Otto Pankok

deutscher Maler, Zeichner und Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Otto Pankok (* 6. Juni 1893 in Mülheim an der Ruhr; † 20. Oktober 1966 in Wesel) war ein deutscher Maler, Graphiker und Bildhauer.

Otto Pankok, von Adalbert Trillhaase, 1920er Jahre
Ehrentafel am Haus in Düsseldorf-Oberkassel

Sein Lebenswerk umfasst etwa 6000 Kohlezeichnungen, 800 Holzschnitte, 800 Radierungen, 500 Lithographien, Steinschnitte und Monotypien, 3500 Zeichnungen für die Düsseldorfer Zeitung Der Mittag und über 200 Plastiken.

Zu Pankoks Hauptwerken zählt die 1933/34 geschaffene „Passion“, ein Zyklus von 60 großformatigen Kohlezeichnungen, in dem er für den Mitmenschen und für verfolgte Minderheiten eintrat und dabei deutliche Kritik an der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft übte. Hierfür erhielt der Künstler ein Malverbot; seine Kunst galt als „entartet“ und er musste bis 1945 mehrfach fliehen.

1950 entstand seine gegen die Wiederaufrüstung gerichtete Holzschnittarbeit „Christus zerbricht das Gewehr“, die später zum Symbol der internationalen Friedensbewegung wurde.

Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrte 2013 Otto Pankok gemeinsam mit seiner Frau Hulda Pankok, geborene Droste, als „Gerechte unter den Völkern“,[1] weil sie ihren Malerfreund Mathias Barz und dessen jüdische Ehefrau Brunhilde vor der Gestapo versteckt hatten.[2]

Leben

Haus in Düsseldorf-Oberkassel
Pankok-Haus in Mülheim an der Ruhr

Otto Pankok wurde am 6. Juni 1893 in Mülheim-Saarn als jüngster von zwei Söhnen des Sanitätsrats Eduard Pankok und dessen Ehefrau Marie Frühling geboren. Der Vater führte dort eine Arztpraxis, die später Ottos Bruder, Adolf Pankok, übernahm.[3]

Studium und Aufenthalt in Dötlingen

Nach dem Abitur 1912 am Staatlichen Gymnasium in Mülheim begann Otto Pankok 1913 im Alter von 20 Jahren sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf und der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für bildende Kunst in Weimar. 1913 konnte er dank der Vermittlung des Oldenburger Kunstkritikers Wilhelm von Busch (1868–1940) in der Kunsthandlung Oncken in Oldenburg in einer Kollektivausstellung erstmals eigene Werke zeigen. Im Frühjahr 1914 brach er sein Studium kurzentschlossen ab.

Um sich autodidaktisch weiterzubilden, zog Pankok mit seinem Studienfreund Carl Lohse Carl Lohse in die Dötlingen. Er hatte sie bereits 1913 mehrfach besucht hatte und dort im Sommer 1913 dank der finanziellen Unterstützung seiner Großmutter einen reetgedeckten Spieker kaufen können. 1914 unternahm er mit Werner Gilles eine Studienreise nach Holland. Die dortigen Eindrücke und die niederländische Malerei gingen in seine Motivwelt ein. Rückblickend auf seine Zeit in Holland und in Dötlingen schrieb er 1962: „So stand ich mit dem Rücken nach Deutschland, zugewandt der niederländischen Ebene – an deren Rand ich wohnte.“[4] Zudem hielt er sich in Paris auf. Nach zwei Monaten kehrte er nach Dötlingen zurück, wo Freunde und Kollegen ihn wiederholt auf Wochen besuchten, unter ihnen Hermann Hundt (1894–1974), Richard Gessner (1894–1989), Gert Heinrich Wollheim (1894–1974), Adolf de Haer (1892–1944) und Werner Gilles (1894–1961). Richard Gessner behielt den Vers an der Tür von Pankoks Kate im Gedächtnis:

„Hier wohnt Otto Pankok. Man stör’ ihn nicht, man hüt’ sich wohl, sonst schießt er gleich mit dem Pistol.“

Im Herbst 1914 zeigte Pankok seine ersten Dötlinger Arbeiten im Lappan in Oldenburg. Ähnlich unbeschönigt wie Vincent van Goghs frühe Werke hielten die Dötlinger Kohlezeichnungen Otto Pankoks fest, was er sah, wie die „einfachen Leute“ in Armut, Dreck und Krankheit lebten.

