Ole Vig

norwegischer Volksbildner, Lehrer und Dichter (1824–1857) From Wikipedia, the free encyclopedia

Ole Vig, eigentlich Ole Olsen Viganaasen, (* 6. Februar 1824 in Stjørdal;[1]19. Dezember 1857 in Kristiania (Oslo)[2]) war ein norwegischer Volksbildner, Lehrer und Dichter. Er vermittelte in den 1850er Jahren einem großen, zum Teil einfachen Publikum die Idee einer gemeinsamen öffentlichen Volksschule für Kinder aus allen Gesellschaftsschichten und legte damit den Grundstein für die Schulgesetze von 1860 und 1883. Seine Schriften und seine Artikel in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Folkevennen (Volksfreund) sind von Grundtvigs lebens- und kulturbejahendem „fröhlichem“ Christentum geprägt und in einer breiten Kreisen verständlichen Sprache gehalten (aus der sich später Bokmål entwickeln sollte.) Von seinen gefühlvollen Gedichten ist Blant alle lande zu einer informellen norwegischen Nationalhymne geworden.

Ole Vig (Lithographie von I. Falander)

Ole Vig entstammte sehr ärmlichen Verhältnissen, blieb sein Leben lang arm und starb früh. Er war eine charismatische Persönlichkeit und übte einen inspirierenden Einfluss auf spätere Kulturschaffende aus, darunter Olaus Arvesen, Herman Anker, Aasmund Olavsson Vinje, Bjørnstjerne Bjørnson und Henrik Ibsen.

Leben

Familie

Ole Vig wurde als Sohn von Ole Olsen Viganaasen und Marit Nielsdatter Walstad auf dem Häuslerplatz (husmannsplassen) Vikmarka des Gutshofes Vikan im Værnes Sogn in der Gemeinde Stjørdal im Trøndelag geboren.[2][3][4] Die arme Kleinbauernfamilie hatte ursprünglich vier Kinder, von denen zwei schon im Säuglingsalter starben. Ole wuchs zusammen mit der jüngeren Schwester Nikoline auf, zu der er noch als Erwachsener ein inniges Verhältnis hatte.[5][6]

Mutter Marit stammte aus einer Bauernfamilie aus Store Valstad in Skatval;[7] sie konnte lesen und war mit Büchern vertraut und hatte, wie ihr Sohn Ole, „ein sanftes Gemüt“.[5] Von ihr lernte Ole schon als 5-Jähriger lesen, und da sie stark vom Haugianismus beeinflusst war, bildete die biblische Geschichte den Hauptgegenstand ihres Unterrichts.[7][6]

Volksschule

Geburtsort von Ole Vig, Foto 1914

Mit sieben Jahren trat Ole in die Volksschule ein und war bald der beste Schüler. Er spielte wenig mit den Nachbarskindern,[5] sondern „verschlang alle Bücher, die er in die Finger bekam.“[8] Besonders interessierten ihn ein großes Astronomiewerk und eine alte Beschreibung der Erde.[6] Als eine Gemeindebibliothek eingerichtet wurde, überredete er seinen Vater, ebenfalls einen Beitrag zu leisten, damit er seine Leselust befriedigen könne.[7]

Die Sonntagsschule im Pfarrhaus von Værnes, die eigentlich nur für Konfirmanden bestimmt war, durfte er bereits vor seiner Konfirmation besuchen; und er konnte mit den älteren Schülern mühelos mithalten. Mit 15 Jahren wurde er schließlich selbst konfirmiert. Propst Widerøe, der die Konfirmation vornahm, war von Oles Wissen und seiner Intelligenz beeindruckt und schug vor, Ole auf das neu gegründete Lehrerseminar in Klæbu zu schicken. Der Vater, der das Schulgeld nicht aufbringen konnte und die Arbeitskraft seines Sohnes nicht verlieren wollte, lehnte ab.

