Oscar Reichling
belgischer Widerstandskämpfer
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Oscar Arsène Reichling (* 6. Oktober 1919 in Limerlé, heute zu Gouvy; † 9. November 1942 in Lüttich), Lehrer an der „École normale“ in Aubel, war im Zweiten Weltkrieg ein belgischer Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische, deutsche Besatzungsmacht. Seine Muttersprache war Französisch.

Widerstand
Am 18. Mai 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht kampflos Brüssel und der belgische König Leopold III. unterzeichnete die Kapitulation der belgischen Armee. Es bildeten sich mehrere Widerstandsgruppen heraus. Reichling leitete mit seinem Bruder Roger das Netzwerk „Thibout-Léman“, das dem „Deuxième Bureau“ unterstellt war und Informationen über die deutschen Truppenbewegungen in Ostbelgien sammelte, um sie an die Alliierten weiterzugeben.[1]
Verhaftung und Hinrichtung
Er wurde am 26. Juli 1942 mit weiteren Mitgliedern seiner Gruppe von der in Montzen stationierten Wehrmacht an seinem Wohnort in Aubel verhaftet, zuerst im Saint-Leonard-Gefängnis in Lüttich[2], dann in der Zitadelle von Lüttich inhaftiert, daselbst vom Kriegsgericht, OFK 589 Lüttich[3], am 28. Oktober 1942 wegen Spionage, des Besitzes von Waffen und Munition und wegen Beihilfe zu Gewalttaten gegen Mitglieder der deutschen Armee[4] zum Tode verurteilt und am 9. November 1942, 9 Uhr, vor Ort erschossen. Er starb zusammen mit elf weiteren ebenfalls sehr jungen Gefangenen, darunter sein Bruder Roger[5], Jules Gengler, Antoine Robert[6] und Joseph Maréchal[7]. Sein dritter Bruder Joseph[8] konnte sich der Verhaftung entziehen, tauchte in der Maquis unter und überlebte den Zweiten Weltkrieg.
Auszeichnungen
Posthum wurde er ausgezeichnet mit dem Leopoldsorden, der Widerstandsmedaille (Médaille du résistant civil) und dem Kriegskreuz.[1]
Gedenken
- Gedenkkreuz mit Name auf seinem Grab, Friedhof der Widerstandskämpfer, dem „Geheimen Friedhof“ in Hechtel, Grab 90, Kurzbiographie mit Bild auf hechtel-eksel.be.
- Gedenkkreuz in der Zitadelle Lüttich, „Cimetière et monuments commémoratifs de l'enclos des Fusillés“, bel-memorial.org.
- Stele mit seinem Namen auf dem Marktplatz von Theux, Stèles aux morts des deux guerres, Marché Theux, bel-memorial.org. Reichling beendete seine Schullaufbahn an der École normale in Theux.
- Ehrentafel, „Martyrologes et tableau d'honneur 1940–1945“ mit Name in der „Chapelle Notre-Dame du Perpétuel Secours“ in Aubel, wo er als Lehrer an der „Ecole Normale“ arbeitete, bel-memorial.org.
- Denkmal mit Name in Beho, heute zu Gouvy, Gemeinde in der belgischen Provinz Luxemburg, bel-memorial.org.
- Abschiedsbrief. Der Unverheiratete schrieb am Abend vor seiner Hinrichtung einen letzten Brief an den Schulleiter der Schule in Theux, die er zuletzt besucht hatte: „Ich habe Ihnen während meiner Schuljahre viele Sorgen bereitet. Ich hoffe, dass Sie mir jetzt verzeihen und mich verstehen werden.“ In einem weiteren Brief, gerichtet an seine Familie, spricht er ebenfalls seine Schulzeit an: „Von dort oben (Himmel) werde ich über meine École Normale wachen. Ach, wo ist die schöne Zeit, da ich in der École Normale den Wildfang spielte?“[1]
Literatur
- Lettere di condannati, Turin 1954, übersetzt: Und die Flamme soll euch nicht verbrennen, Letzte Briefe europäischer Widerstandskämpfer, Berlin-Ost 1956, Seite 40–41.
Weblinks
- Staatsarchiv Belgien, Datensammlung zu den Widerstandskämpfern des 2. Weltkriegs, Reichling auf data.arch.be.
- Informationen zu den Gedenkorten auf bel-memorial.org.
- Kurzbiographie mit weiteren Informationen aufgelistet auf bel-memorial.org.
- Kurzbiographie zu seinem Grab auf dem sogenannten „Geheimen Friedhof“ in Hechtel, hechtel-eksel.be.
- Belgisches Kriegsregister der Gefallenen, wardeadregister.be.
- Grundlegende Angaben im belgischen Kriegsregister der Gefallenen, wardeadregister.be.