Außer mit der Malerei befasste sich Pankok in Dötlingen den Hünengräbern im Umkreis. Er schien einer Raubgrabung nicht abgeneigt. Er würde, so schrieb er im Juni 1913 nach Hause, „wahrscheinlich den Inhalt eines Hünengrabes mitbringen, Urnen mit Knochen und Asche.“ Im Mai 1914 berichtete er von einem Ausflug zur berühmten „Visbeker Braut“ und teilte dem Vater vor Ende seines Dötlinger Aufenthaltes mit: „In den letzten Tagen habe ich nicht mehr buddeln können wegen des Regens. Ich habe jetzt drei Töpfe, die ich zusammenflicken muss. Wie ich die nach Hause kriege, weiß ich noch nicht. Die Knochen werde ich nächstens schicken.“

Dötlingen war für Otto Pankok kein Zwischenaufenthalt, sondern die erste Erfahrung einer freien Künstlerexistenz. Rückblickend schrieb es 1930: „Es begann ein herrliches Jahr in Dötlingen in ungeheurer Einsamkeit, ein Schwelgen in Kohle und Papier, ein Suchen nach dem Wesen des Menschlichen bei armen abgetriebenen Weibern und Taglöhnerinnen, die wie aus dem Sandboden aufgewachsen waren, fraßen, was sie der Erde abrangen, in Tuberkulose und Schmutz hinstarben und wieder völlig zu Erde wurden. Ich suchte der Natur und den Elementen so nahe zu sein wie diese einfachen Menschen in ihren Hütten und auf ihren Feldern, zu denen mein Instinkt mich getrieben. Ohne dieses eine rauschhafte Jahr des Anfangs und der Bestätigung wäre die Folgezeit nicht ertragbar gewesen. Als es vorüber war, standen eines Tages feldgraue Posten an den Eisenbahnlinien.“

Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg

Der Stellungsbefehl erreichte Otto Pankok im Dezember 1914. Er schenkte seine Kate den Dorfarmen und verließ Dötlingen. Nach einem Offizierskurs kam er an die Westfront nach Nordfrankreich und erlebte die ersten Materialschlachten des Krieges. Im Frühjahr 1915 wurde er bei einer Grabensprengung verschüttet. Die Aufmerksamkeit seines Putzers Peter Grundmann bewahrte ihn davor, als vermeintlicher Toter auf dem Schlachtfeld zurückgelassen zu werden. Pankok verbrachte die beiden folgenden Jahre in Lazaretten und Sanatorien, ehe er 1917 aus dem Militärdienst entlassen wurde. Im Hungerjahr 1917 lebte er in Berlin.

Das Kriegserlebnis wurde für ihn, wie für Max Beckmann, George Grosz, John Heartfield, Käthe Kollwitz und viele andere Künstler, zum Schlüsselerlebnis unmenschlicher und verantwortungsloser Politik mit tiefgreifenden Konsequenzen für ihr Leben, ihre Wertvorstellungen und ihre Kunst.

Die Weimarer Zeit

Nach mehreren Reisen nach Berlin sowie mit Ulfert Lüken und Gert Heinrich Wollheim nach Remels in Ostfriesland ließ er sich 1919 in Düsseldorf nieder. Er trat der Künstlergruppe Junges Rheinland bei, zu der auch Otto Dix zählte, und engagierte sich in einem links orientierten rebellischen Künstlerkreis um Johanna Ey mit Veröffentlichungen in der Zeitschrift Das Junge Rheinland, in den Mappen Aktivistenbund und Das Ey. Wollheim, Dix, de Haer und Pankok pflegten zu dieser Zeit eine tiefe Künstlerfreundschaft, die sich in zahlreichen gemeinsamen Ausstellungen zeigte.

