Nutri-Score
System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln
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Der Nutri-Score (von lateinisch nutrire ‚nähren‘[1] und englisch score ‚Auswertung‘, ‚Punktzahl‘) ist ein System zur Nährwertkennzeichnung auf der Verpackung von Lebensmitteln.


Eine fünfstufige Farb- und Buchstabenskala auf der Verpackung von Lebensmitteln soll eine schnelle, summarische Nährwertbewertung eines Produktes liefern: „auf einen Blick und ohne tiefergehendes Ernährungswissen“[2]. Ziel ist es, Konsumenten eine Orientierung beim Kauf von Lebensmitteln zu geben und dadurch zu einer gesunden Ernährung beizutragen. Gleichzeitig soll die Kennzeichnung ein Anreiz für Lebensmittelproduzenten sein, ihre Rezepturen in Richtung gesünderer Produkte weiterzuentwickeln.[2][3]
Die Berechnung des Nutri-Scores basiert auf der Nährwertkennzeichnung (Nährwertdeklaration) und dem Zutatenverzeichnis des betreffenden Lebensmittels. Nährwertdeklaration und Zutatenverzeichnis sind in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) für verpackte Lebensmittel (bis auf Ausnahmen) verpflichtend.[4] Demgegenüber handelt es sich beim Nutri-Score um eine freiwillige „Front-of-Pack“ (FOP) Kennzeichnung.[5][6][7] Lebensmittelproduzenten und -händler können also selbst entscheiden, ob sie die Nutri-Score-Kennzeichnung für ihre Produkte verwenden wollen. Durch einen festgelegten Berechnungsalgorithmus werden Angaben aus der Nährwertdeklaration und dem Zutatenverzeichnis in eine Nährwertpunktzahl umgerechnet, die dann einer von fünf Qualitätsstufen von A (höchste Nährwertqualität) bis E (niedrigste Nährwertqualität) zugeordnet wird.[8][9]
Die Nutri-Score-Kennzeichnung soll so, laut Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, bei Kaufentscheidungen helfen, das jeweils gesündere Lebensmittel zu identifizieren und auszuwählen. Relevante Kaufentscheidungssituationen sind demnach die Wahl zwischen
- gleichen Produkten verschiedener Hersteller (Marke A gegen Marke B)
- ähnlichen Produkten derselben Produktgruppe (z. B. Früchtemüsli gegen Schokomüsli)
- Alternativen für spezifische Mahlzeiten oder Verzehrgelegenheiten (z. B. Sahnejoghurt gegen Schokoladenpudding als Dessert)
Als wenig sinnvoll wird dagegen ein produktgruppenübergreifender Vergleich des Nutri-Scores (z. B. von Brot mit Orangensaft) angesehen, wenn man diese Produkte nicht als Alternativen zueinander kaufen und verzehren möchte.[10]
Die Nutri-Score-Kennzeichnung ist eine EU-weit geschützte Marke. Markeninhaber ist die Agence nationale de santé publique, eine dem französischen Gesundheitsministerium unterstellte Einrichtung, die die Förderung der öffentlichen Gesundheit zum Ziel hat. Produzenten und Vertreiber von Lebensmitteln, die die Nutri-Score Kennzeichnung innerhalb der EU verwenden möchten, müssen sich ein Nutzungsrecht durch eine Registrierung und die Zustimmung zu den Benutzungsbedingungen einräumen lassen. Die Verwendung der Nutri-Score-Kennzeichnung ist für Unternehmen kostenfrei.[11]
Geschichte
Rechtliche Rahmenbedingungen
Innerhalb der Europäischen Union (EU) wird die Bereitstellung von Verbraucherinformation über Lebensmittel durch die Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (Lebensmittel-Informationsverordnung, LMIV) geregelt.[12] In Artikel 9 LMIV wird unter anderem festgelegt, dass (bis auf definierte Ausnahmen) ein Zutatenverzeichnis und eine Nährwertdeklaration zu den verpflichtenden Informationen über Lebensmittel gehören. Außerdem wird in Artikel 35 LMIV festgelegt, unter welchen Bedingungen (z. B. wissenschaftliche Fundierung) weitere Informationen über Lebensmittel zulässig sind. Den EU-Mitgliedsstaaten wird in Artikel 35 auch die Möglichkeit eingeräumt, den Lebensmittelunternehmen die freiwillige Verwendung bestimmter zusätzlicher Nährwertdeklarationen zu empfehlen (aber nicht vorzuschreiben). Speziell nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln unterliegen in der EU außerdem der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 (Health Claims).[13]
