Oldendorf (Melle)

Stadtteil der Stadt Melle From Wikipedia, the free encyclopedia

Oldendorf ist ein nordwestlicher Stadtteil von Melle in Niedersachsen am Südhang des Wiehengebirges zwischen den großen Städten Osnabrück und Bielefeld. Der Stadtteil ist in fünf Ortsteile gegliedert, darunter auch das Kirchdorf Oldendorf.

Panorama Oldendorf von Norden
Schnelle Fakten Stadt Melle ...
Oldendorf
Stadt Melle
Wappen von Oldendorf
Koordinaten: 52° 14′ N,  19′ O
Höhe: 101 (76,0–232,5) m ü. NHN
Fläche: 24 km²
Einwohner: 4789 (31. Dez. 2022)[1]
Bevölkerungsdichte: 200 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 49324
Vorwahl: 05422
Karte
Lage von Oldendorf in Melle
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Geographie

Panorama Oldendorf von Süd-Osten
Panorama vom Ortsteil Westerhausen-Föckinghausen

Ortsteile

Zum Meller Stadtteil Oldendorf gehören die von Ost nach West gesehen am Südfuße des Wiehengebirges liegenden Ortsteile Oldendorf, Föckinghausen, Westerhausen, sowie der sich nördlich von Oldendorf befindende Ortsteil Oberholsten und der Ortsteil Niederholsten nördlich von Westerhausen.

Lage

Das Gebiet im Stadtteil Oldendorf ist im Norden hügelig und zum großen Teil bewaldet. Dort befindet sich der Bergrücken des Wiehengebirges mit dem Hesterbrink (Moselerberg; 232,5 m) bei Oberholsten, der höchsten Erhebung der Stadt Melle, wo sich auch das Quellgebiet der Hunte befindet, dem längsten linken Nebenfluss der Weser. Aus den unterhalb der Bauerschaft Niederholsten gelegenen fünf großen Brunnen wird über 70 % des Trinkwassers der gesamten Stadt Melle gewonnen[2]. Das gesamte Gebiet ist Landschaftsschutzgebiet, 1.490 ha sind zudem Wasserschutzgebiet und ein Teil des Natur- und Geoparks TERRA.vita. Richtung Osten ragt der 220 m hohe Dietrichsberg mit dem Wildpark und der Diedrichsburg hervor, die auch Wahrzeichen von Oldendorf ist. Zum Süden hin wird das Gebiet zunächst von der welligen, landwirtschaftlich genutzten Landschaft in den Bauerschaften Ober- und Niederholsten und dem Ortskern Oldendorf geprägt, bis es schließlich immer flacher werdend die Niederungen der Hase und Else erreicht. Dort befinden sich die Ortsteile Westerhausen und Föckinghausen.

Geschichte

Oldendorf (Aldendorphe/Altes Dorf) war im 8. Jahrhundert eines der 25 kleinen Urdörfer im Grönegau (Graingau). Die Urdörfer bestanden aus fünf bis acht Höfen. Insgesamt waren es ca. 150 Bauernhöfe mit ca. 1200 Menschen.[3] Bei Ausgrabungen haben Funde bestätigt, dass Oldendorf zu dem am längsten besiedelten Gebiet der Stadt Melle gehört. Spuren lassen erkennen, dass Oldendorf vor ca. 10.000 v. Chr. von Menschen aufgesucht wurde und Strukturen von Siedlungen können bis etwa 4000 v. Chr. nachgewiesen werden.[4] Grund für diese Standortwahl war unter anderem, dass am Westerhausener Berg eine wasserführende Quelle entsprang. Eine frühe germanisch Besiedlung hat um 700 v. Chr. am Südwesthang des Wiehengebirges bei Westerhausen in der oberen Bauerschaft stattgefunden.[5] In der Karolingerzeit wurde der Meyerhof zu Westerhausen angelegt am Rande der älteren Bauerschaft. Dem Meyer zu Westerhausen oblag als Unterholzgraf auch das Holzgericht der Oldendorfer Mark.[6] Ober- und Niederholsten, sowie Föckinghausen wurden urkundlich erst 1240 genannt.[7]

Oldendorf war bis zu den Napoleonischen Kriegen Sitz einer Vogtei im Amt Grönenberg des Hochstifts Osnabrück. Von 1807 bis 1810 gehörte Oldendorf zum Kanton Buer im napoleonischen Satellitenstaat Königreich Westphalen. Von 1811 bis 1813 gehörte der Ort unmittelbar zu Frankreich und war Sitz der Mairie (Bürgermeisterei) Oldendorf im Arrondissement Osnabrück des Departements der Oberen Ems. 1814 kam Oldendorf zum Königreich Hannover und gehörte dort wieder zum Amt Grönenberg. 1867 fiel Oldendorf mit dem gesamten Königreich Hannover an Preußen und seit 1885 gehörte die Gemeinde zum Landkreis Melle. Im Landkreis Melle war Oldendorf Sitz der Samtgemeinde Oldendorf, die mit den fünf Mitgliedsgemeinden Föckinghausen, Niederholsten, Oberholsten, Oldendorf und Westerhausen den gleichen Umfang wie die historische Vogtei und der heutige Stadtteil hatte.