1921 heiratete er die Journalistin Hulda Droste. Die darauffolgenden Jahre waren gefüllt mit vielen Reisen, unter anderem nach Weimar, an die Ostsee, den Niederrhein, die Niederlande, Italien, Frankreich und Spanien. In der Brend’amourstraße 65 in Düsseldorf-Oberkassel baute das Ehepaar 1924 ein Giebelhaus nach holländischem Vorbild, welches sie nach der Geburt der Tochter Eva 1925 bezogen.[5] 1931 begann seine Freundschaft mit den „Zigeunern“ in der damaligen „wilden Siedlung“ im Düsseldorfer Heinefeld,[6][7] im heutigen Stadtteil Unterrath gelegen. Sinti blieben ein künstlerisches Thema, das ihn bis an sein Lebensende immer wieder fesselte, und bei denen er viel Zeit verbrachte.

„Ach, Freunde, wohin seid ihr verweht, wo seid ihr zertreten, in welche Gruben haben euch schutzlose Kinder die Würger verscharrt wie Dreck? Man zerrte sie fort in die Todeslager und die östlichen Schlachthäuser. Wir hörten die Kinder schreien und die Mütter schluchzen unter den Peitschen der braunen Henker. Noch bevor die Synagogen aufloderten, waren die Zigeunerfamilien hinter den Gittern des Stacheldrahtes zusammengepfercht, um später das jüdische Schicksal in den Todeslagern des Ostens zu teilen.“[8]

Pankok vergleicht damit 1947 den Völkermord an den Sinti und Roma mit dem Holocaust und benennt das Ineinandergreifen von Internierung, Deportation und Ermordung bei beiden Opfergruppen.

In NS-Staat

Der Nationalsozialismus war für ihn der Grund, sich 1935 nach Haus Langen im Münsterland zurückzuziehen. Dies war der Beginn einer elfjährigen inneren Emigration. 1936 erteilten die Nazis dem Künstler ein Arbeitsverbot. 1937 beschlagnahmte man 56 seiner Werke aus deutschen Museen. In München und an den anderen Ausstellungsorten zeigte die Ausstellung „Entartete Kunst“ drei Druckgraphiken von Pankok.[9]

In diesen Jahren hielt er sich in Gildehaus in der Grafschaft Bentheim in einem idyllischen Ausläufer des Teutoburger Waldes auf, danach bis 1941 in Bokeloh bei Meppen im Emsland. Der Schriftsteller Jakob Kneip riet seinem Düsseldorfer Künstlerfreund Otto Pankok, sich, wie er es soeben getan hatte, auch in die Eifel „sicher“ zurückzuziehen. Pankok bezog 1941 zunächst ein kleines, versteckt gelegenes Fachwerkhaus am Mühlenbach in Iversheim. Ein halbes Jahr später besorgte Kneip ihm eine Unterkunft, das „verfallene“ Ferienhaus eines Kölners, am Waldrand in der Nähe eines Steinbruchs in Pesch.

Nachkriegszeit

Nach der Renovierung dieses Hauses blieb Pankok mit Frau Hulda und Tochter Eva bis 1946. Da das Düsseldorfer Wohnhaus der Familie 1942 ausgebombt worden war, holte Pankok seine Möbel nach Pesch in der Eifel, aber nach dem Wiederaufbau ihres Wohnhauses kehrte die Familie 1946 nach Düsseldorf zurück. 1947 wurde Otto Pankok als Professor an die Kunstakademie berufen und unterrichtete bis 1958 die Zeichen- und Grafikklasse.[10] Schüler waren unter anderem Günter Grass, Herbert Zangs, Werner Persy, Günther Uecker und Franz Witte. Günter Grass setzte mit der Figur „Professor Kuchen“ in seinem Roman „Die Blechtrommel“ Otto Pankok ein literarisches Denkmal.[10] In dieser Zeit unternahm er immer wieder Reisen nach Jugoslawien und Frankreich, bis die Familie am Ende seiner Lehrtätigkeit nach Haus Esselt in Drevenack am Niederrhein zog.[11]

Otto Pankok starb am 20. Oktober 1966 in Wesel.