Probst Widerøe setzte am 12. Dezember 1839 in der gemeinsamen Sitzung des Gemeinderats und des Schulausschusses durch, zwei junge Männer (Ole Vig und Johan Pedersen) auf Kosten der Gemeinde in Klæbu zu Lehrern ausbilden zu lassen. Die beiden sollten innerhalb von zehn Jahren den Kredit zurückzahlen und bis zur Abzahlung als Lehrer im Dorf arbeiten.[6][9]

Lehrerseminar Klæbu

Ole bereitete sich im Selbststudium auf das Seminar vor[7] und im August 1841 verließ er sein Elternhaus „in einem grauen Wollrock, mit einem Knüppel in der Hand und einem Sack auf dem Rücken.“[6] Er ging die vier Meilen nach Klæbu zu Fuß, um mit 23 anderen Jungen den zweiten Jahrgang der neuen Schule zu bilden.[10] In der Schule erwies er sich als guter Schüler, aber auch als bescheiden und introvertiert. Er war sehr empfindlich und hatte schnell Tränen in den Augen. In seiner körperlichen Entwicklung war er zurückgeblieben, er war klein und zierlich. Als er mit mehr als 19 Jahren das Seminar verließ, war er noch nicht in den Stimmbruch gekommen.[5]

Im Frühjahr 1843 legte Ole Vig die Abschlussprüfung mit der Bestnote und der Bemerkung „außergewöhnliche Fähigkeiten“ ab.[2][7] Als er acht Jahre später seinen Gedichtband Norske Bondeblomster veröffentlichte, widmete er diesen seinen „geliebten Lehrern“ Bischof Hans Jørgen Darre und Kand. theol. Nikolay Ulstad „mit der ganzen Liebe eines dankbaren Schülers“.[6]

Eine höhere formale Ausbildung hat Ole Vig nicht mehr erhalten, was er später bedauernd kommentierte:[2]

Thi det blev min Lod at savne
Plads iblandt de Lærdes Navne
Savne endog Artium.

Denn es wurde mein Los, zu vermissen
Einen Platz unter den Namen der Gelehrten
Sogar Artium zu vermissen.

Hauslehrer

Ole Vig, Foto um 1850

Kurz vor der Abschlussprüfung besuchte Rektor Fredrik Bugge aus Trondheim das Seminar, um für seinen Schwager, Probst H. G. Magelssen in Åfjord in Sør-Trøndelag, einen guten Hauslehrer zu finden. Bugge beriet sich nicht mit den Lehrern, sondern beobachtete den Unterricht und entschied sich für Ole Vig.[10][5] Probst Magelssen hatte eine große Bibliothek mit historischen und literarischen Werken und vor allem den Schriften von N. F. S. Grundtvig, die den neuen Hauslehrer brennend interessierten:

„Hier fand er etwas, das Licht auf die Rätsel des menschlichen Lebens werfen konnte. Grundtvigs kraftvolle, aber heitere Verkündigung des christlichen Glaubens und der Vaterlandsliebe, seine Forderung nach Volksnähe, dem Schutz der Muttersprache und des nordischen Geistes hatten eine enorme Bedeutung für Ole Vig.“[6] Er fühlte sich nach seinen eigenen Worten „belebt durch den Glauben und die Hoffnung auf das Erwachen des norwegischen Volksgeistes aus seinem Schlaf“ und sehnte sich danach, sein Volk zu wecken und zu erleuchten.[7]

Kristiansund

1845 erhielt Ole Vig eine Stelle als Andenlærer (Zweiter Lehrer)[11] an der Kirkelandets Almueskole in Kristiansund,[2] einer kirchliche Volksschule, an der sein guter Freund und Grundtvigianer Lorents Schancke bereits Lehrer war.[10] Nach zweieinhalb Jahren wechselte Ole 1848 als Tredielærer (Dritter Lehrer) an die Städtische Bürgerschule (Byens Borgerskole).[11]

In Kristiansund wurde Vig zu einer öffentlich bekannten Persönlichkeit. Er nahm aktiv an einer Vielzahl von Missions- und Lehrertreffen teil und gründete 1850 einen örtlichen Lehrerverein, dessen Vorsitzender er selbst wurde. Im selben Jahr nahm er als Delegierter an einer Konferenz der Lehrer des Stiftamtes Trondheim teil. Im Handwerkerverein, wo er jeden Sonntagabend Vorträge zur Geschichte seines Vaterlandes hielt, wurde er Sekretär. Er veröffentlichte seine ersten Gedichte in einer Lehrerzeitschrift.[2][7]

Seine praktischen Erfahrungen verhalfen Ole Vig zu klaren Vorstellungen von der Schule der Zukunft, die für alle, d. h. für die Landbevölkerung, sein sollte und statt der Lateinschule mit ihrem Auswendiglernen eine alternative Pädagogik in der Sprache des Volkes anbieten würde.[10]

Poetisches Werk

Ole Vig: Liv i Norge. Vinteraftenslæsning for den norske Ungdom. Kristiansund 1851.