Drei Ortschaften von Oldendorf liegen an einer alten Heerstraße sowie einem alten Handelsweg. Dieser wurde 1820–1825 von Osnabrück bis Oldendorf verlegt und als Straße ausgebaut.[8] An dieser Straße siedelten sich Neubauern und einige Handwerker an. Durch den Bau der Eisenbahnstrecke von Löhne nach Osnabrück im Jahr 1855, begann ab 1879, durch die Errichtung einer Haltestelle in Westerhausen, die Wandlung von einer Bauerschaft zum Industriestandort.[9] Ab 1903 sorgte die zuvor in Melle abgebrannte und in Westerhausen am Bahnhof wieder angesiedelte Heroldsche Treibriemenfabrik für einen kräftigen Aufschwung, der durch den käuflichen Erwerb des Fabrikgebäudes und -geländes 1942 durch die Westland-Gummiwerke fortgesetzt werden konnte.[10] In Oldendorf-Westerhausen gab es erst ab 1921 elektrisches Licht. Zu der damaligen Zeit hatten die Häuser ein Plumpsklo und eine Schwengelpumpe. Die Kreis- und Gemeindestraßen waren geschottert bzw. unbefestigt.[11] Die Einwohnerzahl hatte sich ab 1903 in Westerhausen und Föckinghausen bis 1950, durch die Eisenbahn, in der Industrie und dem Handwerk mehr als verdoppelt. Der 1976 fertiggestellte Streckenabschnitt der nur drei km entfernten Bundesautobahn 30 (Abfahrt Nr. 22) bewirkte in der Folgezeit einen wirtschaftlichen Aufschwung in den Ortsteilen Westerhausen und Föckinghausen.[12]

Im Rahmen der Gebietsreform in Niedersachsen wurde die Samtgemeinde Oldendorf am 1. Juli 1972 aufgelöst. Ihre fünf Mitgliedsgemeinden wurden in die Stadt Melle eingemeindet und bilden seitdem den Meller Stadtteil Oldendorf.[13]

Wappen

Wappen der ehemaligen Gemeinde Oldendorf bei Melle, Landkreis Melle
Wappen der ehemaligen Gemeinde Oldendorf bei Melle, Landkreis Melle
Blasonierung: „In Gold (Gelb) eine rote Burg; in der Mitte ein hoher Turm mit Zinnenkranz; die seitlichen Gebäudeteile mit blauen Dächern.“[14]
Wappenbegründung: Das Wappen wurde 1955 vom Niedersächsischen Innenminister genehmigt. Es zeigt die stilisierte Diedrichsburg. Das zuvor verwendete Welfenrosswappen musste 1952 an das Niedersächsische Innenministerium abgegeben werden.

Einwohnerentwicklung

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerentwicklung der früheren Samtgemeinde Oldendorf und des jetzigen Stadtteils Oldendorf.[15][16]

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
18211.716
19001.874
19051.964
19102.043
19392.018
19462.948
19503.072
Jahr Einwohner
19552.946
19693.393
19913.999
19924.060
19934.109
19944.147
19954.234
Jahr Einwohner
19964.367
19974.472
19984.613
19994.622
20004.638
20014.676
20024.687
Jahr Einwohner
20034.719
20104.779
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Wohnbevölkerung der Gemeinde Oldendorf mit Gebietsstand vom 27. Mai 1970:[17][18][19]

Weitere Informationen Datum, Einwohner ...
Datum Einwohner
1871532
1910577
17. Mai 1939671
13. September 1950979
6. Juni 1961819
27. Mai 1970948
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Politik

Ortsbürgermeisterin ist Karin Kattner-Tschorn[20] (SPD).

Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 2006.[21][22]

Weitere Informationen Ortsrat Oldendorf: Wahlergebnisse, CDU ...
Ortsrat Oldendorf: Wahlergebnisse
CDU SPD Grüne FDP Wählerge-
meinschaften
Einzel-
bewerber
Sonstige Gesamt Wahl-
beteiligung
Wahlperiode%Mandate %Mandate %Mandate %Mandate %Mandate %Mandate %Mandate %Gesamtanzahl der Sitze im Rat %
2006–2011 24,84 63,810 7,71 3,80 -- -- -- 100 15 52,9
2011–2016 20,83 61,19 14,52 3,61 -- -- -- 100 15 53,0
2016–2021 31,25 40,16 15,22 5,91 7,01 -- -- 100 15 57,0
2021–2026 27,74 37,06 18,43 8,51 8,41 -- -- 100 15 64,0
Prozentanteile gerundet.
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Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Plan von Oldendorf

Es gibt einige größere Industriebetriebe wie den Büromöbelhersteller Assmann und die Westland Gummiwerke. Das Umschlagslager der Logwin AG und das Großlager des Händlers Thomas Philipps sind ebenfalls in Oldendorf ansässig. Die größte deutsche Besamungsstation, der Osnabrücker Herdbuch befindet sich auch dort. Hauptsächlich wird der Stadtteil vom mittelständischen Gewerbe, der bäuerlichen Landwirtschaft und anderen Versorgungsmöglichkeiten eines Stadtteils geprägt.