Werk

Mädchen mit Ball, Mülheim an der Ruhr, Saarn

Otto Pankoks Werke stehen unter dem Einfluss seines großen Vorbildes Vincent van Gogh und werden aufgrund ihrer Linienführung und Farbpalette meist dem expressiven Realismus zugeordnet. Typisch für Otto Pankok sind großformatige Kohlegemälde (monochrom). Er hat ein umfangreiches druckgrafisches Werk hinterlassen. Seine Holzdrucke und Monodrucke sind im Gegensatz zu den Gemälden oft von einer zurückhaltenden Farbigkeit. Die Bilder zeigen Menschen, Tiere und Landschaften, realistisch und expressiv. Über viele Jahrzehnte widmete er sich inhaltlich vor allem dem leidenden Menschen und den Menschen am Rande der Gesellschaft. Auf seinen vielen Reisen malte er die Verarmten und Ausgestoßenen ebenso wie wilde Landschaften in strömendem Regen oder stürmischem Wind. Otto Pankoks Bilder aus der Zeit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten hatten eine dunkle, apokalyptische Ausstrahlung. Der in den Jahren 1931 bis 1934 aus 60 Zeichnungen entstandene Zyklus „Passion“, von dem eine Buchausgabe zwar noch im Berliner Euphorion-Verlag des Ernst Rathenau gedruckt werden konnte, aber vor dem Verkauf eingezogen und eingestampft wurde, war eine kalkulierte Provokation. Viele Modelle waren mit Pankok befreundete „Zigeuner“ vom Düsseldorfer Heinefeld. In diesem Zyklus reflektierte er das Leiden des Menschen unter der Gewalt des NS-Staates, auch die Folterungen, die sein Freund, der Maler Karl Schwesig, erleiden musste.[12] 1936 folgte der Zyklus „Jüdisches Schicksal“. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erinnerten seine Bilder wieder an die Zeit vor seinem Malverbot. Zuletzt wandte er sich mit seinem letzten Zyklus „Der große Pan ist tot“ auch besonders der gefährdeten Natur zu.

Eines seiner bekanntesten Werke ist der 1950 geschaffene Holzschnitt „Christus zerbricht das Gewehr“.[13] Dieses Bild wurde im Rahmen späterer Friedensbewegungen häufig abgedruckt; unter anderem verwendete das Wochenmagazin der Spiegel den Holzschnitt in koloriert abgewandelter Form im Juni 1981 (Ausgabe 25/1981) auf dem Titelbild als Aufmacher für eine seiner ersten großen Reportagen über die zu der Zeit von einer öffentlichkeitswirksamen Massenbasis getragene Friedensbewegung gegen den NATO-Doppelbeschluss.[14] (vgl. auch Zerbrochenes Gewehr).

Eine Hommage an einen Künstlerkollegen ist das nur schwarz-weiß überlieferte, eigentlich farbige Bild Henri Rousseau, Maler und Zöllner. Es zeigt Rousseau als älteren Mann im sparsam möblierten Zimmer. Er sitzt am Tisch, vor ihm liegt eine Geige, die er spielte und schätzte. Auf Pankoks Bild stützt der Zöllner seinen Kopf auf die rechte Hand, wirkt nachdenklich und müde. An der Wand hängen einige seiner Werke, darunter, bis in Einzelheiten genau wiedergegeben, La Carriole du Père Junier.[15]

Otto Pankok war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[16] Sein Lebenswerk umfasst über 6000 Kohlezeichnungen, fast 800 Holzschnitte, über 800 Radierungen, ungefähr 500 Lithographien, Steinschnitte und Monotypien sowie zahlreiche Zeichnungen für die Düsseldorfer Zeitung „Der Mittag“ und über 200 Plastiken.

Des Malers 10 Gebote

1930 notierte Otto Pankok seine „Zehn Gebote“ für einen Maler:[17]

  1. „Du sollst den Kitsch riskieren.
  2. Du sollst nicht für Ausstellungen malen.
  3. Du sollst einen Baum für wichtiger halten als eine Erfindung von Picasso.
  4. Du sollst dich vor dem persönlichen Stil hüten.
  5. Du sollst nur deinen Träumen trauen.
  6. Du sollst deine schlechten Bilder schnell vergessen.
  7. Du sollst deine guten Bilder nicht anbeten.
  8. Du sollst vor jedem Bild, das du beginnst, das Gefühl haben, es wäre dein erstes.
  9. Du sollst krass ablehnen, was dir nicht passt, und wäre es Rembrandt oder Chagall.
  10. Du sollst das Publikum nicht für dümmer halten als dich selbst.“

Nachleben

Die Otto-Pankok-Stiftung und die Otto-Pankok-Gesellschaft kümmern sich seit 1968 um die Pflege seines Werkes.

Einer von Pankoks Schülern, der Schriftsteller Günter Grass, gründete 1997 den nach seinem Lehrer benannten Otto-Pankok-Preis.

Ausstellungen

Ständige Ausstellungen

Wanderausstellungen

Weitere Ausstellungen (Auswahl)

  • 1913: erste Einzelausstellung
  • 1935: „Die Passion“, Mülheim an der Ruhr und Münster
  • 1947: große Ausstellung in der Hamburger „Kunstrunde“[19][20]
  • 1956 in Gelsenkirchen: Otto Pankok: Die Passion: Ein Zyklus aus den Jahren 1933–34, mit Katalog, Herausgeber Stadt Gelsenkirchen[21]
  • 1958 in Gelsenkirchen: Otto Pankok: Die Räuber vom Liang Schan Moor, Holzschnitte, mit Katalog
  • 1961 in Berlin: Otto Pankok – Handzeichnungen, Druckgraphik, Plastik von der Sektion Bildende Kunst der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin, mit einem von John Heartfield gestalteten Katalog
  • 1990 im Bundeskanzleramt Bonn: Otto Pankok – Kunst im Widerstand, mit Katalog

Ehrungen

Posthume Ehrungen

  • 1968: Zwei Jahre nach dem Tod des Künstlers: Gründung der Otto-Pankok-Gesellschaft, der Otto-Pankok-Stiftung und des Otto-Pankok-Museums in Esselt durch seine Ehefrau Hulda Pankok und seine Tochter Eva Pankok[24]
  • 1974: Otto-Pankok-Schule. Name des Gymnasiums in Mülheim an der Ruhr, an dem Pankok bis zu seinem Abitur 1912 selbst Schüler gewesen ist, wird in Otto-Pankok-Schule umbenannt.
  • 1977: Anerkennung der gemeinnützigen Otto-Pankok-Stiftung, Hünxe
  • 1981: Die Ausgabe 25/1981 des Nachrichtenmagazins Der Spiegel hat die neue Friedensbewegung Anfang der 1980er Jahre (gegen die Atomare Aufrüstung) zum Leitthema und verwendet als Titelbild seines Heftes den abgewandelten Holzschnitt „Jesus zerbricht das Gewehr“ (1950)[25]
  • 1986: Grundschule in Hünxe-Drevenack wird in Otto-Pankok-Schule umbenannt.
  • 1993: Die Deutsche Bundespost bringt eine 100 Pfennig-Sondermarke mit dem Motiv Meer und Sonne zu Ehren Pankoks heraus (Serie „Deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts“).
  • 1997: Die Bronzefigur Ehra oder Kind mit Ball (1955) wird zum Gedenken an die Sinti und Roma, die durch den Nationalsozialismus Opfer des Völkermordes wurden, am Alten Hafen in Düsseldorf aufgestellt.
  • 1997: Gründung des Otto-Pankok-Preises durch den Schriftsteller Günter Grass, der auf der Kunstakademie in Düsseldorf Schüler Pankoks war.
  • 2008 schrieb Angela Merkel: „Die Ausstellung „Sinti-Porträts 1931 bis 1949“ ist eine Hommage an einen der bedeutendsten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts. Seine Werke erzählen viel über Menschlichkeit und Anteilnahme in Zeiten grausamer Terrorherrschaft. Sie sind ein aufrüttelndes Zeugnis des Widerstands der Bildkunst gegen das nationalsozialistische Regime. Otto Pankok selbst beschrieb seine Arbeit 1936 … treffend als „Stellungnahme im Kampf gegen alles das, was das Leben gemein, sinnlos und eng macht“. Diesen Kampf hat Otto Pankok sein Leben lang unbeugsam gefochten.“[26]
  • 2014: Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrte Otto Pankok gemeinsam mit seiner Frau Hulda Pankok, geborene Droste, als „Gerechter unter den Völkern“,[27] weil sie ihren Malerfreund Mathias Barz und dessen jüdische Ehefrau Brunhilde vor der Gestapo versteckten.[28]
  • Straßenbenennungen in Mülheim, Düsseldorf, Neuss und Hünxe
  • Nach Otto Pankok benannte Wanderwege: drei Rundwanderwege, Haus Esselt in Hünxe-Drevenack (u. a. Pankoks Pättken durch den Naturpark Hohe Mark) und der Otto-Pankok-Malerweg entlang der Hase in Meppen-Bokeloh (Emsland, seit 2012)

Siehe auch

  • Automeile Höherweg: die spätere Geschichte des Düsseldorfer Areals, wo Pankok die Sinti nach ihrer Vertreibung vom Heinefeld weiterhin traf und abbildete[29]

Literatur

Werkverzeichnis

Das Werkverzeichnis ist auf 10 Bände angelegt und wurde bzw. wird von Hulda Pankok (bis 1985) und Eva Pankok (bis 2016) und der Otto-Pankok-Gesellschaft herausgegeben. Bis heute (2025) erschienen vier Bände:

  • Band 1: Rainer Zimmermann (wissenschaftliche Beratung, Bearbeitung und Einleitung), Rolf Jäger (Mitarbeit): Otto Pankok. Die Holzschnitte. Droste-Verlag, Düsseldorf 1985, ISBN 3-7700-0671-2 (vollständige Abbildung und Auflistung aller 800 Holzschnitte mit Konkordanz).
  • Band 2: Rainer Zimmermann (Einleitung), Rolf Jäger (Bearbeitung): Otto Pankok. Die Radierungen. Droste-Verlag, Düsseldorf 1990, ISBN 3-7700-0736-0 (vollständige Abbildung und Auflistung aller 800 Radierungen mit Konkordanz).
  • Band 3: Susanne Timm (Einleitung und Bearbeitung): Otto Pankok. Die Lithographien, Steinätzungen und Monotypien. Droste-Verlag, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-1025-6 (vollständige Abbildung und Auflistung aller ca. 70 Lithographien, 150 Steinätzungen, 250 Monotypien. Liste aller ca. 200 Einzelausstellungen und 240 Ausstellungsbeteiligungen bis 1994, siehe dazu auch die Dissertation von Susanne Timm, 1989).
  • Band 4: Wolfgang Fenner (Bearbeitung): Die Pressezeichnungen. Droste-Verlag, Düsseldorf 2002, ISBN 3-7700-1148-1 (vollständige Auflistung aller ca. 3500 Pressezeichnungen von 1924–1936, ca. 380 Abbildungen).

Außerhalb der Reihe ist bereits 1968 in Verbindung mit einer Ausstellung in Ludwigshafen ein Werkverzeichnis der Skulpturen / Plastiken erschienen:

  • Rainer Zimmermann (Einleitung) / Berthold Roland (Bearbeitung), Otto Pankok. Das plastische Werk bzw. Otto Pankoks plastische Gestalten. Erste Gesamtübersicht und Werkkatalog der Skulpturen von Otto Pankok (= Schriftenreihe der Otto-Pankok-Gesellschaft). Kunstverein Ludwigshafen 1968. Ausstellungskatag, DIN A 4, broschiert, ca. 200 Abbildungen, ca. 70 Seiten.

Weitere Schriften über Otto Pankok

  • Hans-Dieter Arntz: Otto Pankok und Mathias Barz in der Eifel. In: Hans-Dieter Arntz: Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischen Grenzgebiet. Volksblatt Kümpel, Euskirchen 1990, S. 706–712.
  • Hans-Dieter Arntz: Der Maler Otto Pankok als Lebensretter im Dritten Reich. In: Eifel-Jahrbuch, Jg. 2012, S. 71–81 (online, abgerufen am 1. November 2025).
  • Nils Aschenbeck: Künstlerkolonie Dötlingen. Aschenbeck & Holstein, Bremen 2005, ISBN 3-932292-78-2.
  • Erich Bockemühl: Otto Pankok, der Mensch und der Künstler. In: Kreisverwaltung Rees (Hrsg.): Heimatkalender Landkreis Rees, Jg. 1961, S. 64–69.
  • Michaela Breckenfelder: Der Künstler als „Theologe“ – Die religionsdidaktische Aufarbeitung geeigneter Bildwerke Otto Pankoks für den Religionsunterricht. Dissertation. Universität Leipzig, 2011, urn:nbn:de:bsz:15-qucosa-71292.
  • Johanna Ey, Conrad Felixmüller, Gerth Schreiner, Paul Westheim, Gert Heinrich Wollheim und andere: Dix, Pankok, Wollheim. Freunde in Düsseldorf 1920–1925. Remmert & Barth, Düsseldorf 1989.
  • Karola Fings, Frank Sparing: „Ach Freunde, wohin seid ihr verweht …?“ Otto Pankok und die Düsseldorfer Sinti. 1993; 2., überarbeitete Aufl. 2006. Herausgegeben von der Johanneskirchen-Gemeinde und der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf (Katalog einer ausleihbaren Wanderausstellung).[30]
  • Günter Goebbels: Von Remels nach Düsseldorf. Ein Künstlertreffpunkt in Ostfriesland 1919. In: Gertrude Cepl-Kaufmann, Gerd Krumeich und andere (Hrsg.): Krieg und Utopie. Kunst, Literatur und Politik im Rheinland nach dem Ersten Weltkrieg. Begleitband zur Ausstellung. Klartext, Essen 2006, ISBN 3-89861-619-3, S. 75–83.
  • Günter Goebbels (Texte), Ralf Pütz (Vorwort und Redaktion): Otto Pankok 1893–1966. Verlag der Otto-Pankok-Gesellschaft, Hünxe, 2. Aufl. 2010.
  • Aloys Greither: Der junge Otto Pankok. Das Frühwerk des Malers. Herausgegeben von Eva Pankok. Droste-Verlag, Düsseldorf 1977, ISBN 3-7700-0467-1.
  • Winfried Hönes: Der Mann im Bart: Otto Pankok im Urteil der Literaten. In: Der Landrat (Hrsg.): Heimatkalender Kreis Wesel 1990. 1989, S. 53–62.
  • Kurt Holl (Hrsg.): Die vergessenen Europäer. Kunst der Roma – Roma in der Kunst. Verlag Rom e. V., Köln 2009, ISBN 978-3-9803118-8-5 (Katalog zur Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum; darin zu Otto Pankok: S. 136–139, mit acht teils großformatigen Abbildungen von 1932, und von 1943 bis 1948 aus dem Museum Hünxe und einem kurzen Text von Eva Pankok).
  • Wilhelm Hoon: Pankok, Otto. In: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.): Emsländische Geschichte. Band 9, Haselünne 2001, S. 250–255.
  • Wilhelm Hoon: Das Otto Pankok-Museum Gildehaus. In: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.): Emsländische Geschichte. Band 11, Haselünne 2004, S. 223–229.
  • Conrad-Peter Joist: Otto Pankok in der Eifel. In: Conrad-Peter Joist: Landschaftsmaler der Eifel im 20. Jahrhundert. Hrsg. Eifelverein, Düren 1997, S. 103–117.
  • Bernd Küster: Otto Pankok in Dötlingen. Ausstellung im Kreishaus Wildeshausen 1994.
  • Cyrus Overbeck: Otto Pankok: Maler, Grafiker, Bildhauer. Eine Biographie. Droste, Düsseldorf 1995, ISBN 3-7700-1045-0.
  • Eva Pankok: Mein Leben. Droste, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-7700-1272-5.
  • Eva und Hulda Pankok: Otto Pankok. Zeichnungen, Grafik, Plastik. Elefanten Press, Berlin 1982, ISBN 3-88520-082-1.
  • Hulda Pankok: Aus meinem Leben mit Otto Pankok. Hörbuch-Edition, Dehnen Verlag, 1976.
  • Jobst Moritz Pankok: Otto Pankok. Wahlverwandtschaften und Freundschaften in liebloser Zeit. In: Beate Ermacora, Anja Bauer (Hrsg.): Die geistige Emigration. Arthur Kaufmann, Otto Pankok und ihre Künstlernetzwerke. Kerber, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-86678-141-2, S. 22–28.
  • Otto Pankok: Sinti-Porträts 1931–1949. Hrsg. Eva Pankok, Romani Rose. Damm und Lindlar Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-9812268-3-6 (Aus dem Vorwort von Romani Rose: „Es gibt keinen anderen deutschen Künstler, in dessen Werk sich der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma so unmittelbar widerspiegelt wie bei Otto Pankok … In den Kohlebildern, die Pankok am Vorabend des »Dritten Reiches« im Düsseldorfer Heinefeld schuf, blicken uns Menschen entgegen, deren Spuren sich in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern verlieren. Pankoks nach dem Krieg entstandene Darstellungen von Düsseldorfer Sinti, die den Nazi-Terror überlebt hatten, gehören bis heute zu den bedeutendsten Beiträgen künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Holocaust an unserer Minderheit.“ Auf den Verlagsseiten gibt es 20 Beispielseiten aus dem Buch: weiterblättern. Beschreibung der Ausstellung: Sinti (Memento vom 16. September 2011 im Internet Archive) PDF).
  • Otto Pankok: Malerei der Verfolgten – verfolgter Maler. Begleitheft zur gleichnamigen Sonderausstellung im Stadtmuseum Andernach von 27. Januar bis 24. April 2011.
  • Berto Perotti: Begegnung mit Otto Pankok. Progress-Verlag Johann Fladung, Düsseldorf 1959.
  • Beate Reese (Hrsg.), Kohlebilder und Grafiken, Otto Pankok zum 120. Geburtstag. Ausstellungskatalog des Kunstmuseums Mülheim, Leipzig 2013. Darin: B.R., Das Jugendwerk von Otto Pankok, S. 6f; Anja Bauer, Wenn aus Zeichnungen Bilder werden, S. 8–88; Jörg Schmitz: Otto Pankoks künstlerischer Werdegang bis 1921., S. 89–104; Verzeichnis der ausgestellten Werke, ab S. 105. ISBN 978-3-86502-321-6.
  • Jens Roepstorff: Die Ächtung und Verfolgung von Künstlern im Nationalsozialismus am Beispiel von Otto Pankok. In: Beate Ermacora, Anja Bauer (Hrsg.): Die geistige Emigration. Arthur Kaufmann, Otto Pankok und ihre Künstlernetzwerke. Kerber, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-86678-141-2, S. 40–47.
  • Jens Roepstorff: Kunst unter dem Hakenkreuz. In: Mülheimer Jahrbuch 2009. S. 235–244.
  • Kurt Schifner: Otto Pankok. (= Künstler der Gegenwart, Band 5). Verlag der Kunst, Dresden 1958 (nur 12 S. mit 32 Tafeln.
  • Jörg Schmitz: Otto Pankoks künstlerischer Werdegang – Von den Anfängen bis zum Eintritt in die Künstlervereinigung Das Junge Rheinland. In: Kai Rawe (Hrsg.): Zeitschrift des Geschichtsvereins Mülheim an der Ruhr. Heft 90/2015, Mülheim 2015, S. 9–61.
  • Ulrich Schulte-Wülwer: Otto & Eva Pankok an der Flensburger Förde. Heide 2005. (Ausstellungskatalog Museumsberg Flensburg 2005)
  • Susanne Timm: Die Druckgraphik von Otto Pankok. Werkverzeichnis der Lithographien, Steinätzungen und Monotypien. Diss. phil. Universität Hamburg, 1989.
  • Rainer Zimmermann: Otto Pankok. Das Werk des Malers, Holzschneiders und Bildhauers. Rembrandt, Berlin 1964.
  • Rainer Zimmermann: Pankok, Otto. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 20. Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 33–34 (deutsche-biographie.de).
  • Pankok, Otto. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 26: Olivier–Pieris. E. A. Seemann, Leipzig 1932, S. 198 (biblos.pk.edu.pl).
  • Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus: Malerei der verschollenen Generation. Hirmer, Berlin 1994, ISBN 3-7774-6420-1, S. 428429.

Weitere Materialien

  • Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr, Bestand 883: Sammlung Otto Pankok
  • Film mit Erinnerungen über die Familie Pankok
  • Film: Der Maler Otto Pankok in der Eifel. 65 Min. Deutschland 2008. Regie: Dietrich Schubert; Kamera: Wilfried Kaute; auf DVD. Über den Zeitraum 1942–1946.
Commons: Otto Pankok – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

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