht bereiste Balls den Nordosten Englands und sprach auf Versammlungen. Sie wurde oft von wütenden Menschenmengen konfrontiert, zeigte jedoch bemerkenswerte Gelassenheit, als Steinbrucharbeiter Steine nach ihr warfen – sie sammelte die Steine ein, um sie zu Hause ihrem Steingarten hinzuzufügen.[2] Balls war mit der Familie von Emily Davison befreundet und besuchte deren Haus zum Nachmittagstee. Sie lernte auch die Ärztin und Suffragistin Ethel Williams aus Newcastle upon Tyne kennen.[1][3]

Als Winston Churchill, damals Innenminister, 1909 für eine Rede in den Assembly Rooms Newcastle besuchte, stellte sie ihn wegen seiner Ablehnung des Frauenwahlrechts zur Rede und störte die Versammlung.

1910 erschien sie auf einer kolorierten WSPU-Postkarte, die die „Sommeruniform“ der Organisation bewarb.[5]

Sie wurde am 18. November 1910, dem sogenannten Black Friday mit über Hundert anderen Suffragetten bei dem Versuch verhaftet, dem Parlament eine Petition zu überreichen. Sie wurde am nächsten Tag vor dem Bow Street Police Court vorgeführt, nachdem sie auf dem Boden einer Zelle mit dem Kopf in einem Kohleeimer geschlafen hatte. Sie wurde aufgrund einer von Frederick Pethick-Lawrence gestellten Kaution freigelassen.[3] Alle Anklagen gegen die Verhafteten wurden später fallen gelassen, da Winston Churchill der Ansicht war, dass in diesem Fall „kein öffentlicher Vorteil durch eine Strafverfolgung erzielt würde“ und er nicht wollte, dass die Frauen zu Märtyrerinnen für ihre Sache würden.[6]

Sie wurde während ihrer Kampagnenarbeit dreimal verhaftet und gab später zu, im Mai 1913 einen Brandanschlag auf Brandling House am Newcastle Racecourse verübt zu haben.[7]

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs folgte Balls der WSPU-Politik, die Kampagne für das Frauenwahlrecht zu unterbrechen, und engagierte sich stattdessen für die Kriegsanstrengungen. Balls richtete eine Soldatenkantine in Whitley Bay ein.[2][4]

Durch ihre Arbeit mit der WSPU lernte sie Katharine Parsons kennen, eine Gründerin der Women’s Engineering Society und Ehefrau des Dampfturbinen-Erfinders Charles Parsons, die in Kirkwhelpington, Northumberland, lebte. Sie besuchte die Familie häufig. 1916 lud Parsons Balls ein, beim Aufbau der Girl Guides (Pfadfinderinnen) in Northumberland zu helfen. Balls wurde die erste County Secretary der Guides in Northumberland, 1936 dann County Commissioner und später Präsidentin.[1] 1932 verliehen ihr die Girl Guides die „Oakleaf-Auszeichnung“ für ihren herausragenden Beitrag zur Organisation.[2]

1920 kandidierte Balls für den Stadtrat in Tynemouth, wurde aber nicht gewählt. Sie war überzeugt, dass es weniger Verschwendung und Extravaganz gäbe, wenn mehr Frauen kandidierten.[1]

1928 war Balls Vorsitzende des North East Coast-Zweiges der Electrical Association for Women (EAW) und blieb 50 Jahre lang aktiv.[3][8] 1933 gehörte sie dem National Cinema Enquiry Committee an.[1]

Bei der Erfassung im Rahmen des National Registration Act 1939 wurde Balls als Organising Secretary for Social Services verzeichnet. Während des Zweiten Weltkriegs diente sie nachts als Luftschutzwartin in Tynemouth und arbeitete tagsüber für das Ministry of Information. Ihr Haus wurde schwer beschädigt, als eine Bombe in ihrem Garten einschlug.[3][4]

1944 wurde sie Friedensrichterin. Sie war Gründungsmitglied des Tynemouth Business and Professional Women’s Club.[2] 1946 kandidierte sie erneut für den Stadtrat, diesmal als unabhängige Kandidatin im Dockray Ward von Tynemouth, einem Slumgebiet, und war nicht nur erfolgreich, sondern verdrängte einen ehemaligen Bürgermeister.[1] Als Balls 1951 als Stadträtin in den Ruhestand ging, gehörte sie 28 Ausschüssen in der Gemeinde an.[9] Dazu gehörten der Vorsitz des Tynemouth Unemployed Welfare Committee und der Tyneside Union of Girls’ Clubs.[4] 1954 wurde sie zur Vorsitzenden des National Executive Committee der EAW gewählt.[10] Am 25. Januar 1957 las Balls die Lesung beim Gedenkgottesdienst für Caroline Haslett in St Martin-in-the-Fields, nachdem sie über 20 Jahre eng mit ihr in der EAW zusammengearbeitet hatte.[11]

1962 wurde Balls im Rahmen des Films The Coast of Kings von Tyne Tees Television für die Reihe Your Heritage.[12] Der Historiker Brian Harrison führte ein Oral-History-Interviews mit Balls im Rahmen des Suffrage-Interviews-Projekts Oral evidence on the suffragette and suffragist movements: the Brian Harrison interviews.[13] Balls beschreibt im April 1977 ihr Erlebnisse als Suffragette.[3]

Balls starb 1980 im Alter von 94 Jahren.

Am 8. März 2022 wurde zu ihren Ehren eine Blue Plaque an ihrem ehemaligen Wohnhaus in Tynemouth enthüllt, in dem sie von 1902 bis 1936 lebte.[2][14]

Einzelnachweise

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