Otto Sutro

From Wikipedia, the free encyclopedia

Otto Sutro (* 24. Februar 1833 in Aachen; † 19. Januar 1896 in Baltimore) war ein deutsch-amerikanischer Musiker, Musikalienhändler und Konzertveranstalter.

Otto Sutro (1889)

Leben

Otto Sutro stammte aus einer jüdischen Familie, die in Aachen Textilien herstellte. Er war das fünfte von elf überlebenden Kindern des Ehepaars Emanuel Sutro (1791–1847) und Rosa, geb. Warendorff (1803–1883). Theodore Sutro und Adolph Sutro waren Brüder Ottos.[1]

Schon als Kind zeigte Otto Sutro „eine außerordentliche musikalische Begabung“[2] Er studierte am Königlichen Konservatorium in Brüssel, vor allem Orgelspiel bei Jacques-Nicolas Lemmens und Kompositionslehre bei François-Joseph Fétis.

Nach dem Tod von Emanuel Sutro wanderte Rosa Sutro 1850 mit acht Kindern in die USA aus und ließ sich in Baltimore nieder. Otto Sutro folgte bald, angelockt vom Kalifornischen Goldrausch, seinem Bruder Adolph nach San Francisco, kam jedoch schon 1858 zurück nach Baltimore. 1859 wurde er naturalisierter Staatsbürger der USA.

A musical soiree, Karikatur des Wednesday Clubs (1872)

In Baltimore, damals eine der größten Städte der USA und einer der bedeutendsten Einwanderungshäfen, war Sutro zunächst als Musiklehrer und Organist tätig. Aus musikalischen Soiréen in seiner Wohnung entstand der Wednesday Club.[3] 1868 eröffnete Sutro eine Musikalienhandlung. Aus kleinen Anfängen entwickelte sie sich zum führenden Geschäft der Region für Noten und Musikinstrumente, die Sutro meist aus Europa importierte.[2] Sutro wurde zum Generalvertreter der Klaviere und Flügel des fast gleichaltrigen William Steinway, der ihn auch durch Investitionen und Kredite unterstützte.[4] Auch ein Musikverlag gehörte zum Unternehmen.

Ende 1880 gründete er mit Fritz Fincke die Oratorio Society und war lange ihr Vorsitzender. Schon im ersten Jahr ihres Bestehens gab die Society im Mai 1881 eine monumentale Aufführung von Georg Friedrich Händels Messiah mit mehreren hundert Sängern.[5] 1883 gab es Joseph Haydns Die Schöpfung, und im April 1884 ein mehrtägiges Festival, bei dem Fincke Gioachino Rossinis Stabat Mater und die Uraufführung von Asger Hameriks Christian Trilogy dirigierte.[6]

Neben der Oratorio Society war Sutro Vorsitzender der Maryland Society of California Pioneers und seit 1891 Vorsitzender der Wagner Society in Baltimore.[1] Er reiste mehrfach zu den Bayreuther Festspielen; 1894 besuchte er auch Instrumentenbauer in Markneukirchen und Klingenthal.[7]

Sutro heiratete 1869 Arianna, geb. Handy, eine Pianistin und Tochter von Alexander H. Handy, des obersten Richters von Mississippi. Das Paar hatte zwei Töchter, Rose und Ottilie Sutro, die als Klavierduo berühmt wurden.

Seine Töchter ließen ihm in der Vorhalle der First & Franklin Presbyterian Church in Baltimore ein Denkmal setzen.[8]

Literatur

  • Deutsches Literarisches Bureau (Hrg.): Baltimore, seine Vergangenheit und Gegenwart: mit besonderer Berücksichtigung des deutschen Elements: mit Illustrationen. Baltimore: Bartgis 1887, S. 338
  • Sutro, in Carl Wilhelm Schlegel: Schlegel's German-American Families in the United States: Genealogical and Biographical, Illustrated.Band 2, New York 1917, S. 17–43, bes. S. 22
Commons: Otto Sutro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI