Opernhaus Düsseldorf (1695)
barockes Opernhaus in der der kurfürstlichen Residenzstadt Düsseldorf
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Das Opernhaus Düsseldorf war ein barockes Opernhaus in der der kurfürstlichen Residenzstadt Düsseldorf.

Geschichte
Wie der bergische Landschreiber Dietrich Graminäus überlieferte, kam in Düsseldorf bereits 1585 bei den mehrtägigen Feierlichkeiten zur Hochzeit des Herzogs Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg mit Jakobe von Baden-Baden mit dem Werk Orpheus und Amphion ein opernartiges Singspiel der Renaissance mit dramatischer Handlung und singenden Protagonisten auf einer eigens errichteten Simultanbühne zur Aufführung. Die Anfänge der barocken Düsseldorfer Hofmusik reichen in die Regierungszeit der Herzöge und Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm und Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg zurück, die eine Hofkapelle mit italienischen und deutschen Kapellmeistern unterhielten. Deren Aktivitäten erweiterten sich unter Herzog Philipp Wilhelm zu einer Hofoper und führten unter dem Herzog und späteren Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz und dessen erster Gemahlin Maria Anna Josepha von Österreich zu einer kulturellen Blüte als einem der Zentren der italienischen Oper im deutschsprachigen Raum.[1] In Düsseldorf gingen mit Sebastiano Moratellis und Giorgio Maria Rapparinis Werken Erminia ne boschi (1687), Erminia al campo (1688)[2] und Didone (1688) die ersten italienischen Vollopern über die Bühne.[3][4]
Wohl ab 1695 ließ Kurfürst Johann Wilhelm in seiner Residenzstadt an der Mühlenstraße neben dem Marstall ein Hofopernhaus errichten. Treibende Kraft des Projekts war die zweite Gattin des Kurfürsten, Anna Maria Luisa de’ Medici, die sich nicht länger mit behelfsmäßigen Opernaufführungen im Düsseldorfer Schloss zufriedengeben mochte und den Opernbau aus ihrer Privatschatulle mitfinanzierte. An der Berufung von Kunsthandwerkern für die künstlerische Ausgestaltung des Baus, vielleicht auch an den Bauplänen, war der seit 1694 in den Diensten des Kurfürsten stehende Architekt Matteo Alberti beteiligt.[5][6]
Der leicht schiefwinkelige Bau war nach Baurechnungen 9 rheinische Ruten lang und 4,5 breit (ca. 34 × 17 m). Der Zuschauerraum und das barocke Proszenium waren durch die Italiener Gorini und Gualardi reichlich mit Stuck verziert. Erhaltene Textbücher mit ihren szenischen Hinweisen lassen darauf schließen, dass ein hoher Standard der damaligen barocken Bühnentechnik vorhanden war. Theaterdekorationen wurden von dem Hofmaler und Bühnenarchitekten Antonio Maria Bernardi, einem Mitarbeiter Albertis, gestaltet.[7]
Am 12. Februar 1696 fand mit der Oper La Giocasta (1677) von Giovanni Andrea Moniglia die Einweihung des Gebäudes statt. In Gegenwart des Kurfürsten und seiner Gattin wurden dort in der Folgezeit mehr als 20 Opern aufgeführt. Allein im Jahr 1697 waren es vier Uraufführungen. Ein Höhepunkt war im Herbst 1703 die Aufführung der Oper La monarchia stabilita, die anlässlich des Besuchs des habsburgischen Erzherzogs Karl, der zum König von Spanien designiert worden war, von Giorgio Maria Rapparini (Libretto), Johann Hugo von Wilderer (Musik) und Georg Andreas Krafft (Ballett) komponiert und in 3 Akten und 49 Szenen einstudiert worden war.[8] 1709 wurde die Oper Tassilone von Agostino Steffani inszeniert. Weitere bekannte Künstler der Düsseldorfer Hofoper waren Sebastiano Moratelli, Carlo Luigi Pietragrua, Stefano Pallavicini, Valeriano Pellegrini, Johannes Schenck und Johann Sigismund Weiss.
Mit der Erkrankung und dem Tod des Kurfürsten kamen bis 1716 alle Vergnügungen am Düsseldorfer Hof zum Erliegen. Die kurpfälzische Hofkapelle, die 1711 sechzig Musiker umfasst hatte und ein Ensemble von europäischen Rang war,[9] wurde zunächst aufgelöst, aber bald in Mannheim reorganisiert, wo sie die Mannheimer Schule begründete. 1738 wurde die Düsseldorfer Hofoper für eine Nutzung als Reitschule der Marstall-Kaserne umgebaut. Zeitweise fand sie auch als Depot für Baumaterial Verwendung.[10] Im Juli 1758, während des Siebenjährigen Kriegs und kurz nach der Schlacht bei Krefeld, brannte das Gebäude in einem von Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel befohlenen Bombardement der von französischen Truppen unter Louis de Bourbon gehaltenen Stadt Düsseldorf nieder.[11] An seiner Stelle wurde 1764 bis 1766 das Statthalterpalais errichtet.[12]
Eine Ansicht von dem Gebäude ist nicht bekannt.[13] In der Handschriftensammlung des italienischen Hofbeamten Giorgio Maria Rapparini, der eine Reihe von Opernlibretti schrieb, findet sich jedoch eine Ansicht der Hofopernbühne in der Form einer Medaillenzeichnung.[14]
Literatur
- Friedrich Walter: Geschichte des Theaters und der Musik am kurpfälzischen Hofe (= Mannheimer Altertumsverein (Hrsg.): Forschungen zur Geschichte Mannheims und der Pfalz, Band 1). Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig 1898, S. 54 ff. (Link zum Digitalisat).
- Alfred Einstein: Italienische Musiker am Hofe der Neuburger Wittelsbacher (1614–1716). Neue Beiträge zur Geschichte der Musik am Neuburg-Düsseldorfer Hof im 17. Jahrhundert. In: Sammelbände der Internationalen Musik-Gesellschaft 9 (1907/1908), S. 336–424.
- Andreas Freiträger: Die Barockoper unter Jan Wellem (1679–1716). Studien zur Düsseldorfer Hofoper als Verherrlichung des Fürsten (= Düsseldorfer Familienkunde, Sonderheft Juni 1990). Düsseldorf 1990.
- Laura Windisch: Kunst. Macht. Image. Anna Maria Luisa de’ Medici (1667–1743) im Spiegel ihrer Bildnisse und Herrschaftsräume. Böhlau Verlag, Köln 2019, ISBN 978-3-412-51178-4, S. 153.
Weblinks
- Die Bühne des Kurfürstlichen Opernhauses mit wehendem Vorhang, Datenblatt im Portal emuseum.duesseldorf.de