Vor diesem rechtlichen Hintergrund haben eine Reihe von EU-Mitgliedsländer nationale Verordnungen erlassen, die die freiwillige Verwendung der Nutri-Score-Kennzeichnung im jeweiligen Land empfehlen. Durch diese EU-konforme Intergration in die nationale Rechtssprechung soll nicht nur ein Beitrag zur gesunden Ernährung geleistet, sondern auch Klagen vermieden werden, die in der Verwendung der Nutri-Score-Kennzeichnung einen Verstoß gegen EU-Recht sehen könnten.[14][15][16] Zu den Ländern, die die Nutri-Score-Kennzeichnung offiziell unterstützen („Countries officially engaged in Nutri-Score“, kurz COEN), gehören Frankreich, Belgien, Spanien, Deutschland, Niederlande, Luxemburg und die Schweiz.[17][18][19]
Frankreich
Die Nutri-Score Kennzeichnung wurde zunächst in Frankreich entwickelt. Seit 2001 gab es in Frankreich mehrere Initiativen, die Qualität der Ernährung der Bevölkerung zu verbessern.[20] 2016 wurde in Artikel 14 des „Gesetzes zur Modernisierung des Gesundheitssystems“ die Entwicklung einer zusätzlichen Nährwertkennzeichnung festgeschrieben, die die in der EU verpflichtende Nährwertdeklaration ergänzen sollte. Ziel war es, Verbrauchern die Wahlmöglichkeit im Hinblick auf den Energie- und Nährstoffgehalt ihrer Ernährung zu erleichtern.[21] Nach der Evaluation mehrerer vorgeschlagener Verfahren[22][23][24] wurde im Oktober 2017 mit einer gesetzlichen Verordnung[25] die Nutri-Score-Kennzeichnung als offizielle Empfehlung des französischen Staates für eine solche ergänzende, freiwillige Nährwertdeklaration festgelegt.[26] Der Nutri-Score basiert im Wesentlichen auf der Forschung von Serge Hercberg an der Universität Paris-Nord und auf den von Mike Rayner entwickelten Nährwertprofilen der britischen Food Standards Agency.[27][28]

Deutschland
In Deutschland wurde 2018 ebenfalls die Einführung einer Ampelkennzeichnung diskutiert, von der zuständigen Ministerin Julia Klöckner aber zunächst verworfen.[29] Stattdessen beauftragte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Max Rubner-Institut, die bestehenden Systeme zur Kennzeichnung von Nährwerten zu bewerten und ein eigenes System zu erarbeiten.[30] Dieses sollte im Laufe des Jahres im Vergleich zum Nutri-Score und anderen Systemen von Verbrauchern getestet werden.[31] Auf Basis der Ergebnisse dieser qualitativen und quantitativen Verbraucherbefragung kündigte Julia Klöckner im September 2019 einen Verordnungsentwurf zur Regelung der freiwilligen Verwendung der Nutri-Score-Kennzeichnung in Deutschland an.[32][33] Die finale Verordnung, durch die die Verwendung der Nutri-Score-Kennzeichnung durch die Lebensmittelindustrie in Deutschland offiziell empfohlen wird, erfolgte schließlich durch die am 5. November 2020 im Bundesgesetzblatt veröffentlichte Erste Verordnung zur Änderung der Lebensmittelinformations-Durchführungsverordnung.[34]
Unterstützung durch Verbände und Industrie