1851 trat Ole Vig mit zwei Büchern als poetischer Schriftsteller in Erscheinung. Der kleinformatige Band Liv i Norge ist nach den Worten des Untertitels eine „Winterabendlektüre für die norwegische Jugend“ und er machte Vigs Namen landesweit bekannt. Er gibt darin eine ganzheitliche spirituelle Interpretation des Lebens und zwar in einer aus der nordischen Mythologie entlehnten Bildersprache.[2] Die Sammlung Norske Bondeblomster (Norwegische Bauernblumen) „enthält wunderschöne Gedichte, die eine sanfte und warme Gefühlswelt offenbaren“ (so Henrik Jæger[8]). Aus ihr „sind mehrere Lieder zu echten Volksliedern geworden.“[4]

Ole Vigs Lieder und Gedichte wurden zu seiner Zeit viel gelesen und gesungen, aber nur sein patriotisches Blandt alle Lande i Øst og Vest (Unter allen Ländern im Osten und Westen) hat mit der Melodie des Dänen Hans Matthison-Hansen als eine „alternative“ Nationalhymne überlebt. Das Gedicht wurde erstmals 1854 in Salmer og Sange til Brug ved Skolelærer-Møde (Hymnen und Lieder für den Gebrauch bei Lehrerkonferenzen) veröffentlicht. Im selben Jahr erschien auch das gemeinsam mit seinem Freund Ludvig Mathias Lindeman verfasste Sange og Rim for det norske Folk (Lieder und Reime für das norwegische Volk).[2]

Aus einem Abstand von 80 Jahren urteilte der Literaturkritiker Kristian Elster mit Sympathie, aber auch fachlicher Strenge: „Wie Ivar Aasen sah Ole Vig seine Aufgabe darin, den Menschen, von denen er abstammte, das Geschenk zu machen, das er selbst erworben hatte: Wissen und Aufklärung. Er war wie geschaffen für die Arbeit im Dienste der Volksaufklärung: klug, klar, geduldig, aufgeweckt, voller Glauben und Zuversicht. […] Seine Gedichte sind gleichmäßig und gefühlvoll, aber nicht besonders bedeutend.“[12]

Reise nach Dänemark

Das Vorbild: Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783–1872)

Im Sommer 1851 unternahm Vig seine einzige Auslandsreise. Den größten Teil des Wegs nach Kopenhagen ging er zu Fuß, fuhr aber in Dänemark zum ersten Mal mit der Eisenbahn, die es in Norwegen noch nicht gab. Zweck der Reise war, das Vorbild Grundtvig zu besuchen, „den Mann, den ich nach Luther für den größten halte, der seit den Tagen der Apostel auf Erden gelebt hat“. Ole Vig hörte nicht nur Grundtvig predigen, sondern konnte auch sechs Stunden im persönlichen Gespräch mit ihm verbringen.[2]

Unterwegs besuchte Vig in Østre Toten den Pfarrer Fredrik Nannestad Wexelsen (1818–1896), einen führenden Grundtvigianer, den er 1849 bei der Feier des 10-jährigen Jubiläums des Klæbu-Seminars kennengelernt hatte.[6] Auf der Insel Seeland suchte er die Sorø Akademi auf, um Bernhard Severin Ingemann zu treffen, der dort als Lektor (zeitweise auch als Rektor) beschäftigt war.[7][11] Und auf dem Rückweg traf er in Kristiania den Volksaufklärer J. Friis, einen der Gründer der „Gesellschaft zur Förderung der Volksbildung“, der ihm anbot, Sekretär dieser Gesellschaft zu werden.[6]

Auf der mehrere Wochen langen Wanderung durch Norwegen konnte Ole Vig – wie er selbst erzählte – viele aufschlussreiche Erfahrungen über das Leben des Volkes und seine Sprache sammeln.[10]

Marie Wexelsen

Marie Wexelsen (1832–1911), Foto um 1870

Vig knüpfte enge Beziehungen zur Familie Wexelsen in Toten. Hier traf er auch zum ersten Mal Wilhelm Andreas Wexels, den Residierenden Kaplan der Vår Frelsers Kirche in Christiania und „Norwegens Grundtvig“, der ein Onkel von Fredrik und dessen Schwester Marie war. Diese Schwester, die spätere Schriftstellerin Marie Wexelsen, wurde Oles einzige und unglückliche Liebe. Er war von dem schönen und aufgeweckten Mädchen fasziniert und besuchte den Familienbesitz Sukkestad in Toten viele Male. Schließlich fasste er Mut und schrieb Marie Wexelsen einen Brief, in dem er seine tiefsten Gefühle für sie zum Ausdruck brachte und am Ende um ihre Hand anhielt. Marie lehnte freundlich, aber bestimmt ab.[2][6]

Obwohl Marie eine herzliche Freundschaft zu Ole empfand, reichte diese nicht für eine Ehe aus. Einiges deutet darauf hin, dass sie seine Liebe insgeheim erwiderte, aber obwohl ihre Eltern, der Glashüttendirektor und Gutsbesitzer Wexel Hansen Wexelsen und seine Frau Marie Louise geborene Wexels tolerant waren, „war es vielleicht ein zu großer Schritt, einen Knecht aus Stjørdalen zu heiraten.“[6] Auch das Aussehen könnte eine Rolle gespielt haben; Ole Vig war kein stattlicher Mann.

Ole und Marie blieben beide unverheiratet und ihre Freundschaft hielt ein Leben lang. Nach Oles Tod soll Marie gesagt haben: „Ich bin im Grunde genommen Witwe nach Ole Vig“.[10]

Redakteur von Folkevennen

Ole Hartvig Nissen (1815–1874), Ole Vigs Arbeitgeber bei Folkevennen

Vigs Buch Liv in Norge hatte seinen Namen bei den Gründern der Gesellschaft zur Förderung der Volksbildung (Selskabet til Folkeoplysningens Fremme oder kurz Folkeoplysningsselskabet) bekannt gemacht, die am 23. September 1851 in Kristiania gegründet worden war und hauptsächlich durch die Herausgabe einer Zeitschrift zur „Erweckung, Entwicklung und Veredelung des Volksgeistes“ beitragen wollte.[13] Schon auf der Reise nach Kopenhagen hatte Ole Vig ein Angebot zur Mitarbeit erhalten, und nach seiner Rückkehr bat ihn der Vorsitzende der Gesellschaft, Hartvig Nissen, der Redakteur dieser Zeitschrift zu werden.[2]

Folkevennen (Volksfreund) erschien ab 1852 sechsmal jährlich und erreichte bis zu seiner Einstellung im Jahr 1900 49 Jahrgänge.[14] „Die nicht sehr umfangreiche Zeitschrift war mit ihrem informativen, interessanten und poetischen Inhalt und ihrem authentischen volkstümlichen Ton ein hervorragendes Volksblatt.“[12] Hier erschienen Beiträge der meisten bekannten norwegischen Autoren und Wissenschaftler.[13]

Ole Vig nahm das Angebot erst nach langem Zögern an und zog zu Neujahr 1852 von Kristiansund nach Kristiania. Er redigierte Folkevennen bis zu seinem Tode 1857 „mit einer Kompetenz, die die hohen Erwartungen in keiner Weise enttäuschte.“ Zahlreiche Artikel verfasste er selbst, Beiträge, „die ihn aufgrund seines klaren und harmonischen Stils einen hohen Rang unter unseren Prosaautoren einnehmen lassen.“[8]

Durch den Umzug in die Hauptstadt trat Ole Vig in einen Kreis gleichgesinnter Volksbildner ein, deren inspirierender Mittelpunkt er bald wurde. Zu ihnen zählten neben Nissen noch Olaus Arvesen, Knud Knudsen, Eilert Sundt, Ivar Aasen und Aasmund Olavsson Vinje.[2]

Redakteur von Den norske Folkeskole

Die Volksbildungsgesellschaft zahlte Ole Vig nur ein geringes Gehalt, aber als „Entschädigung“ wurde er von Hartvig Nissen in dessen Schule als Geschichtslehrer in den unteren Klassen angestellt. Später war er zusätzlich timelærer (Teilzeitlehrer) an der Bürgerschule von E. Berge.[2][7]

Ole Vig wurde Mitglied des Lehrervereins von Kristiania und nahm mehrmals an landesweiten Lehrerversammlungen teil.[7] Er wollte aber auch für die Pädagogen ein Kommunikationsmedium schaffen, und deshalb gab er ab Juli 1852 zusammen mit Knud Knudsen und P. Andresen die „Monatszeitschrift für Lehrer und andere Erzieher“ Den norske Folkeskole (Die norwegische Volksschule) heraus.[15]

Der Name war Programm, die Folkeskole stand im Gegensatz zur überkommenen Gelehrtenschule und das Wort hatte lange Zeit einen gewissen grundtvigianischen und nationalromantischen Klang. Mehrere Seminaristen aus Klæbu schrieben für die Zeitschrift. Vor allem Anders Reitan, Volksmusiksammler und Volkshochschulgründer und später Parlamentsabgeordneter, trat energisch gegen den dänischen Sprachgebrauch auf und für die norwegische Volkssprache ein. „Jetzt war es an der Zeit, auf Norwegisch zu setzen und die Muttersprache im Unterricht zu verwenden. Der Bauer sollte im Mittelpunkt stehen, zusammen mit dem christlichen Fundament.“[10]

In Den norske Folkeskole stellte Ole Vig auch einen Plan für ein Volksschullesebuch vor, der zu seinen Lebzeiten nicht verwirklicht wurde, aber ein wichtiges Vorbild war für Peter Andreas Jensens Læsebog for Folkeskolen og Folkehjemmet von 1863, das den Lehrplan um historische und naturwissenschaftliche Themen sowie Darstellungen des Volkslebens erweiterte.[2]

Auffallend verständlich

Das einzige Bild von Ole Vig mit Bart, Xylographie 1858 nach O. Arvesen

In beiden Zeitschriften schrieb Vig populärwissenschaftliche Artikel, insbesondere über Sprache, moralische Fragen und über historische, kirchengeschichtliche und pädagogische Themen. Eine norwegische Geschichte, Norges Historie indtil Harald Haarfagre, erschien als eigenständiges Buch 1857 und enthielt auch eine ausführliche Darstellung der alten Wikingerkultur. Vigs Wörterliste zur Norwegianisierung schriftsprachlicher Ausdrücke wurde 2020 von der Wissenschaftlichen Gesellschaft in Trondheim herausgegeben. Beiträge zur Erbauungsliteratur sind seine Lesestücke Religiøs Læsning for Folket von 1852 und seine zwei Jahre später veröffentlichten Übersetzungen aus dem Schwedischen von Lars Lindrots Kirketaler (Kirchenreden) und Aandelige Sange (Geistliche Lieder).

Ole Vig hatte eine besondere Begabung dafür, einfach und volkstümlich in einem norwegisierten Dänisch zu schreiben, aus dem Knud Knudsen später das moderne Bokmål entwickeln sollte. Wie „auffallend verständlich“ Vigs Prosa wirkte, geht aus einer Episode in Bjørnstjerne Bjørnsons En glad gut (Ein fröhlicher Junge) hervor, in der der junge Øyvind (der in vielerlei Hinsicht Ole Vig ähnelt) nach Hause schreibt, die Bücher von Ole Vig seien großartig, „denn darin verstehe ich alles“. Bjørnson erwähnt in seinen Bauernerzählungen sonst keine realen Personen.[2][6]

Norwegisches Theater

Ole Vig war sich des großen Potenzials des Theaters für die Verbreitung neuer kultureller Ideen bewusst und wurde Vorstandsmitglied der Norwegischen Schauspielschule (Den Norske Dramatiske Skole), die 1852 mit dem Christiania Norske Theater in der Møllergata 1 ihr eigenes Theater eröffnete. Dieses stand im bewussten Gegensatz zu dem dänischsprachigen und von dänischen Schauspielern dominierten Christiania Theater. Als Henrik Ibsen 1857 zum künstlerischen Leiter bestellt wurde, wurde ihm für die Auswahl der Stücke und die Einstellung von Schauspielern Ole Vig als Berater beigeordnet.[6][7][2]

Erschöpfung

Ole Vigs Grab, Vår Frelsers Gravlund

Der von Kindheit an mittellose Ole Vig wurde von der Volksbildungsgesellschaft karg entlohnt; seine Lebensbedingungen waren nach heutigem Verständnis „völlig unzumutbar.“ Für einen geringen Lohn und sehr viel mehr guten Worten scheint er sich in seinen letzten Jahren überarbeitet zu haben.[2] Im Herbst 1857 befiel ihn eine schwere „Bronchitis“ (d. h. eine Lungenentzündung[2]), die ihn „nach einigen Monaten energischen Widerstands seinerseits schließlich ins Krankenbett zwang“.[8] Eine Woche später, kurz vor Weihnachten, starb er, noch keine 34 Jahre alt, in seiner Wohnung in Pilestredet 31. Hier, in „Hjerterum“, hatte zuvor Henrik Wergeland gewohnt. Ole Vigs letzte Worte sollen gewesen sein: „Jetzt kann ich getrost im Namen Jesu einschlafen.“[6]

„Ole Vig starb in demselben Zimmer, in dem Henrik Wergeland zwölf Jahre zuvor gestorben war, und wurde am Heiligabend auf dem Vår Frelsers Gravlund in Kristiania beigesetzt – unter einer Beteiligung, wie sie seit Wergelands Beerdigung nicht mehr gesehen worden war.“[10] Die Schauspieler des Norwegischen Theaters trugen das Gedicht Stridsmann (Kämpfer) vor, das Ibsen für seinen Freund geschrieben hatte.[2]

Nachleben

Der einige Jahre ältere Aasmund Vinje besang in seinem schönen Gedicht Velfara til Ole Vig (Lebewohl, Ole Vig) das Männliche, das Treue und das Nationale in Vigs Charakter.[6]

Olaus Arvesen würdigte seinen Freund 1859 mit einer Ausgabe Ausgewählter Werke und einem biografischen Nachwort.

Der Bildungsverband (Utdanningsforbundet) der norwegischen Lehrerschaft legt jedes Jahr am 17. Mai einen Kranz auf Ole Vigs Grab nieder, das sich neben den Gräbern von Henrik Wergeland und Camilla Collett befindet.[10]

Auch die Norwegische Volkshochschule betrachtet Ole Vig als ihren Stammvater. 1864 gründeten Arvesen und Herman Anker die erste norwegische Volkshochschule, Sagatun in Hamar. Hier, von den Ruinen der Kathedrale aus, hatte Ole Vig in seinem Todesjahr auf einem Lehrertreffen mit Leidenschaft von der Bedeutung einer Volkshochschule für die Region gesprochen.[6]

Seit 1979 wird jährlich der Ole Vig-prisen verliehen an einen Kulturschaffenden zwischen 20 und 35 Jahren, der sich herausragend im Geiste Ole Vigs betätigt hat.

Werke

Ole Vig: Norske Bondeblomster. Poetiske Forsøg. Kristiansund 1851.

(Quelle:[2])

