Oyo Rooms
Hotelkette aus Indien
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Oyo Rooms, ehemals OYO Hotels & Homes, ist ein indisches, technologieorientiertes Hotelunternehmen mit Sitz in Gurugram (Haryana). Es wurde 2013 von Ritesh Agarwal gegründet. Über die OYO-Plattform (Webseite und App) können Gäste Zimmer buchen, wobei OYO dafür Gebühren oder Provisionen erhebt. Das Unternehmen hat sich rasch international ausgedehnt; bis 2021 betrieb OYO nach eigenen Angaben über 100.000 Unterkünfte in mehr als 800 Städten weltweit[1] und 2024 sogar über 174.000 Hotels und andere Unterkünfte in mehr als 35 Ländern, die meisten davon unter einem Franchising-Modell.[2]
| Oyo Rooms | |
|---|---|
| Rechtsform | Privatunternehmen |
| Gründung | 2013 |
| Sitz | Gurugram, |
| Leitung | Ritesh Agarwal (CEO) |
| Mitarbeiterzahl | ca. 15.000 (2025) |
| Umsatz | 640 Mio. US-Dollar (2023/24) |
| Website | www.oyorooms.com |

Ende 2025 wurde berichtet, dass die OYO-Muttergesellschaft Oravel Stays sich in Prism umbenannt hat, um OYO künftig nur noch als Verbrauchermarke zu führen.[3]
Geschichte
OYO wurde ursprünglich 2013 als Oravel Stays in Gurugram gestartet und ging noch im Gründungsjahr unter dem Namen OYO (aus „On Your Own“) an den Markt.[1][4] Gründer Ritesh Agarwal (geb. 1993) hatte zuvor ein Semester abgebrochen, um seine Geschäftsidee zu verfolgen. Zunächst umfasste das Angebot nur ein einzelnes Hotel; innerhalb weniger Jahre expandierte OYO jedoch stark. Bereits 2014/15 erreichte OYO etwa 10.000 Zimmer in rund 100 Städten Indiens. 2015 ging die OYO App online.[5]
In der Folge ging OYO international auf Wachstumskurs. 2016 startete die Expansion nach Südostasien, beginnend mit Malaysia – dem ersten Markt außerhalb Indiens. 2017 führte OYO das Format OYO Townhouse (gehobene Economy-Hotels) ein. 2018 expandierte OYO nach Großbritannien sowie in weitere asiatische Märkte (China, Indonesien) und erwarb das betriebswirtschaftliche System „OYO OS“. 2019 trat OYO auch in den US-Markt, Europa und den Nahen Osten ein: Unter anderem wurde @Leisure (heute OYO Vacation Homes) für rund 360 Mio. € übernommen, um in 40 Ländern Ferienhaus-Vermietungen aufzubauen.[5] Im August 2019 tätigte OYO seine erste größere Investition in den Vereinigten Staaten, indem es in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Immobilienunternehmen Highgate das Hooters Casino Hotel in der Nähe des Las Vegas Strip für 135 Millionen Dollar erwarb.[6]
Oyo sammelte in mehreren Finanzierungsrunden Kapital für seine Expansion ein. Im September 2018 sammelte OYO etwa 1 Milliarde US-Dollar (Serie-E) ein – angeführt von SoftBanks Vision Fund, Lightspeed Venture und Sequoia – was die Unternehmensbewertung auf rund 5 Milliarden USD anhob.[7] Im Oktober 2019 folgte eine Serie-F über 1,5 Milliarden USD (davon etwa 700 Mio. USD vom Gründer selbst) bei einer Bewertung von circa 10 Milliarden USD.[8] Im Frühjahr 2019 investierte auch die US-Vermittlungsplattform Airbnb (gut 100–200 Mio. USD) in OYO und verknüpfte die Plattformen der beiden Unternehmen.[9]
Mit Einbruch der Reisetätigkeit während der COVID-19-Pandemie 2020 erlitt OYO erhebliche Rückschläge: Die Belegungsraten brachen ein, das Unternehmen musste weltweit tausende Stellen abbauen und Gewerbepartner klagten gegen vorab garantierte Umsätze.[1][10] Ende 2022 zählte OYO rund 3.700 Mitarbeiter und kündigte an, dass 10 % der Belegschaft abgebaut werden.[10]
Im Geschäftsjahr 2023/24 gelang erstmals ein Netto-Gewinn (₹229 Crore, etwa 27 Mio. EUR). Zudem expandierte OYO durch Übernahmen weiter: So erwarb OYO 2022 die europäische Direct-Booker-Plattform (3200 Ferienwohnungen) und 2024 die US-Hotelketten Motel 6 und Studio 6 vom US-Finanzinvestor Blackstone (für 525 Mio. USD) und erweiterte sein Portfolio in Nordamerika um 1500 Hotels.[11]