In Frankreich hatten sich die Verantwortlichen durch die Einführung der Nutri-Score-Kennzeichnung weitreichende Auswirkungen auf die Rezepturen vieler Produkte erwartet.[35] Jedoch lehnte die Lebensmittelindustrie den Nutri-Score zunächst ab.[36][37] Wenige Wochen nach Bekanntgabe, dass Frankreich die Nutri-Score-Kennzeichnung offiziell empfehlen wird, verpflichteten sich die Einzelhandelskonzerne Auchan, Intermarché, E.Leclerc und der Fleischwarenhersteller Fleury Michon, das System flächendeckend anzuwenden.[38] 2018 kamen die ersten entsprechend gekennzeichneten Produkte in den Handel.[39] Letztendlich sorgten Supermärkte und Discounter für eine flächendeckende Verbreitung des Nutri-Score in Frankreich.[40]
In Deutschland verpflichteten sich im Jahr 2019 unter anderem Bofrost,[41] Danone, Iglo, McCain und Mestemacher freiwillig,[42][43] den Nutri-Score auf ihren Verpackungen einzuführen.[44] Die deutsche Tochter des US-Konzerns Pepsico mit den Marken Pepsi, 7Up, Rockstar, den Punica-Säften und Chips (Lay’s) kündigte im Oktober 2021 als erster Massenhersteller an, die Lebensmittelskala Nutri-Score ab April 2022 für ihr komplettes Sortiment an Getränkemarken einzuführen.[45]
Vor dem Hintergrund der Debatte um die Einführung in Deutschland erreichte die Erklärung von Danone und Iglo, den Nutri-Score einzuführen,[46] größere Aufmerksamkeit.[47][48][49] Im Februar 2019 brachte Danone erstmals Fruchtzwerge mit Nutri-Score auf den Markt.[50][51][52] Zeitgleich veröffentlichte Iglo den Nutri-Score aller 140 Produkte auf der eigenen Website.[53][54] Im April erließ das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen die Einführung des Nutri-Score bei Iglo, da es sich um sogenannte Health Claims handle.[15] Das Unternehmen legte Berufung gegen die Entscheidung ein und einigte sich schließlich außergerichtlich mit dem sogenannten Schutzverband gegen Unwesen in der Wirtschaft.[16]
Im März 2021 startete ALDI mit dem Nutri-Score und erklärte, schrittweise seine Nahrungsmittel-Eigenmarken so kennzeichnen zu wollen, um sie so besser vergleichbar zu machen. Auch LIDL, REWE und Edeka haben oder wollen ihre Lebensmittel mit diesem Label versehen.[55][56][57]
Im Jahr 2019 startete der Europäische Verbraucherverband (BEUC) in Zusammenarbeit mit sieben nationalen Verbraucherschutzverbänden eine europäische Bürgerinitiative zur Unterstützung des Verfahrens.[58] Die Europäische Kommission sollte verpflichtet werden, sich mit einer verpflichtenden Einführung des Nutri-Score in der gesamten Europäischen Union zu befassen.[59] Diese Initiative wurde am 20. April 2020 zurückgezogen.[60]
Der Europäische Verbraucherverband, deutsche Verbraucherzentralen, Foodwatch und andere befürworten den Nutri-Score.[61][62]
Im Frühling 2024 gaben die Schweizer Anbieter Migros und Emmi AG bekannt, den Nutri-Score nicht mehr auf die eigenen Produkte aufzudrucken.[63][64][65] Im Herbst 2024 gab Danone bekannt, in der Schweiz den Nutri-Score nicht mehr auf trinkbare Produkte anzubringen.[66]
Weiterentwicklung des Verfahrens
Die sieben EU-Länder, die die Nutri-Score-Kennzeichnung offiziell unterstützen (= COEN Länder), haben 2021 einen gemeinsamen Lenkungsausschuss etabliert. Dem Lenkungsausschuss angegliedert ist auch ein unabhängiges wissenschaftliches Komitee, dessen Aufgabe in der wissenschaftlich fundierten Weiterentwicklung des Nutri-Score-Verfahrens besteht. Dieses Komitee hat verschiedene Änderungsvorschläge für die Berechnung der Nutri-Score-Einstufung erarbeitet, die 2022 vom Lenkungsausschuss akzeptiert wurden. Nach einer Übergangsfrist ist der geänderte Berechungsalgorithmus von 2022 inzwischen verbindlich und in allen COEN Ländern eingeführt.[67]
Aufgrund des neuen Berechungsalgorithmus (Nutri-Score 2023) konnte sich die Einstufung von Lebensmitteln auf der Nutri-Score-Skala verändern.