  • Liv i Norge. Vinteraftenslæsning for den norske Ungdom. (Leben in Norwegen. Winterabendlektüre für die norwegische Jugend.) Kristiansund, 1851 (Digitale Version).
  • Norske Bondeblomster. Poetiske Forsøg. (Norwegische Bauernblumen. Poetische Versuche.) Kristiansund, 1851 (Digitale Version: NasjonalbiblioteketRuneberg).
  • Religiøs Læsning for Folket. (Religiöse Lektüre für das Volk.) Christiania, 1852 (Digitale Version: NasjonalbiblioteketWikimedia).
  • Salmer og Sange til Brug ved Skolelærer-Møde. (Hymnen und Lieder für den Gebrauch bei Lehrerkonferenzen.) 1854.
  • (mit Ludvig Mathias Lindeman:) Sange og Rim for det norske Folk. (Lieder und Reime für das norwegische Volk.) Kristiania, 1854 (Digitale Version).
  • (Übersetzung:) Lars Lindrot: Kirketaler. (Kirchenreden.) 1854.
  • (Auswahl-Übersetzung:) Lars Lindrot: Aandelige Sange. (Andächtige Lieder.) 1854.
  • Norges Historie indtil Harald Haarfagre, tilligemed en udførlig Fremstilling av Normændenes gamle Kulturforhold. (Die Geschichte Norwegens bis Harald Schönhaar, zusammen mit einer ausführlichen Darstellung der alten Kulturverhältnisse der Normannen.) Kristiania, 1857 (Digitale Version).
  • (Herausgeber O. Arvesen:) Enkelte af Ole Vigs Arbeider til Folkelæsning. (Einige Werke von Ole Vig für die Volksbildung.) Kristiania 1859 (Mit Vorwort und Biografie) (Digitale Version: NasjonalbiblioteketWikimedia).
  • Skrifter i utval, I. (Ausgewählte Schriften 1.) Bergen 1916.
  • Skrifter i utval, II. (Ausgewählte Schriften 2.) Bergen 1924.
  • Den første fornorskings-ordlista. Ole Vigs Opskrift over norske Ord, som kan indføres i Skriftsproget. (Das erste Wörterbuch zur Norwegianisierung. Ole Vigs Rezept für norwegische Wörter, die in die Schriftsprache eingeführt werden können.) Dagfinn Rødningen, Lars S. Vikør und Dagfinn Worren. Trondheim 2020.
  • Zahlreiche Artikel in den Zeitschriften Folkevennen und Den norske Folkeskole 1852–1857.

Blant alle lande

Die ersten beiden Strophen, modernisierter Text nach[16]

Blant alle lande i øst og vest,
er fedrelandet mitt hjerte nest.
Det gamle Norge
med klippeborge,
meg huger best.

Fra Vesterhavet til kjølens rand,
fra Nordishavet til Kristiansand,
der har jeg hjemme
og kan istemme:
Mitt fedreland.

Unter allen Ländern im Osten und Westen
liegt mir mein Vaterland am meisten am Herzen.
Das alte Norwegen
mit seinen Felsenburgen
liegt mir am meisten am Herzen.

Vom Westmeer bis zu Schwedens Rand
vom Nordmeer bis Kristiansand,
dort bin ich zu Hause
und kann mit einstimmen:
Mein Vaterland.

Literatur

  • Vig, Ole. in: J. B. Halvorsen: Norsk Forfatter-Lexikon 1814–1880. Band 6: U–Ø. Den Norske Forlagsforening, Kristiania 1908, Seite 124–129 (Ausführliches Werksverzeichnis)(Digitale Version bei Projekt Runeberg).
  • O. Arvesen: Ole Vig. Norsk skoletidendes boktrykkeri, Hamar 1913 (Digitale Version).
  • Lars Eskeland: Ole Vig. Lunde, Bergen 1915 (Digitale Version).
  • Lars Eskeland: Minneskrift um Ole Vig. 6. februar 1824 - 6. februar 1924. Lunde & co, Bjørgvin 1924 (Digitale Version).
  • Anders Skrondal: Grundtvigianismen i Noreg. 2 Bände, Lunde, Bergen 1929 f.
  • Torstein Høverstad: Ole Vig. Ein norrøn uppsedar. Norrøn Livskunst, Hamar 1953.
  • Hans-Jørgen Dokka: Fra allmueskole til folkeskole. Studier i den norske folkeskoles historie i det 19. hundreåret. Universitetsforlaget, Oslo 1967.
  • Rune Slagstad: De nasjonale strateger. Pax, Oslo 1998, ISBN 82-53020-24-4.
  • Berit H. Johnsen: Ole Vig – ideen om en folkeskole. In: Sveinung Vaage, Harald Thuen (Hrsg.): Pedagogiske profiler. Norsk utdanningstenkning fra Holberg til Hernes. Abstrakt, Oslo 2004, ISBN 978-82-79350-74-3.
  • Arild Bye: Folkevennen Ole Vig. Aschehoug, Oslo 2014, ISBN 978-82-03-29460-0.
Commons: Ole Vig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Ole Vig – Quellen und Volltexte (norwegisch)
Wikisource: Folkevennen – Nach Jahrgängen (norwegisch)

Einzelnachweise

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