Ostervilm
künstliche Plattform im Greifswalder Bodden vor der Küste von Mecklenburg-Vorpommern
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Als Ostervilm wird eine 710 Quadratmeter große Plattform östlich der Insel Vilm im Greifswalder Bodden vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns bezeichnet. Sie wurde in den 1950er-Jahren von der Volksmarine der DDR als Entmagnetisierungsstation für Militärschiffe errichtet und erhielt den Namen Ostervilm im Jahr 2001. Die genaue Bezeichnung der Insel durch die NVA ist bisher unklar, aber es gibt die Bezeichnungen Entmagnetisierungsstation Lauterbach und Entmagnetisierungsstation bei Lauterbach. Die Bezeichnung dürfte sich vom Dorf Lauterbach in der Nähe der Plattform ableiten.

Lage
Die Plattform befindet sich im Greifswalder Bodden vor der Südküste der Insel Rügen zwischen der Halbinsel Reddevitzer Höft und der Insel Vilm, die 3 km weiter westlich liegt. Sie ist nur per Boot erreichbar und liegt im Biosphärenreservat Südost-Rügen.[1]
Geschichte
Bau und Nutzung in der DDR
Die Plattform wurde um 1954 auf rund 600 Holzpfählen in zehn Meter Wassertiefe errichtet. Die Anlage diente der Entmagnetisierung von Kriegsschiffen, um deren magnetische Signatur zu reduzieren und sie gegen magnetische Minen und Torpedos zu schützen. Zu diesem Zweck waren Kabelschleifen am Meeresboden verlegt, über die Messungen und Entmagnetisierungsvorgänge durchgeführt wurden. Drei Matrosen der Volksmarine waren auf der Insel stationiert. Sie mussten per Boot mit Lebensmitteln und Trinkwasser versorgt werden.
Zustand nach 1990
Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde die Anlage nicht weiter militärisch genutzt. Seevögel nutzten sie als Rast- und Brutplatz und sie verfiel. 2001 erwarben zwei Privatpersonen die Plattform vom Bundesvermögensamt und wollten sie in einen Treffpunkt und Arbeitsort für Künstler umgestalten. Sie gaben der Anlage den Namen Ostervilm.[2] Die Besitzer reinigten die Plattform über Monate von Vogelkot. Als die Sanierungskosten wegen des Bootstransports von Material in die Höhe schossen, gaben sie auf.[3] Stand 2026 ist die Plattform stark marode; große Teile der Holzkonstruktion sind eingestürzt oder beschädigt.
Auf Ostervilm befindet sich eine etwa 1,3 Tonnen schwere Keramikskulptur in Form einer Glocke. Sie stammt von dem Künstler Gerhard Benz, einem der Vorbesitzer der Plattform. Sie ist separat veräußerbar und gilt als markantes Element der Anlage.[4] Die bisherigen Besitzer versteigerten die Insel im Juni 2026.[5]
Auktion 2026
Am 4. Juni 2026 wurde die Plattform unter dem Namen Ostervilm in Hamburg versteigert. Das Mindestgebot lag bei 39.000 Euro, der Zuschlag erfolgte bei 60.000 Euro an einen österreichischen Bauunternehmer.[6] Versteigert wurde kein Grundstück, sondern ein Nutzungsrecht. Die jährliche Pacht für die Wasserfläche beträgt etwa 75 Euro. Der Käufer kündigte an, in Zusammenarbeit mit dem hannoverschen Kreativunternehmer Daniel Pflieger die Plattform umzugestalten. Als mögliche Nutzungsarten wurden von dem neuen Besitzer zunächst ein Tonstudio oder ein Tagungs- oder Hochzeitsort genannt.[7]
Der österreichische Bauunternehmer hatte Ostervilm ersteigert, ohne die Plattform besichtigt zu haben. Die Idee, aus Ostervilm eine Eventlocation zu machen, gab er nach einer Besichtigung sofort auf. Es zeigten sich diverse Schäden auf Ostervilm. Sowohl die Böden als auch die Gebäude waren durch Witterung und Vandalismus beschädigt. Der Betonboden hat Risse und der Stahl der Gebäude und des Unterbaus hat Rost angesetzt. Daher nahm der neue Besitzer Abstand von einer Umgestaltung und übereignete die Plattform am 16. Juli 2026 an den Kreativunternehmer Daniel Pflieger. Er will das Objekt in eine Genossenschaft überführen, um eine Million Euro für Renovierungen und Umbau zusammenzubekommen. An der Genossenschaft soll man 1000 Anteile zu je 999 Euro kaufen können.[8] Die Insel soll später unter der Bezeichnung Eden Island als „Kreativparadies“ für Kunst und Kultur genutzt werden, evtl. als Tonstudio und für Künstlerwohnungen.[9] Die Verbraucherzentrale in Mecklenburg-Vorpommern sieht die Genossenschaft kritisch und spricht von einem sehr hohen Risiko.[10]
Technische Daten
- Fläche: ca. 710 m² (davon ca. 250 m² nutzbar)
- Fundament: etwa 600 Holzpfähle
- Baujahr: ca. 1954
- Nutzung: Entmagnetisierungsstation der DDR-Volksmarine
- Zugang: ausschließlich per Boot
Weblinks
- Foto von Ostervilm
- Auktionsangebot 2026 bei Norddeutsche Grundstücksauktion (NDGA) und Beschreibung
- »Nicht, dass wir zu viel bezahlen für eine Schrottimmobilie«, Spiegel Online vom 4. Juni 2026
- Uwe Driest: Neue Besitzer von Rügens künstlicher Insel zeigen erstmals Bilder: Luxus statt Vogelkot in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 6. Juni 2026
- Versteigerte Militärinsel: Künftige Nutzung trifft auf rechtliche Hürden bei ndr.de vom 8. Juni 2026
- Verlassene Militärinsel vor Rügen: Schäden größer als vermutet bei ndr.de vom 20. Juli 2026
- TAG24 besucht Mini-Insel vor Rügen: Lost Place sucht schon wieder neue Besitzer, Bilder und Film bei tag24.de vom 21. Juli 2026