Anwendungsbereich
Der Nutri-Score ist grundsätzlich auf alle Lebensmittel anwendbar, die zu einer Nährwertdeklaration gemäß EU-Verordnung Nr. 1169/2011 (Lebensmittel-Informationsverordnung, LMIV) verpflichtet sind.[8.1] Er kann auch auf Lebensmittel angewandt werden, die eine Nährwertdeklaration aufweisen, obwohl sie dazu nicht verpflichtet sind.[8.2]
Auf bestimmte Lebensmittelgruppen, die auf spezifische Ernährungserfordernisse ausgerichtet sind, darf der Nutri-Score nicht angewendet werden. Das betrifft unter anderem Sportlernahrung, Säuglingsnahrung oder Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke.[8.3] Auch auf alkoholhaltige Getränke (Alkoholgehalt über 1,2 %) ist der Nutri-Score nicht anwendbar.[8.4]
Berechnung
Die Berechnung des Nutri-Scores erfolgt (bis auf sehr spezifische Ausnahmen) auf Basis der Nährwertkennzeichnung (Nährwertdeklaration) des jeweiligen Produkts.[8.1] Die Berechnung des Nutri-Scores setzt also eine Nährwertkennzeichnung (einschließlich eines Zutatenverzeichnisses) voraus. Dabei wird zwischen günstigen und ungünstigen Nährwerten bzw. Zutaten unterschieden.
Als günstige (positiv) gelten hohe Werte bei
- Eiweiß (g)
- Ballaststoffe (g)
- Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte (%).
Als ungünstig (negativ) gelten hohe Werte bei
- Energiegehalt (kJ)
- Zucker (g)
- gesättigte Fettsäuren (g)
- Salz (g)
Die Berechnung des Nutri-Score erfolgt im allgemeinen in den folgenden drei Schritten (je nach Art des Lebensmittels kann sich die Berechnung im Detail unterscheiden).

- Schritt 1: Ermittlung positiver und negativer Punkte. Den günstigen und ungünstigen Nährwerten und Zutaten werden Punkte zugeordnet: Je nach Menge (bezogen auf 100 g oder 100 ml des Lebensmittels) gibt es für günstige Nährwerte und Zutaten „Pluspunkte“ von null bis sieben (positive Punkte), ungünstige Nährwerte erhalten „Minuspunkte“ von null bis zwanzig (negative Punkte).
- Schritt 2: Bestimmung der Nährwertkennzahl. Die Pluspunkte werden zu einem positiven Gesamtwert (P) addiert, die Minuspunkte zu einem negativen Gesamtwert (N). Vom negativen Gesamtwert N des Produkts wird der positive Gesamtwert P subtrahiert. Das Resultat ist die „Nährwertkennzahl“ des Produkts. Diese stellt also die Summe aller Minuspunkte dar, vermindert um die Summe der Pluspunkte.
- Schritt 3: Einstufung auf der Nutri-Score-Skala. Die in Schritt 2 errechnete Nährwertkennzahl wird einer Stufe innerhalb der 5-stufigen Nutri-Score-Skala zugeordnet. Die Skala reicht von „A“ (Grün) für eine niedrige (= „gute“) Nährwertkennzahl über „B“ (Hellgrün), „C“ (Gelb), „D“ (Orange) bis „E“ (Rot) für eine hohe (= „schlechte“) Nährwertkennzahl. Daraus, dass in Schritt 2 vom negativen Gesamtwert der positive Gesamtwert abgezogen wird (N - P), ergibt sich: Je niedriger die Nährwertkennzahl, desto höher wird die Nährwertqualität des Produkts bewertet.[68][69]
In der Community-Datenbank Open Food Facts, die sich beispielsweise per App nutzen lässt, kann man sich über den Nutri-Score von Produkten informieren.[70]
Bei der konkreten Berechnung des Nutri-Scores wird zwischen drei Hauptkategorien von Produkten unterschieden:[8.5]
- allgemeiner Fall (feste Lebensmittel), mit Sonderregeln für Käse und rotes Fleisch
- pflanzliche und tierische Fette, Schalenfrüchte und Samen
- Getränke
Im Folgenden wird der Berechnungsweg für den allgemeinen Fall (feste Lebensmittel) genauer aufgezeigt. Für die beiden anderen Produktkategorien (Fette/Schalenfrüchte/Samen und Getränke) sind Anpassungen in der Berechnung erforderlich, die hier nicht berücksichtigt werden.