Unternehmensprofil
OYO betreibt ein auf Technologie basierendes Franchise- und Managementmodell für Unterkünfte. Das Unternehmen standardisiert Budget-Hotels, Apartmenthäuser und Ferienwohnungen: Es installiert einheitliche Betten, WLAN, Fernsehgeräte und Hygieneprotokolle, schult das Personal und sorgt über eine Buchungsplattform für Auslastung. Im Gegenzug sichert sich OYO Zugriff auf den gesamten Belegungs- und Zahlungsprozess. Gäste buchen ihre Zimmer über die OYO-App oder Partnerportale (etwa eigene Webseite, Airbnb, Booking.com etc.), wofür OYO entsprechende Gebühren erhebt. Das Geschäftsmodell von OYO wird häufig als „asset-light“ bezeichnet: Das Unternehmen besitzt selbst nur wenige Immobilien, vielmehr nutzt es vertragliche Partnerschaften und zum Teil auch Miet- oder Pachtverträge mit Hotelbetreibern. OYO erhebt typischerweise rund 20 % Provision auf den Zimmerpreis.[1][4] 2019 befand sich OYO laut eigenen Angaben auf Platz 3 der weltgrößten Hotelketten (gemessen an Zimmerzahl).[1]
Zu den wichtigsten Märkten gehören neben Indien Südostasien, die USA und China, aber auch der Nahe Osten und Europa (u. a. UK, Spanien, Frankreich, Deutschland).[1] Während sich OYO in Indien im Budget- und mittleren Segment positioniert, zielt es international auch auf Nischenmärkte. So gibt es OYO-Programme für Langzeitvermietung (OYO Life), Ferienwohnungen (OYO Vacation Homes) und Co-Working-Spaces (OYO Workspaces) sowie integrierte Angebote für Unternehmen. Alle Geschäftsaktivitäten werden über die Dachgesellschaft Prism (früher Oravel Stays) gesteuert.
Marken
Unter dem OYO-Dach operieren mehrere Marken für unterschiedliche Segmente und Services:
- OYO Rooms/OYO Hotels – Standard-Budget-Hotels und Zimmer für private Reisende (das Kerngeschäft).
- OYO Townhouse – Midscale-Hotels in attraktivem Design, speziell für Reisende, die mehr Komfort wünschen.
- OYO Vacation Homes – Unterkunftsverwaltung für Ferienhäuser und -wohnungen. Entstand aus Übernahmen und vereint mehrere europäische Portale für Ferienwohnungen (Belvilla, Traum-Ferienwohnungen, DanCenter etc.).
- OYO Home – Plattform für private Ferien- und Kurzzeitwohnungen (vergleichbar mit Airbnb).
- OYO Life (ehem. OYO Living) – Vollständig möbliertes Wohnen auf Zeit für Langzeitmieter (z. B. Berufseinsteiger)-
- SilverKey – Economy-Kettenhotels für Geschäftsreisende.
- Sunday Hotels – Luxushotels der Vier- bis Fünf-Sterne-Kategorien
- Capital O – Hotels im mittleren Preissegment, gebucht vor allem von Firmenkunden und Vielreisenden (2019 eingeführt).
- Collection O – Budget-Hotels mit Fokus auf business-orientierte Gäste.
- Palette Hotels & Resorts – gehobene Freizeit- und Ferienresorts (gehobenes Segment)
Investoren
Zu den größten Geldgebern zählen insbesondere SoftBank (Vision Fund), Lightspeed Venture Partners, Sequoia Capital, Greenoaks Capital, Peak XV Partners (TPG) und der Gründer Ritesh Agarwal selbst (über RA Hospitality Holdings). Weitere Investoren sind u. a. die US-Plattform Airbnb, die asiatischen Mobilitätsunternehmen Grab und Didi Chuxing sowie Staatsfonds (u. a. Khazanah). SoftBank hält nach TechCrunch-Angaben mehr als 40 % an OYO (Stand 2024). Die jüngsten Verhandlungen (2024) deuteten auf eine neu verhandelte Bewertung von nur noch ca. 2,5–3 Milliarden USD hin, nachdem das Unternehmen zwischenzeitlich mehr als 10 Milliarden Dollar wert gewesen war.[12] 2021 war ein Börsengang geplant, der jedoch 2024 zum zweiten Mal scheiterte.[13]