Verkehr

Die Bahnstrecke Löhne–Rheine verläuft durch den Ortsteil Westerhausen, wo ein Haltepunkt besteht, der im Stundentakt von der Regionalbahnlinie RB 61 „Wiehengebirgs-Bahn“ bedient wird. Der Stadtteil Oldendorf ist durch den Stadtbus Melle in den städtischen Regionalbusverkehr integriert. Die Abfahrt Nr. 22 der Autobahn A 30 bzw. die Europastraße 30 ist 3 km von Westerhausen entfernt.

Bildung

Oldendorf besitzt zwei Grundschulstandorte. Dies sind die Grundschule Oldendorf und die Grundschule Westerhausen. Kindergärten befinden sich in den Ortsteilen Oldendorf und Westerhausen. Sport-, Fußball- und Tennisplätze, sowie Sporthallen sind ebenfalls in den beiden Ortschaften vorhanden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Religion

Die Bevölkerung des Stadtteils Oldendorf ist zu 63 % evangelisch-lutherisch und zu 19 % römisch-katholisch. Die übrigen Einwohner gehören anderen oder keiner Religionsgemeinschaft an.

Sehenswürdigkeiten

Die einschiffige evangelisch-lutherische Marienkirche wurde Anfang des 12. Jahrhunderts mit dem Kirchturm aus Stein vollendet. Sehenswert ist der dreiflügelige Schnitzaltar mit seinen Darstellungen der Passion Christi.[23] Eine kleine, von Mönchen aus dem Kloster Corvey erbaute Holz-Kirche (Klause), die dem heiligen Dionysius geweiht war, gab es an dieser Stelle bereits im 9. Jahrhundert. Seit dem Jahr 1255 hat Oldendorf ein selbständiges Kirchspiel[24]. Das Gut Ostenwalde, das seit 1343 im Besitz der Familie von Vincke ist, weist ein dreiflügeliges Herrenhaus auf und liegt östlich von Oldendorf an einer alten Heerstraße. Unweit davon befindet sich eine restaurierte, funktionstüchtige Ölmühle von 1681. Im Ort Westerhausen kann ein restaurierter Kalkofen aus dem Jahr 1912 als Industriedenkmal besichtigt werden.

In der Landschaft am Südhang des Wiehengebirges sind ca. 71 km Wanderwege gekennzeichnet, die von fünf Wanderparkplätzen aus an 91 Ruhebänken, Wetter- und Grillhütten vorbeiführen und auch über das Gelände des Wildgeheges auf dem Diedrichsberg weisen. In den Ortschaften Oldendorf und Westerhausen gibt es Turnhallen, sowie ein Tennis- und ein Fußballstadion. Das Freibad in Oldendorf und der Grönegausee als größte Meller Binnengewässer mit 30.000 m² sind weitere Naherholungsstätten.

In Richtung Niederholsten am Oldendorfer Berg befindet sich das Reiterwaldstadion als Örtlichkeit für Großveranstaltungen. In Oberholsten haben sich wegen der nebel- und kunstlichtarmen Gegend zwei Sternwarten angesiedelt, die auch an der Expo 2000 beteiligt waren. Sie weisen das größte Newton-Teleskop auf, das für die öffentliche Beobachtung genutzt wird. An den Sternwarten endet der Planetenweg, ein in Melle beginnender astronomischer Lehrpfad, der unser Sonnensystem maßstabsgetreu nachbildet.[25]

Veranstaltungen

Ein Mittelaltermarkt findet jährlich auf dem Gelände der Diedrichsburg statt.

Literatur

  • Chronik der Gemeinde Westerhausen zur 800 Jahr Feier 1962 (Arbeitsgemeinschaft für die Gemeindechronik)
  • Peter Bungard: Oldendorf am Südhang des Wiehengebirges. In: Der Grönegau. Meller Jahrbuch, 13 (1995), S. 175ff.
  • Wolfgang Dreuse, Werner Imbrock: Auswanderer aus Oldendorf (Melle) nach Nordamerika. Oldendorf: Eigenverlag 2012.
  • Werner Imbrock: 1000 Jahre Kirchengeschichte Oldendorf(Melle). Oldendorf 2019.
  • Bodo Zehm: Oldendorf und die Diedrichsburg - Eine Ortschronik aus archäologischer Sicht in: Der Grönegau. Meller Jahrbuch, 42 (2024).

Einzelnachweise

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