Schritt 1: Ermittlung positiver und negativer Punkte (allgemeiner Fall)
Die folgenden beiden Tabellen zeigen die Zuteilung negativer (N) und positiver (P) Punkte für 100 g Lebensmittel.
| Negative Punkte für … | Energie (kJ) | Gesättigte
Fettsäuren (g) |
Zucker (g) | Salz (g) |
|---|---|---|---|---|
| 0 | ≤ 335 | ≤ 1 | ≤ 3,4 | ≤ 0,2 |
| 1 | > 335 | > 1 | > 3,4 | > 0,2 |
| 2 | > 670 | > 2 | > 6,8 | > 0,4 |
| 3 | > 1005 | > 3 | > 10 | > 0,6 |
| 4 | > 1340 | > 4 | > 14 | > 0,8 |
| 5 | > 1675 | > 5 | > 17 | > 1,0 |
| 6 | > 2010 | > 6 | > 20 | > 1,2 |
| 7 | > 2345 | > 7 | > 24 | > 1,4 |
| 8 | > 2680 | > 8 | > 27 | > 1,6 |
| 9 | > 3015 | > 9 | > 31 | > 1,8 |
| 10 | > 3350 | > 10 | > 34 | > 2,0 |
| 11 | > 37 | > 2,2 | ||
| 12 | > 41 | > 2,4 | ||
| 13 | > 44 | > 2,6 | ||
| 14 | > 48 | > 2,8 | ||
| 15 | > 51 | > 3,0 | ||
| 16 | > 3,2 | |||
| 17 | > 3,4 | |||
| 18 | > 3,6 | |||
| 19 | > 3,8 | |||
| 20 | > 4,0 |
| Positive Punkte für … | Eiweiß (g) | Ballaststoffe (g) | Obst, Gemüse,
Hülsenfrüchte (%) |
|---|---|---|---|
| 0 | ≤ 2,4 | ≤ 3,0 | ≤ 40 |
| 1 | > 2,4 | > 3,0 | > 40 |
| 2 | > 4,8 | > 4,1 | > 60 |
| 3 | > 7,2 | > 5,2 | |
| 4 | > 9,6 | > 6,3 | |
| 5 | > 12 | > 7,4 | > 80 |
| 6 | > 14 | ||
| 7 | > 17 |
Bei rotem Fleisch und Produkten daraus dürfen für Eiweiß maximal 2 Punkte vergeben werden. Die positive Komponente P kann demnach in diesem Fall nicht mehr als 12 Punkte erreichen.[8.6]
Schritt 2: Bestimmung der Nährwertkennzahl
Aus der Summe (P) aller positiven und der Summe (N) aller negativen Punkte wird ein Gesamtwert, die Nährwertpunktzahl, nach folgender Regel ermittelt:
- Falls N < 11: Nährwertpunktzahl = N − P.
- Falls N ≥ 11: Nährwertpunktzahl = N – (Punkte für Ballaststoffe + Punkte für Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte)
Ausnahme: Bei Käse gilt immer Nährwertpunktzahl = N − P (auch wenn N ≥ 11 ist).
Schritt 3: Einstufung auf der Nutri-Score-Skala
Auf der Basis der erzielten Nährwertpunktzahl erfolgt dann die Einstufung eines Lebensmittels auf der fünf-stufigen Nutri-Score-Skala. Die folgende Tabelle zeigt die Zuordnung der Nährwertpunktzahl zu Qualitätsstufen sowohl für den allgemeinen Fall (Feste Lebensmittel), als auch für die Lebensmittelkategorien Fette/Nüsse/Samen und Getränke.
| Feste Nahrungsmittel | Fette, Nüsse und Samen | Getränke | |
|---|---|---|---|
| A | Min. bis 0 | Min. bis −6 | Wasser |
| B | 1 bis 2 | −5 bis 2 | Min. bis 2 |
| C | 3 bis 10 | 3 bis 10 | 3 bis 6 |
| D | 11 bis 18 | 7 bis 9 | 7 bis 9 |
| E | 19 bis Max | 10 bis Max |
Nutzungsregeln

Die Marke „Nutri-Score“ ist als Unionsmarke der Agence nationale de santé publique (Wort-[71] und Bildmarke[72][73][74]) in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union geschützt. Ihre Verwendung ist nicht verpflichtend, sondern freiwillig und bedarf einer Anmeldung bei der Agence nationale de santé publique. Sie hat einen Standard für die Verwendung des Nutri-Score-Logos erlassen. Nach der Anmeldung haben Unternehmen zwei Jahre Zeit, alle Produkte mit dem Nutri-Score auszuzeichnen, das heißt ohne Ausnahme für Produkte mit einem ungünstigen Nutri-Score-Wert.[75]
Bewertung und Kritik
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Nutri-Score im Vergleich zu anderen Nährwertkennzeichnungssystemen für Verbraucher leichter verständlich ist. Eine Studie des Centre de recherche pour l’étude et l’observation des conditions de vie (Forschungszentrum zur Untersuchung und Beobachtung der Lebensbedingungen) aus dem Jahr 2017 zeigte, dass die Mehrzahl der Befragten den Nutri-Score für leicht nachvollziehbar hielt.[76] In Deutschland befürworteten in einer 2020 durchgeführten Umfrage 89 % der Verbraucher die Kennzeichnung mit dem Nutri-Score.[77]
Die unabhängige französisch-belgische Prüforganisation Testachats / Testachats santé befürwortete generell den Nutri-Score, bemängelte aber die fehlende Berücksichtigung von Zusätzen wie Süß- und Farbstoffen oder Konservierungsmitteln.[78] Ähnlich äußerte sich die deutsche Verbraucherzentrale Hamburg, die zusätzlich eine Beachtung der regionalen Herkunft oder des ökologischen Anbaus fordert. Der Nutri-Score sei daher zwar „ein gutes Hilfsmittel“, beantworte aber nicht alle Ernährungsfragen.[79]
Eine 2023 durchgeführte Studie der französischen Verbraucherschutzorganisation UFC-Que Choisir stellt fest, dass der Nutri-Score insbesondere in den Kategorien Müsliriegel, Spezial- und Feingebäck und Frühstücksflocken zu erheblich gesünderen Rezepturen geführt hat.[80]
Der Lebensmittelverband Deutschland steht Systemen wie dem Nutri-Score ablehnend gegenüber,[81] weil diese nicht ausreichend seien, und hat im April 2019 einen eigenen Vorschlag einer deutschen Nährwertkennzeichnung veröffentlicht.[82][83] Die französische Agence nationale de sécurité sanitaire de l’alimentation, de l’environnement et du travail (Nationale Agentur für Gesundheitsschutz bei Lebensmitteln, in der Umwelt und am Arbeitsplatz) erkennt darüber hinaus keine ausreichende Evidenz für die Nährwertrelevanz von Nährwertinformationssystemen einschließlich des Nutri-Score.[84] Dem halten Ärzte und andere Befürworter entgegen, der Konsum von fetthaltigen, salzigen, zuckerhaltigen und verarbeiteten Lebensmitteln könne das Krankheitsrisiko erhöhen.[85]
Die Einordnung des Zuckergehalts wird als zu freizügig kritisiert. Vor allem bei Kinderprodukten sei das ein Problem. Als Referenzwert für Zucker sind 90 Gramm pro Tag angesetzt. Jedoch empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) maximal 50 Gramm[86] und optimalerweise nur 25 Gramm.[87]
Die Verwendung des Nutri-Score bei den Caffe Latte-Produkten von Emmi führte zu Kritik, da diese trotz des hohen Zuckergehalts mit einem grünen B ausgezeichnet wurden. Das BLV suche nach einer Lösung.[88]
Die Verrechnung gesunder und ungesunder Inhaltsstoffe kann dazu führen, dass Hersteller den Nutri-Score ihrer Produkte verbessern, indem sie z. B. zu besonders zuckerhaltigen Produkten Proteine oder lösliche Ballaststoffe hinzufügen, welche die negative Auswirkung des Zuckers auf den Nutri-Score rechnerisch reduzieren.
Auch gehen Hersteller bei der Ermittlung des Nutri-Scores teilweise nicht vom eigentlichen, von ihnen vertriebenen Produkt (z. B. Kakaopulver), sondern von dem vom Verbraucher fertig zubereiteten Produkt (Kakao) aus und rechnen dadurch die günstige Auswirkung der vom Verbraucher hinzugefügten Milch ihrem eigenen Produkt zu. Unterstellt der Hersteller dabei, dass der Verbraucher das Endprodukt besonders „günstig“ zubereitet – etwa, indem er nur eine geringe Menge des Kakaopulvers verwendet und dem Pulver fettarme Milch hinzufügt –, führt dies zu einer zusätzlichen Verzerrung. Verwendet der Verbraucher bei der Zubereitung des Kakaos tatsächlich mehr Kakaopulver und/oder Milch mit einem höheren Fettanteil als vom Hersteller unterstellt, ist der von dem Hersteller behauptete Nutri-Score für das Endprodukt nicht mehr zu erreichen.[89] Der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen wird bei der Bewertung nicht berücksichtigt. Zwar wirkt es sich positiv auf den Nutri-Score aus, wenn Obst und Gemüse enthalten sind. In Fertigprodukten sind Gemüse und Früchte aber oft so stark verarbeitet, dass viele Vitamine verloren gehen. Verschiedene Produktgruppen wie Joghurt und Müsli anhand des Nutri-Scores miteinander zu vergleichen ist hingegen nicht sinnvoll.[90]
Das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sprach sich 2022 für eine EU-weite Einführung des Nutri-Score aus und stieß damit auf Kritik in einzelnen EU-Staaten.[91]
Literatur
- Manon Egnell, Pauline Ducrot, Mathilde Touvier, Benjamin Allès, Serge Hercberg, Emmanuelle Kesse-Guyot, Chantal Julia: Objective Understanding of Nutri-Score Front-Of-Package Nutrition Label According to Individual Characteristics of Subjects: Comparisons with Other Format Labels. In: Plos One. Public Library of Science, 23. August 2018, doi:10.1371/journal.pone.0202095 (englisch).
Siehe auch
Weblinks
- Literatur zum Nutri-Score im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Sammlung wissenschaftlicher Artikel zum Nutri-Score des Französischen Gesundheitsministeriums
- Offizielle Informationen von Ländern, die den Nutri-Score unterstützen
- Deutschland: Nutri-Score. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
- Schweiz: Nutri-Score: Einfach ausgewogen essen. Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen
- Frankreich: Nutri-Score. Santé publique France (französisch).
- Katalog wissenschaftlicher und technischer Fragen und Antworten, erstellt und veröffentlicht durch Santé publique France
- Deutsche Version: NUTRI-SCORE: Fragen-und-Antworten-Katalog. Deutsche Übersetzung des französischen Originals (Version vom 17. März 2025, von Santé publique France autorisiert). (PDF) In: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. (deutsch).
- Englische Version: NUTRI-SCORE: Questions & Answers. English version. (PDF) Santé publique France, 17. März 2025 (englisch).
- Französische Originalversion: NUTRI-SCORE: Questions & Réponses. Version française. (PDF) Santé publique France, 17. März 2025 (französisch).
- Informationen zum graphischen Design: Graphic Charter (PDF; 1,1 MB), Agence nationale de santé publique
- Berechnungshilfen
- Wie wird der Nutri-Score berechnet? in FAQ zum Nutri-Score, Verbraucherzentrale Hamburg, Oktober 2019
- Online-Rechner für den Nutri-Score aus Nährwertangaben, ladr-lebensmittel.de
- Excel-Tabellen zur Berechnung des Nutri-Score
- Ursprünglicher Algorithmus
- Aktualisierter Algorithmus (gültig seit 2024/25)
- Berichterstattung
- Debatte um Lebensmittelampel Nutri-Score vor Einführung des Nutri-Score in Deutschland, Video der ARD-Tagesschau vom 22. Juli 2019 auf YouTube
- Zucker, Salz und Fette: Lebensmittelampel Nutri Score, SWR-Fernsehsendung Marktcheck vom 21. Mai 2019